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Ahasveru Offline

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20.10.2005 16:23
Hirntumoren antworten

Hirntumoren

Der Hirntumor kann bei Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen auftreten, am häufigsten zwischen dem fünften und zehnten Lebensjahr. Die Gefährlichkeit des Tumors hängt im wesentlichen von seiner Lage und Größe im Gehirn ab.


Hirntumoren

Hirntumoren sind Geschwülste, die durch überschießendes Wachstum einer Zellart innerhalb des Gehirns entstehen. In Deutschland erkranken 8-10 Personen von 100.000 jährlich daran, vor allem Kinder bis zum 10. und Erwachsene vom 60.-75. Lebensjahr. Hirntumoren machen nur 1% der Krebserkrankungen beim Erwachsenen, jedoch 20% der Krebserkrankungen im Kindesalter aus.

Man kann sie nach ihrem Wachstumsverhalten (gutartig bzw. bösartig), dem Ursprung der Zellen (primäre Hirntumoren oder Absiedlungen, Metastasen genannt) und dem Zelltyp einteilen. Die Symptome sind vielfältig und hängen von der betroffenen Hirnregion ab. Am häufigsten sind Kopfschmerzen, epileptische Anfälle und Wesensveränderungen. Beim Krankheitsnachweis stehen bildgebende Verfahren (Computer- und Magnetresonanztomographie) im Vordergrund. Die Therapie erfordert die Zusammenarbeit mehrerer Fachrichtungen und besteht aus neurochirurgischer Operation (wenn möglich!), Bestrahlung und seltener auch einer Chemotherapie. Die Prognose ist von der Lage des Tumors abhängig und damit von seiner Operabilität sowie vom Wachstumsverhalten der Tumorzellen.

Bei langsamem Tumorwachstum können bestimmte Hirnfunktionen von anderen, nicht beeinträchtigten Hirnarealen übernommen werden. Dies ist aber nur in begrenztem Umfang möglich. Dieser begrenzte "Übernahmemechanismus" erklärt, warum manchmal sehr große Hirntumoren (z.B. Meningeome) lange Zeit keine Beschwerden beim Patienten verursachen.

Definition

Hirntumoren sind Raumforderungen im zentralen Nervensystem (ZNS) und entstehen aus dessen Gewebe oder aufgrund einer Absiedlung von Tumoren anderer Organe. Unter dem ZNS versteht man das Gehirn und das Rückenmark. Neben dem ZNS gibt es noch das periphere und das autonome Nervensystem. Als peripheres Nervensystem werden Nerven außerhalb des ZNS bezeichnet, wie z.B. die sensiblen und motorischen Nerven. Das autonome Nervensystem besteht aus den antagonisierenden Anteilen Sympathikus und Parasympathikus, welche die inneren Organe stimulieren.

Während man umgangssprachlich ganz allgemein von "Hirntumoren" spricht, unterscheidet der Arzt zwischen hirneigenen Tumoren und Metastasen. Metastasen sind Tochtergeschwülste von Tumoren, deren ursprünglicher Herd außerhalb des Gehirns entstanden ist. Sie enthalten daher auch kein Nervengewebe. Einzelne derartige Tumorzellen gelangen über den Blutkreislauf oder über das Hirnwasser (Liquor) in das Gehirn und siedeln sich dort als Tochtergeschwulst ab. In besonderen Fällen kann aber auch ein hirneigener Tumor Metastasen innerhalb des Gehirns oder im Rückenmark absiedeln. Die Diagnose "Hirnmetastase" verschlechtert die Prognose einer Tumorerkrankung an einer anderen Körperregion entscheidend, da eine Hirnmetastase in der Regel die Überlebenszeit des Patienten stärker begrenzt, als der ursprüngliche Primärtumor. Zu den besonders häufig in das Nervensystem metastasierenden Tumoren gehören Brust-, Lungen-, Nieren und "schwarzer" Hautkrebs. Am Ort ihrer Absiedlung im Gehirn wachsen die Tochtergeschwülste dann ebenso ungehemmt wie der "Muttertumor". Hat bereits eine Absiedlung ins Gehirn stattgefunden, so werden häufig auch an anderer Stelle im Körper Metastasen gefunden. Deshalb muss der ganze Körper in die Tumorsuche einbezogen werden.

Unter dem Begriff hirneigener Tumor versteht man eine Geschwulst, die aus entarteten Zellen des Hirngewebes entsteht. Hirntumoren unterscheiden sich untereinander bezüglich verschiedener Merkmale. Auch die Prognose der Tumorerkrankungen des Gehirns ist sehr unterschiedlich.

Einteilung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die hirneigenen Tumoren einzuteilen. Eine Möglichkeit berücksichtigt die Gewebeart. So gibt es neben Tumoren der Hirnnerven bzw. Hirnhäute beispielsweise solche aus Fettgewebe, Lymphozyten, Keimzellen oder dem eigentlichen Hirngewebe (z.B. Astrozytome). Auch Mischtumoren können existieren. Die häufigsten hirneigenen Geschwülste sind die Astrozytome und Meningeome. Seltener sind Oligodendrogliome, Ependymome, Medulloblastome und Lymphome. Alle übrigen Tumorarten sind sehr selten.

Zur Beurteilung der Prognose ist eine weitere Einteilung wichtig: die in gut- und bösartige Hirntumoren. Hier seien die wichtigsten Erkrankungen genannt:

Gutartige Hirntumoren

* Kraniopharyngeome
* Meningeome
* Neurinome; Bsp. Akustikusneurinom
* Hypophysenadenome
* Niedriggradige Astrozytome (pilozytisch, fibrillär)

Bösartige Hirntumoren

* anaplastische Astrozytome, Glioblastome
* Oligodendrogliome
* Medulloblastome
* Ependymome
* Lymphome
* Melanome

Manche Hirntumoren (z.B. Gliome) haben die Eigenschaft, ihr Verhalten im Verlauf der Erkrankung zu verändern. Sie können zunächst als gutartige, langsam wachsende Geschwülste auftreten, im weiteren Verlauf jedoch zum bösartigen Tumor entarten.

Einteilung nach WHO-Grad

Unter dem Mikroskop bestimmt der Pathologe den Tumortyp. Aussagen über die Gut- oder Bösartigkeit eines Tumors sind nicht zuletzt über sein Wachstum möglich. So gibt es z.B. innerhalb der Oligodendrogliome differenzierte und bösartigere Varianten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat daher eine Einteilung in vier verschiedene Tumorgrade vorgeschlagen:

* WHO-Grad I (gutartig)
* WHO-Grad II (noch gutartig)
* WHO-Grad III (bereits bösartig)
* WHO-Grad IV (bösartig)

Dabei entspricht der WHO Grad I einem gutartigen, langsam wachsenden Tumor mit günstiger Prognose. Bei einer Geschwulst mit WHO Grad IV handelt es sich dagegen um einen besonders bösartigen und schnell wachsenden Tumor mit entsprechend ungünstiger Prognose. Diese Einteilung spielt auch eine ausschlaggebende Rolle für die Behandlungsplanung. So werden in der Regel Tumoren mit dem WHO Grad I und II oft über viele Jahre beobachtet und erst bei erneutem Wachstum operiert. Dagegen wird bei Geschwülsten der WHO Grade III und IV nach der Operation zusätzlich eine Bestrahlung und/oder eine Chemotherapie durchgeführt.

Hirntumoren im Kindesalter

Hirntumoren des Kindes unterscheiden sich von Tumoren des Erwachsenenalters deutlich. Unter den tumorkranken Erwachsenen leidet etwa 1% an einem Hirntumor, bei Kindern sind es etwa 20%. Bösartige Tumorerkrankungen im Kindesalter haben eine - im Vergleich zum Erwachsenenalter - allgemein günstigere Überlebensprognose. Die 5-Jahres-Überlebensrate tumorkranker Kinder liegt bei etwa 70%. Bei den Tumoren des ZNS im Kindesalter hat sich die Überlebensrate in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich verbessert und liegt z.B. bei den bösartigen Medulloblastomen über 70%.

Zu den typischen Tumoren des Kindesalters, die beim Erwachsenen selten auftreten, zählen:

* Niedrigmaligne Astrozytome (ca. 35%; gutes 10-Jahres-Überleben von 70-90% nach kompletter Tumorentfernung)
* Medulloblastom (ca. 20% aller Hirntumoren im Kindesalter)
* Ependymom (ca. 8-9%)
* Kraniopharyngeome (ca. 6-9%)
* Interkranielle Keimzelltumoren (ca. 6%)
* Hochmaligne Astrozytome (ca. 5 %)
* Supratentorielle PNET (ca. 5%)

Ursachen

Die Ursachen und der Entstehungsmechanismus sind nicht gut geklärt. Diskutiert wird als Auslöser z.B. die berufliche Exposition mit bestimmten chemischen Substanzen (Pestizide, Herbizide, Petrochemie). Auch für den immer wieder vermuteten Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Schädel-Hirn-Verletzungen gibt es keine überzeugenden Hinweise; ebenso wenig zwischen Hirntumoren und Elektrosmog, Stress, außergewöhnlichen seelischen Belastungen, Infektionen oder Impfungen.

Einzig bei der Strahlentherapie des kindlichen Hirnschädels (z.B. bei einer akuten Leukämie oder bei bösartigen Augentumoren) steigt das Risiko für einen späteren Hirntumor schon bei geringen Strahlendosen merklich an. In Folge eines genetischen Defektes treten bei der erblichen Neurofibromatose (Morbus Recklinghausen) häufiger Hirntumore auf. Andere, ebenfalls genetisch bedingte Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für einen hirneigenen Tumor einhergehen, sind sehr selten.

Symptome

Raumforderungen im Gehirn verursachen vielfältige und mehrdeutige Beschwerden. Der knöcherne Hirnschädel setzt der Ausdehnung eines Tumors dabei enge Grenzen: Wächst ein Tumor rasch (Bsp. Hirnmetastasen), so treten Beschwerden relativ frühzeitig auf. Indirekte Hinweise - auch auf die Lage des Tumors - geben Symptome, die auf dem Ausfall von Hirnnerven bzw. Hirnregionen beruhen wie Lähmungen, Seh-, Sprach- und Koordinationsstörungen. Auch aus Krampfanfällen lässt sich ggf. auf den Ort der Raumforderung schlussfolgern.

Hirneigene Tumoren machen sich oft durch uncharakteristische Symptome bemerkbar: in der Häufigkeit zunehmende Kopfschmerzen, wiederkehrende Übelkeit mit Erbrechen, allmähliche Wesensveränderungen und zunehmende Vergesslichkeit. Gerade Letztere wird nicht selten nur von den Angehörigen bemerkt. Bei langsam wachsenden Tumoren können auch Krankheitsanzeichen fehlen bzw. sehr spät auftreten.

Kopfschmerzen

Das häufigste und erste Symptom ist in der Regel der Kopfschmerz. Bei Tumorkopfschmerzen gibt es jedoch einige Besonderheiten. Das durchblutete Gewebe um die Hirntumoren herum ist angeschwollen. In der Nacht befindet sich, bedingt durch die liegende Position, ein höheres Blutvolumen im Kopf als am Tag. Eine Hirnschwellung nimmt deshalb im Laufe der Nacht zu. Durch den Druck im Gehirn führt dies typischerweise zu nächtlichen Kopfschmerzen, die sich am Tage wieder bessern. Begleitet werden diese Kopfschmerzen regelmäßig von Übelkeit und von Erbrechen. Tumorbedingte Kopfschmerzen werden zudem innerhalb kürzester Zeit stärker. Normale Kopfschmerztabletten helfen fast gar nicht. Der Patient erlebt die Kopfschmerzen teils auch anders, als harmlose, gelegentliche Kopfschmerzen.

Krampfanfälle

Etwa jeder vierte Patient mit einer Raumforderung im Gehirn leidet unter Krampfanfällen. Krampfanfälle sind unkontrollierte, krankhafte Entladungen einzelner Nervenzellen, die auf die Nachbarzellen überspringen. Man unterscheidet zwischen fokalen und generalisierten Krampfanfällen. Bei fokalen Anfällen beschränken sich die Nervenentladungen auf einen bestimmten Hirnbezirk. Je nach Hirnbezirk sind die Symptome unterschiedlich. Der Patient kann Zuckungen einer Körperhälfte, eines Arms oder eines Beins haben, er kann plötzlich einschlafen, ganz komplexe Bewegungen machen oder mitten im Gespräch für Sekunden stocken. Diese Handlungen geschehen unbewusst und werden nachher nicht mehr erinnert (Amnesie). Gelegentlich kündigt sich ein Anfall dem Patienten vorher an, etwa durch Geschmacks- oder Geruchshalluzinationen.

Generalisierte Nervenentladungen breiten sich über weite Hirnbereiche aus. Sie können z.B. durch Zuckungen der Gliedmaßen oder eine plötzliche Abwesenheit, die nur den Angehörigen auffällt, eingeleitet werden. Die Zuckungen hören meist spontan nach wenigen Minuten auf. Es kann aber auch zu einer Ausbreitung der "Krampftätigkeit" im Gehirn kommen: Der Patient wird bewusstlos, stürzt auf den Boden, beißt sich auf die Zunge und nässt ein. Häufig haben die Betroffenen Schaum vor dem Mund. Dieser Zustand der Bewusstlosigkeit kann durch Verletzungen beim Sturz oder durch Verschlucken von Erbrochenem lebensbedrohlich werden. Anders als bei den fokalen Anfällen lässt sich beim tumorbedingten generalisierten Anfall nicht auf die Lokalisation des Herdes schließen.

Wesensveränderungen

Speziell Tumoren in der Stirnregion führen zu Veränderungen der Persönlichkeit, zu Störungen des Verhaltens und des Antriebs und zu einer Verstärkung oder Akzentuierung von spezifischen Persönlichkeitsmerkmalen. Diese Persönlichkeitsveränderungen verlaufen oft schleichend und werden deshalb selbst von Angehörigen des Erkrankten nicht immer bemerkt. Zudem können sich diese Veränderungen innerhalb der normalen Variationen des Verhaltens bewegen. Zu diesen auffälligen Änderungen im Verhalten zählen u. a. Teilnahmslosigkeit, rasche Erregbarkeit bis hin zur Aggressivität. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die genannten Wesensveränderungen weit häufiger eine psychische Erkrankung zur Ursache haben.

Diagnose

Bei Verdacht auf einen Hirntumor steht dem Arzt neben der Befragung und Basisuntersuchung eine ganze Reihe von bewährten und modernen Methoden zur Verfügung. Eine herausragende Bedeutung haben heutzutage die Schnittbildverfahren, die Computer- und Magnetresonanztomographie. Ergänzt werden sie durch Zusatzanalysen wie die Untersuchung von Hirnwasser (Liquor) und Blut, die Messung elektrischer Potenziale der Nerven (Elektro-Enzephalogramm, insbesondere bei Krampfanfällen) eine Darstellung von Hirngefäßen mit Hilfe einer Röntgenanlage (Angiographie), usw. Einige Untersuchungsmethoden werden hier kurz erläutert.

Computertomographie

Der Computertomograph ist ein Gerät zur Aufnahme von Schnittbildern des menschlichen Körpers mit Hilfe von Röntgenstrahlen. Durch die Erstellung von Querschnittsbildern können, im Gegensatz zur konventionellen Röntgenaufnahme, überlagerungsfreie Bilder des Körpers gewonnen werden. Weichteile werden mit höherem Kontrast als bei einer Röntgenaufnahme dargestellt, weshalb sich die Computertomographie (CT) zur Untersuchung des Gehirns eignet. Durch die Verabreichung eines jodhaltigen Kontrastmittels kann die Spezifität der Untersuchung noch gesteigert werden. Das Kontrastmittel tritt bei krankhaften Veränderungen in das Hirngewebe und kann so mittels CT nachgewiesen werden. Zur Auffindung von Hirntumoren ist eine Kontrastmitteluntersuchung daher unerlässlich. Es gibt jedoch Einschränkungen: Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion, einer Fehlfunktion der Nieren, einer mit bestimmten Medikamenten behandelten Zuckerkrankheit oder einer Jodallergie können diese Kontrastmittel nicht ohne Vorbereitung und Vorsichtsmaßnahmen erhalten. Die Strahlendosis einer CT entspricht ungefähr zwei konventionellen Röntgenaufnahmen des Schädels. Die reine Untersuchungszeit beträgt nur wenige Minuten..

Magnetresonanztomographie

Die Magnetresonanztomographie (MRT) als weiteres Schnittbildverfahren hat mittlerweile die herausragende Bedeutung bei der Hirntumordiagnostik. Sie wird auch als Kernspintomographie bezeichnet. Die Besonderheit gegenüber dem CT besteht darin, dass Schnittbilder in jeder beliebigen Ebene des Raumes erfasst werden können. Außerdem ist keine Röntgenstrahlung notwendig. Auf dem Gebiet der Hirndiagnostik ist die MRT in bestimmten Bereichen der CT überlegen. Das betrifft besonders die höhere Empfindlichkeit bei kleinen Veränderungen. Ähnlich der CT kann man zur Kontraststeigerung zwischen krankem und gesundem Gewebe Kontrastmittel, allerdings aus Gadolinium, einsetzen. Im Vergleich zu jodhaltigen Substanzen sind sie wesentlich unkritischer. Die Untersuchungszeit ist deutlich länger als im CT, etwa eine halbe bis zu einer Stunde. Bewegt sich der Patient dabei, kommt es zu Bildstörungen. Patienten mit implantierten elektronischen Geräten (Herz-, Nervenschrittmacher oder Medikamentenpumpen) oder magnetischen Metallfremdkörpern dürfen nicht untersucht werden. Die erforderlichen Hochfrequenzimpulse können zur Störung dieser Geräte oder zu einer Lageveränderung von metallischen Fremdkörpern führen

Liquorpunktion

Manche Hirntumoren haben die Eigenart, einzelne Zellen in das Hirnwasser (Liquor) zu entlassen. Hierzu gehören das Medulloblastom, das Lymphom oder das Ependymom. Über den Liquor können die Tumorzellen fortgespült werden und an anderer Stelle Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Hirnwasser lässt sich einfach gewinnen: über eine so genannte Liquorpunktion mit einer feinen Kanüle in Höhe des 4. oder 5. Lendenwirbels.

Um eine Therapie zu planen, müssen Tumorart und -grad bekannt sein. Zu diesem Zweck wird eine Gewebeprobe entnommen (sog. Biopsie) und untersucht. Je nach Lage des Tumors kann die Probe durch eine offene Operation oder durch ein kleines Bohrloch erfolgen. Manchmal gelingt auch primär eine weitestgehende Entfernung des Tumors.

Therapie

Die chirurgische Entfernung eines Hirntumors hat vor anderen Behandlungsmethoden den Vorrang - solange dies technisch möglich und medizinisch sinnvoll ist. In Sonderfällen ist auch eine kombinierte Radio-Chemotherapie bedeutsam, z.B. bei Lymphomen im Gehirn.

Operation

Neben der Art und dem Grad des Tumors spielen auch seine Lage und Größe eine Rolle. Ein Tumor im Bereich des Stammhirns kann z.B. nicht ohne Weiteres operiert werden, weil hier lebenswichtige Hirnareale wie das Atemzentrum liegen. Das gilt auch für gutartige Tumoren. Andererseits kann eine einzelne, oberflächlich gelegene Hirnmetastase vom Neurochirurgen vollständig und schonend entfernt werden. Auch Meningeome, Neurinome, niedriggradige Gliome, Ependymome oder Hypophysenadenome werden meist operiert, sofern sie nicht ungünstig lokalisiert oder sehr ausgedehnt sind. Nebenwirkungen sind bei Hirnoperationen selten (z.B. nervlich bedingte Einschränkungen). Prinzipiell unmöglich ist eine radikale Operation bei bösartigen, diffus ins Hirngewebe einwachsenden Tumoren. Dies ist unter anderem beim Glioblastom und den meisten Astrozytomen ab WHO-Grad II der Fall. Das Ziel der Operation ist in diesen Fällen nur eine Verkleinerung der Tumormasse. So kann der Hirndruck gemindert, eine drohende Behinderung des Liquorabflusses oder die Bedrängung anderer Hirnstrukturen vermieden werden. Die verbleibenden Tumorzellen müssen anschließend mit einer Strahlentherapie und/oder einer Chemotherapie weiterbehandelt werden. Schmerzlinderung und Lebensqualität des Patienten stehen dabei im Vordergrund.

Bestrahlung

Ein weiteres, wichtiges Verfahren ist die Behandlung mit ionisierenden Strahlen. Je nach Ausgangsbefund können sie heilen, die Therapie unterstützen (z.B. beim Astrozytomen/Glioblastomen ) oder die Beschwerden lindern (bei Metastasen oder ausgedehnten tumorbedingten Hirnödemen). Gut sauerstoffversorgte Gewebe sind wesentlich strahlenempfindlicher als sauerstoffarme. Durch Erhöhung der Temperatur auf 40-44 °C (Hyperthermie) oder die Applikation bestimmter Medikamente (Radiosensitizer) kann die Strahlensensibilität erhöht werden. Die hohe Strahlenempfindlichkeit mancher Tumoren erklärt sich u.a. aus der raschen Zellteilung. Tumorzellen können außerdem Strahlenschäden schlechter kompensieren bzw. reparieren als gesundes Gewebe. Die bei der Therapieplanung vorgesehene Strahlendosis wird nicht in einer einzigen Sitzung verabreicht. Dies wäre mit zu großen Nebenwirkungen verbunden. Stattdessen werden kleinere Einzeldosen über einen längeren Zeitraum - mehrere Wochen - verabreicht. Als häufigste Nebenwirkung verstärkt sich vorübergehend die Schwellung des Hirngewebes, welches den Tumor umgibt. Weitere akute Nebenwirkungen sind: ein begrenzter Haarausfall, der sich wieder bessert, evtl. eine leichte lokale Hautreizung im Strahlenfeld, vermehrte Müdigkeit, allgemeine Erschöpfung, leichte Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. Chronische (langdauernde) Nebenwirkungen sind selten.

Im Gegensatz zur konventionellen Strahlentherapie kann man die geplante Strahlendosis auch einmalig verabreichen. Dieses Vorgehen stellt sehr hohe Anforderungen an die Präzision der Planung und der Therapiedurchführung. Man spricht in diesem Fall von Radiochirurgie bzw. stereotaktischem Verfahren. Die Bestrahlung selbst kann sowohl mit einem Linearbeschleuniger als auch mit einem speziellen Cobalt-Gerät ("Gamma-knife") durchgeführt werden.

Chemotherapie

Eine Chemotherapie kann gegenwärtig nur bei wenigen Tumorarten erfolgreich eingesetzt werden. Ein Beispiel hierfür sind Lymphome des Gehirns. Dabei können die Wirksubstanzen sowohl über die Vene (intravenös) als auch über eine Lumbalpunktion in den Liquor hinein verabreicht werden. Bei Hirntumoren des Kindesalters spielt die Chemotherapie eine zunehmend bedeutendere Rolle. Das kindliche Gehirn ist insbesondere bei jungen Kindern wegen der noch nicht abgeschlossenen Gewebedifferenzierung sehr empfindlich gegenüber einer Bestrahlung: Neben Funktionsausfällen des Gehirns, Entwicklungsstörungen und einer Intelligenzminderung besteht auch das Risiko, einen Zweittumor zu entwickeln. Deshalb wird versucht, die Strahlendosis gering zu halten oder sogar ganz auf eine Bestrahlung zu verzichten. Eine Kombination aus Chemotherapie in Verbindung mit einer Operation und der Strahlentherapie wird bevorzugt.

Gentherapeutische und immuntherapeutische Verfahren werden derzeit in zahlreichen Zentren entwickelt und wissenschaftlich untersucht. Alle Verfahren sind bisher jedoch nur experimentell.


Verlauf

Bei jeder Tumorerkrankung muss auch nach einer radikalen Operation jederzeit mit einem erneuten Aufflammen der Erkrankung gerechnet werden. Das Wiederauftreten des Tumors hat erhebliche Konsequenzen für die Prognose. Deshalb ist es wichtig, ein solches Rezidiv möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Nach dem Abschluss der Therapie werden mit dem Patienten deshalb regelmäßige Untersuchungstermine vereinbart.

Fahrtauglichkeit

Gemäß einer Richtlinie des Bundesministeriums für Verkehr gilt nach einer Hirnoperation zunächst ein Fahrverbot. Über die Dauer des Fahrverbots muss der behandelnde Arzt unter Berücksichtigung der einzelnen Empfehlungen dieserRichtlinie entscheiden. Die Fahrtüchtigkeit kann aufgrund einer Beeinträchtigung der Hirneistungsfähigkeit, aufgrund von Sehstörungen oder aufgrund von epileptischen Anfällen vorübergehend oder dauerhaft eingeschränkt sein.

Vorbeugen

Allgemeine vorbeugende Maßnahmen sind nicht bekannt. Generell sollten unnötige Strahlung (v.a. bei Kindern) und Chemikalien gemieden werden. Eine gesunde Lebensweise - abwechslungsreiche, fettarme Ernährung, Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie regelmäßiger Sport - unterstützt die Körperabwehr und kann das allgemeine Krankheitsrisiko senken.


Informationsquelle: http://www.onmeda.de/krankheiten/hirntumoren.html

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