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Validation - ein "neuer"(?) Weg bei der Begleitung dementer alter Menschen (Wahlvortrag im Fach Kommunikationspsychologie) Als mir das Wort Validation zum erstenmal in einer Altenpflegezeitschrift begegnete, dachte ich zuerst, was hat die Finanzbuchhaltung mit der Altenpflege zu tun. Bis dahin hatte ich lediglich diverse Schecks oder Wechsel valutiert. Validieren heisst anerkennen, für gültig erklären. In der Altenpflege bekommt dieses Wort nun eine völlig neue Bedeutung: Wertschätzung des alten Menschen, ihn anerkennen und akzeptieren wie er mir begegnet: dement, verwirrt, auf jeden Fall sehr alt und voller Emotionen, die er gerne mitteilen möchte. Die Bezeichnungen "dement, verwirrt, Alzheimer" gehen uns heutzutage flott über die Lippen, auch die Worte "Altersschwachsinn" oder "Hops" (hirnorganisches Psychosyndrom) sind immer noch im Sprachgebrauch. Können wir wirklich bei jedem alten Menschen der uns begegnet genau zuordnen wie "dement" er ist, welche Ursache die Demenz hat, ob Alzheimer Typ, seniler Typ oder ob vaskuläre Erkrankungen die Ursachen sind oder ob es sich überhaupt um eine Demenz handelt? - Es gibt auch dementielle Verhaltensweisen, die durch physische, psychische oder soziale Veränderungen im Leben des alten Menschen verursacht werden. Die WHO definiert Demenz wie folgt: "..erworbene globale Beeinträchtigung der höheren Hirnfunktionen einschliesslich des Gedächtnisses, der Fähigkeit, Alltagsprobleme zu lösen, der Ausführung sensomotorische und sozialer Fertigkeiten, der Sprache und Kommunikation sowie der Kontrolle emotionaler Reaktionen ohne ausgeprägte Bewusstseinstrübung. Meist ist der Prozess progredient (fortschreitend), jedoch nicht notwendigerweise irreversibel."(Symptome mind. 6 Monate anhaltend) Der niederländische Psychologe, Dr.Miesen, spricht von Demenz "..wenn die Verhaltensstörungen auf bestimmte, dauerhafte (Gewebe-)Veränderungen im Gehirn zurückzuführen sind.." Man unterscheidet primäre Demenzen, die durch eigenständige Hirnerkrankungen degenerativer oder vaskulärer Art hervorgerufen werden (Alzheimer, ausgeprägter Hirninfarkt oder mehrfach wiederholte kleine Hirninfarkte, auch Morbus Pick, Chorea Huntington oder Jaco-Creutzfeld) und sekundäre Demenzen die durch Krankheitsprozesse ausserhalb des Gehirns verursacht werden (Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen, Sauerstoffmangel, Intoxikationen, Traumen etc.) doch immer handelt es sich um Wahrscheinlichkeitsdiagnosen, die exakte Ursache lässt sich erst nach dem Tod bestimmen. Die Symptome der Demenzerkrankungen sind vergleichbar, in den Folgen jedoch individuell. Bei der DAT (Demenz vom Alzheimer Typ) wird der Verlauf der Krankheit mittlerweile in drei Stadien eingeteilt: 1. Stadium ca. 2-3 Jahre Zunehmende Gedächtnisstörungen besonders beim Kurzzeitgedächtnis, neue Eindrücke werden nicht mehr verarbeitet, es treten Alltagsprobleme auf, zunehmende Interesselosigkeit, die Fähigkeiten von Schreiben, Lesen u. Rechnen nimmt zusehends ab, Angstgefühle, Depressionen, Trugwahrnehmungen und Wahnvorstellungen treten auf. 2. Stadium ca. 2-3 Jahre Der Gedächtnisverlust steigert sich, z.B. alte Telefonnummern, Sprachstörungen, die Kommunikation beschränkt sich auf wenige Worte, Hilfestellung bei gewohnten Handlungsabläufen ist notwendig, Apathie und gleichzeitige motorische Unruhe (vor allem nachts), neurologische Symptome wie Gangunsicherheit, Parkinsonähnliche Symptome, Krampfanfälle, Schluckstörungen - jedoch guter Appetit, Inkontinenz, aber - Persönlichkeitsmerkmale bleiben erhalten. 3. Stadium ca. 6 Jahre nach Beginn Nichterkennen von Angehörigen, kein Sprachverständnis, praktische und motorische Handlungsabläufe sind nicht mehr möglich, der AZ ist herabgesetzt trotz ausreichender Nahrungsaufnahme, Bettlägerigkeit mit allen Konsequenzen, Tod meist durch akute Infektionen (Bronchopneumonie/Harnwegsinfekt...). Uns als Pflegepersonen ist eine genaue Zuordnung der Demenzursache kaum möglich und m.E. auch nicht erforderlich, da die Folgen einer Demenz individuell verschieden sind, abhängig von der Persönlichkeit des Verwirrten, von seiner Biographie und seiner Umwelt. Ich persönlich benutze lieber die Bezeichnung verwirrt, denn diese verwirrten alten Menschen befinden sich ständig in den Wirrungen ihres Lebens, mal in diesem Zeitabschnitt mal in jenem, ab und zu auch in der Gegenwart und unsere Kommunikation mit den "Verwirrten" ist davon abhängig, ob es uns gelingt zu erkennen, wo sie sich gerade befinden, oder wie Frau Richards sagte, wir müssen uns auf ihre Ebene begeben. Damit kommen wir zurück zum Thema Validation. Validation war für mich lange Zeit ein Reizwort, als im Mai 96 erstmals darüber gelesen habe, war ich begeistert, doch mit jedem neuen Artikel in der Altenpflege zu diesem Thema nahm meine Begeisterung ab, zumal ich zwischenzeitlich Kommunikationspsychologie gehört habe und entdeckte, dass Validation keineswegs die grosse Neuheit ist, wie die Damen Feil und Richards es so gerne propagieren. Erst jetzt bei der erneuten Beschäftigung mit diesem Thema ist es mir gelungen, meine Vorbehalten gegen die "Geschäftsfrauen" Richards und Feil in den Hintergrund zu schieben und so ist es mir möglich, die positiven Seiten der "Validation" aus meiner Sicht vorzustellen. Grundlage für die Validation sind die Erkenntnisse aus der Psychologie bzw. aus der Gesprächstherapie. Die Voraussetzungen für eine therapeutische Kommunikation lt. Carl Rogers, nämlich Kongruenz und Echtheit, unbedingte positive Wertschätzung und Einfühlungsvermögen, wie auch die Interventionsmöglichkeiten, die Rogers für die Gesprächstherapie aufzeigt (VEE=verbalisieren emotionaler eindrücke, paraphrasieren..) gelten auch für die Validation bzw. für den Umgang mit dementen alten Menschen. In ihrem Buch benennt die Begründerin der Validationsmethode, Naomi Feil, für die theoretischen Annahmen von Validation dreizehn Grundprinzipien, die von Psychologen wie Rogers, Freud, Maslow, Jung, Erikson, Penfield und anderen entwickelt wurden. zwei dieser Grundprinzipien stammen aus ihrer eigenen Feder: "Es gibt immer einen Grund für das Verhalten von desorientierten sehr alten Menschen" und "Jeder Mensch ist wertvoll - wie desorientiert er auch sein mag". In dem Altenpflegelehrbuch von Köther/Gnamm wird Validation wie folgt beschrieben: "Validation ist eine Methode der verbalen und nonverbalen Kommunikation für sehr alte, verwirrte Menschen, die man über kognitive Impulse, wie zum Beispiel ROT(Realitäts-Orientierungs-Training) nicht erreichen kann. Bei der Validation wird der emotionale Gehalt der Aussagen und des Verhaltens einer Person aufgegriffen und "validiert"(für gültig erklärt) ohne zu analysieren, zu bewerten oder zu korrigieren." Frau Feil geht davon aus, wie schon oben gesagt, dass alles Verhalten eine Bedeutung hat und dass jeder alte Mensch etwas aus seiner Vergangenheit noch zu bewältigen hat, das heisst es gibt jahrelang unterdrückte, nicht ausgelebte Gefühle. Um diese Gefühle zu bewältigen, kehrt der alte Mensch in die Vergangenheit zurück, durchlebt die unbewältigten Situationen immer wieder neu, findet jedoch in seiner gegenwärtigen Umwelt keine Anerkennung oder besser Erkennung, dass das Pflegepersonal damit beschäftigt ist, ihn mit ROT in die Gegenwart zurückzuholen, mit dem Erfolg, dass der alte Mensch sich ganz in sich zurückzieht und nur noch "vegetiert". Durch die Validationsmethode hilft die Pflegeperson dem alten Menschen, seine Gefühle auszudrücken, sie nimmt seine Gefühle war, spiegelt sie und zeigt so dem Betreffenden, dass sie ihn und seine Gefühle akzeptiert und wertschätzt. Validation lt. Feil ist "eine Entwicklungstheorie für sehr alte, mangelhaft orientierte und desorientierte Menschen, eine Methode ihr Verhalten zu kategorisieren, eine spezifische Technik, die diesen Menschen hilft, durch individuelle Validation und Validations-Gruppen ihrer Würde wiederzugewinnen." Ihre Ziele sind "Wiederherstellen des Selbstwertgefühls, Reduktion von Stress, Rechtfertigung des gelebten Lebens, Lösen unausgetragener Konflikte aus der Vergangenheit, Reduktion chemischer und physikalischer Zwangsmittel, Verbesserung der verbalen und nonverbalen Kommunikation, Verhindern eines Rückzugs in das Vegetieren, Verbesserung des Gehvermögens und des körperlichen Wohlbefindens.". Nicole Richards hat diese Methode aufgegriffen und um sich von Frau Feil abzusetzen, nannte sie ihre Methode "Integrative Validation". Sie will die Validation nicht als besondere Methode verstanden wissen sondern: .."Alle diese Formen des täglichen Umgehens und Arbeitens mit verwirrten älteren Menschen können aber auch mit einer validierenden Grundhaltung angeboten werden, so dass sich ein breitangelegter "Integrativer Validierender Ansatz" (IVA) entwickelt....". Für den Verlauf einer erfolgreichen Validation nennt Frau Richards folgende Punkte: * grundsätzliche Ausgangsüberlegung: Was ist das dahinterliegende Gefühl? * dieses Gefühl validieren (zulassen, akzeptieren, annehmen, wertschätzen) * das diesem Gefühl zugehörende Verhalten bestätigen * die verwirrten Gefühls- und Verhaltensäusserungen weder korrigieren noch abschwächen, wegnehmen oder in "unsere Realität" zurückholen. Die Methoden der beiden Damen unterscheiden sich kaum, vielleicht sieht Frau Feil die Validation eher als Therapie und für Frau Richards ist Validation Teil der täglichen Pflege. Zusammenfassend kann ich sagen, dass Validation, ob nach Feil oder nach Richards, eine sehr hilfreiche Methode sein kann, um den Umgang mit alten verwirrten Menschen zu erleichtern. Wenn zum Beispiel eine alte Dame tagtäglich den Inhalt ihres Kleiderschrankes im Zimmer verteilt, hilft es nicht, wenn ich ihr erkläre, dass das Zimmer unordentlich ist, die Wäsche schmutzig wird oder sie über die verstreute Kleidung stolpern kann. Aber vielleicht kann ich über die Validationsmethode herausfinden warum sie das tut und langfristig sogar erreichen, dass sie damit aufhört. Die Möglichkeiten der Fehlinterpretation sind natürlich gross, ich kann nicht immer unterscheiden ob es sich um ein heute geäussertes Gefühl aus der Vergangenheit handelt oder um ein aktuelles Gefühl. Jeder alte Mensch ist anders, jede Pflegeperson ist anders, ich kann bei der Betreuung verwirrter alter Menschen keine allgemein gültigen Regeln aufstellen, wie ich mich wann in welcher Situation verhalten soll. Das augenscheinlich gleiche Verhalten mehrerer Menschen kann vielfache und unterschiedliche Ursachen haben. Validation ist eine von vielen Methoden, das Wohlbefinden der dementen/verwirrten Person zu fördern bzw. zu erhalten. Validation ist keine Allheilmethode, die man auswendig lernt und anwendet. Es hängt von meinem Einfühlungsvermögen ab, ob ich dem alten verwirrten Menschen in "seiner Realität" näher komme, ob er mich akzeptiert, mir vertraut, mir seine Gefühle zeigt. Es hängt von meinem Verhalten dem anderen gegenüber ab, ob er für mich ein Mensch ist mit seiner ganzen Vergangenheit, mit seiner Würde und mit seinem Recht auf Persönlichkeit, ob ich Respekt und Achtung vor ihm habe. Carl Rogers hat das etwas besser formuliert: "Nach unserer Erfahrung ist ein Berater, der versucht, eine Methode anzuwenden, zum Misserfolg verurteilt, solange diese Methode nicht mit seinen eigenen Grundeinstellungen übereinstimmt.". Literatur: "Validation", Naomi Feil, 3.Auflage 1992 "IVA-Script" Nicole Richards, 1997 "Dementielle Hirnerkrankung im Alter", W.Meier-Ruge(Hrsg), 1993 "So blöd bin ich noch lange nicht!", Dr. Bère Miesen, 1992/1996 "Altenpflege in Ausbildung und Praxis", Ilka Köther/Else Gnamm, 1995 "Altenpflege" Vincentz Verlag, diverse Ausgaben 1994-1997 "Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie", Carl R. Rogers, 1951/1996 (c) Copyright Heidi Lachnitt(hl) Informationsquelle: http://www.h-lachnitt.de/AltenpflegeValidation.html
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