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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 1.847 mal aufgerufen
 zum Thema Hospizarbeit/Sterbebegleitung
panterra Offline


Beiträge: 2

19.10.2005 18:12
wie begleitet ihr den sterbenden antworten

Mich interessiert wie ihr bei den Sterbenden die Begleitung durchführt???????? Ich dachte da an basale Stimulation,gegebenfalls Duftkerzen Aromatherapie oder begleitende Musik. Habe irgendwie keinen richtigen Plan um es dem Betroffenden in solch Situation angenehm zu gestallten. Ich bin in einem Altenheim beschäftigt, wo natürlich 2 Bettzimmer sind. Wenn dort nun ein Bewohner im sterben liegt und ich dies durchführe könnte es doch der/dem Mitbewohner sehr unangenehm sein dies alles mitzubekommen. HHHHMMMM!!!????
Danke erstmal für eure Tips und Antworten.

Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

19.10.2005 18:34
#2 RE: wie begleitet ihr den sterbenden antworten

Hallo panterra,:)

Vorab: Es gibt in und auch bei der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen nicht die Begleitung. Jedes menschliche Leben ist einmalig und individuell, jedes Sterben auch. Daher ist Deine Frage an uns, wir wir eine Begleitung durchführen, zu pauschal gestellt.

In Antwort auf:
Habe irgendwie keinen richtigen Plan um es dem Betroffenden in solch Situation angenehm zu gestallten.

Es dreht sich bei der Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in keinster Weise darum, das Du einen Plan hast, was zu tun ist oder wie das abzulaufen hat. Vorrangig ist in erster Linie, was der Patient sich wünscht und welche Bedürfnisse er / sie hat. Das heisst, der Patient steht im absoluten Vordergrund, seine Würde und Autonomie sind zu respektieren und zu achten.

Wenn Du Dir über Formen der Bedleitung Gedanken machst, sprich also primär zuerst einmal mit dem / der Patienten / in selbst, dann mit der Pflegedienstleitung oder einem anderen Verantwortlichen wie auch gegebenenfalls vorhandenen Angehörigen, welche ein Recht, aber auch die Pflicht haben, über bestimmte Formen einer Sterbebegleitung mit zu entscheiden.

In Antwort auf:
Ich bin in einem Altenheim beschäftigt, wo natürlich 2 Bettzimmer sind. Wenn dort nun ein Bewohner im sterben liegt und ich dies durchführe könnte es doch der/dem Mitbewohner sehr unangenehm sein dies alles mitzubekommen.

Die Antwort hierzu steht ebenso oben.

Hoffe, ich konnte behilflich sein,:)

Gruss,:)

Ahasveru


panterra Offline


Beiträge: 2

19.10.2005 18:54
#3 RE: wie begleitet ihr den sterbenden antworten

Das mit den eigenen Wünschen ist mir mehr als bewußt. In unserem Heim fehlte bisher eine Sterbebegleitung. Sicher haben wir Schwestern uns mal 10-15min genommen und einen Moment ans Bett gesetzt, aber das eben nur wenn die Zeit da war. Wir haben natürlich sehr viel Bewohner mit einer Demenz, die mir sicher über solche Fragen keine Auskunft mehr geben können. Wenn ich Angehörige über soetwas befrage, erhalte ich meist nur simple Antworten wie z.B. Über soetwas haben wir mit Oma/Opa nie gesprochen, oder...Ich weiß doch nicht was meine Mutter in der Situation für Bedürfnisse hat usw. Deshalb also diese Frage von mir.
Danke für die schnelle Antwort.

Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

19.10.2005 19:12
#4 RE: wie begleitet ihr den sterbenden antworten

Es ist ja auch vollkommen in Ordnung, wenn Du Fragen hier stellst,:)

Aber schau, folgende Punkte: Wir können hier als Sterbebegleiter nicht über eigene Begleitungen von uns sprechen, weil wir rechtlich wie jeder andere medizinische oder Pflegerische Bereich der Schweigepflicht darüber unterliegen.

Desweiteren ist es so, wie ich Dir schon schrieb: Der Patient / die Patienten, egal ob ansprechbar oder nicht ansprechbar, steht im Vordergrund. Sterbebegleiter begleiten, sie führen nicht.

Es ist ja nett und gut gemeint, das man sterbenden und schwerstkranken Menschen etwas Liebes geben möchte durch und von sich selbst, aber das ist zumeist der unrichtige Weg. Wichtig ist es, sich selbst zurücknehmen zu können, wahrzunehmen, was ist in diesem und jenem Moment gut und wichtig für den Patienten. Dies kann ich auch bei Patienten / innen mit einer Demenz tun. Für diese Menschen ist es weitaus wichtiger, Nähe, Berührung und Da-sein zu erfahren. Wenn Du ihnen dies gepaart mit viel Liebe und Mitgefühl schenkst, schenkst Du ihnen sch sehr, sehr viel. Du schenkst ihnen damit Menschlichkeit, schenkst ihnen wirklich etwas von Dir und begleitest sie in dem, was sie beauchen und sich auch auf ihrem letzten Weg wünschen. Schenke Dein Herz, und ihr Herz wird durch das Deine in Liebe und Dankbarkeit leuchten. Begleite sie in dieser Liebe und in diesem Mitgefühl bis an die Tür, dann verabschiede Dich von ihnen und lasse los. Und wenn Du ihnen das schenkst, fühlt sich auch kein Zimmergenosse gestört,:)


ingoborm Offline

Webmaster und Administration Technik
Beiträge: 937

19.10.2005 19:22
#5 RE: wie begleitet ihr den sterbenden antworten

Gerade bei Demenz/Alzheimer ist Validation angebrachter als Einreibungen, Düfte und der gleichen. Wie Ahasveru in etwa schon erwähnte ist ein Wahr-genommen werden viel wichtiger. Ich kann nur empfehlen , dass wenn man viel mit Dementen- und Alzheimer- Patienten zu tun hat sich über Validation zu informieren. Naomi Feil hat da sehr gute Bücher geschrieben.


ingoborm Offline

Webmaster und Administration Technik
Beiträge: 937

19.10.2005 19:25
#6 RE: wie begleitet ihr den sterbenden antworten
Noch ein Nachtrag: Demenz/Alzheimer - Patienten sind sehr wohl in der Lage sich auszudrücken und auch anzuzeigen, was sie möchten und was sie nicht möchten. Hier ist eben ein anderer Umgang und ein anderes Zu-hören nötig als bei anderen Patienten.

Zur Validation haben wir folgenden Artikel:
http://www.augenblicke-zwischen-leben-un...message=7382700

P.S. Wir haben nocht etwas mehr zu Validation. Mit der Funktion Suchen im Forum, kann man viel entdecken.

Romaschka

19.10.2005 20:38
#7 RE: wie begleitet ihr den sterbenden antworten

Liebe panterra,
schön, dass du hier bist!

Zu den Aroma-Duftangeboten habe ich folgende Gedanken:
Ich arbeite auch in einem Altenpflegeheim, bin aber noch in der Ausbildung. Mein 2. Jahr ist in einer Woche rum.
Bei den Tagesgestaltungen, die wir ausrichten mussten, und woran die Dozentin von der Fachschule teilnahm, um unsere didaktischen und methodischen Fähigkeiten zensieren zu können, habe ich auch Düfte mit einbezogen.

Einmal ließ ich Düfte raten, indem ich verschiedene Öl-Fläschchen rumreichte.
Das andere Mal stellte ich eine Duftlampe auf mit dezentem Raumduft, und als die Bewohner eintraten, fragte ich in die Runde, ob das als angenehm empfunden wird oder ich lieber ausmachen und lüften sollte.

Ich könnte mir vorstellen, wenn ich in einem Heim länger arbeite und die Bewohner gut kenne, dass ich mir merke, wer besonders worauf angesprochen hat. Und wenn Frau x das Rosenholz zu verträumten Gedanken und zum Lächeln angeregt hat, dann würde sicher nichts dagegen sprechen, diesen Duft auch bei einer Sterbebegleitung als dezente Untermalung im Raum zu haben.
Ausprobiert habe ich das jedoch noch nicht. Und ob das von der Leitung her so befürwortet würde, weiß ich auch nicht. Da werde ich mal nachfragen in meinem Heim.

Ahasveru hat aber sehr schön ausgedrückt, dass wir bei so einer Begleitung nicht zu aktiv sein sollten, weil es eher um eigene Rücknahme und das Sein des Sterbenden geht, was nicht irritiert werden sollte durch äußerliches Eingreifen.

liebe Grüße, Romaschka

Christian Offline


Beiträge: 11

30.03.2006 10:56
#8 RE: wie begleitet ihr den sterbenden antworten

hi panterra,
im Normalfalle sollte es in Deinem Altenheim so sein (ich finde ja toll, daß ihr euch da jetzt Gedanken über Sterbebegleitung macht), daß ihr einen Standard entwickelt, wie mit der Situation umzugehen ist. Es ist ein bißchen viel von Dir verlangt, wenn Du dir da selber Lösungen suchen willst.
Grundsätzlich gilt in solchen Standards immer: alles kann, nichts muß. Das einzige was muß ist ein Gespräch im Team, mit den Angehörigen, dem Sterbenden wenn verbal möglich. Man kann z.B. durchaus einige Wochen nach dem Einzug einmal antesten, ob der neue Bewohner bereit ist, über seinen eigenen Tod mit der Bezugspflegekraft zu sprechen. Mir wäre z.B. wichtig, daß mein Zimmer hell ist, daß die Vorhänge nicht zugezogen werden. Und daß nach Möglichkeit ein Fenster offen ist. Und daß ich zugedeckt bin. Und daß mir keiner zu essen oder zu trinken reindrückt. Über einen schönen Duft würde ich mich freuen- für mich Rose bitte. Ich kann Dir auch sagen, was Du mir anziehen sollst, wenn ich tot bin. Und ich hätte Musikwünsche. Und abends kann ruhig mal für eine Stunde deer Fernseher laufen, aber bitte nicht länger. Und ich würde wollen, daß jemand mit mir betet oder für mich, wenn ich mich nicht mehr artikulieren kann.
Du siehst, da sind sehr viele individuelle Wünsche, die man erfassen kann. Man könnte eine Art Fragebogen entwickeln für ein Gespräch über den Tod, verstehst Du? Es wird aber auch Menschen geben, dienicht darüber sprechen wollen der können. Dann muß man es beizeiten mit Angehörigen nachholen oder einfach mal beobachten, wer der Mensch so ist und was er mag. Wenn man sich wirklich um den Menschen kümmert und ihn kennen lernt mit seiner Lebensgeschichte und nicht nur Wischwaschsaubertablettereinn macht, dann hat man ja eine Beziehung zum Bewohner und hat dann sicher auch Ideen. Waschungen können auch sehr entspannend sein- bei der Körperpflege, da würde ich schon bei Sterbenden ganz anders vorgehen, als bei Gesunden. Das würde ich in dem Standard auch beschreiben.

Liebe Grüße, Christian

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