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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Ahasveru Offline

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19.10.2005 17:23
Drei-Monats-Kolik (Regulationsstörung) antworten

Drei-Monats-Kolik (Regulationsstörung)

Als frühkindliche Regulationsstörung bezeichnet man eine für das Alter bzw. den Entwicklungsstand des Säuglings außerordentliche Schwierigkeit, sein Verhalten der Situation entsprechend zu regulieren. Bekannt ist die Regulationsstörung auch unter dem Namen "Drei-Monats-Kolik". Typisch sind unstillbare Schreiattacken des Säuglings in den ersten drei bzw. sechs Lebensmonaten, ohne dass hierfür ein Grund ersichtlich wäre. Häufig beginnen die Säuglinge ca. eine halbe Stunde nach der Mahlzeit sowie am späten Nachmittag zu schreien und lassen sich kaum beruhigen. Der Leib ist oft geschwollen und gespannt. Hinzu treten eine Schlaf- und Fütterstörung.

Die Ursachen für die Drei-Monats-Koliken sind vielfältig. Sie lassen sich im Wesentlichen in psychische und körperliche Faktoren einteilen. Frühkindliche Regulationsstörungen gehen mit Belastungs- und Beziehungsstörungen der Eltern einher. Für die Diagnose entscheidend ist daher neben der körperlichen Untersuchung des Säuglings auch die genaue Befragung der Eltern. Zusätzlich sind z.B. Tests, Videoaufnahmen oder Blutuntersuchungen sinnvoll. Die Therapie richtet sich nach der Krankheitsursache.

Definition

Charakteristisch für eine frühkindliche Regulationsstörung (Drei-Monats-Kolik) sind Schreiattacken des Säuglings im ersten Lebenshalbjahr, die gehäuft nach den Mahlzeiten und am späten Nachmittag auftreten. Die Bezeichnung als Drei-Monats-Kolik geht auf das bevorzugte Auftreten in den ersten drei Lebensmonaten zurück.

Drei-Monats-Koliken sind definiert als Schreiperioden, die länger als drei Stunden pro Tag, öfter als 3-mal die Woche und insgesamt länger als 3 Wochen anhalten.

Häufigkeit

Regulationsstörungen treten bei jedem 10. Säugling innerhalb der ersten drei Lebensmonate auf.

Ursachen

Die Ursachen für Drei-Monats-Koliken sind vielfältig, lassen sich aber wesentlich auf psychische, nahrungsmittelbedingte und körperliche Faktoren zurückführen.

Psychische Ursachen

Spannungen (Beziehungsstörungen) zwischen Mutter und Kind sind eine häufige Ursache für Regulationsstörungen im Säuglings- und Kindesalter. Die "Schreibabies" sind in diesen Fällen als Reaktion zu sehen auf Verhaltensschwierigkeiten der Mutter bzw. der Eltern. Überforderungssituationen spielen dabei eine Rolle, aber auch die Ablehnung des Babies bzw. der Schwangerschaft, Unwissenheit wie Unsicherheit im Umgang mit dem Säugling sowie soziale und emotionale Belastungen (z.B. psychiatrische Erkrankungen der Eltern). Möglich sind auch Spannungen im Sinne einer Konkurrenzsituation zwischen Geschwistern.

Nahrungsmittelbedingte Ursachen

Vorübergehende Futterstörungen im Säuglingsalter sind häufig und nicht gleich als Krankheit zu werten. Wenn sie allerdings länger als einen Monat anhalten oder die einzelne Fütterung länger als 45 Minuten dauert bei kurzem Intervall zwischen den Mahlzeiten, sind dies wichtige pathologische Hinweise.

Viele der Drei-Monats-Koliken gehen auf eine Fehlernährung oder auf eine Unverträglichkeit (gegenüber Kuhmilch-Eiweiße) zurück. Diese Kuhmilch-Eiweiße sind nicht nur in Flaschennahrung vorhanden. Sie können in Spuren auch in der Muttermilch enthalten sein. Eine weitere Ursache kann ein Überangebot an Lactose, also Milchzucker, in der Nahrung sein, was zu vermehrten Blähungen im Darm führen kann.

Ein erhöhter Luftgehalt im Darm kann auch auf ein vermehrtes Schlucken von Luft bei der Nahrungsaufnahme bedingt sein. Bei Kindern, die aus der Flasche trinken, kann der Grund dafür ein zu großes Loch im Sauger sein.

Eine Mangel- oder Fehlernährung des Säuglings kann banale Ursachen haben, z.B. wenn nicht genügend Muttermilch produziert wurde bzw. es zu Stillproblemen gekommen ist. Der Hunger bringt das Baby dann im wahrsten Sinne "zum Schreien".

Körperliche Ursachen

Der Befall mit Parasiten, insbesondere Würmern, wie z.B. Askariden, kann eine Entzündung des Darmes hervorrufen, die zu krampfartigen Bauchschmerzen und folglich zu Baby-Schreiattacken führen kann. Die Bedeutung einer chronischen Appendizitis als Auslöser von Drei-Monats-Koliken ist umstritten. In sehr seltenen Fällen kann die Ursache für krampfartige Bauchscherzen in einer Invagination des Dünndarmes liegen. Unter einer Invagination versteht man die Einstülpung eine Darmabschnittes in den folgenden Darmabschnitt. Die Diagnose kann mittels Ultraschall-Untersuchung gestellt werden. Häufig kann durch sanfte Massage eine Lösung der Darmschlingen erreicht werden und so eine Operation vermieden werden.

Auch andere schmerzhafte Erkrankungen können die Ursache für Drei-Monats-Koliken beim Säugling sein, z.B. Infektionen der Ohren, der Atem- und Harnwege. Ferner können Gehirnschäden oder schlichtweg Verdauungsstörungen (Verstopfung, Durchfall) die Auslöser sein.

Symptome

Die Kinder fallen durch heftiges Schreien auf, das durchaus mehrere Stunden andauern kann. Häufig fällt ein gespannter, druckempfindlicher Leib auf und die Kinder ziehen die Beine krampfhaft an. Sie sind mitunter blass und schwitzen. Diese Symptome werden vorrangig ca. eine halbe Stunde nach den Mahlzeiten sowie am Nachmittag beobachtet. Bei schlafenden Kindern fallen diese Veränderungen nicht auf. Die Kinder haben selten Stuhlauffälligkeiten und zeigen in der Regel keine Gedeihstörungen. Schlaf- und Fütterstörungen können auftreten.

Diagnose

Die wichtigste Maßnahme zur Aufdeckung der Ursachen der Drei-Monats-Koliken ist eine ausführliche und sorgfältige Befragung der Eltern und insbesondere der Mutter zum Beschwerdebild des Säuglings. Der Arzt wird das Baby neurologisch untersuchen. Eine wenig belastende und für das Kind ungefährliche Untersuchung kann mittels Ultraschall erfolgen. Weitere wichtige Hinweise können sich durch die Untersuchung einer Stuhlprobe ergeben. Eine Fütterstörung lässt sich anhand des Blutbilds und der körperlichen Untersuchung des Säuglings diagnostizieren. Bei Schlafstörungen kommt ggf. das Schlaflabor in Frage. Sinnvoll sind mitunter Videoaufnahmen der Eltern-Kind-Beziehung, sofern die Eltern damit einverstanden sind. Auch Beurteilungsbögen zur Eltern-Kind-Beziehung sind ein übliches Hilfsmittel, um die Krankheit und ihre eventuelle Ursache(n) festzustellen.

Therapie

Die Behandlung richtet sich soweit wie möglich nach den Ursachen der Drei-Monats-Koliken. Sind familiäre Spannungen oder Konfliktsituationen für die Beschwerden verantwortlich, sollten diese offen zur Sprache kommen (z.B. in der sog. Eltern-Säuglings-Psychotherapie). Eine teilstationäre Behandlung wird erst erforderlich, wenn sich die Pychotherapie als erfolglos erweist, die Mutter am Tag entlastet werden möchte oder schwere psychosoziale Umstände vorliegen.

Bei nahrungsmittelbedingten Beschwerden sollte man die Ernährung des Säuglings umstellen z.B. auf eine sogenannte hypoallergene, also wenig Allergie auslösende, Nahrung oder - bei nicht ausreichender Muttermilch - auf "Baby-Flaschennahrung". Eine Ernährungsberatung ist sehr sinnvoll.

Liegen eindeutig körperliche Erkrankungen vor, werden diese gezielt behandelt: Bei Infektionen helfen Antibiotika, bei Wurmerkrankungen erfolgt eine "Wurmkur" zur Beseitigung der Parasiten, bei einer Invagination des Darmes reichen häufig sanfte Massagen aus, ansonsten ist eine Operation nötig, usw.

Verlauf

Nach drei bis sechs Monaten nehmen bei den meisten Kindern die Beschwerden ab. Problematisch sind dagegen die "Komplikationen" bei Schreibabies: Überforderte Eltern, die ihr Kind misshandeln oder vernachlässigen und/oder die psychischen Probleme des Kindes.

Vorbeugen

Eine Vorbeugung der Drei-Monats-Koliken orientiert sich an den oben beschriebenen Ursachen. Eine ausgeglichenen Mutter-Kind-Beziehung ist wichtig, wenn auch vielleicht nicht immer einfach.


Informationsquelle: http://www.onmeda.de/krankheiten/drei_monats_kolik.html

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