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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Wissenswertes zum Hospiz und zur Hospizarbeit
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 6.581

16.10.2005 22:55
Besuch in einem Hospiz antworten

Besuch in einem Hospiz

Mit dem Sterben umgehen lernen

Victoria Kirchhoff

Tod ist ein Thema mit dem Ärzte regelmäßig konfrontiert werden. Dennoch kommt es in der medizinischen Ausbildung viel zu kurz. Mit gutem Grund fühlt sich mancher Student hilflos, wenn er erstmals mit der Trauer oder Angst von Patienten und Angehörigen umgehen muss. Eine vollkommen neue Auseinandersetzung mit dem Komplex bietet die Sterbebegleitung der Hospize.

Übersicht

* Hospiz - Schon mal gehört?
* Eine Bewegung formiert sich
* Gründung als Vereine
* Blick hinter die Türen
* Ärztliche Versorgung
* Mit dem Sterben umgehen lernen
* Erfahrungen sammeln
* Kontakt


Hospiz - Schon mal gehört?

Essen Steele. Ein helles Haus mit vielen Fenstern. Innen Parkett und bunte Bilder. Gar nicht wie man es erwarten würde, in einem Haus, in dem gestorben wird. Was ein Hospiz genau ist? Nicht nur ein Haus wie dieses, in dem unheilbar Kranke ihre letzten Tage verbringen können. Sondern ein umfassendes Konzept der Sterbebegleitung. Das kann auch die Betreuung im eigenen Heim bedeuten. Der Hospizverein Essen Steele unterscheidet darum zwischen ambulantem und stationärem Hospiz.

Eine Bewegung formiert sich

Entstanden ist die Hospizbewegung vor knapp 20 Jahren aus einem Pflegenotstand heraus. Damals herrschte große Unzufriedenheit beim Pflegepersonal darüber, dass sie ihren Aufgaben und ihrer moralischen Verpflichtung insbesondere Todkranken gegenüber nicht gerecht werden konnten. Man forschte was den Patienten wichtig ist. Gerade wenn Heilung nicht mehr möglich ist, möchten Menschen zumindest ein gewisses Wohlbefinden erreichen. Dazu gehört selbstverständlich Schmerzfreiheit, aber Teil dieses Wohlbefindens ist auch in vertrauter Umgebung zu sein, sowie Ruhe und Geborgenheit zu erfahren. Diese Bedürfnisse versuchen die Anhänger dieser Bewegung ernst zu nehmen und in der Praxis zu berücksichtigen. Konkret bedeutet das beispielsweise, dass die Betreuung erst wenn es nicht mehr anders geht stationär erfolgt. Und selbst dann sieht diese Pflege anders aus, als man sie aus Krankenhäusern kennt.

Gründung als Vereine

Aus diesen idealistischen Gedanken heraus entstanden die ersten stationären Einrichtungen für Sterbende. Getragen von Vereinen wohlgemerkt. Denn die Erwirtschaftung von 10 Prozent der Betriebskosten durch Spenden an die jeweiligen Vereine ist eine Auflage des Staates. Der Geschäftsführer des Steeler Vereins Herr Lichtenstein war von Anfang an mit dabei, als das Haus vor 15 Jahren gegründet wurde. Echte Pionierarbeit, wie er betont, denn damals war die Idee den wenigsten geläufig. Bis heute nimmt NRW Vorreiterrolle auf diesem Gebiet ein. Hospize gibt es auch nicht flächendeckend, sondern nur verstreut. Tendenz eher fallend, denn auch hier macht der Zwang zum wirtschaftlichen Arbeiten nicht halt. Zeiten des Pflegenotstands sind lange vorbei.


Blick hinter die Türen

Trotz finanziellem Druck bleibt das erklärte Ziel des Hospizes weiterhin Menschen in Würde sterben zu lassen, also ihren Wünschen und Bedürfnissen gerecht zu werden. Dazu gehört umfassende Pflege genauso wie die Seelsorge und Sozialarbeit. Teil des Konzeptes ist auch, dass die Angehörigen dort mitwohnen können. Jedes der insgesamt zehn Zimmer hat eine Schlafcouch. Die niedrige Bettenzahl ist Absicht und üblich. Das im Krankenhaus übliche funktionale Denken hat hier nicht erste Priorität. Insofern bietet die überschaubare Größe des Hauses die Möglichkeit zur intensiven Bezugspflege. Kriterium für eine ärztliche Überweisung ins Hospiz ist, dass Heilung ausgeschlossen ist. Meistens lautet die Diagnose Krebs. Bei den Patienten handelt es sich nicht unbedingt um ältere Menschen. Die Altersstruktur ist gemischt. In harten Zahlen ausgedrückt beträgt die durchschnittliche Liegezeit nur 23 Tage. Die jedoch sollen absolut schmerzfrei sein.

Ärztliche Versorgung

Einen eigenen Arzt hat das Steeler Haus nicht. Hausärzte und Anästhesisten übernehmen die Versorgung Hand in Hand. Die hausärztliche Betreuung wird, wieder ein Teil des Gesamtkonzeptes, möglichst vom gewohnten Mediziner übernommen. Wenn irgendwie möglich sollen diese zwei Mal wöchentlich vorbeischauen. Speziellere Schmerztherapie wird von den Fachärzten vorgenommen. Aktuell sind zwei Ärzte, wenn auch nicht Vollzeit, für das Hospiz zuständig. Während der Woche kommt einer davon täglich zur Visite, aber auch nachts und wochenendes wechseln sie sich in ihrer Rufbereitschaft ab. Eine optimale Versorgung ist also rund um die Uhr gewährt.

Mit dem Sterben umgehen lernen

Wie fühlt es sich also an, wenn jemand weiß, dass seine Zeit fast abgelaufen ist? Wie schafft es das Personal täglich dort arbeiten zu müssen? Welche Stellenwert nimmt das Thema hier ein? Sandra, eine der 16 im Schichtsystem arbeitenden Krankenschwestern, kennt ein paar Antworten. Sofort fällt auf, dass sie bis auf eine weiße Hose keinerlei Schwesterntracht trägt. Bewusst wird durch die bunte Alltagskleidung eine weniger sterile und dafür heimeligere Athmosphäre geschaffen. Beginnend mit der Pflege, berichtet sie, wieviel Rücksicht auf den körperlichen und seelischen Zustand der Menschen genommen wird.


Jeder darf sich selber aussuchen wie und wann er aufsteht, isst, oder gewaschen wird. Geredet wird immer. Manchmal, sagt sie, ist es wichtiger ein Gespräch zu führen, als jemanden von Kopf bis Fuß zu waschen. Auch das Weinen gehört manchmal dazu. Dennoch seien die Tage alles andere als traurig und aufreibend. Hier überwinden die meisten die Angst vor dem Tod, denn sie merken, dass die Dinge, vor denen sie sich oft fürchten - Einsamkeit oder Schmerz - nicht eintreffen. Dank der guten Versorgung muss hier niemand Schmerzen haben und allein sein erst Recht nicht.
Angehörige werden stark in den Prozess des Abschied nehmens eingebunden. Selbst in die Pflege werden sie nach Wunsch integriert. Die Möglichkeit, die Sterbenden wirklich intensiv zu begleiten, sei das Besondere daran im Hospiz zu arbeiten, insofern eine wirklich befriedigende Arbeit. Mit Hilfe ausführlicher Gespräche lernt man, mit dem Unvermeidbaren umzugehen. Nur wenn der Tod nicht mehr tabuisiert wird, lernt man ihn zu akzeptieren. Hier verliert das Schreckgespenst seine Wirkung. Die Akzeptanz des Lebenskreislaufes tritt ein: kein Anfang ohne Ende.

Erfahrungen sammeln

Das Hospiz lebt vom Engagement der Bürger. Schon allein wegen der Spenden. Aber auch ehrenamtliche Helfer sind sehr erwünscht. Diese werden vor ihren Einsatzen vorbereitet, indem sie eine kleine Ausbildung der Trauerarbeit durchlaufen. Neu ist in diesem Sinne die Akademie für hospizliche Bildung und Kultur in Zusammenarbeit mit der FH Dortmund. In einem breiten Weiterbildungsangebot soll die Thematik wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Wie ehrenamtliche Einsätze aussehen, wird individuell abgesprochen. Möglich sind beispielsweise Gespräche mit Kranken oder Hausbesuche. Auch Praktika im Hospiz sind möglich.

Kontakt

Weitergehend Interessierte können sich direkt an das Haus wenden.

Hospiz Essen-Steele e.V.
Hellweg 102
45276 Essen
Tel.: 0201-805-270

E-Mail info@hospiz-essen.de

http://www.hospiz-essen.de

(Artikel vom 29.04.2005)


© Georg Thieme Verlag 2005

Informationsquelle: http://www.thieme.de/viamedici/studienor...ent/hospiz.html

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