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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Wissenswertes zum Hospiz und zur Hospizarbeit
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16.10.2005 01:41
Hospizbewegung - Eine Alternative zur Sterbehilfe antworten

Hospizbewegung - Eine Alternative zur Sterbehilfe
Autor: Anna Kathrin Thielecke
Fachbereich: Theologie - Religion als Schulfach
Kategorie: Referat / Schulaufsatz
Jahr: 2001
Archivnummer: K20296


Hospiz - Was ist das eigentlich ?

Das Wort Hospiz leitet sich von dem lateinischen Wort hospituim ab, welches übersetzt Herberge bedeutet. Die Brockhaus-Enzyklopädie liefert zwei Definitionen für den Begriff Hospiz. Zum einen sind es Unterkunftsstätten für Reisende, vor allem für Pilger in oder bei einem Kloster. Nach der anderen Definition sind es Beherbergungsbetriebe wie Hotel oder Pensionen mit christlicher Hausordnung. (Brockhaus-Enzyklopädie Bd. 10 1989, S. 262)
Die modernen Hospize allerdings sind Einrichtungen, deren Grundsatz es ist, unheilbar kranken Menschen ein würdiges Sterben in Gemeinschaft und in gewohnter Umgebung zu ermöglichen.
Es gibt mehrere Organisationsformen der Hospizarbeit.
Stationäre Hospize sind in der Regel kleine Einrichtungen, die Beleitung in einer wohnlichen, privaten Atmosphäre gewährleisten. Sie sollen eine Brücke zwischen Krankenhaus und Zuhause sein. Sie bieten ganzheitliche Betreuung im medizinisch-pflegerischen, psychosozialen und spirituellen Bereich und sollen den Sterbenden stabilisieren und befähigen, die letzten Tage zu Hause verbringen zu können. Patienten, bei denen die Versorgung zu Hause nicht mehr gewährleistet werden kann, und Alleinstehende werden bis zu ihrem Tod im Hospiz betreut.
Bei der ambulanten Hospizarbeit betreut ein kompetentes und eng miteinander vernetztes Betreuungsteam von meist ehrenamtlichen Mitarbeitern den Sterbenden in seinem vertrauten häuslichen Umfeld bis zu seinem Tod und auch darüber hinaus. Die geschieht meist in Form von psychosozialer Begleitung. Der Betroffene wird mit Gesprächen oder auch kleinen Unternehmungen in der Auseinandersetzung mit dem Sterben begleitet.
Eine weitere Form sind die Tageshospize, die in der Regel wie stationäre Hospize organisiert sind. Die Patienten werden allerdings nur tagsüber betreut und kehren dann nach Hause zurück. Sie werden unterstützt und können möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung bleiben, wobei die Angehörigen gleichzeitig entlastet werden.
Palliativstationen sind an ein Krankenhaus angegliederte, aber eigenständige Stationen, auf denen ganz in Sinne und mit den Methoden der Hospize gearbeitet wird. Die personellen, medizinisch- und versorgungstechnischen Möglichkeiten des Krankenhause stehen zur Verfügung. Das Therapieziel der Palliativstation ist die Symptomkontrolle, das bedeutet die Linderung der Schmerzen und der durch die Krankheit bedingten Begleiterscheinungen. Danach soll der Patient nach Hause entlassen werden. (Weiß 1999, S. 66-68)
Um die Hospizidee richtig verstehen zu können, muss man sich ihre geschichtliche Entwicklung vor Augen führen. Die moderne Hospizbewegung des 20. Jahrhunderts führt ihr Verständnis von Hospizarbeit auf die mittelalterlichen Hospize zurück.

Wie alles begann: Die Geschichte der Hospizbewegung

Die Idee und die Haltung der Hospizarbeit geht auf die Anfänge des Christentums zurück. Schon im Mittelalter war die Gastfreundschaft gegenüber Fremden und Hilfsbedürftigen eine Tugend, die für jeden Christen selbstverständlich war. Sie wurde als karitative Aufgabe von den meisten geistlichen Orden ausgeübt. Es wurden entlang der Pilgerwege zum Heiligen Land Hospize errichtet, die den Pilgern auf ihrer Reise Schutz, Unterkunft, Rast, Pflege und Erholung boten. Aber auch bedürftigen Armen und Kranken gewährten diese Raststätten Fürsorge, Schutz und Beistand.
Das erste Hospiz wurde schon im 4. Jahrhundert n. Chr. von einer römischen Christin namens Fabiola in Rom errichtet. Sie gab dort Pilgern, die aus Afrika zurückkehrten, Unterkunft und Nahrung, sie pflegte kranke und erschöpfte Menschen und sie leistete Menschen, die im Sterben lagen, Beistand. In Tumarin in Syrien entstand 475 n. Chr. das erste bekannte Hospiz mit der gleichen Zielsetzung, die schon Fabiola verfolgte. Das 11. Jahrhundert war die Blütezeit der Hospize. Das Interesse an Pilgerfahrten in das Heilige Land war sehr groß. Anlässlich der Errichtung einer Herberge für kranke und schwache Pilger, die von Bruder Gerard geleitet wurde, gründete sich der Johanniterorden. Er und seine Mitbrüder gaben sich den Namen ,,Arme Brüder des Hospitals St. Johannes" und wurden deshalb auch ,,Hospitaliter" genannt. Die Ordensgründung wurde 1113 in einer päpstlichen Bulle anerkannt. 1316 erobern die Hospitaliter im Verlauf der Kreuzzüge Rhodos. Dort entsteht das ,,Krankenhaus von Rhodos", in dem Kranke mit unheilbaren Leiden betreut wurden. Noch heute ist das Krankenhaus erhalten. Die Zimmer der Sterbenden und die der Pilger und Reisenden befanden sich auf einer Etage, um die Sterbenden am Leben teilhaben zu lassen. Am Anfang des 16. Jahrhunderts gründete der französische Priester Vincenz von Paul in Frankreich ein Hospiz für entlassene Galeerensklaven. Außerdem errichtete er ein Waisenhaus, einige Einrichtungen für Kranke und Arme und einen Orden für Krankenschwestern, der sich ,,Filles de la Charité" nannte. Freiherr Karl von und zum Stein besuchte zu Beginn des 19. Jahrhunderts französische Hospize, die von dem Orden inzwischen aufgebaut worden waren. Da er sehr beeindruckt war, berichtete er davon. Angeregt und unterstützt von Freiherr von Stein gründete Pastor Theodor Fliedner daraufhin 1836 das erste evangelische Krankenhaus in Kaiserswerth, in dem Kranke von Ordensschwestern gepflegt wurden. Die englische Krankenschwester Florence Nightingale arbeitete einige Zeit bei den ,,Filles de la Charité" in Paris und in Kaiserswerth. 1840 reformierte sie den Krankenpflegedienst, wodurch er sich zu einem angesehenen Beruf entwickelte. (Weiß 1999, S. 13-14)
In Dublin wird Mitte des 19. Jahrhunderts des erste Hospiz von Mary Aikenhead eröffnet, die schon den Nonnenorden ,,Schwestern der Barmherzigkeit" gründete. Sie forderte für die sterbenden Menschen ein besonderes Haus. Dieses Haus sollte kleiner und ruhiger sein als ein Krankenhaus, jedoch sollte es die gleichen Möglichkeiten der Pflege bieten. Sie stellte ihr eigenes Haus zur Verfügung und nannte es ,,Hospiz", um deutlich zu machen, dass der Tod nicht die Endstation ist, sondern nur ein Durchgang. Daher war der mittelalterlich geprägte Begriff Hospiz sehr passend. 1893 gründete Dr. Howart Barret in London ein Heim für bedürftige Sterbende, das St. Luke′s. Daraufhin wurde dort 1905 als zweite Gründung der ,,Schwestern der Barmherzigkeit" das St. Joseph′s-Hospice eröffnet. (Weiß 1999, S. 16-17)
Ein wichtiger Neuansatz, der die moderne Hospizbewegung ausmacht, wurde aber erst von der Krankenschwester, Sozialarbeiterin und später auch Ärztin Cicely Saunders entwickelt.

Die Lebensgeschichte der Cicely Saunders

Cicely Saunders stellt ihr Leben ganz in den Dienst der Hospizarbeit. Sie wird oft als Gründerin der modernen Hospizbewegung bezeichnet. Cicely Saunders wurde im Jahre 1918 in England geboren. Sie besuchte die Roedean School und begann nach ihrem Schulabschluss ein Studium der Fächer Politik, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften am St. Anne′s College in Oxford, welches sie aber vorzeitig
abbrach. Sie entschied sich statt dessen 1941 für eine Krankenschwesterausbildung am St. Thomas Hospital , die sie im Jahre 1944 abschloss. Sie hatte während ihrer Arbeit einen eher nüchternen und sachlichen Umgang mit sterbenden Patienten erlebt. Dies konnte sie mit ihrem Glauben nicht vereinbaren und es bewegte sie tief. Aufgrund starker Rückenprobleme musste sie ihren Posten aufgeben und nahm ihr Studium am St. Anne′s College wieder auf. Mit einem abgeschlossenem Grundstudium erwarb sie 1947 eine weitere Ausbildung als medizinische Sozialarbeiterin am St. Thomas Hospital. Sie kümmerte sich vor allem um Krebspatienten, wodurch sie Entschluss fasste, sich speziell für Sterbende einzusetzen. Ein prägendes Erlebnis hatte sie mit dem sterbenden Patienten Davis Tasma, den sie 1948 kennenlernte. Sie begeleitete ihn in seiner Sterbephase und baute so eine intensive Beziehung zu ihm auf. Die beiden führten viele Gespräche, in denen sie darüber diskutierten, wie man ein Heim schaffen könnte, welches die sterbenden Patienten auf den nahen Tod vorbereitet und sie betreut, aber die Anforderungen der Schmerzkontrolle erfüllt, ohne den Eindruck einer geschäftigen Krankenstation zu erwecken. Daraus entwickelte sich ein neues und ,,[...] umfassendes Konzept der Betreuung Sterbender, in dem medizinische, pflegerische, spirituelle, soziale und psychologische Betreuung sich ergänzen." (Weiß 1999, S.17) Im Alter von 40 Jahren starb David Tasma. Er hinterließ ihr 500 Pfund und hatte nur den einen Wunsch: ein Fenster in ihrem Heim zu sein. Cicely Saunders arbeitete nach dem Tod David Tasmas noch drei Jahre im St. Luke′s, bis sie im Jahre 1951 noch ein Medizinstudium begann und nebenbei noch als freiwillige Helferin im St. Joseph′s-Hospice arbeitete. Nachdem sie im Jahre 1957 ihre Lizenz in der medizinischen Fakultät erhielt, praktizierte sie im St-Joseph′s. 1967 eröffnete sie im Londoner Südosten das St. Christopher′s Hospice. Die Grundidee war, die Bedürfnisse der Patienten aufzuspüren, aber auch der Familie sollte das Leid gemildert werden. Außerdem hat Cicely Saunders wichtige Prinzipien der Schmerz- und Symptomkontrolle entwickelt. Für sie war die Schmerzbekämpfung eine vordringliche Aufgabe, da sie beobachtet, dass schmerzfrei zu sein, sehr zu dem Wohlergehen der Patienten beitrug. Sie erweiterte so die bis dahin psychosoziale und auf Schmerzlinderung ausgerichtete Betreuung Sterbender um wissenschaftlich fundiertes Wissen, insbesondere im Bereich der Palliativmedizin und Schmerztherapie. Bis 1985 war sie im St. Christopher′s Hospice Medizinische Direktorin und hält noch immer den Posten als Vorsitzende. 1980 erhielt sie von Queen Elizabeth den Orden des Britischen Empire. Im Laufe der Zeit folgten noch viele weitere Auszeichnungen für ihre innovative Arbeit in der Hospizbewegung. (http://www.hospiz.org/hospizbe.htm)

Inhalte und Ziele der Hospizarbeit

Der Grundsatz aller Hospizarbeit ist es, den Sterbenden ein menschenwürdiges und nach Möglichkeit schmerzfreies Sterben in vertrauter Umgebung zu ermöglichen. Dabei ist das Hospiz weniger an ein Haus gebunden, es ist vielmehr ein Konzept der medizinischen, pflegerischen und spirituellen Fürsorge. Es ist eine ganz bestimmte Einstellung dem Tod und der Pflege sterbender Menschen und auch ihren Angehörigen gegenüber. Das Sterben wird als ein Teil des Lebens betrachtet und ist daher ein natürlicher Vorgang, der weder verdrängt noch künstlich verlängert werden sollte. Durch liebevolle Zuwendung wird die Phase des Sterbens mit Sinn erfüllt und neue Hoffnung gegeben. Auch die Betreuung der Angehörigen ist sehr wichtig und Aufgabe der Hospize. Der Sterbende wird in der Endphase seines Lebens nicht allein gelassen und soll die Möglichkeit haben, sich von seinen Familienmitgliedern, Freunden und Helfern betreuen und begleiten zu lassen und sein Leben würdevoll bis zuletzt leben kann. Wichtig dabei ist auch die optimale medizinische Linderung der körperlichen Symptome, insbesondere die Schmerzbekämpfung. Denn das Wohl des Patienten wird so deutlich gebessert. Damit distanziert sich die Sterbebegleitung auch von der Sterbehilfe, die mit der Schmerzlinderung und möglicherweise Schmerzbekämpfung nicht mehr erforderlich ist. Denn die Sterbebegleitung der Hospizbewegung will Hilfe im Sterben geben und nicht Hilfe zum Sterben.

Die Hospizbewegung in Deutschland

In Deutschland hat die Hospizbewegung nur sehr zögerlich und erst etwa 15 Jahre später als in den angelsächsischen Ländern Fuß fassen können. Das ist verwunderlich, denn schon mit der Eröffnung des Londoners St. Christopher′s Hospice 1967 haben die Grundgedanken der Sterbebegleitung in Deutschland Eingang gefunden. Mitarbeiter des Tübinger Paul-Lechler-Krankenhauses lernten die Grundlagen der Hospizarbeit im St. Joseph′s und im St. Christopher′s kennen. Nachdem sie dort erlebt hatten, wie man mit den sterbenden Patienten umging und wie Sterbebegleitung zu einer Art Teamarbeit wurde, wollten sie einige Grundideen dieser Hospizarbeit in ihrem Krankenhaus umsetzten. Wichtiger als die Gründe des Todes waren jetzt die pflegerischen und ärztlichen Umstände, unter denen ein Patient gestorben war. So versuchten Ende der siebziger bis zum Anfang der achtziger Jahre immer mehr Krankenhäuser, Schmerzambulanzen, onkologische Arztpraxen, Pflegeheime und auch Hauskrankenpflegen in vielen verschieden Städten Deutschlands die Grundgedanken der Hospizarbeit im eigenen Arbeitsbereich umzusetzen. Jedoch breitet sich die Hospizbewegung nur sehr zögernd aus. Diese Zurückhaltung hängt mit einer Debatte zusammen, die die Folge eines Filmes war, der 1971 im ZDF über das Londoner St. Christopher′s Hospice gesendet wurde. Der Film des Jesuitenpaters Reinhold Iblacker trug den Titel ,,Noch 16 Tage...eine Sterbeklinik in London" und stieß zunächst durch den Begriff ,,Sterbeklinik" auf großen Widerstand in der Gesellschaft. Gründe dafür kann man in der deutschen Geschichte vor und im 2. Weltkrieg sehen, als Euthanasie noch staatliche Praxis und der Begriff ,,Sterbeklinik" daher noch negativ besetzt war.
Es vergingen mehr als 16 Jahre bis 1983, von der Öffentlichkeit kaum beachtet, die erste stationäre Hospizeinrichtung eröffnete. In der Kölner Universität wurde eine Station für palliative Therapie eingerichtet, die aus Mitteln der Deutschen Krebshilfe finanziert wurde. Psychische Betreuung und Schmerzlinderung mit einer guten Pflege standen hier im Vordergrund und beruhten auf Erfahrungen, die der Pfarrer Helmut R. Zielinski im Londoner St. Christopher′s Hospice gesammelt hatte. Im kirchlichen Bereich gründet sich ein Jahr später in Stuttgart die Initiative ,,Sitzwache in Pflegeheimen". Es handelt sich hierbei um die Form die Sterbebegleitung, bei der Menschen in den letzten Tagen und Nächten rund um die Uhr an Betten von Sterbenden sitzen und sich dabei ablösen. Mehrere Sitzwachengruppen vereinigten sich später zur ,,Arbeitsgemeinschaft Sitzwachen in Stuttgart und Umgebung". Ihr Ziel ist es mit ehren-amtlichen Mitarbeitern ein menschenwürdiges Sterben in Pflegeheimen zu ermöglichen. (Weiß 1999, S. 22-24) In der Evangelischen Fachhochschule gründete sich ebenfalls in diesem Jahr die Arbeitsgruppe ,,Zu Hause sterben" unter der Leitung von Professor Johann-Christoph Student. Es ist ein Zusammenschluss von Fachleuten, die in Forschung, Lehre und Praxis erproben, welche Möglichkeiten sich bieten die Hospizprinzipien auf den bundesrepublikanischen Alltag zu übertragen. (Student 1989, S. 66-67) 1986 gründete Pfarrer Dr. Paul Türks in Trägerschaft der katholischen Priestergemeinschaft das ,,Oratorium des heiligen Philipp Neri" das Hospiz ,,Haus Hörn" in Aachen. Es war wieder eine Angliederung einer stationären Einheit an eine bereits bestehende Einrichtung. In Recklinghausen wurde 1987 erstmalig ein Hospiz eröffnet, das nicht unmittelbar an zu einer medizinischen oder pflegerischen Einheit in Verbindung stand. Es war allerdings an das naheliegende St.-Elizabeth-Krankenhaus gebunden und trug den Namen ,,Hospiz zum heiligen Franziskus". In den nächsten Jahren folgten in anderen Städten noch weitere Palliativstationen, die sich bestehenden Einrichtungen anschlossen und neben einzelnen Initiativen und Vereinen, gründeten sich drei große überregionale Hospizinitiativen, die dann regionale Gruppen eröffneten.
Die Hospizinitiative ,,OMEGA mit dem Sterben leben e.V." wurde 1985 gegründet. Es ist eine ,,[...] überkonfessionelle und weltanschaulich ungebundene Gemeinschaft von Menschen, die sich persönlich und unmittelbar für sterbende Menschen und deren Angehörige einsetzen." (Weiß 1999, S. 25) Der Verein arbeitet auf bundesweiter Ebene und es gehören ihm viele Mitglieder verschiedenster Berufe und sozialer Schichten an, die sich ehrenamtlich für den Verein engagieren, dabei ist ihre Weltanschauung und ihre Partei- und Konfessionszugehörigkeit unwichtig. Eine der vielfältigen Aufgaben des Vereins ist es, das Thema ,,Sterbebegleitung" in die Öffentlichkeit zu tragen und die Auseinandersetzung damit anzuregen. Es soll außerdem zu persönlichem Engagement motiviert werden. Es ist auch ein Ziel, Frauen und Männer zu befähigen, ihren Angehörigen in Krankheit und Sterben beizustehen. Es werden dazu Seminare für Laien zur Sterbebegleitung und außerdem Fortbildungen für professionelle Pflegekräfte angeboten. (Muschaweck-Kürthen 1989, S. 205)
1986 wird auf Initiative des Mediziners Dr. Paul Becker in Limburg die IGSL, die Internationale Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebenshilfe e.V., gegründet. Die IGSL hat sich die Enttabuisierung der Themen ,,Sterben, Tod und Trauer" zur Aufgabe gemacht. Das geschieht vor allem durch Öffentlichkeitsarbeit, Bildungsarbeit, Kontaktpersonen, Multiplikatoren und Kursangebote. Sie bemühen sich außerdem, weitere Hospize und Palliativstationen zu realisieren. (Becker 1989, S. 207) Die ISGL errichtet 1990 sogar ein Hospiz-Bildungswerk in Bingen, das sich zur Aufgabe gemacht hat theoretische und praktische Ausbildung im Bereich Hospizarbeit zu leisten.
1988 wird die ,,Deutsche Hospizhilfe e.V." gegründet. Die Aufgaben dieser Initiative sind Öffentlichkeitsarbeit, vor allem um die Hospizbewegung bekannt zu machen und um andere Initiativen durch Spendensammlungen zu unterstützen, Anregung zur Sterbe- und Altersforschung sowie die Forderung nach ärztlicher Ausbildung in Sterbebegleitung. Es soll des weiteren eine Lobby für alte und sterbende Menschen gebildet werden.
Eines der jüngsten Initiativen ist die ,,Deutsche Hospiz Stiftung", die im März 1996 ins Leben gerufen wurde und eine Stiftung des Malteserordens ist. Sie unterstützt Hospizeinrichtungen mit Informationen und Spenden. (Weiß 1999, S. 26, 29)
Der Ambulante Hospizdienst Lippe-Detmold e.V.

Im November 1993 begann die Hospizarbeit in Detmold mit 12 Personen. Daraus wurde dann im Mai 1995 mit bereits 26 Gründungsmitglieder die ,,Hospiz-Initiative Detmold e.V." gegründet. Das Hospizbüro befand sich im Feierabendhaus des Evangelischen Diakonissenhauses in der Sofienstraße in Detmold. Es gibt einen Vereinsvorstand, der satzungsgemäß alle drei Jahre neu gewählt wird und eine Mitgliederversammlung, die regelmäßig zusammentritt. Im vergangenen Jahr sprach sich die Mitgliederversammlung mehrheitlich für eine Umbenennung des Vereins aus, da der bisherige Vereinstitel ,,Hospiz-Initiative" dem derzeitigen Tätigkeitsspektrum nicht mehr entspricht. Somit bekam der Verein in Anlehnung an die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz den neuen Vereinstitel ,,Ambulanter Hospizdienst Lippe-Detmold e.V." (Inge-Lore Brakemeier Sommer 2001, S. 6). Nach dem Stand vom 31.12.2001 hat der Verein heute bereits 380 Mitglieder. Weitere Mitgliedschaften und Mitarbeit leisten die diakonischen Werke der Lippischen Landeskirche, die Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz NRW, die deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, die Arbeitsgemeinschaft Hospizarbeit und Palliativmedizin im Kreis Lippe und die Arbeitsgemeinschaft ,,Palliative Versorgung" der Klinikum Lippe-Gesellschaft. Neben den 45 ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gibt es zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen, eine Koordinatorin und eine Bürokraft. Nicht nur die Umbenennung machte das Jahr 2001 zu einem ereignisreichen Jahr, sondern auch der Umzug in neue Räumlichkeiten direkt in die Detmolder Innenstadt. Seit dem 1. August vergangenen Jahres findet man das Kontaktbüro des ambulanten Hospizdienst Lippe-Detmold e.V. in der Leopoldstraße 16.

Der Verein versucht so näher an die Detmolder Bevölkerung heranzurücken und will ihnen so die Möglichkeit bieten, sich bei einem Stadtbummel informieren oder in schwierigen Situationen beraten zu lassen. Das Kontaktbüro ist sehr freundlich eingerichtet. Es gibt eine Cafeteria, einen Gruppenraum und eine Leihbibliothek die Bücher zum den Themen Hospiz, Sterbebegleitung, Kinder und Tod, Hoffnung, Spiritualität, Trauer und auch Erfahrungsberichte anbietet.
Das Ziel des ambulanten Hospizdienstes ist es, dass Sterben, Tod und Trauer wieder als ein wichtiger Bestandteil des Lebens verstanden werden. Sie möchten helfen, diese schwierige Zeit tragbar zu machen und die Menschen ermutigen sich mit dem Tod auseinanderzusetzen.
Um diese Ziele umzusetzen bietet der Hospizdienst viele Angebote an. Die 45 ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die speziell geschult sind, besuchen und begleiten die sterbenden Menschen je nach Bedarf zu Hause, im Heim oder im Krankenhaus. Sie richten sich dabei ganz nach den Wünschen der Kranken und ihren Angehörigen. Durch Gespräche oder auch einfach nur durch Anwesendsein wird der Sterbende begleitet. Kleine letzte Wünsche versuchen die Betreuer zu erfüllen. Auch den Angehörigen wird in der schwierigen Zeit Hilfe geboten. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterrinnen sind dabei zur Verschwiegenheit verpflichtet. Es findet für sie zwei Mal wöchentlich eine Gruppensupervision statt, in denen sie ihre Erfahrungen austauschen. Für Angehörige gibt es außerdem eine offene Trauergruppe. Da die Mitarbeiter bemerkt haben, dass Männer ihre Gefühle oft nicht so offen zeigen können, gibt es eine neue Gesprächsrunde für Witwer, die auch von einem männlichen Mitarbeiter geleitet wird. Für alle, die sich für Sterbebegleitung interessieren wird ca. 4-6 Mal pro Jahr ein Grundkurs ,,Sterbende begleiten" angeboten. Es ist ein Vorbereitungsseminar für ehrenamtliche Hospizmitarbeiter und Mitarbeiterrinnen, jedoch gibt es keine Verpflichtung auch nachher als solcher tätig zu sein. Interessierte haben auch die Möglichkeit sich nur Aufgabenbereich vertraut zu machen. Für die aktiven Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gibt es den Grundkurs ,,Trauenden begleiten". Außerdem werden in unregelmäßigen Abständen Vortrage rund um das Thema ,,Sterben" angeboten. Ein Mal monatlich findet ein sogenannter ,,Offener Abend" statt. Das sind Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung zu den unterschiedlichsten Themen. Am 5. Februar zum Beispiel fand ein ,,Offener Abend" zu dem Thema ,,Wie der Tod im Traum vorkommt" statt. All das kann man auch in dem halbjährlich erscheinenden Rundbrief nachlesen.

Theologie der Hospizarbeit

Die Theologie vertritt den Aspekt der Würde der menschlichen Person als Ebenbild Gottes. Der Mensch ist und bleibt Mensch bis zuletzt und deshalb muss ihm ein menschenwürdiges Sterben ermöglicht werden. Da dies heute sehr oft nicht der Fall ist und der Mensch seiner Würde beraubt wird, indem er angelogen oder in einen Dämmerzustand versetzt wird, ist es die Aufgabe der Theologie als Anwalt des Menschen und seiner Würde anzutreten.
Die Bibel selbst zeigt uns eine Vielfalt von Möglichkeiten zum Umgang mit Sterbenden und deren Angehörigen, in denen die Nächstenliebe eine tragende Rolle spielt.
Das Gleichnis vom Weltgericht (Matthäus 25, 31-46) weist im Vers 36, ,,ich war krank, und ihr habt mich besucht", auf den Krankenbesuch hin. Von diesem Gleichnis ausgehend, entwickelte sich im Mittelalter ein Bewusstsein für die ,,sieben Werke der Barmherzigkeit", von denen eines der Krankenbesuch war. Jesus identifiziert sich mit den Kranken (Vers 41, ,,was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan") und stellt den Krankenbesuch als Pflicht christlicher Nächstenliebe dar. Die Kirche hat so die Sorge für die Kranken als eine ihrer Pflichten angesehen und daher ist es nicht verwunderlich, dass Krankenhäuser lange Zeit Gründungen von Ordensgemeinschaften waren.
Auch die Haltung Jesu bei der Fußwaschung (Johannes 13, 1-20) beim Abschied von seinen Jüngern hat eine gewisse Bedeutung. Die Berührung wird dort als ein möglicher Dienst entdeckt. Jesus spricht zu seinen Jüngern: ,,Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch getan habe." (Vers 14-15) Die Jünger sollen Jesu Heilenden Umgang mit Menschen weiterführen.
Doch auch schon im alten Testament spielt die Nächstenliebe eine große Rolle. ,,Er verschafft Waisen und Witwen ihr Recht. Er liebt die Fremden und gibt ihnen Nahrung und Kleidung - auch ihr sollt die Fremden lieben, denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen." (5. Mose 10, 18-19) Die Liebe Gottes zu seinem Volk, die sich in seiner Treue ausdrückt, wird immer wieder thematisiert. Sie muss aber durch die Liebe und Fürsorge untereinander verlängert werden, insbesondere durch die Sorge um die schwächeren Mitglieder der Gemeinschaft. (Weiß 1999, S. 70-82)

Schluss

Bei der Auseinandersetzung und der Bearbeitung des Themas ,,Hospizbewegung" ist mir sehr klar geworden, wie wichtig die Hospizarbeit für viele Menschen ist. Sie kann für unheilbar Kranke eine große Hilfe darstellen, vor allem wenn Angehörige wenig Zeit oder nicht die Möglichkeit haben sich ganzheitlich um die sterbende Person zu kümmern. Gerade in der schweren Zeit des Sterbens brauchen Menschen viel Unterstützung und dürfen nicht von der Gesellschaft ausgeschlossen werden.
Ich denke daher, dass die Hospizbewegung auf jeden Fall weiter gefördert und unterstützt werden muss. Eine wichtige Vorraussetzung dafür ist allerdings, dass die Hemmschwelle, die das Thema Tod immer noch mit sich bringt, überwunden werden muss. Es sollte meiner Meinung nach noch mehr Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden, denn die Bevölkerung muss sich mit dem Thema Tod und Trauer vertraut machen und auch ,,anfreunden".
Insgesamt denke ich, dass mir die Auseinandersetzung mit dem Thema ,,Hospizbewegung" persönlich sehr viel gebracht hat und dass sie auch meine Einstellung gegenüber dem Tod ein bisschen verändert hat.

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