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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Tod durch Suizid
ingoborm Offline

Webmaster und Administration Technik
Beiträge: 937

15.10.2005 14:22
Ausloesefaktoren und Motive für Suizid antworten

Ausloesefaktoren und Motive für Suizid

Meist führen eine Fülle von Faktoren zum eigentlichen Suizid oder Suizidversuch. Der Anlaß, aus dem sich der Suizid ergibt, darf also nicht allein betrachtet werden, es muß vielmehr die Gesamtheit der Faktoren gesehen werden, die schließlich zu dieser Handlung geführt haben. Die Tat muß in der Regel stets im Rahmen einer Entwicklung gesehen werden und der Verknüpfung zeitgleich auftretender Ereignisse.
Die Motive für einen Suizidwunsch sind meist im zwischenmenschlichen Bereich zu suchen. Oft liegen beispielsweise Liebes-, Partner-, Familienkonflikte, Trennung, Scheidung oder Tod diesem Wunsch zugrunde. Vor allem bei Männern findet man den aktuellen Anlaß auch in Konfliktsituationen im Beruf. Hier wären zum Beispiel Spannungen mit Vorgesetzten, Kollegen oder auch Untergebenen zu erwähnen, wie auch der Verlust des Arbeitsplatzes. Suizidhandlungen, die nicht zu diesen Bereichen zu zählen sind, findet man wesentlich seltener (unheilbare Krankheit, Identitätsproblematiken...).

Beispiele grundlegender Motive

Im folgenden möchte ich einige grundlegende Motive beschreiben, die Comer, 1995,
S. 371ff, aufführt.

Belastende Ereignisse und Situationen

Einem Suizidversuch kann ein einzelnes, für sich stehendes Ereignis vorausgehen oder aber eine Serie von Ereignissen, die alle in die selbe Richtung wirken. Beide Fälle kann man nur schwer voneinander trennen, da der Zusammenhang zwischen verschiedenen Ereignissen oft unklar bleibt und scheinbar voneinander unabhängige Ereignisse doch aufeinander aufbauen.
Die verbreitetsten Belastungen im Zusammenhang mit Suizid sind der Verlust eines geliebten Menschens durch Tod, Scheidung, Zerwürfnis oder Zurückweisung und der Verlust des Arbeitsplatzes. In verschiedenen Studien wurde der Zusammenhang zwischen ansteigender Suizidrate und Arbeitslosenrate belegt. In den USA stieg und fiel die Suizidrate in den Jahren 1940 bis1984 gleichzeitig mit der Arbeitslosenzahl im Land. Auch die Suizidrate der amerikanischen Farmer stieg erheblich während landwirtschaftlichen Krisenzeiten. Außerdem zeigt eine Studie in Wien, daß die Selbsttötungsrate von Arbeitslosen wesentlich höher ist, als die der Allgemeinbevölkerung.

Jeder Mensch reagiert auf unterschiedliche Art und Weise auf Belastungen. Es gibt langfristige, kurzfristige und episodische Belastungen. Ereignisse können den Suizid zwar nicht erklären oder begründen, oft lösen sie ihn aber aus. Meist spielen die langfristigen Belastungen die größte Rolle.

Zu ihnen zählen vor allem (die später von mir noch näher beschrieben) vier Arten der Auslösefaktoren:
¬ berufliche Belastung
¬ gewalttätige Umgebung
¬ schwere Krankheit
¬ Rollenkonflikte

Affektive und kognitive Veränderungen

Vor einem Suizidversuch kann man häufig Veränderungen, ja sogar Umschwünge des Verhaltens und der Stimmung des Suizidandens beobachten.
Der Betroffene zeigt sich seiner Umwelt oft gefühlsbetont und ist durch heftige Gefühlsäußerungen gekennzeichnet. Häufig bemerkbar sind verstärkte Traurigkeit, Angst, Wut und/oder Schamgefühle.
Der Suizidand erlebt ein für ihn unerträgliches psychisches Tief. Sein Schmerz wird immer stärker. Seine Bedürfnissen werden nicht befriedigt und er sieht keine Möglichkeit, wie sie sich erfüllen könnten. Durch den Suizid versucht die betroffene Person dem Schmerz zu entkommen.

Betrachtet man den Suizid kognitiv (,,kognitiv": erkenntnismäßig, die Erkenntnis betreffend), so stellt man fest, daß suizidgefährdete Menschen häufig an nichts anderes mehr als an ihre Probleme denken können, für die sie keine Lösung finden. Die einzige Lösung sehen sie dann im Suizid. Auf diese Weise entwickelt sich dann ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit; das von vielen Klinikern als Indiz für Suizidabsichten gesehen wird.
Solche Menschen neigen auch dazu, in ,,Entweder-Oder-Kategorien" zu denken. Sie sehen den Suizid dann als einzigen Ausweg den sie haben und sind blind für andere Möglichkeiten ihre Probleme zu lösen.
(vgl. Comer, 1995, S. 171f)
Alkoholkonsum

Alkohol spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle vor und während einem Suizidversuch. Durch Studien wurde belegt, daß mindestens 20 Prozent der Menschen vor ihrem Suizidversuch Alkohol trinken und daß ein Viertel rechtlich gesehen betrunken war. Die Vermutung, daß der Alkoholkonsum bei Suizidanden vor ihrem Tod noch höher, bzw. weiterverbreitet ist, liegt nahe. Dies ist allerdings kaum zu beweisen, da suizidale Handlungen im Fall von Alkoholeinfluß von den Behörden wahrscheinlich oft als Unfall eingestuft werden.
Alkohol hat eine enthemmende Wirkung auf Menschen. Diese Wirkung fördert den Mut der Menschen, etwas zu tun (suizidale Handlungen), vor dem sie sonst Angst hätten und das sie aus dieser Angst heraus unterlassen würden. Es wird vermutet, daß der Alkohol die Gewaltbereitschaft einer Person (auch gegen sich selbst) fördert und daß er verdeckte Aggressionen aufdeckt, die dann wirken können.
(vgl. Comer, 1995, S. 172)

Vermutlich haben andere Drogen eine ähnliche Wirkung auf suizidgefährdete Menschen und fördern, wie der Alkoholkonsum, substanzbezogene Störungen.
Der langfristige Mißbrauch von berauschenden Drogen fördert vermutlich das Gefühl, von der Droge gefangengenommen zu sein, nicht mehr loszukommen. Dies führt zu einer Hoffnungslosigkeit, die Suizidgedanken auslösen kann. Möglicherweise steht aber auch die Hoffnungslosigkeit und/oder Verzweiflung am Anfang und führt erst zum Drogenmißbrauch, der dann das Problem verstärkt und die negativen Gefühle und Wahrnehmungen des Menschen intensiviert. Als einziger Ausweg kann dann von diesen Personen der Suizid in Betracht gezogen werden.

Psychische Störungen

Menschen, die den Versuch unternehmen, sich selbst zu töten, müssen nicht zwangsläufig an einer psychischen Störung leiden. Dennoch sind bei etwa 30 bis 70 Prozent dieser Menschen psychische Störungen zu beobachten.

Die am häufigsten auftretenden psychischen Störungen, die am engsten mit dem Suizid verknüpft sind, sind
¬ affektive Störungen
¬ Substanzbezogene Störungen und
¬ Schizophrenie.
(vgl. Comer, 1995, S. 172f)

Der Begriff Schizophrenie bedeutet ,,spaltungsirre sein". Symptome dieser psychischen Störung sind Denkstörungen in Form von unzusammenhängendem Denken, Persönlichkeitsspaltung, Kontaktverlust und manchmal Wahnvorstellungen. Menschen, die unter schizophrenen Störungen leiden haben oft den Kontakt zur Realität verloren.
Die populäre Meinung besagt, daß sich Schizophrene umbringen, weil die Stimmen in ihrem Kopf ihnen diese Handlung befehlen oder weil sie die Wahnvorstellung haben, Suizid sei eine großartige Sache und noble Geste. Forscher fanden aber heraus, daß das Motiv solcher Menschen meist in einer Demoralisierung zu suchen ist. Es sind vor allem junge und arbeitslose Menschen. Nach wiederholten Rückfällen glaubt die schizophrene Person, daß sie ihr Leben mit dieser Störung nicht bewältigen kann.

Beispiele für konkrete Auslösefaktoren

Nachfolgend möchte ich noch auf vier Beispiele von möglichen konkreten Auslösefaktoren eingehen, die Comer, 1995, aufführt.

Berufliche Belastung:

Suizidversuche können durch große berufliche Belastung oder auch berufliche Unzufriedenheit, wie z.B. ausbleibende Befriedigung oder Bestätigung, ausgelöst werden. Die Statistik zeigt, daß Psychiater, Psychologen, Ärzte und Zahnärzte, Anwälte und ungelernte Arbeiter zu den Berufsgruppen zählen, bei denen man besonders hohe Suizidraten finden kann. Dies muß aber nicht unbedingt auf eine besondere berufliche Belastung zurückzuführen sein. Es gibt auch Erklärungsansätze, nach denen ungelernte Arbeiter eine größere Zukunftsangst haben als Menschen in anderen Tätigkeitsfeldern und daher eher zu suizidalen Handlungen neigen. Suizidale Psychologen oder Psychiater leiden nicht unbedingt unter der emotionalen Belastung ihres Berufs, sondern haben im Gegenteil eventuellen ihren Beruf auf Grund eigener psychischer Probleme gewählt, sind daher also vorbelastet und somit suizidgefährdet.

Gewalttätige Umgebung

Psychischer oder physischer Schmerz kann Auslösefaktor für suizidale Handlungen sein. Menschen, die unterdrückt oder mißhandelt werden, oder auch Unterdrückung oder Mißhandlung in ihrer nahen Umgebung miterleben müssen, sehen oft keinen anderen Ausweg als den Suizid.

Schwere Krankheit

Menschen, die an einer unheilbaren Krankheit erkrankt sind, können zu der Überzeugung gelangen, daß ihr Tod in jedem Falle eintritt und sie Schmerzen und/oder psychische Belastungen nicht mehr ertragen können. Ein aktuelles und umstrittenes Problem ist der neuere medizinische Fortschritt, der zwar das Leben der Patienten verlängert, nicht aber deren Lebensqualität, die dabei oft in Vergessenheit gerät. Auch aus diesem Grund beschließen manche Patienten (meist im fortgeschrittenen oder Endstadium der Krankheit) ihre schmerzensreiche Existenz selbst zu beenden.

Rollenkonflikt

Jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens Rollenkonflikte. Vor allem berufstätige Frauen scheinen in den letzten Jahren vermehrt Konflikte zwischen den verschiedenen Rollen, die sie leben, zu erleben ( z.B. Ehefrau, Mutter, Arbeitnehmerin...). Dies stellt für diese Personen eine große langfristige Belastung dar, die manchmal nicht mehr bewältigt werden kann und aus der ein Suizid oder Suizidversuch hervorgehen kann. Frauen in verantwortungsvollen, qualifizierten Berufen scheinen besonders betroffen zu sein, wie aus den Suizidraten hervorgeht, die in dieser Personengruppe besonders hoch sind.

Informationsquelle: http://www.altenpflege-tod-und-sterben.de/ausloesefaktoren%20fuer%20suizid.htm

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