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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Bestattung
Ahasveru Offline

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Beiträge: 6.581

26.09.2005 09:39
Was ist Mumifizierung? antworten

Mumifizierung
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Mumifizierung ist eine künstlich vom Menschen betriebene Technik zur Konservierung eines Körpers, Körperteils eines Menschen oder eines Tiers unter bestimmten, meist trockenen Bedingungen. Wird ein ganzer Körper mumifiziert, spricht man von einer Mumie. Auch die Herstellung von Trockenfisch oder Backobst ist vom ihrem Prinzip her eine Mumifizierung.

Für den natürlichen Prozess, der zur Bildung von Mumien führt, siehe Mumifikation.
Inhaltsverzeichnis


* 1 Flüssigmumifizierung
* 2 Rauchmumifizierung
* 3 Mumifizierung im Alten Ägypten
o 3.1 Allgemeines
o 3.2 Aufbewahrung der inneren Organe
o 3.3 Veränderungen in der Mumifizierung
* 4 Literatur
* 5 Siehe auch

Flüssigmumifizierung

Diese Technik, die vor allem mit den alten Ägyptern assoziiert (hier: gedanklich verbunden) wird, besteht zunächst aus dem Herausziehen des Gehirns durch die Nase mittels Haken und dem Öffnen des Leichnams durch Keilschnitt, abdominal-lateral (Bauch, Unterbauch-seitlich) oder durch Weiten des Anus. In diese Öffnung wird eine Mischung aus Zedernöl, Radieschenpresssaft und Myrrhenöl eingeträufelt, der Leichnam dann mit angewinkelten Knien zusammengebunden und in einen länglichen, großen Tontopf (Pithos) gesteckt, der mit speziellem Öl aufgefüllt wird. Dort verbleibt der Leichnam etwa 4–6 Wochen und wird dann entnommen. Die inneren Organe, die sich durch die Ölmischung nun verflüssigt haben, fließen ab; nur das Skelett und die Haut bleiben übrig. Der Leichnam wird gewaschen, und äußerlich mit einer Mischung aus Kamel- oder Pferdeurin, speziellen Ölen und manchmal auch Weihrauchharz gegerbt.

Bei hochgestellten Persönlichkeiten war es üblich, die inneren Organe in spezielle Gefäße zu verbringen, den sog. Kanopen. Sie wurden also nicht verflüssigt. Das Herz beließ man an seinem Platz in der ausgestopften Leiche. Ironischerweise sind die billig mit Rettichöl balsamierten Körper statistisch am besten erhalten geblieben.

Gelegentlich wird der Leichnam zusätzlich mit einer Mischung aus Wolle, getrockneten, antiseptischen, wohlriechenden Kräutern und Weihrauchharzperlen ausgestopft. In der Archäologie ist umstritten, ob diese Technik originär von den alten Ägyptern, insbesondere zur Zeit des ersten Pharaos, Minos, erfunden wurde. Einiges deutet darauf hin, dass die Technik ursprünglich in Kreta im Umfeld des minoischen Tempels entwickelt wurde, und Minos als Geschenk von den Kretern überbracht wurde, wenngleich der Auferstehungsgedanke selbst keine Wurzeln im alten Kreta hat.

Die Ägypter beherrschten die Kunst der Mumifizierung perfekt. Nach ihrer religiösen Überzeugung musste der Körper für ein Leben nach dem Tod unversehrt sein. Tausende von Mumien wurden im Laufe der Zeit gefunden, darunter auch einige von Herrschern. Die bekanntesten dürften die Mumien von Ramses II. und Tutanchamun sein.

Bedingt durch den hohen Preis der Öle und Substanzen, die für die Mumifizierung im alten Ägypten notwendig waren, gab es entsprechend unterschiedliche Qualitäten der Mumifizierung. Pharaonen und ihre Gattinen, gelegentlich auch Katzen, die als Tiergötter verehrt wurden, wurden durchweg mit der höchsten Qualitätsstufe mumifiziert, was nur in Ausnahmefällen bei königlichen Schreibern und anderen hochgestellten Staatsbediensteten der Fall war. Auch reiche Bewohner konnten sich eine Mumifizierung leisten. Eine Mumifizierung mittlerer Qualitätsstufe kostete, auf heute umgerechnet, etwa 30.000 Euro, was jedoch dadurch relativiert wird, dass die meisten Bürger völlig mittel- und besitzlos waren.

Ägyptische Mumien von einfachen Ägyptern wurden in vergangenen Jahrhunderten vielfach zu Wunder-Arzneimitteln verarbeitet. Das Auswickeln von Mumien war im 19. Jahrhundert ein Party-Ereignis in gehobenen Kreisen.

Verschiedene Völker Südamerikas betrieben ähnlichen Aufwand mit ihren Toten wie die Ägypter. Im Unterschied zu diesen waren ihre Mumien nicht liegend in ausgestreckter Haltung, sondern sitzend-kauernd bestattet.

Auch in der Neuzeit wurden Leichname für die Nachwelt konserviert, nicht aus religiösen, wohl aber aus ideologischen Gründen. Beispiele dafür sind die Mumien von Lenin und Mao Tse Tung.


Rauchmumifizierung

Bei dieser Technik wird der Leichnam, nachdem er gewaschen und mit bestimmten Substanzen vorbehandelt wurde, zusammengebunden und an einem Ast aufgehängt, unter dem ein stark rauchendes Feuer entzündet wird. Der Leichnam hängt dort mehrere Tage und färbt sich im Verlauf des Vorgangs schwarz. Anschließend wird er begraben. Diese Technik war bei den Ureinwohnern Australiens und Neuseelands Brauch, allerdings finden sich auch im alten Indien Spuren dieser Mumifizierungsmethode.

Auch diese Technik erlaubt es, Lebensmittel haltbar zu machen. (siehe auch Räuchern)


Mumifizierung im Alten Ägypten

Siehe Hauptartikel: Mumifizierung im Alten Ägypten


Allgemeines

Einer der Gründe, warum die Mumifizierung im alten Ägypten so beliebt war, ist wohl der Glaube an ein Leben nach dem Tod (siehe Totenkult).Die Ägypter begruben ihre Toten ab der Prädynastischen Zeit in der Wüste, wo sie durch Trockenheit, Hitze und Salzgehalt des Sandes natürlich konserviert wurden. Als sie jedoch anfingen sie in Särgen und Gräbern zu beerdigen, stellten sie fest, dass die Toten zu verwesen begannen. So experimentierten sie, bis sie wahrscheinlich die Erfahrungen, Fleisch und Fisch mit Salz zu präparieren, auf den Menschen übertrugen. Sie rieben die Körper mit Natronsalz ein, woraufhin sie trockneten. Ab den Alten Reich kam die "Bandagenmumifizierung" hinzu. Außerdem erkannte man, dass die inneren Organe entnommen werden mussten, um den Verwesungsprozess zu unterbinden. An deren Stelle kamen trockene Substanzen. Dann wurden die Toten mit Harz eingerieben und mit Bandagen umwickelt, die bei Frauen sehr einem Kleid und bei Männern einer Hose ähnelten. Im Laufe der Zeit gab es Veränderungen in der Mumifizierung und auch in der Aufbewahrung der inneren Organe.


Aufbewahrung der inneren Organe

Nach dem Tod beginnt der Verwesungsprozess zuerst bei den Organen und im Gehirn. Wenn sich das Gehirn zersetzt läuft es aus dem Hinterhauptloch heraus und es bleibt nur eine dunkelbraune schwammartige Masse aus den Resten der Blutgefäße und Hirnhaut im Schädel zurück. Die Ägypter hatten dies schon früh beobachtet und entfernten deshalb das Gehirn mit einem langen Haken durch die Nase heraus. Wissenschaftler waren deshalb lange der Meinung das Gehirn sei nicht entfernt worden, da sie keine Schäden an der Schädeldecke feststellen konnten. Die anderen Organe wurden durch einen einfachen Einschnitt im Bauch entfernt.

Für die Aufbewahrung waren schon in früher Zeit vier Kanopenkrüge Tradition. Sie waren aber wohl eher symbolisch, denn man fand oft leere und die dazugehörigen Organe noch im Körper. In späterer Zeit wurde die Verpackung der Organe aufwändiger. Man wickelte sie einzeln in Leinentücher, legte sie in die Kanopenkrüge und übergoss sie mit einem harzähnlichen Salböl. Diese Krüge standen oft in einem sargförmigen Steinkasten und die Verschlüsse der Krüge wurden oft zu Menschenköpfen ausgearbeitet. Doch auch jetzt war es nicht wichtig, dass alle Krüge wirklich gefüllt waren, Ritual war wichtiger als Realität!


Veränderungen in der Mumifizierung

Es gibt einige Veränderungen in der Mumifizierung des Alten Ägyptens. In sehr früher Zeit wurden die Toten so in Binden eingewickelt, dass jedes Glied einzeln verpackt wurde, um den Verstorbenen in der Welt jenseits möglichst viel Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Im Laufe der Zeit wickelte man die Toten in immer mehr Leinentücher ein, so dass sie fertig mumifiziert einem unförmigen Kokon ähnelten. Bei diesem Verfahren verbrauchte man ca. 375 Quadratmeter Stoff. Viele kleine Kostbarkeiten wie beispielsweise Schmuck, Skarabäen oder Halbedelsteine wurden mit eingewickelt. In dieser Zeit legte man die fertige Mumie mit samt der Maske aus stuckiertem, bunt bemaltem Leinen in einen Holzsarg, der eine grobe menschliche Form hatte. Diesen Holzsarg mit der Mumie legte man in einen zweiten rechteckigen Steinsarg. Dem Glauben der Ägypter nach kann der Tote durch die großen auf der Maske aufgemalten Augen und die an der Wand am Kopfende des Steinsarges aufgemalten Augen (die Mumie liegt auf der Seite) hinaus in die Welt blicken.


Literatur

* Alan Gardiner: Egypt of the Pharaos (1962), deutsch als: Geschichte des Alten Ägypten, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart
* Hans Georg Wunderlich: Wohin der Stier Europa trug (1975), englisch als: The Secret of Crete, Efstathiadis Publ., Anixi Attikis
* Mircea Eliade: Histoire des croyances et des idées religieuses (1976), Ed. Pavot, Paris, deutsch als: Geschichte der religiösen Ideen, Herder Verlag, Freiburg, 5 Bde.
* Jan Assmann: Tod und Jenseits im alten Ägypten (München: Beck, 2001)
* Milan Racek: Die nicht zu Erde wurden - Kulturgeschichte der konservierenden Bestattungsformen (Wien: BV, 1985)
* Renate Germer: Mumien (Artemis & Winkler, 2001)
* Klaus Volke: Die Chemie der Mumifizierung im alten Ägypten. Chemie in unserer Zeit 27(1), S. 42 - 47 (1993), ISSN 0009-2851


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