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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Trauerfeier - Trauerritual - Trauertexte
Jana78

14.10.2005 13:35
christliche Rituale antworten
CHRISTLICHE ABSCHIEDS- STERBE- UND TRAUERRITUALE

Gestaltung von Totenwachen

Die meisten Zeitgenossen wissen noch, wie sie einen Geburtstag feiern. Wissen wir noch, was wir beim Versterben tun sollen? Es ist nicht gut, wenn wir in dieser existentiellen Situation des Trauerns erst ein Ritual erfinden müssen. Fixe Rituale des Trauerns, des Abschiednehmens und des Hoffens geben Sicherheit und Orientierung in diesen schwierigen Übergangssituationen. Als Christen können wir den Menschen unserer Tage mit dem Schatz der Gebete und Zeichenhandlungen wirklich helfen. Weil jeder Mensch anders trauert braucht es bei der Begleitung Trauernder ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit. Wenn wir Trauernde begleiten, müssen wir bedenken: Der Tod beendet ein Leben, aber nicht eine Beziehung.


I. INHALTLlCHE ASPEKTE BEI TOTENWACHEN

1.1 Rollenverteilung:

Vorbeten heißt nicht alles allein beten. Die Rolle des Vorbeters ist eine WIR-Rolle: Ich bete für und mit anderen. Ich bete mehr mit als vor.

Gibt es jemanden, der z.B. eine Lesung bei einer Totenwache übernehmen kann oder der beim Singen hilft? Auch wenn ich alles tun kann, ist es wie bei jedem Gottesdienst das Ziel, dass alle in das Gebet aktiv einbezogen sind. Das erreicht man in besonderer Weise dadurch, dass möglichst viele einen Dienst übernehmen (Lektor, Fürbittensprecher, Vorsänger, Vorbeter).

1.2 Persönlich bleiben:

Ich stelle mir beim Aussuchen der Gebete die Menschen vor, für die ich vorbereite: was entspricht ihnen, welcher Text könnte für sie passen, welche Lieder können sie vielleicht singen, gab es ein Lieblingslied des Verstorbenen/der Verstorbenen, ein besonderes Bild, ...? Ideal ist es, wenn bei der Vorbereitung schon andere Mitfeiernde einbezogen werden können. Fromme Floskeln können sehr verletzen.

1.3 Die Art des Sprechens:

Vorbeten ist nicht Vorleiern! Das Gebet muss gut hörbar aber auch natürlich sein. Das Gespräch mit Gott ist "echt".

Verschiedenartigkeit der Texte unterscheiden:

-Lesungen sind Botschaften Gottes an die Gemeinde und an mich, als Lektor/in.

-Begrüßungen, Erklärungen sind konkrete Anrede an die Mitfeiernden (persönlich sprechen – Blickkontakt herstellen).

-Gebete sind keine Lesungen. Man soll spüren, dass ich zu Gott spreche.

-Meditationstexte müssen ruhig vorgelesen werden, damit man langsam mitdenken kann.

-Rosenkranz beten kann auch melodisch, d.h. auf einem gleichbleibenden Ton gebetet werden.

1.4 Die pastorale Bedeutung von Totenwachen:

Im Sinne Jesu ist es ein Auftrag an die Kirche - an uns – für Menschen in Not und Trauer die Botschaft der Auferstehung lebendig zu halten. Das gelingt beim gemeinschaftlichen Beten oft besser als durch eine Ansprache. Die Totenwache ist eine Form, mit der wir die Sorge Jesu für die Menschen durch die Zeit hindurch fortsetzen. Das gemeinsame Gebet bei den Angehörigen ist eine Erfahrung der Gemeinschaft mit Christus und es ist eine Erfahrung menschlicher Gemeinschaft die stärker ist als der Tod.

1.5 Was soll bei Totenwachen unbedingt vorkommen?

-für Verstorbenen beten um Erlösung, Seelenheil [Rosenkranz und Meditationen, Litaneien, Gebete für die jeweilige Situation des Sterbens, …]

-für Angehörigen beten um Trost, Beruhigung [Lieder {mehrstimmig!}, Atmosphäre des gemeinsamen Gebetes, Trostworte]

-in Gemeinschaft trauern [beten, trinken, reden, essen, …]

-weinen dürfen: Leid, Trauer zulassen helfen [auch Unverständnis aussprechen, Gott sagen, dass man es nicht versteht, dass es schmerzt, ihn auch anklagen dürfen, {Psalmen}]

-sich erinnern, Dankbarkeit: wer war sie/er? [mit Foto, Symbol aus dem Leben, Erinnerungen erzählen, muss authentisch sein, nicht nur beschönigen, man kann sich auch an schwierige Situationen erinnern – Versöhnung ansprechen, …]

-Gott für Verstorbene danken

-Ehrlichkeit: kein falsches Idealbild beschreiben

-Abschied ermöglichen, gehen lassen [sich lösen, benennen, dass sie/er wirklich tot ist, Segnen mit Weihwasser]

-noch in Beziehung sein mit Verstorbenen – ihn/sie anreden

-Glaube an die Auferstehung feiern [nicht als fromme Formel, sondern als begründete Hoffnung]

1.6 Was hilft, damit diese Inhalte von den Angehörigen und den Mitfeiernden erlebt werden?

-Klare Struktur im Ablauf

-Gestaltung des Raumes – Bedeutung der Osterkerze bzw. Taufkerze des Verstorbenen

-Symbolhandlung (Kerzen anzünden, [Leichnam segnen], Weihrauch einlegen, Blumen ablegen, Sarg berühren, Sarg mit Weihwasser segnen, …

-Gebetsatmosphäre, in Gebet eingebettet sein (Rosenkranz schafft eine starke Erfahrung, dass wir alle jetzt beten, dass ich in das Gebet gehüllt werde – aber diese Gebetsform muss von den Angehörigen gewollt werden.)

-Singen, wenn es möglich ist (nicht zu viel "Halleluja"), auch mehrstimmig singen (Gesangsgruppen sind wichtige Partner für Totenwachen und Begräbnis)

-nicht zu viele Texte vorlesen - nicht zu viel gemeinsam lesen müssen

-Stille

-nicht zu "kitschig", zu "lieblich", übertrieben "lobhudelnd" reden – persönlich, aber mit Offenheit und möglichst hoher Realitätsnähe

-durch Gebete und freie Worte auf Situation, Persönlichkeit der/des Verstorbenen eingehen – keine frommen Formeln aufdrücken.


II: Gottesdienstablauf für Totenwachen:

-Raumgestaltung ist besonders wichtig: Kreuz, Kerzen, Weihwasser, Blumen (Weihrauch)


Struktur:

Eröffnung: persönliches Wort zur Situation, zur Person des Verstorbenen / der Verstorbenen, sich erinnern …)

Eröffnungsgebet (und/oder Eröffnungslied)

Psalm (z.B. Psalm 23 oder Psalm 27)

Lesung aus der Heiligen Schrift

Andachtsteil:

Rosenkranz mit Betrachtungen

Falls der Rosenkranz nicht erwünscht ist kann man andere Andachts, bzw. Meditationsformen wählen

-z.B. Teile aus der Andacht zum Totengedenken GL 791,

-Die Sieben Worte Jesu am Kreuz (z.B. aus "Leiden, Krankheit, Tod")

Totenwache als Kreuzweg, z.B. aus "Leiden, Krankheit, Tod", Seite 130, ein verkürzter Kreuzweg mit 7 Schriftworten)

eine Bildmeditation (z.B. "Das Totengebet – zu den Themen Brücke, Weg, Bahnsteig, Weizenkorn, Baum, Kreuz)

wenn der Sarg in der Kirche steht, einladen, in Prozessionsform den Sarg mit Weihwasser zu besprengen

persönliche Gebete und Trostworte zur Besinnung zusammenstellen.

Fürbitten (oder Litanei)

bei jeder Fürbitte eine Kerze anzünden

vor dem Fürbittgebet Weihrauch einlegen

Vaterunser

Segensgebet


Quelle: http://www.gottesdienst.cc

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