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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Wissenswertes zum Hospiz und zur Hospizarbeit
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 6.581

12.10.2005 21:02
Erklärungen und Definitionen: antworten

Erklärungen und Definitionen:

Aktive Sterbehilfe:

Aktive Sterbehilfe (Euthanasie) ist die vorsätzliche Tötung von Menschen zur Beschleunigung oder Vorverlegung eines Sterbevorgangs auf Verlangen oder ohne Verlangen der Betroffenen. Ziel der Handlung ist es, den schnellen Tod des Menschen herbeizuführen - zu töten.

Passive Sterbehilfe:

Passive Sterbehilfe ist die Entscheidung des Arztes, bei sterbenden Menschen auf eine lebensverlängernde Therapie zu verzichten oder eine begonnene lebensverlängernde Therapie zu unterbrechen. Ziel dieser Maßnahme ist es, schwerkranken, sterbenden Menschen die Möglichkeit zu geben, an ihrer Krankheit zu sterben - sie sterben zu lassen. Der Begriff "Passive Sterbehilfe" ist eher unglücklich gewählt, da ärztliches Handeln nicht passiv sein kann. Es geht vielmehr darum, die Therapie bei einem sterbenden Patienten zu verändern - von der klinischen Vollversorgung, wie im Heilungsauftrag beschrieben, hin zur Palliativmedizin einschließlich Symptomkontrolle.
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Palliativmedizin:

Palliativmedizin, eine moderne Form der Schmerztherapie, ist die Behandlung von Patienten mit einer fortgeschrittenen, permanent fortschreitenden Erkrankung. Sie sorgt für Schmerzlinderung und Linderung der Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Darmstillstand. Hauptziel der Behandlung ist die Erhaltung maximal möglicher Lebensqualität. Palliativmedizin ist eine eindeutige Absage an die aktive Sterbehilfe.

Grundprinzipien der Hospizarbeit

Hospize erkennt man also nicht an äußeren Baulichkeiten, sondern an der Verwirklichung von 5 Grundprinzipien:

1.

Hospiz-Dienste zentrieren sich ganz um die Wünsche sterbender Menschen und ihrer Angehörigen. Sie berücksichtigen dabei insbesondere die vier Kernbedürfnisse sterbender Menschen:
- Das Bedürfnis, im Sterben nicht alleine gelassen zu werden, sondern an einem vertrauten Ort (möglichst zu Hause) inmitten vertrauter Menschen zu sterben.
- Das Bedürfnis, im Sterben nicht unter Schmerzen und an deren körperlichen Beschwerden leiden zu müssen.
- Das Bedürfnis, noch letzte Dinge ("unerledigte Geschäfte") zu regeln.
- Das Bedürfnis, die Sinnfrage (Sinn des Lebens, Sinn des Sterbens u.ä.) zu stellen und die Frage des "Danach" zu erörtern.
- Hospize wenden sich hierbei (im Unterschied zum herkömmlichen Gesundheitswesen) nicht nur an den sterbenden "Patienten", sondern ebenso auch an die, die ihm nahe stehen (Familie, Partner, Freunde).
2.

Dem Sterbenden und seinen Angehörigen steht ein interdisziplinär arbeitendes Team von Fachleuten zur Verfügung. Ihm gehören mindestens Arzt, Krankenschwestern, Sozialarbeiter und Seelsorger an. Die Teammitglieder unterstützen nicht nur die betroffene Familie, sondern stützen sich auch gegenseitig v.a. in emotionaler Hinsicht.
3.

In die Arbeit aller Hospize werden freiwillige Helfer einbezogen. Sie dienen einerseits dazu, dass Sterbebegleitung nicht ausschließlich zur Aufgabe für berufliche Helfer wird.. Ferner tragen sie zur Integration des Sterbenden und Angehörigen in das Gemeinwesen bei.
4.

Das Hospiz-Team verfügt über spezielle Kenntnisse und Erfahrungen in der Therapie von Schmerzen und anderen Sterben belastenden Körperreaktionen. Hier hat die Hospizbewegung insbesondere eine relativ einfache, auch ambulant gut durchführbare Methode der oralen Schmerzbehandlung mit "Morphium" entwickelt, die es dem Patienten ermöglicht schmerzfrei und dennoch bei vollem Bewusstsein (kommunikationsfähig) zu bleiben. Diese Kenntnisse eingebettet in das Wissen darum, dass Schmerzen nicht eine physische, sondern stets auch eine psychische, soziale spirituelle Dimension haben.
5.

Das Hospiz-Team gewährleistet Kontinuität in der Betreuung. Hierzu gehört einmal, dass die Familie sicher sein kann, rund um die Uhr einen kompetenten Mitarbeiter des Teams anzutreffen. Hierzu gehört aber auch, dass die Fürsorge des Teams für die Familie nicht mit dem Tod des geliebten Menschen endet. Die Angehörigen werden von dem Hospiz-Team auch durch die Phase der Trauer begleitet. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Prävention von Krankheiten bei den Hinterbliebenen.

Definitionen der Einrichtungen

[aus: "Palliativmedizin 2000;
Stationäre und ambulante Palliativ- und Hospizeinrichtungen in Deutschland"
Herausgegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz, (BAG Hospiz), Düren
der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, (DPG), Bonn
der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzens (DGSS), Köln]

Palliativstationen

Palliativstationen sind eigenständige, an ein Krankenhaus angebundene oder integrierte Stationen.
Aufnahmekriterien: Aufgenommen werden Patienten mit einer inkurablen fortgeschrittenen Erkrankung und Symptomen, wie z. B. Schmerzen, anderen Symptomen, psycho-sozialen Problemen, die einer Krankenhausbehandlung bedürfen.
Aufgaben: Für die Umsetzung eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes mit möglichst rascher Schmerz- und Symptomlinderung ist neben der kompetenten ärztlichen und pflegerischen Behandlung die enge Zusammenarbeit mit Seelsorgern, Sozialarbeiter, Psychologen, Physiotherapeuten und anderen Berufsgruppen erforderlich. Die Entlassung des Patienten in die häusliche Umgebung mit ausreichender Symptomkontrolle ist das Ziel der Behandlung.
Personelle Voraussetzungen: Ärztliche Präsenz über 24 Stunden muß sichergestellt sein, der Personalschlüssel sollte 1,4:1 (Pflege: Patient) sein.

Stationäre Hospize

Hospize sind eigenständige Häuser, die in der Regel über eine eigenständige Organisationsstruktur verfügen.
Aufnahmekriterien: In Hospizen werden schwerstkranke und sterbende Menschen mit einer inkurablen, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung betreut, bei denen eine stationäre Behandlung im Krankenhaus nicht erforderlich ist und eine ambulante Betreuung nicht möglich ist.
Aufgaben: Der Schwerpunkt liegt in der Überwachung von Schmerztherapie und Symptomkontrolle und in der palliativ-pflegerischen, psychosozialen und spirituellen Betreuung.
Personelle Voraussetzungen: Palliativmedizinisch geschultes hauptamtliches Personal, ergänzt durch ehrenamtliche Mitarbeiter. Gegenwärtig wird die ärztliche Betreuung überwiegend durch niedergelassene Ärzte sichergestellt.

Tageshospiz

Das Tageshospiz ist in der Regel einem Hospiz zugeordnet, kann jedoch auch als eigenständige Institution betrieben werden.
Aufgaben: Palliativ-pflegerische bzw. -medizinische und psychosoziale Betreuung von Patienten und deren Angehörigen. Ein wesentlicher Aspekt ist die Entlastung und Unterstützung des Patienten bzw. seiner Angehörigen, so dass der Patient möglichst lange in seiner häuslichen Umgebung bleiben kann. Die ärztliche Betreuung erfolgt überwiegend durch die Hausärzte.
Personelle Voraussetzungen: Palliativmedizinisch geschultes hauptamtliches Personal, ergänzt durch ehrenamtliche Mitarbeiter.

Ambulante Palliativdienste

sind Dienste, die in Kooperation (s. u.) Patienten und ihre Angehörigen zu Hause betreuen.

Aufnahmekriterien: Betreut werden schwerstkranke und sterbende Menschen mit einer inkurablen, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung und Symptomen, bei denen eine stationäre Behandlung im Krankenhaus oder im Hospiz nicht erforderlich ist und eine ambulante Betreuung möglich ist.
Aufgaben: Schwerpunkte in der Arbeit sind Überwachung der Schmerztherapie und Symptomkontrolle, bei Bedarf Übernahme palliativpflegerischer Maßnahmen (schwierige Verbandswechsel, Umgang mit PCA-Systemen [patient-controlled-analgesia ist eine Möglichkeit, bei der der Patient sich selbst die erforderliche Menge an Schmerzmitteln über eine Pumpe intravenöse zuführt] usw.), Anleitung und Beratung von Angehörigen bei medizinisch-pflegerischen Tätigkeiten, psychosoziale Begleitung der Patienten und ihrer Angehörigen, Hilfe bei der Bewältigung des Krankheits- und Sterbeprozesses, Trauerarbeit, sozialrechtliche Beratung und Hilfestellung. Erreichbarkeit rund um die Uhr muss gewährleistet sein. Ambulante Palliativdienste verstehen sich als Ergänzung zu den bereits bestehenden und begleitenden Diensten und sind zur Kooperation mit Hausärzten, Palliativstationen, schmerztherapeutischen Einrichtungen, Hospizen und Krankenhäusern verpflichtet. Die Grund- und Behandlungspflege wird in der Regel weiterhin durch die bereits bestehenden und begleitenden ambulanten Dienste durchgeführt.
Personelle Voraussetzungen: Ein palliativmedizinisch geschultes hauptamtliches Team, ergänzt durch ehrenamtliche Mitarbeiter.

Ambulanter Hospizdienst

Aufgaben: Ambulante Hospizdienste haben die Möglichkeit, durch die Mitarbeit Ehrenamtlicher schwerstkranke und sterbende Menschen und ihre Familien zu Hause bzw. in Pflegeeinrichtungen und Hospizen zu unterstützen. In Gesprächen begleiten sie Kranke und Angehörige in der Auseinandersetzung mit Krankheit, Schmerz, Abschied und Trauer. Der ambulante Hospizdienst arbeitet mit den anderen ambulanten Diensten in enger Kooperation zusammen. Er übernimmt z. T. Sitzwachen, vermittelt Informationen und Ansprechpartner zu Fragen der Schmerztherapie und Symptomkontrolle, unterstützt und berät in behördlichen Fragen und steht häufig auch über den Tod hinaus mit den Angehörigen in Kontakt.
Personelle Voraussetzungen: Häufig werden sie von einer hauptamtlichen Koordinierungskraft geleitet, deren Hauptaufgabe die Gewinnung, Befähigung und der Einsatz Ehrenamtlicher sowie die Vernetzung mit anderen Diensten ist.
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Hospizinitiativen

Hospizinitiativen sind Dienste in der strukturellen Anfangsphase, die sich mit der Umsetzung der Hospizidee befassen und vor allem Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Eine Betreuung von Patienten wird (noch) nicht angeboten.

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