Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Augenblicke zwischen Leben und Tod


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 4.527 mal aufgerufen
 Verlust und Trauer
ingoborm Offline

Webmaster und Administration Technik

Beiträge: 937

12.10.2005 19:08
Trauerphasen und Traueraufgaben antworten

Trauerphasen und Traueraufgaben

1. Phase:

Aufgabe:

Schock, Verleugnung, Nicht-wahrhaben-Wollen,
Den Verlust als Realität akzeptieren

Symptome:

Betäubung, Empfindungslosigkeit, Starre, Unglauben vor allem nach dem plötzlichen Tod eines nahestehenden Menschen, "böser Traum",
Unwirklichkeit krampfhafte Haltung, stilles Weinen, lautes Schluchzen, "Zusammenbruch";
"normale" Reaktion innerhalb eines Zeitraums von einigen Stunden bis zu drei Wochen.

Hilfen:

- evtl. alltägliche Pflichten übernehmen

- Akzeptieren der Empfindungslosigkeit

- detailliert und wiederholt über den Verlust sprechen lassen, um die Realisierung zu unterstützen

- Unterstützung bei Aufbahrung und Verabschiedung, Beerdigung (offenes Grab) und ersten Friedhofsbesuchen

- Nähe und Wärme bieten, Zusammensein mit FreundenInnen und Angehörigen fördern, ohne die Betroffenen zu bevormunden.

Blockaden oder problematische Reaktionen:

- Nicht-wahrhaben-wollen
als dauernde Abwehr,Weiterleben, als wäre nichts geschehen, Verharren in der Verleugnung:

- Leugnung der Tatsache des Verlustes

- Mumifizierung der Besitztümer der/des Verstorbenen

- Leugnung der Bedeutung des Verlustes und Entwertung ("Er war kein guter Vater", "Mir fehlt nichts")

- Verzerrung, z. B. dadurch, daß die/der Verstorbene in einem anderen Menschen weiterlebt (häufig bei Verlust von Kindern)

- selektives Vergessen

- Leugnung der Endgültigkeit des Todes (z. B. spiritistische Praktiken)

2. Phase:

Aufgabe:

Aufbrechende Gefühle,
Den Trauerschmerz erfahren

Symptome:

Gefühlschaos von Trauer, Angst, Wut, Hilflosigkeit, Schuldgefühlen, unbegründete Heiterkeit, Suche nach Schuldigen, Ruhelosigkeit, Gewichtsverlust, Schlafstörungen, Anfälligkeit für Infektionen.

Hilfen:

- Erlaubnis geben, die Gefühle zu zeigen, sich gehen zu lassen

- Hilfe bei der Identifikation und Artikulation von Gefühlen

- Angst vor dem "Verrücktsein" beruhigen durch Hinweis auf die "Normalität" des emotionalen Chaos

- Sprechen über die/den Toten, über die Beziehung, über das, was fehlt, aber auch über das, was nicht fehlt

- sensibel sein für verdeckten Ärger auf die/den Verstorbene/n

- Erlaubnis geben, daß beides sein darf: "Ich liebe dich und ich bin wütend auf dich!"

- Autoaggression auf die/den Verstorbene/n richten lassen

- Realitätsprüfung von Schuldgefühlen: "Was haben Sie wirklich getan oder unterlassen?"

Blockaden und problematische Reaktionen:

- andauernde Gefühlslosigkeit, Unterdrückung und Gedanken-Stop

- Verschweigen des Verlustes

- äußerer Druck oder verinnerlichte Normen,z. B. sich nicht zu grämen, oder daß Trauern depressiv macht, egoistisch ist oder ein Zeichen von Unglauben

- Idealisierung der/des Toten oder des Todes

- Flucht durch Ortswechsel

- Flucht durch Überaktivität

3. Phase:

Aufgabe:

- Suchen und Sich Trennen

- Sich anpassen an eine Umwelt, in der die/der Verstorbene fehlt

Symptome:

- Innere Zwiegespräche, gedankliche Besetztheit ("Ich kann an nichts anderes denken als an die/den Verstorbenen"),

- Suche in Träumen, auf der Straße, an Orten, die mit der/m Verstorbenen zu tun hatten;

- Erfahrung des Findens und Sich- Trennen-Müssens, aber auch, daß die/der innere Partnerin und die Beziehung sich verändert;

- Erkennen des Ausmaßes des Verlustes,

- Prüfung der Möglichkeiten eines Ersatzes bzw. einer Übernahme von Rollen;

- Revision und beginnende Neudefinition der Lebensziele

Hilfen:

- regelmäßiges Sich-Kümmern, vor allem zu Zeiten, die mit der/dem Verstorbenen verbunden sind (Geburts-, Hochzeits-, Todestag, Ferien, Festtage)

- nicht drängen, das "unsinnige" Suchen aufzugeben

- Erlaubnis, Geschichten und Phantasien bzgl. der/des Verstorbenen immer wieder zu erzählen und die sich einstellenden Emotionen zuzulassen

- Rollenübernahme unterstützenund bei Problemlösungen helfen

- von zu frühen oder weitreichenden Entscheidungen abraten

- Schwankungen zwischen Realisierung und "Flucht" einkalkulieren und erklären

- Coping-Strategien (Bewältigungsmuster), persönliche Abwehrmechanismen beobachten und ggf. vorsichtig deren Sinnhaftigkeit ansprechen

- Herausarbeiten: Was ist mir geblieben, was hat die/der Verstorbene aus mir "herausgeliebt"?

Blockaden oder problematische Reaktionen:

- exzessives Suchtverhalten

- Intensivierung des Suchens und Festhaltens, Nicht-Loslassen

- Rückzug von der Welt

- Beharren In der eigenen Hilflosigkeit und Verweigerung des Abschieds

4. Phase:

Aufgabe:

- Neuer Selbst- und Weltbezug

- Eine neue Beziehung zu sich selbst und zur Umwelt finden;

- starke gefühlsmäßige Bindung an die/den Verstorbene/n lösen und in neue Beziehungen investieren

Symptome:

- Der Verlust ist akzeptiert, neue Aufgaben und Rollen können übernommen werden;

- neues Selbstvertrauen und neue Selbstachtung sind gewachsen, neue Beziehungen sind möglich,ohne daß die/der Verstorbene und ihre/seine Bedeutung vergessen sind.

Hilfen:

- meist unnötig, möglicherweise kontraindiziert, wenn sie die neue Selbständigkeit der/des Trauernde/n ignorieren

- eventuell Versuche zu neuen Beziehungen unterstützen

Blockaden oder problematische Reaktionen:

- neuer Selbstand und neue Beziehungen werden als Untreue gegenüber der/dem Verstorbenen erlebt und verhindert

- Rückfälle werden nicht einkalkuliert und führen zu tiefen Enttäuschungen

- Vermeidung neuer Beziehungen aus Angst vor neuen Verlusten oder den Reaktionen der Umwelt

- Abwendung vom Leben,den Lebenden und der Liebe

Bitte beachten:
1. Trauer braucht Zeit (kann bis 8 Jahre gehen)
2. Die Phasen laufen nicht linear ab
3. Ob eine Reaktion "normal" oder "pathologisch" ist, hängt von ihrer Dauer und ihrer Intensität ab (keine vorschnelle Pathologisierung).

Quelle: Schulungsunterlagen Christophurus e.V. Berlin

 Sprung  

Zugriffsstatistik:
counter

Impressum und Haftungsausschluss - Hinweis zu den Informationen hier

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de