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Hallo, Lisbeth,
diese Erfahrung, dass man spürt, dass die anderen von der Trauer genervt sind, und meinen, nun müsse es aber mal gut sein, machen leider viele Menschen, die trauern. Das Schlimmste, von dem ich bisher gehört habe, ist von einer sehr lieben Freundin, deren 20jährige Tochter sich vor 3 Jahren das Leben genommen hat, und die dann tatsächlich nach 2 Monaten von einer Nachbarin hörte "nun müsse es aber mal gut sein mit dem Trauern..."
Ich denke, diese Menschen meinen das noch nicht einmal böse. Zum einen denke ich, haben diese Menschen selbst Angst vor dem Tod und verdrängen dieses Thema. Ein trauernder Mensch aber verhindert, dass diese Menschen es verdrängen können, denn er ist ja geradezu der lebende Beweis dafür, dass Sterben und Tod etwas sind, dem man sich stellen muss.
Das Sterben und der Tod werden in unserer Gesellschaft so sehr ausgeklammert, das Sterben findet nicht mehr sichtbar statt, man sieht heute ja kaum noch einen Toten. Früher war es üblich, dass die Verstorbenen zuhause aufgebahrt worden sind, das Sterben und der Tod waren ein Teil des Lebens. Hier auf dem Land ist es in gewisser Weise immer noch so, die Verstorbenen liegen mindestens einen Tag öffentlich aufgebahrt in der Totenhalle des Friedhofs, und abends wird dort der Rosenkranz gebetet, am offenen Sarg. Aber auch auf dem Land ist das schon seltener geworden. Heute ist das Sterben und der Tod selbst für die Ärzte nur noch ein "Gegner", den es zu bekämpfen gilt, und wenn der Patient stirbt, wird das als "Niederlage" empfunden.
Das alles ist keine normale Einstellung zu Sterben und Tod. Und somit geht auch die Einstellung zum Trauern und zu den Trauernden immer mehr verloren. Und die Medien tun ihren Teil dazu, denn in den Medien sind Sterben und Tod meistens "leicht" und Trauer wird ganz selten dort gezeigt...
Vielleicht wäre es hilfreich für Dich, eine Trauergruppe aufzusuchen. Die werden oft von den Kirchen, der Caritas oder der Diakonie angeboten, aber auch Volkshochschulen bieten so etwas hin und wieder an. In solchen Gruppen muss man nichts erklären, und man wird ganz gewiss nicht die Erfahrung machen, dass dort irgendjemand sagt oder auch nur denkt "Nun ist es aber genug"...
Einen lieben Gruss
vom Einsiedler aus dem Bayrischen Wald
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