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Hallo!
Zur Info: ich arbeite in einem Wohnheim für ehemals Obdach- und Wohnungslose in Wien. Tagsüber ist Personal (Sozialarbeiter, WOhnbetreuuer) im Haus, abends (nicht immer) eine pädagogische Abendbetreuuerin.
Eine Bewohnerin unseres Hauses hat Lungenkrebs mit Metastasen im Gehirn. Diese Metastasen wurden in einer OP im Juli 2010 entfernt und anschlißend bestrahlt. Die Lunge sollte laut Ärzten erst danach mit Chemotherapie "behandelt" werden. Die Ärzte geben zwar keine zeitliche Prognose ab, sind jedoch davon überzeugt, dass die Erkrankung nicht mehr heilbar ist.
Die Bewohnerin ist zusätzlich psychisch erkrankt. Uns fällt es zur Zeit sehr schwer, auseinanderzuhalten, was auf die Krebserkrankung und ihre Folgen zurückzuführen ist und was aufgrund ihrer psychischen Erkrankung beruht. Ihre Wohnung ist schon lange allgemein sehr verwahrlost und wir machen uns große Sorgen, wie es weitergehen soll. Im Kühlschrank ist noch das Essen von 2008. Die Wohnung ist einfach in einem katastrophalen Zustand: alles ist angeräumt und schmutzig. Man kann sich darin kaum bewegen. Wir sind gerade damit beschäftigt, die Wohnung etwas zu räumen. Aber auch das ist für uns eine Gratwanderung, da die tausenden alten Zeitungen immer wieder mit Dingen vollgekritzelt sind und für die Bewohnerin einfach sehr wichtig sind. Sie hat einfach eindeutige Tendenzen zum Hoarding. Trotzdem müssten wir hier über eins unserer Prinzipien (nämlich das, dass wir die Bewohner so annehmen wie sie sind) hinwegtreten, um ihr einen geeigneten Rahmen für die Erholung zwischen den Chemos zu schaffen... :(
Die Bewohnerin hatte vor kurzem (und auch schon längerfristig zurückliegend) richtiggehend Ausraster: Sie kotet die Wohnung ein, setzt sie unter Wasser, erbricht sich, ist aggressiv, sehr verwirrt und desorientiert. Wir vermuten dass das auch damit zusammenhängt, dass die Bewohnerin ihre Medikamente nicht verlässlich zu sich nimmt. Problematisch ist, dass sie auf diese Selbstbestimmung pocht und sehr agrressiv wird, wenn man sie dabei unterstützen möchte.
Die Bewohnerin ist derzeit in stationärer Behandlung im KH. Geplant ist, dass sie zwischen den Chemotherapien immer wieder nach Hause kommt. Das KH meinte, es kümmert sich um einen Hospiz-Platz, wenn es nicht mehr möglich ist, die Frau hier wohnen zu lassen. Der Punkt wäre unserer Ansicht nach längst erreicht...
Da wir (als soziale Betreuuer) in dieser Sache schlicht und einfach überfordert sind, suchen wir nach Möglichkeiten, um der Bewohnerin erstens die notwendige Pflege zukommen lassen zu können und zweitens würdevollere Rahmenbedingungen bieten zu können. Sie braucht rund um die Uhr Beobachtung, die wir ihr nicht geben können. Was ist aber, wenn abends etwas passiert?
In unserem Haus befinden sich durchwegs Menschen ohne Lobby. Menschen vom Rande der Gesellschaft, die alles andere als einfach sind. Wir hoffen jetzt auf einen Platz in der Kurzzeitpflege. Was aber können wir noch tun, falls sie keinen Platz bekommen sollte?
LG Pixel
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