Ich bin völlig ratlos, denn ich empfinde keine Trauer. Ich habe meine Mutter verloren, sie monatelang gepflegt, es war eine schlimme Zeit. wir haben sehr viel gemeinsam erlebt. Ich war bei ihr, Tag ud Nacht. Meine Mutter hatte Krebes (Vulvacarzinom, metastasierende Leistenlymphknoten, die sich dann nöch öffneten und die Lymphflüssigkeit lief und lief und lief.) Ich höre noch immer ihre Schmerzensschreie, sehe sie in ihrem grünen T-Shirt apatisch auf der Bettkannte. Sie kam noch ins Hospiz für einige Stunde. als der Anruf von ihrem Tod in der Nacht kam, war ich nicht verzweifelt, konnte nicht weinen, ich schlief danach einfach ein. Ich kann mein Verhalten nicht nachvollziehen. Ich spüre keine Tauer, ich lebe so weiter, als wäre nichts passiert. Meine Söhne, sie wurden Beide von der Oma während meiner Berufstätigkeit betreut, die Oma bedeutete uns alles, spüren keine Trauer. Was ist nur mit mir und meinen Kindern geschehen. Ich habe angefangen zuu lesen (Kübler-Ross, hilft mir aber auch nicht weiter. ich komme mir vor, als wäre ich eingemauert. hat jemand schon so etwas erlebt und hat evtl. eine Erklärung für mich? Warum kommt an mich kein Gefühl ran; WAS IST NUR MIT MIR LOS!!!!
Hallo Iris Ich denke dein Verhalten ist ein reiner Selbstschutz ,denn um diese schwere Zeit mit und für deine Mutter durchzustehn hast du die ganze Zeit deine Gefühle hintenan gestellt, dich zusammengerissen und funktioniert,damit du alles schaffst und für sie da sein konntest. Die Trauer ist ganz sicher da, nur im Moment kannst du sie einfach noch nicht zulassen ,der Schmerz, die Erkenntnis dieser Endgültigkeit wäre zu übermächtig,zu gross . Denn auch wenn wir unsren Lieben die Ruhe gönnen und nicht wollen das sie leiden,ist es doch trotzdem so unendlich schwer sie gehenzulassen und ihr fortgehen zu akzeptieren. Du und auch deine Kinder, ihr braucht einfach Zeit, die Trauer und die Tränen werden zuzulassen und sie die Mauern durchbrechen zulassen. Momentan ist es dir nur noch nicht möglich diese Gefühle an dich ranzulassen,weil du das Leiden und alles was damit zu hatte noch gar nicht verarbeitet hast. Das du darüber schreibst ist doch auch schon ein Schritt . Du schreibst: Oma bedeutete uns alles... und genau das ist der Punkt, eben weil sie so viel bedeutete, der Verlust so riesengross und unvorstellbar ist, will man ihn nicht wahrhaben.. Ich denke es wäre für dich auf jeden Fall wichtig ,zuerstmal die Zeit ihres Leidens zu verarbeiten , um dann auch deiner Trauer Raum zu geben und sie zulassen zu können. Vielleicht gibt es die Möglichkeit sich mit Menschen die ähnliches erlebt haben auszutauschen .
Ich wünsche euch das ihr für euch und eure Trauer die richtigen Wege findet.. irgendwann wird der Moment kommen wo ihr sie zulassen könnt , vielleicht ein Besuch an ihrem Grab , vielleicht ein Ort an dem sie gern war, vielleicht ein letzter Brief an sie ,die alten Bilder im Fotoalbum... irgenwann wird irgendetwas eure Mauern durchbrechen lassen und dann wünsche ich euch liebe Menschen , die da sind, zuhören und euch auffangen.
Liebe Iris es ist eine ohnmächtige Fassungslosigkeit über all das was geschehen ist , die dich grade gefangenhält, aber ich denke in dem du drüber redest/schreibst wirst du dich langsam daraus befrein können.
Wünsche dir ganz viel Kraft und Mut für dich und deine Kinder. Gemeinsam schafft ihr das !
Hallo Iris, mo hat ganz recht. Vielleicht gibt es auch in der Nähe eine Hospizgruppe,Palliativstation/Palliativzentrum, Einrichtung der Caritas oder etwas ähnliches, wo Beratung und Begleitung für Trauernde angeboten wird. Diese Beratung oder auch Begleitung über einen bestimmten Zeitraum findet von professionell geschultem Personal statt und ist i.d.R. kostenfrei und trotzdem gut. Außerdem gilt immer: Jeder lebt seine eigene Trauer, jeder braucht seine eigene Zeit und Trauer ist nicht nur Traurigkeit und weinen, sondern auch Fassungslosigkeit, Sprachlosigkeit, Erschöpfung, Wut, Aggression, Erleichterung .... was es auch immer an Gefühlen gibt, kann und darf zur Trauer gehören. Ihr habt alle viel mitgemacht und ward in einem Ausnahmezustand, Stress pur, bevor eure geliebte Mutter/Oma von euch gegangen ist. Auch das will begriffen sein, bevor der Verlust begriffen werden kann. Du schreibst, dass kein Gefühl an dich ran kommt. Wirklich keines oder "nur" noch keine Traurigkeit. Spür in dich, welche Gefühle da sind und lasse sie zu? Dass du viel Kraft hast, hast du schon bewiesen, indem du deine Mutter monatelang gepflegt hast. Das war sicher eine schwere Zeit, die von vielen Tränen begleitet war. Ich wünsche dir die Kraft, die du brauchst um der Trauer in ihrer Vielfältigkeit begegnen und sie zulassen zu können. Harry
ich danke Dir ganz herzlich für Deine lieben Zeilen. Ich kam nun in eine Situation und spürte, dass ich noch jede Menge an Gefühlen habe, nur keine Trauer. Meine Schäfrhündin erkrankte und der Arzt machte mir keine großen Hoffnungen auf Heilung. Ich mußte weinen und weinen und weinen. Ich hänge sehr an meinen Hund und habe deshalb eine andere Klinik aufgesucht. Völlig aufgelöst kamen wir beide dort an. Es war alles so schlimm, ähnliche Situation wie bei meiner Mutter. Der Arzt untersuchte mein kleines Mädchen, ich bekam Medikamente und nach 2 Wochen mußten wir wieder zur Nachuntersuchung. Alles ok. und ich spürte wieder meine Gefühle. Du hattest völlig Recht, es sind jede Menge Gefühle vorhanden, nur noch keine Trauer. Am Montag fahre ich in das Hospiz, wo die Mama würdevoll eingeschlafen ist. Verstorben ist sie schon zuhause, zusammen mit mir. Die Damen möchten den Weg mit mir rückwärts gehen, um so die negativen Erlebnisse ihres Leidens zu verarbeiten. Viele liebe Grüße Iris