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Hallo George, ich weiß nicht was ich schreiben soll, bin ratlos,sprachlos und es ist so unreal. Vor fast drei Wochen bekam ich einen Anruf von meiner Mutter:"George ist tot." Ich wollte und konnte es nicht glauben.Mama gab mir die Nummer von Kalle und Rüschi, ich rief dort an und Kalle erzählte mir, das du wirklich tot bist. Mit Herzinfarkt tot umgefallen in deiner Wohnung. Mehrere Tage hast du dort tot gelegen,einsam,alleine. Das seltsame war, Ende Oktober dachte ich andauernd an dich, habe versucht Dich anzurufen,aber Du gingst nicht ans Telefon.Und ich dachte, du wärst einfach auf Achse wie so oft... bis Mama mich anrief.Ich schrie nur immer wieder NEIN! 5 Monate vorher war Deine Mutter gestorben nachdem du sie 10 Jahre gepflegt hast.Du warst nicht auf ihrer Beerdigung, niemand war da, nur ich.Sie spielten dort "Who wants to live forever"von Queen und ich saß da alleine in der Kapelle mit der Urne und dachte,das ich dieses Lied nie wieder hören kann, ohne die Urne deiner Mutter vor mir zu sehen. Ja und ich war damals wütend auf dich, das du nicht da warst, bin zu dir gefahren und du sagtest nur:" Das Taxi kam nicht..." George, damals habe ich dich echt gehasst dafür. Hätte mir jemand gesagt, das ich 5 Monate später dich verlieren werde, meinen besten Freund.... Wir kannten uns seitdem wir Windeln trugen, waren Nachbarn, wohnten Wand an Wand und haben uns mit Klopfzeichen verständigt.Wir waren unzetrennlich,wie Bruder und Schwester, siamesische Seelenzwillinge. Ich heiratete,bekam zwei Kinder, ließ mich wieder scheiden und zog 60 km weiter weg auf´s Land. Und du? Du warst nie ein Kind von Traurigkeit, hast die Feste gefeiert wie sie fielen, hast zu sehr gefeiert.Irgendwann fingst du an zu saufen.Es kam so langsam und schleichend.Und du warst wirklich widerlich wenn du besoffen warst. Wieder und wieder hab ich dich gebeten mit dem Trinken aufzuhören, weil du einfach ein wirklich wundervoller, intelligenter,sensibler,humorvoller Mann warst und ich sah, wie du dich Stück für Stück selbst zerstörtest.Warum? Weißt du noch, wie wir drüber nachdachten zu heiraten? Und wie wir zum selben Schluß kamen? Das wir beide keine so tolle Freundschaft auf´s Spiel setzen wollen für eine Ehe,die in die Brüche gehen kann.Uns war die Freundschaft wichtiger als die Liebe. Weißt du noch, wie wir uns immer gegenseitig zum Lachen bringen konnten egal wie hart die Umstände manchmal waren? Mir egal ob die Leute sagen,das du ja nur ein kaputter Säufer warst, sie kannten dich nicht so wie ich dich kannte und niemand hat die Chemie zwischen uns kapiert.Wir selbst wohl am allerwenigsten.Wir waren zwei Seiten einer Medaille. George, ich habe dich für deine Trinkerei gehasst, wirklich gehasst.Es tat einfach so hundsgemein weh, dir zuzusehen wie du dich selbst vernichtest. Du bist der Grund dafür, das ich keinen Alkohol anrühre, das ich panische Angst und Ekel vor dem Zeug habe. Manchmal habe ich überlegt ob ich dich nicht einfach fallen lasse, aber das konnte ich nicht, nicht nach 40 Jahren Freundschaft.Irgendwann wurde mir klar,das du dich zerstören willst-warum auch immer- und das ich dich gehen lassen muß,das du vor mir sterben wirst und ich nichts aber auch gar nichts tun kann um dich von deinem Weg abzubringen.George, ich habe aus Freundschaft und Liebe deinem Sterben zugesehen.Ich war nie eine feige Ratte,die das sinkende Schiff verläßt und das ich den Weg mit dir bis zum bitteren Ende gehen werde. Am Tag nachdem ich von deinem Tod erfuhr spielten Deep Purple in Kiel.Das war deine und meine Lieblingsband. Ich fuhr nach Kiel und feierte deinen Tod auf dem Konzert, nahm von dir Abschied durch das was uns verband, du hättest es so gewollt.Ich habe mit Holgi und Waldi gelacht und war fröhlich, aber innen drin war alles wie versteinert.Du hast immer gesagt:"Kümmert euch nicht um die Toten,die sorgen für sich selbst,kümmert euch um die Lebenden." Nur George, jetzt wo du nicht mehr bist, merke ich erst wie sehr du ein Teil von mir warst, wie tief unsere Freundschaft wirklich war und das wir uns geliebt haben und ja, ein Teil von mir ist mit dir gestorben und ist jetzt bei dir.So wie ein Teil von dir bei mir ist. Nie wieder werde ich einen Freund wie dich haben,der durch dick und dünn mit mir ging und ich mit ihm,dem ich immer vertrauen konnte, der immer loyal war.Nie wieder wird mir jemand so nahe sein wie du.Ich habe dich lieb,mein Freund, ich vermisse dich,werde dich,deine Wärme und dein Lachen immer vermissen. Jetzt muß ich lernen mit nur einem Bein zu laufen...
I feel so astray inside As I know you´re far away Let my love shine and be your guide Towards the portals of light.
Dort werden wir uns wiedersehen...
Leb wohl Georgie, ich wünsche dir, das du dort gefunden hast,was du im Leben nicht finden konntest.
Deine Esther
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