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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 2.021 mal aufgerufen
 zum Thema Hospizarbeit/Sterbebegleitung
Luna Offline


Beiträge: 1

20.11.2008 22:52
Aufgaben im Hospiz nach Eintritt des Todes antworten

Hallo.
Im Hospiz starb kürzlich die Großmutter meines Freundes. Als wir sie ca. 5 Stunden nach ihrem Tod dort gesehen haben, waren wir erschüttert. Das Zimmer war zwar nett hergerichtet und man hatte ein stilvolle Umgebung geschaffen. Aber: Der Toten fehlte Gebiss und der Mund stand weit auf, wie bei einem Schrei. Der Anblick hat regelrecht Heulkrämpfe hervorgerufen. Und nun die Frage: Wie kann es zu sowas kommen? Ist man nicht aus Pietätsgründen verpflichtet dem Toten Würde zu lassen und sie ästhetisch aussehen zu lassen? Ist es nicht für die Angehörigen eine schreckliche Zumutung, die Person in einem solchen Zustand sehen zu müssen? Wäre das Hospiz nicht angehalten gewesen, den Kiefer hochzubinden und der Toten ihre Zähne zu lassen? Warum lässt man die Angehörigen sie in einem solch entstellten Zustand sehen? Dieses Bild wird uns vermutlich lange Zeit verfolgen.

Freue mich über Beiträge von Experten und anderen die da Erfahrungen gemacht haben....

Danke, Luna

Carsten Offline


Beiträge: 4

28.12.2008 21:33
#2 RE: Aufgaben im Hospiz nach Eintritt des Todes antworten

Hallo Luna,

zunächsteinmal möchte ich Ihnen vermitteln, dass ich kein Experte bin, wenngleich ich mich als Hospizbegleiter sehr für diese Thematik interessiere.

Ich verstehe sehr gut Ihr Unverständis und Ihren Unmut darüber, was dort geschah. Es ist wahrlich kein ästhetischer Anblick, einen vestorbenen Menschen derart zu betrachten. Ich frage mich jedoch, was der Grund dafür ist, dass die Angehörigen erst 5 Stunden nach Todeseintritt bei der Großmutter Ihres Freundes zugegen waren. Lag es vielleicht daran, dass die Anreise zum Hospiz sehr intensiv war ?

Ein Wort vielleicht zu der von Ihnen angestrebten/erwünschten "Verpflichtung" :

Hospiz bedeutet u.a. : Dazusein, wenn es den Angehörigen aus jedweden Gründen nicht möglich ist.
Hospiz bedeutet nicht : Versäumnisse (von wem auch immer) zu kompensieren.

Hospizarbeit kann stets lediglich eine ehrenamtliche Tätigkeit sein.
Demgegenüber steht möglicherweise die nichtehrenamtliche, jedoch aus sich selbsterklärende Begleitung der Angehörigen.

Gott befohlen

Carsten Hazoth
(St. Afra Hospiz Aichach-Friedberg)


ich Offline


Beiträge: 1

02.06.2009 17:11
#3 RE: Aufgaben im Hospiz nach Eintritt des Todes antworten

Hallo,

ich sehe die Sache etwas anders:
Zunächst zum offenen Mund. In Deutschland ist es nicht erlaubt den Kiefer hochzubinden - es ist also eine schwierige Einschätzung, dass das Hospiz dazu angehaltn gewesen wäre. Es ist möglich, das Kinn zu unterpolstern, aber auch dann ist der Mund nicht immer geschlossen.
Die Zähne. Für Angehörige jüngerer Generation mag es befremdlich sein, wenn MEnschen Ihr künstliches Gebiss nicht im Mund haben. Für ältere Menschen kann das ganz normal sein. Viele Tragen die Dritten nur zum Kauen und möchten lieber ein "fremdkörperfreies" Gefühl, gerade wenn es körperlich nicht gut geht. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass das bei der Großmutter auch so war. Vielleicht hat sie die Zähne ja z.B. wegen Druckgefühls nicht gerne angehabt oder hat immer ohne geschlafen? Wenn ein Mensch ohne das Gebiss zu tragen verstirbt, dann kann es nicht den Angehörigen zuliebe sein, dass er/sie es im Tod wieder tragen muss.
Hospizbegleitung ist etwas, wobei die Familie auch eine große Rolle spielt und so sollte man davon ausgehen können, dass die Familie den Angehörigen auch ohne Zähne kennt. Ich denke das Problem liegt nicht da, was das Hospiz leisten muss (die Arbeit orientiert sich vorrangig an den Bedürfnissen der Sterbenden und wenn da jemand die Zähne draußen haben möchte...)sondern darin, sich allgemein mit Altern und Sterben auseinanderzusetzen. Niemandem, der sich Pflegebedürftigkeit von Angehörigen stellt ist der Anblick des Toten mit offenem Mund und ohne Zähne letztlich eine schockierende Überraschung, weil die Person im Schlaf genauso aussieht.

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