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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 2.074 mal aufgerufen
 Abschied nehmen
Bettina 1 Offline


Beiträge: 2

21.01.2008 20:56
Danny antworten

Es ist einfachschwer zu begreifen das Du nicht mehr bei mir ( uns ) bist, Du bist für mich ein Grund gewesen zu leben Du Danny hastmir einen Sinn gegeben , weiter zu leben.
Es war schon damals vor Deiner Zeit so schwer für mich in dieser Welt leben zu müssen , für wen ? für was ?
als Kind durch die Hölle gegangen , weg ins Heim , weil für uns nicht gesorgt wurde.Vom 6. - 11 Lebensjahr im Kinderheim ,als Kind eine Strafe , aus meiner Erwachsenen Sicht - da durfte ich Kind sein ,das war meine Kindheit.
Schule trotz aller strapazen durch gezogen , keine Lehre ( abgebrochen )weil ich zu Hause raus flog Platz machen für Fremde.Ja was sollte ich hier ich fing an zu trinken , merkte aber nee das will ich nicht ,nach leben ,-nicht wie meine Eltern werden.Aber was soll ich auf dieser Erde .Selbstmord (Versuch )mißglückt wurde gefunden.
Ja dann hast Du Dich angekündigt mein Baby , jemand der mich braucht, der mich liebt, der mich nicht weg schickt. Ganz schön Egoistisch.

Ja es war genau das Richtige das Du Dich zu mir getraut hast.
Wir haben sehr schwere Zeiten durch lebt aber wir haben es geschafft immer wieder.
Wir sind lange alleine geblieben,und haben gelernt um alles zu kämpfen.
Als ich dann endlich in der Lage war alles Objektiv zu betrachten,ich wollte nun einen Beruf erlernen wir hatten eine niedliche gemütliche Dachgeschoßwohnung gefunden,es sollte ein Neustart werden für unser Leben.Du hattest einen Kindergartenplatz bekommen,ich eine ältere Oma unter mir ,die zur Rechten Zeit da war und mir die Hand gereicht hat,denn ich war sehr unerfahren und ungeduldig wie junge Mamis manchmal sind und habe auch mal zu gehauen "mein Gott" ich habe immer noch ein schlechtes Gewissen.
Es lief nun ganz gut ich war nicht mehr ganz allein mit Dir ich bekam Hilfe im Umgang mit Dir .
Du konntest mit 2 Jahren nicht alleine laufen und hast erst mit ca 4 Jahren das sprechen gelernt,ansonsten hattest du einfah nur gebrüllt wenn du etwas wolltest,ich stand oft mit einem großen ? da und wußte nicht weiter.
Nun war aber alles unter Kontrolle zum Glück!Die Suche nach einer Lehrstelle war so schwer denn allein erziehend mit Kind und was ist wenn du Krank wirst,diese und jene Fragen ,ich war echt enttäuscht.Dann nahm alles seinen lauf.Im Jan.88 bist du ganz schwer krank geworden Bronchitis,Mittelohrentz.Lungenentzündung .1 Woche hohes Fieber weder mit Medizin noch alternativ in den Griff zu bekommen.Es stand richtig schlecht ich hatte große Angst um dich ließ dich nicht aus den Augen.
Danach habe ich den Kinderarzt gewechselt,die Kinderärztin hatte einen Verdacht und schickt uns ins UKE sie erzählte etwas über erhöhte Leberwerte (Ich dacht an übermäßigen Alkohol etc. ich habe aber nie wieder getrunken,war aber mein Gedanke).Im Uke wurde uns dann eine Muskelbiopsie durch geführt.
Am 23.08.1988 einen Tag vor deinem 4. Geburtstag hatten wir erneut einen Termin,da bekam ich dann die Diagnose mit geteilt "Muskeldystrophie Typ Becker oder Duchenne" A-typischer Verlauf.Der Doc erzählte mir das es ganz viele Kinder usw. gibt die Lebenserwartung sehr gering ist usw. ich hörte zu,nahm alles auf bei dem "Gespräch" Danny du solltest noch auf einen Stuhl klettern um zu sehen wie du das wohl machst.Auf dem Weg zum Bus bin ich das Gespräch nochmal durch es traf mich wie ein Blitz ich nahm dich sofort auf den Arm und sagte Danny "Du kannst gar nicht laufen" er hat von Dir gesprochen mein Gott du bist gemeint,du bist nicht zu faul wie dein alter Kinderarzt immer sagte du kannst gar nicht dir fehlt die Kraft,was habe ich dich genötigt die Treppen zu steigen ich wäre am liebsten versunken es tat mir so unendlich weh und Leid.Seit dem habe ich alles nur noch nach Dir abgestimmt mein Leben ist für dich.Ich suchte keine Lehrstelle denn du brauchst mich.Ich konnte dir Wochenlang nicht ins Gesicht schauen in deine wunderschönen großen blauen Augen mit diesen langen wimpern,ich heulte nur noch es war so als würde ich mich shon morgen von dir verabschieden müssen.Es hat gedauert bis ich mich wieder gefangen habe am liebsten hätte ich mich voll laufen lassen,ich habe es nicht denn am anderen Tag wäre diese Diagnose immer noch da gewesen.Wir habengekämpft.
Ich beobachtete dich ständig ob ein abbau statt findet,ich konnte schon oft an deinem Gesicht ud deinen Augen ablesen was los ist,wir haben eine fähigkeit entwickelt uns über unsere Augen zu verständigen.Denn leider konntest du nie wirklich richtige fließende Gespräche führen,schade es hat mir schon oft gefehlt.Du mußtest die ganzen Jahre so oft ins Krankenhaus bist immer so tapfer gewesen,dann de letzten Jahre war jedesmal richtig hart weil du alles nicht wolltest,nur leider ging es oft nicht ohne die ständigen Infekte,sie waren wieder da ,wie es schon als Kleinkind bei dir gewesen ist.Du hast geweint wenn ich wieder los mußte zu deinen Geschwistern die Dir viel Kraft gegeben haben immer wieder zu kämpfen nicht auf zu geben.Ich habe dir gegenüber immer die starke gespielt,was sollte ich machen wenn du gewußt hättest wie sehr es mich belastet dich dort im Krankenhaus zu lassen mit der ungewißheit denn die Ärzte sagen ja doch nur das nötigste.Die Abstände waren immer kürzer ,dann noch der Schock für uns alle als ich 2006 deinen kleinen Bruder im 6 Schwangerschaftsmonat "still" zur Welt bringen mußtewir waren alle sehr traurig konnten es nicht verstehen,warum nur ? Aber was ist passiert ,auch du hast dich angefangen zu verabschieden.Wir haben hier so viele Maschienen und Geräte gehabt die Dir das abhusten erleichtern sollten aber es wurde immer schlimmer,dein Zimmer war voll mit Geräten und trotzdem hat nichts geholfen,mit entsetzten stellte ich fest das du so schnell abmagerst,was passiert da ich schaute wie verrückt im Internet ich fragte sie Ärzte du hast Astronahrung bekommen,einen Trachios damit der Schleim besser abgesaugt werden kann,es half alles nichts dann bist du hier mit Kreislaufkollaps zusammen geklappt ab ins Krankenhaus ich bin fast wahnsinnig geworden,vor Angst um dich ,dann im Krankenhaus die Ärzte machen sich Sorgen ob nicht Magensonde besser etc.Du hast abgewunken du wolltest nicht ich stand immer nur da hatte ein schlechtes Gewissen weil ich glaubte die könnten ja denken ich laß dich verhungern,ich traute mich nicht zu fragen hey Doc sprich wie steht es um Danny ,ich fühlte mich so im Stich gelassen.Warum mnimmt mich keiner zur Seite.Danny du warst ja ein Vollpflegefall du hast sehr viel arbeit gemacht und erts wollten sie dich nicht auf nehmen.Ich war immer für dich da , aber diese ständige Angst um Dich dann deine Hilflosigkeit du konntest nichts alleine machen brauchtest für alles Hilfe ,ich habe auch oft geflucht ich war ständig auf sprung ,Tag und Nacht ich habe funktioniert.Als du dann das offiziell letzte mal im Krankenhaus warst und keiner Zeit hatte du im Intensivzimmer neben einem senilen alten verwirrten Mann gelegen hast dem du aus geliefert warst dachte ich nur ne das geht nicht,du hast geweint weil niemand Zeit hatte ,die Schwestern mit dir sogar meckern,und ich ja auch wieder nach Hause mußte.Danach haben wir dann ein Gespräch gehabt in dem ich dir von nun an die Möglichkeit gegeben habe zu entscheiden ob Krankenhaus oder nicht, es war die Entscheidung das du dann früher stirbst du hast mir gesagt das du dann bei deinem Bruder bist.Ich habe versucht mich vor zu bereiten ich habe
versucht heraus zu finden ,woran ich erkenne das du stirbst.Ich habe zwar Bücher gefunden die mir aber nicht geholfen haben,du hast noch 4 erstickungsanfälle gehabt,es war jedesmal so schlimm ich habe jedesmal so gezittert wenn ich aus deinem Zimmer bin,nein ich will esso nicht bitte nicht ersticken,und ich habe wieder die starke dir gegenüber gespielt,Danny achte auf deine Atmung, keine Panik ganz ruhig,kämpfe.Ja du hast gekämpft.Das schlimmste war aber das letzte Wochenende ,wir sind mit dir nach Dänemark du hattest auch Lust und es ging dir bis auf deinen Po ,ja gut sonst wären wir nie gefahren wenn du geagt hättest bloß nicht nun wir waren seit Wochen nicht weg es kam eigentlich gut,verlängertes Wochenende vielleicht klappt es ja.Danny du hast gekämft mit dem Tod ich blöde Kuh habe immer Angst gehabt zu Hause das du morgens tot im Bett liegst weil ich dich nicht gehört habe.Da hast du aber schon Freitag angefangen,du hattest angst ja die hattest du zu Hause ,wolltest ständig abgesaugt werden,okay gemacht,du hast nachts gequängelt dein Bein dein Po (schmerzen nur noch Haut und Knochen)wolltest sitzen gedreht werden andere Seite etc.Freitag Nacht hast du und wir 1 Stunde geschlafen.Samstag nachts wieder -- am Tag bist du nur traurig gewesen weil ich mit deinen Geschwistern nach Lakolk gefahren bin.Die Nacht habe ich als Horror empfunden ich fühlte mich tyranisiert , anstatt Geduld zu haben habe ich mit dir gemeckert für mich stand fest wir fahren wieder nach Hause, ich werde wahnsinnig.Ich war morgens maulig mit dir wegen der vergangenen Nacht.Als ich dich dann morgens sah war mir nur klar wir müssen nach Hause es geht dir nicht gut,ich habe aber immer noch nicht daran gedacht das du dich auf deinen letzten Weg machst.Ich habe mich bei dir zwar entschuldigt das ich so ungehalten war,es war aber unmöglich für so wenig Wissen,du hast dich noch entschuldigt das du uns Ostern versaut hast,nee für mich war klar habe ich dir auchgesagt das wir den Ausflug nicht mehr wiederholen ich dann lieber mit dir zu Hause bleibe und Frank ja dann mit den Kindern alleine fahren kann.Die Rückfahrt oh Danny ich kann es nie wieder vergessen deine Geräusche die du gemacht hast,deine Unruhe wnn sind wir zu Hause,ich habe deine Hand gehalten sie war Eiskalt ich hatte immer noch keine Ahnung,immer wieder deine Frage wie lange noch ,und dein Mama,Mama ich habe Angst oh Sch.... Danny was mußtest du bloß erleben deine letzten Stunden es tut mir so Leid.
Deine unsere letzten gemeinsamen Minuten waren für mich im nach hinein okay denn wir waren beiden entspannt,ich war so froh als ich dich endlich in dein Bett legen konnte,ich sagte dir noch das ich mir Hilfe hole weil ich nicht mehr kann und du endlich mal zur Ruhe kommen mußt,ich wollte für dich Medezin besorgen damit du ruhiger wirst,denn seit gut 4 Monaten bin ich bis zu manchmal 5 x Nachts zu dir ,ich wollte deinen Arzt anrufen er sollte mir helfen du warst einverstanden.Ich machte dir deinen Po sauber redete noch mit dir aber du bist zu Joshua deinem kleinen Bruder gegangen,ich stand nun da und wußte nicht was ich jetzt empfinden soll,ich sollte doch jetzt panisch werden , schreien , weinen , traurig sein , nein ich war froh das du es geschafft hast.........aber dann mein Gott was habe ich dir bloß angetan als du meine Hilfe gebraucht hast habe ich versagt , ich wollte das du zu Hause im Kreise der Familie sterben kannst,ich habe nach Anlaufstellen gesucht Hospitze,eines ist ja in Reinbeck aber für Kinder und sonst nur für ältere ich kann niemanden anrufen ich wollte das mir jemand sagt du paß auf es dauert nicht mehr lange,ich war echt dumm.
das schlimmste ist mein lieber Danny ich habe nur noch als deine Krankenschwester funktioniert,ich bin keine Mama mehr gewesen warum habe ich mich nicht einfach an dein Bett gesetzt,mit dir fern gesehen,dich in den Arm genommendas letzte mal nach deinem letzten Erstickungsanfall eine Woche vor deinem Tod.Ich habe nur noch deinen kranken Körper wahr genommen ,war nur darauf fixiert das du bloß nicht erstickst,ich habe den lieben Menschen nicht mehr wahr genommen,du hättest meine Umarmung gebraucht eine streichelnde Hand , ich schäme mich dafür mein Schatz ich habe es aber leider erst gemerkt als ich wieder zur Besinnung kam,es tut mir so Leid ,dabei bist du für mich mein Leben gewesen , ich vermisse dich und bedaure das ich nicht die Mama gewesen bin die du mit deiner lieben Art verdient hattest.Du fehlst mir so sehr ich kann erst jetzt und es wird immer schlimmer um dich trauern die ganzen Monate nachdem du gestorben bist konnte ich nicht glauben das du nie wieder hier sein wirst , ich kann mich nicht von deiner Kleidung trennen,seit November habe ich das Gefühl es manchmal nicht mehr zu ertragen du fehlst , dein Klick klack vom Rollstuhl oder das Geräusch von deinem E-Bett , ja manchmal habe ich dich sogar rufen gehört.
Könnte ich doch nur alles nochmal zurück drehen Danny nun ich spreche jeden Tag mit Dir das du mir fehlst , ich liebe Dich vom ganzen Herzen , pass auf deinen kleinen Bruder auf .Ich liebe dich
ganz viele Küsse von deinen Geschwistern :Steven,Lajana,Felina und Marc-Joel und dein bester Freund ist auch noch bei uns Malte wohnt noch immer hier und ist nun ein Teil in unserer Familie geworden ,das hast du geschickt gemacht Danny wir denken jeden Tag an Dich

widerhaken Offline


Beiträge: 4

25.01.2008 18:05
#2 RE: Danny antworten

Das, was ich hier meine schreiben zu müssen, hat mit einer Antwort nichts, wirklich gar nichts zu tun.

Warum ich trotzdem hier was schreibe, hat mit dem Text der Mutter zu tun, die hier - im Internet, in diesem Portal - etwas von sich gegeben hat, was mich nachdenklich beeindruckt hat. Die Mutter hat hier ein DENKMAL geschrieben, es ist ein Mal der Nachdenklichkeit einer Mutter für ihren Sohn "verewigt" worden,vielleicht "schöner" als die vorgefertigten Trauerkarten, Grabsteine und Sprüche, die sonst so traditionell ge-/benutzt werden.
Die Worte kommen bei mir sehr persönlich an; ich meine diese verstehen zu können.

Im Internet für den Sohn DANNY ein Zeichen der tiefen Erinnerung geschrieben zu haben, ist für mich zu einem beeindruckenden Internet-DENKMAL geworden. Dass dies einmal so sein kann, hätte ich nie & nimmer erwartet. Wenn ich mich der Friedhöfe/der Gräber dort erinnere, der Grabsteine mit Vollpflege einer Gärtnerei nach einem Schema-F billig ausgesucht, wenn ich mir der Sterbeanzeigen in der Zeitung erinnere, wie auch dort vorformulierte Texte veröffentlicht werden, dann denke ich darüber nach, ob die Mutter von Danny etwas ganz eigens, ja was ganz intimes, nämlich einen mütterlichen Liebesbeweis auf wunderbare Weise veröffentlicht, quasi unübersehbar aufgestellt hat?!
Ob das Beispiel geben kann?
Vielleicht?
Paul

Bettina 1 Offline


Beiträge: 2

25.01.2008 21:32
#3 RE: Danny antworten

es ist schön , das Sie meinen Bericht so betrachten, es ist alles nur sehr schwer zu ertragen.
Danny ist ein toller Mensch gewesen,und seine letzten Monate waren einfach schrecklich. Das ich hier geschrieben habe ist einfach die Einsamkeit der Trauer.Keiner spricht mehr (lieber nicht) von sich aus von Danny,ich könnte ja wieder weinen.



widerhaken Offline


Beiträge: 4

26.01.2008 16:22
#4 RE: Danny antworten

Die "Einsamkeit in der Trauer" ein Phänomen/ein Ausdruck unserer Gesellschaft, die das Leben als ein Verleben/ein Verbrauchen und dann, wenn möglich, in vollen Zügen, mit jeglicher Lust und bis zum verlängerten Schluss, nur auskosten will?
Am Ende soll der Warenzettel des Lebens aufweisen können: alles, was erreicht/erlebt werden konnte, wurde gelebt/verlebt?
Bei dem "Rest" des Lebens geht es nur noch darum Augen und Ohren zu und dann durch?

Schon mittendrin im Leben, wenn Krankheit einen bei dem "Run" durchs Leben aufhalten wollte, wurde dicht gemacht, wurde ausgeschert,
wurde das Kranksein aus dem Leben ausgespart, wurde als verlorene Zeit zum Vergessen abgedrängt/verdrängt.

Wenn ein Mensch, besonders heutzutage, nachdenklich auf der Stelle treten möchte, möchte innehalten, braucht das Zwiegespräch mit einem vertrauten Gegenüber, hasten Viele an einem auf der Überholspur des Lebens vorbei; winken einem vielleicht noch freundlich zu, schreien in letzter Sekunde auf Augenhöhe: "Nimm's nicht so schwer!" Und sind dann auch schon wieder voll im Rausche des Verkonsumierens.
Zurück bleibt das eigentliche/das wirkliche Leben.

Und weil das so zu sein scheint, sind die Alleingelassen, die nicht mithasten wollen/es nicht können, weil Stehenbleiben auch einen Standpunkt braucht, einsam, schrecklich alleine gelassen und schreien ihre Not nicht heraus. Das Schweigen macht die Einsamkeit dann (fast) unerträglich.

Wer hat aber in dieser Zeit, wo Mobilität gefordert ist; wo die Entsolidarisierung dem Individualismus die notwendige Dynamik ermöglicht, wer will sich da von einem eigenen Standpunkt aufhalten lassen, wenn dieser schon morgen oder auch erst übermorgen über den Haufen geworfen werden muss/werden könnte? Irgendwie muss es ja weiter gehen? Und es geht ja auch immer weiter, man wird förmlich durch die Hast anderer mitgerissen...

Kann es sein, das Frauen, generell, Mütter im Besonderen es deshalb besser wissen vom wirklichen Leben (als Männer), weil sie biologisch gebundener das wirkliche Leben nicht nur durch ihren Körper "hautnah" spüren, sondern von Monat zu Monat immer er-leben, ja leben müssen - Mütter durch ihr(e) Kind(er) ganz deutlich(er) noch?

Männer, so wie ich, die zwar einen Körper eingezwengt in Haut haben, sind dem wirklichen/dem eigentlichen Leben sehr weit entfernt,
bis dann, durch Krankheit oder das Sterben das Leben quasi überraschend dem Manne ins Gesicht springt mit dem Schrei: "Halt!"
Und die Kerls können nicht innehalten; haben es nie gelernt.
Helfen, nicht anzuhalten zu müssen, also stehenzubleiben, soll die Medizin7sollen die ausgeklügelten medizinische Apperate erreichen.

Sich der Krankheit voll und ganz auszusetzen, diese auch von innen her zu begreifen, anzugehen und dabei das Kranksein als Teil des Lebens anzunehmen, wird kaum geleistet bzw. als notwendig erachtet.
Die männerdominante Welt scheint emanzipiert aus den wirklichen Bahnen des Lebens ausgeschert.

Ich habe das Gefühl, als wenn diese Welt mit überhöhter Geschwindigkeit versucht noch die Kurve zu kriegen, schliddert aber schon nah am Abgrund... mir scheint, als wenn das Geschrei der Männer riesengroß Unhörbar ist, denn niemand hält wirklich an. Kaum jemand scheint voll auf die Bremse zu treten -> siehe das Geschwaffel zur Klimakatastrophe.

Mir ist bewusst geworden: zu lange nicht gesehen und so begriffen die Endlichkeit des Lebens, zu wenig bis gar nicht mit den Meinen über das Leben, den Tod und das Sterben gesprochen. Das Über-Leben im Rausch der Sinne hat die Sinne nicht nur betrogen, hat diese Stumpfer werden lassen gegenüber den vielen Zeichen & Rufen: "Halt an! Besinnung tut Not!"

Ich war auf einem guten Weg, der sich pädagogisch/politisch und kulturell mit Menschen hat auseinander setzen lassen.
In diesem Miteinander wurde aber das Sterben-Können, das Sterben, die Endlichkeit, ja ganz deutlich den Tod, als Teil des Lebens, als Lebensabschluss ausgespart.
Auf einmal, fast mit einem Wimpernschlag, hab ich für mich (mit den Meinen, auch Freunde) versucht zu erkennen, habe es geschafft innzuhalten.

Mit unserem Hausarzt, in seiner Praxis, quasi unter ärztlicher Betreuung, haben wir angefangen über das Sterben & den Tod zu redet, haben Bücher & Texte gelesen, haben uns vorgelesen & anschließend darüber gesprochen, ja auch diskutiert. Sicher, da & sort waren die Stimmen eher schwach geworden, sind auch Tränen gekullert. Wir sind uns dabei aber näher gekommen. Wunderbar.

Wir sind aber dabei nicht erneut stehen geblieben, weil es sind viele Fragwürdigkeiten immer deutlicher geworden - besonders die der Kirchen-Religions- und Moralvertreter.

Beschäftigen tut uns nun: "Ein Plädoyer für Selbstverantwortung für ein MenschenWürdigSterben", (nach)lesbar in/aus dem Buch von Hans Küng & Walter Jens, Piper-Verlag, 2. Auflage/1995. Empfehlenswert!

Ein Buch, was helfen kann, mit anderen einen Wegeabschnitt zu versuchen zu gehen, nämlich den Thesen, den Hypothesen, den Worten nicht nur nachzulauschen, sondern diesen sich zu stellen, darüber sich zu streiten.
Es ist ein Buch, welches ich nicht als Bibel verstehe.
Beide Autoren geben der Leserin/dem Leser keine fertige Meinung oder Rezept an die Hand.
Jeder muss sich seine eigene Meinung bilden, seine eigene Haltung finden lassen.
Es ist ein Buch, was besprochen werden muss, wie überhaupt das Thema Leben/Sterben/Tod - und jeder mensch hat dazu was zu sagen!!!

Wer über seine Nachdenklichkeiten mit den Seinen/mit Freunden reden/sprechen/diskutieren kann, wird nicht nur seine Einsamkeit kleiner werden lassen, der wird, denke ich auch, lernen mit Traurigkeit umzugehen, wird auf einmal die Tränen in den Augen des Gegenübers nicht nur akzeptieren und ertragen können; man wird diese traurigen Tränen für sich als Tränen vom/von der FreundIn annehmen mögen.

Mama-Dany: Meine Worte Trostworte?
Hoffentlich nein.
Salbunsvolle Worte?
Bitte nein.
Worte der Nachdenklichkeit(en)?
Hoffentlich.
Paul

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