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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 2.399 mal aufgerufen
 Umgang mit der Trauer
derrick Offline


Beiträge: 1

23.03.2007 19:12
Umgang mit tiefster Trauer/Schuldgefühle antworten

Hallo.

Mein Vater ist vor 5 Wochen verstorben. ER wurde uns einfach aus dem Leben gerissen, denn er starb in einem jungen Alter von 57 Jahren nach einem Unfall während der Arbeit.

Die Tage bis zur Beerdigung waren noch auszuhalten, paar mal am Tag hat die Trauer Kontrolle über mich genommen, aber irgendwie hat sich alles bis zur Beerdigung angestaut und dort war ich nervlich am Boden.

Mein Vater war, so finde ich, der beste, wohlsorgenste und netteste Vater den man eigentlich haben kann. Mit ihm konnte man noch mit 12 oder 13 JAhren jeden Tag mehrmals kuscheln und vor allem auch wegen seinem Beruf konnte man mit ihm viel unternehmen. Er arbeitete seit 18 Jahren bei einer Reisefirma und eben wie gesagt, der Unfall passierte ebend während der Arbeitszeit. Ich kann mich noch an so viele Dinge erinnern, den letzten gemeinsamen Abend, die letzte gemeinsame Reise oder Aktivität (im Wald spazieren u. w.) und vor allem noch an eine Sache, wo immer wieder Schuldgefühle aufkommen.

Ich bin erst 14 Jahre alt, und mit meinem Vater konnte man jede Art von Witze machen oder auch Streiche. Am Abend vor dem Unfall hatte ich ihn gefragt, wann wir ihn das nächste Mal wieder von der Arbeit abholen würden. Er meinte das er in der Woche immer mitgenommen werden kann, und da war ich halt ein wenig sauer. Als ich dann zu Bett ging habe ich ihn aus Spaß "eine schlechte Nacht" gewünscht. Nun ist also das schlimmste passiert, was einen passieren kann und jetzt bekomme ich Schuldgefühle. Ebenfalls kommen bei mir Gedanken wie: Was hab ich falsch gemacht? Hätte ich am Unfalltag morgens nicht noch aus dem Bett springen sollen und ihn aufhalten sollen? Was wird nun aus meiner Mutter und mir?

Mit meinem Vater verschwindet eine Person, mit dem ich am besten konnte. Kein anderer Mensch auf dieser Erde konnte so viel Spaß verstehen wie er und hatte so viel Humor.

Mit traurigem Gruß
Derrick

Irene L. Offline


Beiträge: 34

23.03.2007 20:35
#2 RE: Umgang mit tiefster Trauer/Schuldgefühle antworten

Lieber Derrick!

Vorweg: mein tiefes Beileid für dich und deine Familie.
Daß dein Vater so plötzlich und unvermutet gestorben ist, ist sehr traurig und du durchlebst nun eine ganz schlimme Zeit der Trauer.

Es ist normal, daß man in den Tagen vor dem Begräbnis, oft sogar noch beim Begräbnis, sehr gefaßt ist - es dauert Zeit bis man einen solchen Schock verarbeiten kann.
In dieser Verarbeitungszeit befindest du dich jetzt gerade - es kommen Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse hoch, aber auch Dinge, die man nicht schön in Erinnerung hat und, die nun dazu führen können, daß Schuldgefühle aufkommen. Oft klammert man sich dann auch an ganz kleinen Details fest.
Wie du schon geschrieben hast, hattest du ihm die "schlechte Nacht" aus Spaß gewünscht und nicht mit Absicht - dein Vater hat sich darüber bestimmt keine großen Sorgen gemacht. Was dann am kommenden Tag passiert ist, konnte niemand von euch erahnen und du mußt bestimmt keine Schuldgefühle deswegen haben.
Aber mir ist natürlich klar, daß dich diese Aussage nun schwer belastet - solche Gefühle gehören in gewissem Maße auch zum Trauerprozeß dazu. Man überlegt hin und her, wie man das Unglück verhindern hätte können, oder, was man am besten nicht gesagt oder getan hätte.

Ich wünsche dir, daß du dir diese Schuldgefühle selbst ein wenig verzeihen kannst - niemand gibt dir Schuld am Tod deines Vaters, außer ein wenig du selbst und das mußt du nicht.
Es sind letztlich vor allem die schönen Erinnerungen an deinen Vater, die deine innere Brücke zu ihm bilden und bleiben. Du hast ja selbst so schön geschrieben, was er für ein Mensch war und wieviel Spaß ihr beide hattet - das sind die ganz essentiellen Erinnerungen, die eure Beziehung auch so besonders gemacht haben.

Was aus deiner Mutter und dir wird...hmm, das wird die Zeit weisen, das ist eine Frage,die dir niemand beantworten kann. Aber sei dir gewiß, daß dich und deine Mutter für immer die ganz besonders Beziehung zu deinem Vater verbinden wird - die gemeinsamen Erinnerungen sind und bleiben ein Schatz, den ihr beide in euren Herzen tragt.
Du hast geschrieben, daß dein Vater sehr viel Humor hatte - Erinnerungen an humorvolle Begebenheiten sind meiner Erfahrung nach wie kleine Perlen, die einen Verstorben im Inneren ganz lebendig bleiben lassen. Man darf ruhig auch im inneren Dialog mit dem Verstorben noch lachen und schmunzeln über solche Erinnerungen - der innere Dialog kann immer wieder aufgenommen werden tief in einem selbst, den bricht selbst der Tod nicht ab.

Ganz liebe Grüße
Irene

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