Hallo, ich bin neu hier und weiß eigentlich nicht, ob ich hier her gehöre. Das Thema Sterben war für mich immer sehr weit weg. Nun leben meine Schwiegereltern direkt nebenan und bewegen sich vom Sofa nicht mehr weg. Sie werden körperlich immer weniger. Sie wollen sich nicht bewegen. Das verstehen wir jungen Leute (Mitte 50) nicht. Nun muss ich erwähnen, dass der Lieblingssohn vor gut 5 Jahren im Alter von 43 Jahren einfach gestorben ist. Vielleicht trauern die Schwiegereltern noch. Zugegeben wird es nicht. Schwiegermutter musste letzten Herbst wegen fast verhungert und fast verdurstet benahe ins Krankenhaus. Sie wollte partout nicht und so ist sie eben beim Hausarzt notversorgt worden. Sie gehen nirgendwo mehr hin. Allerdings wollen Sie von uns immer auf dem Laufenden gehalten werden. Fremde Leute zum Helfen dürfen auch nicht kommen. Schwiegermutter wird 78 Jahre und Schwiegervater wird 75 Jahre. Kommandieren kann er noch sehr gut. Nur es hält in unserer eigenen Familie etwas auf die Psyche, weil wohl vieles ungerecht erscheint. Selbst war ich beim Hausarzt um nach Rat zu fragen und musste einfach losheulen. Dann sollte ich Psychopharmaka einnehmen und zum Psycholgen. Ich bin teilweise berufstätig und muss Auto fahren und mein Mann ist selbstständig. Die Ursache wäre dann aber immer noch nicht aus der Welt. Auch habe ich beim DRK, bei der Krankenkasse, bei Info-Hotlines. Keiner konnte einem einen Rat geben, wie man an die Eltern rankommt ohne das diese sich angegriffen fühlen und sich wenigstens mal mit einem Mini-Spaziergang bewegen würden. Wir sind so oder so der Buh-Mann. Momentan läuft alles so: Schwiegervater bekommt immer auf dem schnellsten Weg seinen Willen. Schwiegermutter sagt nur: Ich habe heute schon etwas getrunken und gegessen. Der Mittelpunkt ist nicht die eigene Familie sondern die Schwiegereltern. Wir können doch nicht einfach nur zusehen bis sie einfach so sterben? Sie können doch noch eine so schöne Zeit haben und wollen nicht? Was machen wir verkehrt?
Ich könnte mir schon vorstellen, daß mit dem Tod ihres Sohnes die Lebensfreude deiner Schwiegereltern verloren gegangen ist. Nach dem Suizid einer Bekannten meiner Mama, meinte ihre betagte Mutter:" Wenn die eigenen Kinder vor einem gehen, das ist das schlimmste, was einem widerfahren kann." Die alte Dame starb etwa 2 Jahre nach ihrer Tochter. Es ist ein schwerer Weg zurück ans Tageslicht, wenn das eigene Kind verstorben ist, egal in welchem Lebensalter so etwas eintrifft. Hinzu kommt, daß natürlich auch auf zwischenmenschlicher Ebene vieles abläuft zwischen zwei Eheleuten - einer kann den anderen antreiben, aber auch bremsen; manchmal hat man sich auch gar nicht mehr viel zu sagen außer den notwendigsten Dingen... Ich habe fast ein wenig den Eindruck, daß eure Schwiegereltern womöglich ein bißchen regrediert sind - viele Menschen verfallen nach einem Trauma in eine Art Hilflosigkeit bzw. in ein frühes Stadium, und verhalten sich dann mitunter wieder wie kleine Kinder.
Das nächste, was mir noch zu überlegen gibt, wäre möglicher organischer Abbau, wie er ja bei vielen alten Menschen langsam eintritt - so etwas wird oft lange Zeit überspielt, u.U. sogar auch vom Ehepartner "gedeckt" oder sogar bewußt "verdrängt". Leider können dementielle Prozesse auch zur Folge haben, daß die Menschen schlichtweg vergessen zu essen und zu trinken. Zudem werden alltägliche Abläufe oft schier unmöglich und das Außer-Haus-gehen bereitet zunehmend Ängste...wobei auch hier häufig ausgewichen wird: die Angst vorm Hinausgehen wird überspielt durch scheinbares Desinteresse an der Außenwelt. http://de.wikipedia.org/wiki/Demenz
Du hast dir da, wie mir scheint, eine große Bürde auferlegt, indem du die Mobilisation und Aktivierung deiner Schwiegereltern zu deiner persönlichen Aufgabe machst. Wie ich aus deinen Zeilen herauslese, überfordert dich das aber ganz schön. Bitte besinne dich zurück auf dich selbst und versuche dir wieder Reserven zu schaffen und ganz wichtig: persönliche "Auszeiten", in denen du dir nicht den Kopf über die Schwiegereltern zerbrichst. Es hilft weder den Schwiergereltern, noch dír und deinem Mann, wenn du dich komplett verausgabst.
Was deine Schwiegereltern anlangt, kann ich dir nur empfehlen, die mit einem Arzt, der auf Geriatrie spezialisiert ist, Rücksprache zu halten. http://de.wikipedia.org/wiki/Geriatrie
Leider fällt mir nichts weiteres ein, das dir helfen könnte. Hoffentlich liest du meine Antwort noch - dein Posting ist ja nun doch einige Tage unbeantwortet gewesen...