Ich arbeite in einem relativ jungem, neuem Alten- und Pflegeheim als Wohnbereichsleitung. Mir fehlt die nötige Qualifikation dazu, doch ich gebe mein Bestes.Der Schwerpunkt in unserem Heim ist durch die benachbarte Lungenklinik,die Onkologie. Bei uns leben Menschen mit Tumorerkrankungen, hauptsächlich Bronchialkarzinome welche selbst oder durch Metastasen schon in andere Gewebe usw. durchgebrochen sind.Viele unserer Bewohner sind Sauerstoffgaben abhängig, oder sind teilweise bzw. ganz beatmet. Die Sterberate ist sehr hoch, ähnlich wie im Hozpiz. Ich bin mit meinen Kollegen dabei,ein gutes Heim aufzubauen, wir durchleben Höhen und Tiefen, eigentlich aber mehr Höhen. Doch jetzt fiel mir auf, dass wir das Wesentliche zu planen vergessen hatten.
Wie gehen wir als Personal, wie gehen die Bewohner mit dem Tod um. Wie gehen wir mit den so hilflosen Anghörigen um? Wie können wir den Raum schaffen, in dem man seine letzten Stunden leben möchte. Was können wir tun, um mit so schwierigen Situationen umzugehen? Was kann ich tun, meinen Kollegen die Angst und die Hilflosigkeit vor dem Tod, zu nehmen. Wie kann ich den Tod im Pflegeteam thematisieren?
Wer kann mir dazu Infos oder Erfahrungen mitteilen?
Eventuell könntest du mal mit der regionalen Hospizgemeinschaft Kontakt aufnehmen und fragen, ob sie Kurzseminare zum Thema Sterben anbieten. Vielleicht ließe sich eine Art Fortbildung für die Mitarbeiter eures Heimes organisieren. Es ist sicher nicht einfach das Thema Sterben und Tod im Pflegeteam zu thematisieren - ich habe gerade kürzlich in meinem Altenheimpraktikum die Erfahrung gemacht, daß es dahingehend interessanterweise auch und gerade bei Altenpflegekräften, die dem Sterben doch so häufig begegnen, relativ viele "Abwehrmechanismen" (wie wir das in der Psychologie nennen) gibt. Alle jene Fragen, die du aufgelistet hast, kann man im Rahmen einer Fortbildung gut aufgreifen und bearbeiten - man kann die Teilnehmer auch dazu ermutigen gemeinsam im Team Ideen zu sammeln - auch unter Einbindung persönlicher Erfahrungen der Pflegekräfte, die man dann mit den Seminarleitern bespricht...das Erarbeiten von Lösungsmöglichkeiten und Wegen im Umgang mit dem Sterben kann so wunderbar kombiniert werden mit der Aufarbeitung von traumatischen bzw. schwierigen Erlebnissen mit dem Sterben.
Ich finde das toll von dir, daß du für dich persönlich hier schon den ersten Schritt der Auseinandersetzung getan hast, indem du Überlegungen anstellst und den Weg für einen Bewußtwerdungsprozeß schaffst. Ich bin mir sicher, daß du auch die nächsten Schritte meistern wirst und im Team Interesse für die bewußte Auseinandersetzung mit dem Sterben und mit der Palliativpflege wecken wirst. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber hier in Tirol (Österreich) besteht seit neuestem die Möglichkeit, daß Pflegekräfte sich Sterbebegleitungslehrgänge zum Beispiel als anerkannte Fortbildung zum Schwerpunkt Palliativpflege anrechnen lassen können. Selbst, wenn ihr es schafft "nur" ein 1-2 tägiges Fortbildungsseminar zu organisieren, so ist das doch etwas, was neben einer persönlichen Bewußtseinserweiterung ja auch einen erwähnenswerten Bonus im beruflichen Lebenslauf darstellt - wie man es dreht und wendet also eine Bereicherung für Pflegekräfte in jeglicher Hinsicht...so sehe ich das.
Liebe Irene, danke für deine Antwort. Habe wohl instinktiv das Richtige getan, habe zur Heimleitung gesagt, dass ich so 3 Tage meiner Überstunden für ein Kennenlernen des Hospizes in unserer Nähe gern hergebe, erste Kontaktgespräche zum Hospitz laufen. Ich verspreche mir sehr viel davon. Mal sehen, ob die Pflegedienstleitung auch mit macht.
Werde hier schreiben wie es sich entwickelt und was ich erlebe.