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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 743 mal aufgerufen
 zum Thema Hospizarbeit/Sterbebegleitung
Xenia Offline


Beiträge: 1

03.02.2007 22:48
Hilfe und Beistand antworten

Hallo, liebe Forumsleute!

Bin neu hier im Forum und vielleicht könnt ihr mir etwas zu dem sagen, was ich euch erzählen möchte.
Ich fahre Essen auf Rädern aus, und auf meiner Tour ist eine Frau, die wahrscheinlich bald stirbt.
Wenn ich das Essen bringe und sie ist alleine, d.h. keine Pflegerin und auch kein Besuch da ist, bleibe ich ein wenig bei ihr. Das haben wir schon so gemacht, als es ihr noch gut ging. Wir hatten immer viel Spaß miteinander und es war von Anfang an eine ganz wunderschöne Zärtlichkeit zwischen uns. Einmal besuchte ich sie auch am Nachmittag mit meinen Hunden, weil sie Tiere so sehr liebt, und ihr hättet sehen sollen, wie ihre Augen geleuchtet haben. Seit einiger Zeit geht es ihr sehr schwankend. Aber irgendwie sieht sie immer aus wie ein Engel, egal ob es ihr gut geht oder nicht. Einige Male sagte sie schon zu mir auf meine Frage, wie`s geht: "Gestern nacht dachte ich, dass ich hinübergehe. Aber jetzt bin ich doch noch da."
Heute kam ich hin, und sie war sehr verzweifelt. Sie sagte, sie habe die ganze Zeit gerufen, aber niemand sei gekommen, und ich müsste ja auch gleich wieder gehen, sie sei so allein und verlassen und sie habe solche Schmerzen. Und sie fragte, warum sie denn noch hier bleiben müsse, warum der Herrgott sie nicht holen würde. "Ich kann das nicht mehr aushalten, das ist zuviel."
Dann fragte sie mich, ob ich denke, dass ihre Mutter sie wohl abholen würde, oder vielleicht ein Engel.
Zwischendurch, während sie sprach, geschah es mehrmals, dass sie plötzlich stockte und sich ihr Gesicht völlig veränderte, und sie ganz tief Luft holte. In dem Moment dachte ich schon, dass sie womöglich gleich stirbt.
Gute Antworten auf die Fragen, die sie immer wieder stellte, konnte ich ihr kaum geben und fühlte mich was das betrifft recht hilflos. Ich hab sie dann gestreichelt, und sie hat mich auch gestreichelt, und dann haben wir uns in die Augen geschaut und geschwiegen und gelächelt. Das war wirklich wunderschön.
Als ich ihr versprochen hatte, dass ich fest an sie denken würde, ließ sie mich schließlich doch gehen. Als ich sagte: "Bis morgen", da antwortete sie: "Morgen bin ich aber nicht mehr da."

Mich würde interessieren, was man in der Ausbildung für die Hospizarbeit lernt. Ich habe mich teilweise ziemlich hilflos gefühlt, vor allem, als diese Frau immer wieder fragte, warum sie solche Schmerzen haben müsse, warum Gott sie nicht endlich hole usw. Was kann man darauf schon sagen? Ich weiß es ja auch nicht.
Und gibt es bestimmte Anzeichen, die einem zeigen, dass jemand wirklich innerhalb kurzer Zeit sterben wird?
Ich war noch nie bei einem Menschen, der im Sterben lag. Ich habe den Tod bzw. das Sterben nur bei meinen Tieren kennengelernt. Das kann man in keiner Weise vergleichen, denn für Tiere ist das Sterben etwas so natürliches, sie brauchen dabei keine Hilfe und keinen Beistand.

Vielleicht könnt ihr mir ein bisschen was dazu sagen. Vielen Dank dafür.

Liebe Grüße von
Xenia

ingoborm Offline

Webmaster und Administration Technik
Beiträge: 937

04.02.2007 12:24
#2 RE: Hilfe und Beistand antworten

Hallo, ja es gibt bestimmte Anzeichen. Du hast schon einige kennengelernt. Die Frage ob ihre Mutter oder ein Engel sie abholen wird, ist eins davon. Sie fühlt auch das sie gehen wird, sie wusste nur nicht genau wann. Doch nun weiß sie es.(Ich weiß nicht ob ich das jetzt schreiben soll, ich tue es mal trotzdem) Ich denke, du wirst heute erfahren, dass sie verstorben ist. Sie sagte ja gestern, auf dein Bis morgen, morgen bin ich nicht mehr da. Ein eindeutigeres Zeichen gibt es nicht. ich weiß das es sich jetzt etwas hart anhört, dass ich ihren Tod angekündigt habe. Tut mir leid wenn ich dich damit erschreckt haben sollte. Ich hab soetwas schon mal erlebt.

Man lernt in der Schulung zwar sehr viel, aber bei einer Sterbebegleitung lässt sich das Gefühl der Ohnmacht nicht immer vermeiden und man weiß nicht immer was man antworten soll, das ist völlig normal. Du hast ihr jedenfalls sehr geholfen.

Es wird kein leichter Tag für dich, doch du wirst dich mit ihr freuen können.
Ich hab sie dann gestreichelt, und sie hat mich auch gestreichelt, und dann haben wir uns in die Augen geschaut und geschwiegen und gelächelt. Das war wirklich wunderschön.
Dieser Moment war so wichtig, für euch beide.

Wie gesagt, tut mir leid wenn ich dich und die anderen mit meiner Direktheit erschreckt haben sollte.

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