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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Wege durch und aus der Trauer
Johanna Offline


Beiträge: 14

30.07.2006 15:19
Gedanken an meine Mutter an einem schönen Sommertag antworten

Im November 2003 starb meine Mutter. Ich hatte sie ca. 5Jahre gepflegt und als sie nicht mehr alleine zurecht kam, kauften wir ein großes Haus.Ein Heim und mag es noch so gut geführt sein kam für mich persönlich nicht in Frage.Wir hatten schon immer ein sehr liebevolles und inniges Verhältnis, dies änderte sich auch nicht nach meiner Heirat.
Ich vermisse sie sehr und denke ganz oft an den letzten Sommer den wir miteinander verlebten. Gerade jetzt, wenn der Garten sich in seiner ganzen Pracht zeigt überkommt mich oft ein sehnsüchtiges Verlangen nach ihrer Nähe. Solch einen Tag, im Ziespalt mit mir und der Welt erlebte ich vor 2 Wochen. Ich war ganz allein, saß auf unserer Terrasse, als ich dass Bedürfnis verspürte meine Gedanken auf zu schreiben, so wie ich es immer mache, wenn ich mit Situationen nicht fertig werde. Diese Gedanken verfasste ich für meine Mutter:
Juli / 2006
Ein schöner warmer Sommertag mit strahlend blauem Himmel, so wie Du es liebtest. Ich sitze allein auf der Terrasse, nicht so wie vor 2 Jahren, als Du noch bei mir warst und Dich an der Blütenpracht erfreutest und ich manchmal das Gefühl hatte, dass Du alles noch einmal ganz genau betrachten wolltest, so als könntest Du es nie wieder. Es war ja unser letzter gemeinsamer Sommer nur ich wußte es nicht - Du aber wirst es schon gespürt haben. Ich kann mich gut an diesen heißen Sommer erinnern, denn es war selbst im Schatten oft unerträglich. Dieser Sommer nahm Dir die letzte Kraft und jeder Tag der verging kostete Dich unendlich viel Mühe ihn zu überstehen.
So oft es ging holten wir Dich in den Garten und Deine Dankbarkeit war so groß, dass es für mich bald beschämend war.
Trotzdem wäre ich gern mit Dir allein im Garten gewesen- so wie früher in unserem Garten in G. Wir hatten sehr schöne gemeinsame Stunden, redeten über Gott und die Welt - über das was uns ärgerte und hatten stets Verständnis füreinander. Auch ernste Gespräche fanden statt. Wie oft machtest Du Dir früher Gedanken, wie es werden würde, wenn Du mal nicht mehr könntest und da sagte ich Dir, dass Du Dir niemals Gedanken über Dein Alter machen brauchtest, denn ich würde für Dich da sein.
Ja, so geschah es dann auch. Gott gab mir die Kraft und seine Liebe um fast alles zu erreichen, damit wir unser Ziel umsetzen konnten. Innerhalb von nur 2 Monaten verkauften wir unser Haus, um am gleichen Tag ein großes Haus für uns alle kaufen.
Deine Krankheit schritt unbarmherzig fort und wie oft fragtest Du mich, ob Du keine Last für mich wärest.
Meine Liebe war viel zu groß und ich habe unsere letzten Jahre ( sie waren für Dich und für mich schlimm) nie belastend gefunden.
Siehst Du, eine kleine weiße Wolke am strahlend blauem Himmel.
Ein Zeichen für mich, dass Du in diesem Moment ganz fest an mich denkst und ich klammere mich heute an Deine Worte, da ich weiß, Du hast Deine Versprechen stets gehalten.
Alles ist in den letzten Jahren anders geworden und wenig ist geblieben. Mein Kind geht seinen eigenen Weg - genau wie Du es mir gesagt hast. Ich lerne los zu lassen und es ist unglaublich schwer.
Ich bin viel allein und meine Gedanken schweifen entweder in die Vergangenheit oder sind bei Dir.
Da ich keine Geschwister habe und Du das letzte Bindeglied zur Familie warst ist es einsam geworden. Die Anrufe werden seltener, - auch darauf hast Du mich aufmerksam gemacht.Deine Liebe fehlt mir, Dein Verständnis, die Kosenamen welche nur Du für mich hattest und die ich so gerne hörte.
Ich brauche meine Zeit um wieder - diesmal ohne Dich - leben zu können.
Du wußtest, wie schwer dies alles für mich würde und Du wolltest mich darauf vorbereiten. Immer wieder kreisten Deine Gedanken um das Thema wie ich mein Leben gestalten würde.In dem Sommer nahmst Du still und leise, so wie es Deine Art war, Abschied, dessen bin ich mir heute ganz sicher.
Wie oft fragtest Du mich, wie ich leben würde, wenn Du nicht mehr bist.Diese Worte waren nie direkt gestellt, sondern wohl dosiert. Wie oft machtest Du mich auf meine vielen Fähigkeiten aufmerksam und wolltest Gewissheit, dass ich sie auch nutze.
Ein lauer Wind, der etwas Frische bringt, die Sträucher und Blumen in Bewegung hält, die Schmetterlinge auf den Blüten --- eine gute Tasse Tee und ein leckeres Stück Kuchen, ja das liebtest Du. Dankbar für jeden kleinen Liebesdienst der Dein Leben erträglicher machte, belohntest Du mit einem Lächeln.
Am meisten liebtest Du meine Fröhlichkeit und gelacht wurde oft bei uns - auch im letzten Sommer.
Ein großes Geschenk war der letzte Brief, den Du mir hinterlassen hast.All Deine Liebe die Du für mich hattest, spiegelte sich darin wieder.
DEn Abschied von mir, den machtest Du Dir nicht leicht und erst als meine erlösenden Worte kamen, konntest Du diese Welt verlassen.
Mein Leben zu ändern war schwierig und dauerte lang. Doch ich fand Menschen die mich verstanden. Meine Fröhlichkeit fand ich wieder, genau wie Du es gesagt hast.
Meine Fähigkeiten nutze ich auch und werde ehrenamtlich 2x in der Woche im Kindergarten mit Kindern philosophieren.
Wir waren und sind auf wundervolle Weise miteinander verbunden und hatten hier auf der Erde eine wunderbare Zeit miteinander voller Höhen und Tiefen.
In meinem Herzen hast Du eine Sonderstellung( gaz oben rechts- Du versthst!)
Langsam neigt sich der Tag und ich glaube, Du hast Deinen Frieden gefunden.
In Liebe

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