Hallo, ich möchte mir von der Seele schreiben, was mich außergewöhnlich belastet. Am Sonntag benachrichtigte uns mein Schwager, dass meine Schwiegermutter im Krankenhaus auf der Intensivstation läe. Sie hatte ein Hirnschlag und wurde erst nach 16 Stunden gefunden. Mein Mann und mein Sohn fuhren sofort ins Krankenhaus, meine Anwesenheit war unerwünscht. Mit meinem Mann bin ich nun 29 Jahre verheiratet und ich habe es nie geschafft ein gutes Verhältnis zu meiner Schwiegermutter zu bekommen. Nachdem mein Schager geheiratet hatte wurde es noch schlimmer, da meine Schwiegermutter mir bei jedem ihrer Besuche erzählte was für eine tolle Frau meine Schwägerin wäre. Ich zog mich zurück und war zu dem Zeitpunkt voll mit der intensiven Pflege meiner Mutter beschäftigt. Nach dem Tod meiner Mutter hatte ich ca. 2Jahre ein Problem mit alten Menschen. Ich liebte meine Mutter sehr! Meine Schwiegermutter versuchte sich erneut in unser Leben einzumischen , welches ich dann aber nicht mehr zuließ.Regelmäßig besuchte mein Mann seine Mutter, kümmerte sich um alle schriflichen Sachen, doch durch die vielen Verletzungen seiner Mutter war die Bindung nicht mehr so intensiv. Ich muß dazu sagen, dass wir einen Therapeuten aufgesucht hatten, dies geschah schon vor einem Jahr. Zurück zu der Situation: Die Ärzte hatten wenig Hoffnung und versetzten meine Schwiegermutter in ein künstliches Koma. Am darauffolgenden Tag fuhr ich mit meinem Mann ins Krankenhaus, denn ich wollte unbedingt Frieden mit ihr schließen.Es fiel mir unsagbar schwer, aber ich wollte sie nicht so gehen lassen. Nachdem ich mich gefasst hatte, nahm ich ihre Hand und erzählte ihr aus meinem Leben und bat sie um Verzeihung. Während der ganzen Zeit bewegten sich ihre Augen. Ich sagte ihr, sie braucht keine angst zu haben, unser Gott wäre doch ein gütiger Gott . Ich bat sie meine Mutter zu grüßen und ihr zu sagen, dass ich sie liebte. Als ich alles gesagt hatte und meiner Schwiegermutter über die Stirn streichelte wurde sie ganz ruhig, bis dann kurze Zeit später die Augenaktivitäten aufhörten. Sie starb am nächsten Tag. Mein Schwägerin benachrichtigte uns erst 2Stunden später, d.h. sie wurde vom Krankenhaus um 14.45 Uhr angerufen, rief bei uns erst um 17.00 an.Da mein Mann aber gerade an diesem Tag sehr unruhig war und unbedingt in die Klinik fahren wollte,waren wir vorher da, wußten aber nicht, dass mein Schwiegermutter schon verstorben war. Kurze Zeit später kamen mein Schwager und meine Schwägerin, beachteten uns nicht und meinten sie wollten jetzt in Ruhe Abschied nehem, ja und ich hätte schon mal gar nichts hier zu suchen. Ich war wie gelähmt über diese Reaktion, aber was noch schlimmer war , war der Hass der mir entgegenkam. Nun es kommt noch schlimmer, da meine Schwägerin Anspruch auf alle Sachen hat,( aus ihrer Sicht) und mein Mann dies nicht zulassen will. Sie sagt, dass sie so hasst, wie nichts auf der Welt und ich weiß nicht warum. Damit mich nun niemand falsch versteht, mir liegt nichts an den Sachen oder Schmuck meiner Schwiegermutter, ich habe es ihr sogar schriftlich gegeben. Ich mag meine Schwägerin sogar und habe es stets anerkannt, was sie alles getan hat. Es fällt mir sehr schwer mit dieser Situation umzugehen.
In Antwort auf:Es fällt mir sehr schwer mit dieser Situation umzugehen.
Die Situation mit Deiner Schwiegermutter, wie Du sie schilderst, kommt ja im Leben recht häufig vor.
Wichtig und gut war es für Deine Schwiegermutter und Dich, das Du Dich mit ihr ausgesprochen und damit letzte Dinge geregelt hast. So konntest Du Dich und sie sich selbst auch aus eurem gegenseitigen Beziehungsprozess herauslösen. Diese Erlösung schenkt Frieden auf und für beide Seiten.
Desweiteren schilderst Du, das Deine Schwägerin Dir mit tiefem Hass begegnet. Das verunsichert Dich sehr, einfach darum, weil Dir gar nicht bewusst ist, woher ein solcher Hass herrührt. Dieses Nichtwissen oder auch das nicht richtig Einordnen dessen, was Dir da von Deiner Schwägerin entgegengebracht wird, lässt Dich ins Grübeln und Nachdenken verfallen. Was Du bewusst und auch unbewusst damit tust, ist die Suche einer Schuld für diesen Hass bei Dir. Das führt wiederum zum Stress bei Dir, weil Deine Gedanken aufgrund eines fehlenden Entdeckens und Erkennens einer Schuld sich dauernd mit solch einer Suche beschäftigen und hin und her überlegen.
Schau, liebe Johanna, die Schuld für einen solchen Hass muss aber keineswegs bei Dir liegen, er kann ganz andere Gründe und Ursprünge bei Deiner Schwägerin haben. Es kann ebensogut sein, das sie diesen Hass nur auf Dich projiziert und in Dir eingutes Ventil dafür findet. Das Problem, im Sinne eines Ursprunges, liegt aber bei Deiner Schwägerin, nicht bei Dir. Suche also nicht bei Dir nach einem Ursprung, welcher nicht als Grund in Dir liegt.
Sei und bleib so, wie Du bist. Lasse Dich nicht von diesem Hass verunsichern, begegne Deiner Schwägerin weiter auf Deine Art und Weise, sei freundlich und herzlich ihr gegenüber, auch wenn es Dir in Augenblicken sehr schwer fallen mag. Lass Dich nicht von dem Hass Deiner Schwägerin provozieren, nur weil er eventuell auf Dich projiziert wird. Wenn Du merkst, das eine Situation für Dich uner-träglich wird, gehe einfach aus dieser heraus, indem Du Dich aus einem Zusammensein mit Deiner Schwägerin für diese Momente trennst.
Du kannst natürlich auch den härteren Weg gehen und eine klare Aussprache mit Deiner Schwägerin suchen, um für Dich zu erfahren, welches die Gründe für sie auf diesen Hass auf Dich sind, wobei es hier unsicher ist, das Deine Schwägerin sich auf ein solch klärendes Gespräch einlässt und desweiteren, ob Du auch ehrliche Antworten auf Fragen von Dir bekommst.
Also, Johanna, lebe weiter wie bisher Dein Leben, grübel nicht zuviel und suche Gründe nicht in Dir, wo sie nicht zu finden sind. Versuche es mal, Du wirst sehen, das Dir das gelingt,:O)
Vielen lieben Dank für Deine wohltuenden Worte. Ein Gespräch mit meiner Schwägerin suchte ich schon, leider erfolglos. Ich hätte ihr sogar alle persönlichen Sachen meiner Schwiegermutter überlassen, doch sie kam nicht und schickte nur ihren Mann, obwohl wir uns alle gemeinsam treffen wollten. An diesem Tag eskalierte es zwischen den Brüdern. Mein Schwager will alleine alles bestimmen, gibt seinem Bruder keinerlei Einsicht in Unterlagen: besitzt den Wohnungsschlüssel ( die anderen Schlüssel verschwanden auf wundersame Weise ) und versteht nicht, dass weder seine Frau noch ich Ansprüche haben. Eine gütliche Einigung ist leider nicht zu erwarten. Ich glaube nicht, dass meine Schwiegermutter dies gewollt hätte. Ich werde wohl damit leben müssen, doch es fällt mir unsagbar schwer. Heute informierte mich mein Mann, dass er einen Rechtsanwalt eingeschaltet hätte.
Ich konnte mir schon aufgrund Deiner Zeilen des ersten Beitrags denken, das es zu keinem Zusammenkommen mit Deiner Schwägerin kommt, daher schlug ich ja auch die ruhigere Variante zu Anfang meiner Antwort vor,:O)
Also, wie ich Dir schon schrieb: Auch wenn die Zeit, welche Du momentan erlebst, stressvoll und unruhig ist, versuche für Dich selbst der Fels in der Brandung zu sein. Und es ist ja auch so, das in der Ruhe die Kraft liegt, um auszuharren und auszuhalten. Wenn Dir dadurch auch die Last nicht abgenommen wird, wirst Du sie aber viel leichter tragen.
Und diese Ruhe und diese Kraft wünsche ich Dir von ganzen Herzen. Und wenn Du mal wieder unter Deiner Bürde schwankst, fühle Dich frei, hier weiter zu schreiben. Ich bin dann für Dich da, zu jeder Zeit,:O)
Lieber Ahasveru, Danke, dass Du mir Mut machst. Irgendwie komme ich mir so schlecht vor und kann nicht einmal sagen warum. Eigentlich ist mein Leben darauf ausgerichtet anderen zu helfen, mich für sie einzusetzen und durch meine Art erreichte ich so Vieles. Diese Ungewissheit, was noch alles auf uns zukommt belastet sehr, zumal alles so einfach gewesen wäre. Doch hier geht es um Macht und darum, dass der Bruder meines Mannes meint nur er allein kann regeln. Meine Schwiegermutter ist noch keine Woche tot und egal was war, aber so hätte sie es nicht gewollt. Ich werde versuchen ruhig darüber zu werden, denn es liegt nicht in meiner Macht die Lage zu ändern. Für mich zählt weiterhin die Liebe zu anderen und vielleicht wird es zu einem späteren Zeitpunkt möglich sein mit meiner Schwägerin mit zu reden. Nochmals vielen Dank Johanna
Es tut mir sehr leid, daß du ich nun in einer so verzwickten Situation wiederfindest. Wie oft hört man von solchen Familienstreitigkeiten nach dem Ableben eines Familienmitgliedes. Schuldzuweisungen werden auf andere Familienmitglieder projiziert, gemischt mit eigenen Unsicherheiten und Schuldgefühlen, die hier hineinspielen.Unverständnis und Abwehrreaktionen kommen noch hinzu und es ist scheinbar unmöglich die Sache friedlich aufzulösen, weil die Fronten zunehmend verhärten. Wie bereits angeklungen ist, solltest du dich derzeit nicht auf die Findung einer friedlichen Lösung allzu sehr versteifen - ich denke, alle Beteiligten stehen unter großem Druck und je mehr man sich in die Sache hineinsteigert, desto mehr Unbeteiligte werden von den Streitparteien quasi als Mitstreiter in die Sache involviert. Ist jetzt nur mal so meine Überlegung aus eigenen Beobachtungen. Vielleicht gelingt es zu einem späteren Zeitpunkt einmal das Gespräch zu finden, eventuell mit einer vermittelnden dritten Person, die außerhalb des Familiengeschehens steht.
Liebe Irene, vielen Dank für Deine Worte, leider hat sich in der Zwischenzeit die Lage sehr verschärft. Eine friedliche Lösung ist nun in weiter Ferne gerückt und ein Gerichtsverfahren zwischen den Brüdern ist unvermeidbar. Noch immer habe ich nicht verstanden, warum der Hass meiner Schwägerin gegen uns so enorm gross ist. Ein bedeutender Pädagoge sagte einmal " man kann die MEnschen nur dann ändern, wenn man sie liebt " Bis vor kurzer Zeit hätte ich ihm zugestimmt, aber ich glaube bei meiner Schwägerin wäre es unmöglich. Weißt Du, wenn ich wenigstens den Grund wüßte, dann könnte ich besser damit umgehen. Nun wird die kommende Zeit äußerst schwierig und ich hoffe noch immer, dass eine friedliche Lösung gefunden wird. Es geht doch nicht um den persönlichen Vorteil, sondern um den Tod eines Menschen. Ich glaube an ein Leben danach und hoffe alles getan zu haben, damit meine Schwiegermutter es nun gut hat. Sicherlich hatte ich kein allzu gutes Verhältnis zu ihr, aber durch meinen christlichen Glauben und den vielen Erlebnissen mit Sterbenden, denke ich ihr den Weg (von meiner Seite) geebnet zu haben. Es kommt doch darauf an, die Menschen in unseren Herzen nicht zu vergessen, denn dies gab mir meine Mutter kurz vor ihrem Tod zu verstehen und ich denke viel an sie und an die schöne Zeit, die wir miteinander verleben durften. Kurz vor dem Tod meiner Mutter sagte sie zu mir, wenn Du an einem strahlend blauem Himmel eine kleine weiße Wolke siehst, dann weißt Du, dass ich in dem Augenblick ganz fest an dich denke. Ja, und wenn ich eine kleine weiße Wolke sehe, dann denke ich, bitte hilf auch meiner Schwiegermutter ihren Frieden zu finden. Liebe Irene, ich danke Dir nochmals und solltest Du ein paar Minuten Zeit haben, dann denke an mich. Liebe Grüsse Johanna