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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Bestattung
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 6.581

11.05.2006 12:39
Stadt, Land, Friedhof: Alles bleibt anders antworten

Stadt, Land, Friedhof: Alles bleibt anders

Die Bestattungs- und Trauerkultur in Deutschland befindet sich im Umbruch. Vor allem in städtisch geprägten Regionen verlieren althergebrachte, häufig kirchliche Rituale immer mehr an Bedeutung und anonyme Beisetzungen und Feuerbestattungen nehmen vielerorts zu. Doch auf der anderen Seite gibt es vor allem auf dem Land eine traditionelle Bestattungskultur.

Wie schon zu Großmutters Zeiten

In ländlichen Gegenden sind die Strukturen des sozialen Zusammenlebens häufig noch stärker erhalten als in der Stadt. Wie früher gibt es die Nachbarn, Freunde und den Dorfpfarrer, die wissen, was bei einem Todesfall zu tun ist und die als persönliche Bekannte die Hinterbliebenen begleiten. Die Bedeutung des Friedhofs auf dem Land spiegelt sich auch in seiner Lage an einem Platz in der Nähe der Kirche, d. h. in der Dorfmitte. Er ist somit ein Ort des Treffens nach dem Gottesdienst am Sonntag. Viele städtische Friedhöfe hingegen sind vor zweihundert Jahren im Zuge kommunaler Erweiterungspläne entstanden und liegen fernab vom Einflussbereich der Kirche an den Rändern der Stadt.

Ein Ort der Erinnerung

Immer mehr Menschen leben heute allein und entscheiden sich für eine anonyme Bestattung. Auch viele Menschen mit Familie möchten ihren Nachfahren nicht mit der Grabpflege zur Last fallen und wählen die Anonymität, was umgekehrt die Trauerbewältigung der Angehörigen und Freunde erschwert. Wir verdrängen die Auseinandersetzung mit dem Tod, und wenn der Todesfall dann unweigerlich in der Familie oder im engeren Bekanntenkreis eintritt, werden Dienstleister mit den nötigen Aufgaben betraut. Ein würdevoller Abschied ist so schwierig. In der heutigen, schnelllebigen Zeit, so Experten, müssten Besinnung und Einkehr erst wieder neu gelernt werden. Besonders wichtig ist dabei ein realer Ort der Erinnerung, der besucht, aber auch wieder verlassen werden kann, wie ihn die persönliche Grabstätte auf einem Friedhof bietet.

Auf neuen Wegen

In vielen Gegenden, wo die Religion an Bedeutung verloren hat, entstehen auf der Suche nach Sinngebung neue Formen der Trauerbewältigung: Selbsthilfegruppen, Psychologenrunden und weltlich orientierte Trauerzentren bieten Zeit für Gespräche, das Ritual der Totenwache oder auch die Möglichkeit der individuellen Sarggestaltung. Neue Bestattungsformen, die der Persönlichkeit des Verstorbenen Rechnung tragen, gewinnen an Bedeutung. Es wächst das Bedürfnis, Trauerfeier und Begräbnis unabhängig von Vorschriften oder Regeln zu gestalten und dabei alte Rituale wieder aufleben zu lassen. Auch die Rituale anderer Kulturen sind möglich. Dieser Trend zur Individualisierung ist bei der Gestaltung des Grabs, des Grabsteins und bei der Wahl der Lieblingsblumen des Verstorbenen zu erkennen. In diesem Zusammenhang rückt auch der Symbolcharakter von Pflanzen wieder stärker in das Bewusstsein.

Ali, Fatima und Mehmet

Unübersehbar ist zudem der Einfluss fremder Kulturen auf die Bestattungskultur in Ballungsgebieten, in denen die Gesellschaft multikultureller ist. Zwar bevorzugen viele muslimische Mitbürger immer noch eine Bestattung in ihrer ursprünglichen Heimat, aber die deutschen Friedhöfe setzen sich immer häufiger mit den Besonderheiten ausländischer Begräbnisformen auseinander. In jüngster Zeit wurde diesen durch Änderungen im Bestattungsrecht Rechnung getragen. Mittlerweile ist es in einigen Bundesländern, darunter Nordrhein-Westfalen, möglich, die Toten glaubenskonform ohne Sarg, nur in ein Leinentuch gewickelt, zu bestatten. Viele Friedhöfe bieten heute auch multikulturelle Serviceleistungen bis zur rituellen islamischen Waschung an. Die für Muslime übliche „Ewige Totenruhe“ stellt allerdings weiterhin ein Problem dar, denn gemäß deutschem Recht wird üblicherweise ein Grab nach bestimmten Fristen, die von der Art des Grabes abhängen, aufgelöst und die Fläche neu vergeben.

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