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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 zur Betreuung und Unterbringung von Schwerkranken und Sterbenden
Johanna Offline


Beiträge: 14

10.05.2006 11:48
Leben im Hospiz antworten

Am 23.4 starb mein Cousin im Hospiz.
Ich möchte meine Erfahrungen und die anfängliche Angst denjenigen nehmen, die vor einer solchen Entscheidung stehen. Mein Cousin litt an einer unheilbaren Krankheit, welche als MSA bezeichnet wird. Anfang des Jahres verschlechterte sich der Krankheitszustand dramatisch, sodass es nicht mehr möglich war, ihn zu Hause zu pflegen.Er kam in eine Kurzzeitpflege, aber auf Grund seiner enormen Sprachschwierigkeiten hatte er grosse Probleme mit den Schwestern.Bei dieser Krankheit bleibt der Verstand bis zuletzt ganz klar und hier entstand die Problematik, denn dass Pflegepersonal verstand dies nicht. Da die Schmerzen auch immer mehr zunahmen und kein Pflegeheim in der Umgebung bereit war ihn mit dieser Krankeit auf zu nehmen, kam nur noch ein Hospiz in Frage. Zu dem Zeitpunkt ahnte allerdings noch niemand von uns, wie schwer dieses Ziel zu erreichen wäre. Nach vielen Gesprächen, einem Attest vom Hausarzt, einem Attest vom Neurologen ( in denen nur noch eine kurze Lebenszeit bestätigt wurde) und dem Einsatz der Hospizleitung dachten wir es wäre geschafft.Nun aber stellte sich die Krankenkasse dagegen. Ein Gespräch mit dem Abteilungsleiter wurde unumgänglich. Erst als ich ihn fragte, welche Möglichkeit er sähe und ob er sich vorstellen könnte bei klarem Verstand diese Krankeit ertragen zu müssen, bald nur noch denken zu können, ohne sich aber versprachlichen zu können, ja erst dann setze er sich für den Hospizplatz ein. Innerhalb weniger Tage konnte mein Cousin verlegt werden. Das gesamte Personal im Hospiz war uns in dieser Zeit in jeglicher Beziehung behilflich, doch besonders meinem Cousin ( er konnte kaum noch sprechen) war dankbar für diese liebevolle Pflege.
Jeder Wunsch wurde ihm erfüllt und wenn mal niemand von uns kommen konnte, er wurde nicht allein gelassen, dank der vielen ehrenamtlichen Helfer. In der letzten Woche vor seinem Tod war es ihm nicht mehr möglich nach einer Schwester zu klingeln, da seine Hände ganz steif geworden waren. So kam immer jemand vom Pflegepersonal in kurzen Abständen zu ihm ins Zimmer um nach seinen Wünschen zu forschen.
Auch wir als Familie wurden aufgefangen wenn wir traurig waren, es wurden Gespräche angeboten, ganz nach unseren Bedürfnissen.
Die Zimmer waren hell und freundlich, alles mit viel Liebe zum Detail eingerichtet.
Knapp 4 Wochen lebte er dort und auch in seiner Todesstunde war er nicht allein.Sein Tod kam ohne Vorzeichen, (doch dies ist eine andere Geschichte) sodass niemand von uns bei ihm sein konnte.
In aller Ruhe durften wir Abschied nehmen, niemand der uns drängte sondernim Gegenteil wir hatten alle Zeit der Welt.
Wir wurden versorgt mit Allem was wir wollten, fühlten uns nicht allein gelassen.
In den vielen Stunden, die ich bei ihm im Hospiz verbrachte und wie gesagt, er war bei vollem Verstand, dankte erdass wir diesen Ort für ihn gefunden hatten.
Nun ist er frei und geborgen.
Johanna

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