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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Fernsehsendungen
Ahasveru Offline

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Beiträge: 6.581

07.05.2006 14:50
Tatort: Außer Gefecht antworten

Tatort: Außer Gefecht

Wilfried Geldner

(tsch) Er war der "Fahnder" und ist amtierender Kommissar im "Tatort" des HR. Hier darf - was er schon in seinen frühesten Anfängen war - Jörg Schüttauf endlich wieder einmal der böse Täter sein. Und was für einer: Ganz fahl und fromm lugt er hinter seiner gescheiten Brille hervor, der Ex-Krankenpfleger Peschen, der das Leid der alten, siechenden Menschen auf den Pflegestationen dieser Welt getragen hat und ihnen dann sterben half, als er das Leiden nicht länger ertrug. Aber die Menschheit, sie begreift ihn nicht. Bullen, wie die Kommissare Leitmayr und Batic, geben blöde Pressekonferenzen, in denen sie vom "Todesengel" quatschen, dem das Handwerk gelegt gehört. Da wird der Pfleger zum Racheengel. Friedemann Fromm inszenierte für den BR mit "Außer Gefecht" seinen vierten "Tatort", der ebenso ungewöhnlich ist wie seine Vorgänger, "Klassenkampf" oder "Perfect Mind".

Es wird viel über die abhanden gekommene Menschenwürde auf Pflege- und Sterbestationen gesprochen, in eindringlichen Monologen, die mitunter so schwer werden wie die Bilder, die sie begleiten. Dann kann man ans Bett gefesselte alte Menschen sehen, Männer, die in ihrer Demenz nach früheren Partnern rufen. Aber eben auch die Krankenpflegerin, die dem Sterbenden die Hände hält und dazu einen Kinder-Trostreim singt.

Nein, es ist kein lustiger "Tatort", wie man ihn zuweilen von den Münchnern gewohnt ist. Auch, wenn er wie eine Komödie startet. Es beginnt nämlich damit, dass gleich drei Kommissare im Hochrestaurant des Münchner Olympiaturms kellnern, in weißen Jacken und mit feinen dunkelblauen Fliegen. Batic und Leitmayr kommen sich bald derart ins Gehege, dass sie - unvorstellbar - vorübergehend gar zu Feinden werden.

Leitmayr (Udo Wachtveitl) hat einen Tipp bekommen: Der Todesengel wird auf dem Turm erwartet! Doch die Falle, die man dem Bösewicht stellen will, entpuppt sich als eine, die dieser seinerseits den Kommissaren stellt. Und so kommt es, dass der Leitmayr in die Fänge des Engels gerät, von diesem (frage nicht wie!) zugespritzt wird und ab jetzt nur noch so lange leben darf, wie der Film in Realzeit dauern wird.

Da kauern, reden, giften sie nun zwischen Himmel und Erde in ihrem Gehäuse, als wären sie geradewegs aus Aufzugsfilmen wie Carl Schenkels "Abwärts" oder dem "Fahrstuhl des Grauens" herausgefallen. Machen auf B-Picture, freilich auf hohem Niveau. Fromm lässt den Schacht mit den Kabinen in ausgesuchtesten, imposanten Endlos-Perspektiven filmen (Kamera: Hanno Lentz), und die Lichtsetzung wird zum optischen Genuss.

Es werden nun die Bedingungen im Pflegewesen (und die daraus resultierende Hybris fehlgeleiteter Pfleger) mit der Fahrstuhl-Action gekreuzt (Buch: Christian Jeltsch), um die Spannung insgesamt zu steigern. Dieser Plan geht nicht in allem auf: Der "Tatort" ist letztlich eben kein Actionfilm, sondern vor allem ein kluger Disput in ausgesuchtesten artifiziellen Bildern. Schüttauf hat als Rache-Rechthaber nicht das letzte, aber das eindringlichste Wort, wenn er Leitmayr vorhält, er habe den Vater im Stich gelassen, als der auf den Sohn vergeblich gewartet hatte im Pflegebett. Der Pfleger habe doch bloß das Leid nicht ertragen können, sagt Leimayr da und merkt zu spät, dass das für ihn ganz genauso gilt. Mehr als derlei wahre Erkenntnisse lassen sich von einem "Tatort" nun wirklich nicht erwarten. Mitzähler wollen errechnet haben, dass dies der 630. ARD-"Tatort" gewesen sei.

Titel Tatort: Außer Gefecht
Sendedatum 07.05.2006
Sendezeit 20:15:00
Sender ARD
Produzent BR

Informationsquelle: http://www.stimme.de/medien/tv-tipp/tv/tv-dienst/art4335,756561.html?fCMS=abf9d812724b170444cea38571680e02
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Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schliessen. Es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.

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