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Folter, Agonie und Tod Human Rights Watch legt Bericht über Todesstrafe in den USA vor Ein Korrespondentenbericht von Sigfried Buschschlüter In 19 US-Staaten ist die Giftspritze die einzige legale Exekutionsmethode. Sie enthält drei Bestandteile, die betäuben, lähmen und schließlich den Herzstillstand herbeiführen. Doch was nach einem schmerzlosen Tod aussieht, ist es keineswegs, kritisiert Human Rights Watch. Wird das Betäubungsmittel nicht in ausreichendem Maße verabreicht, leidet Gefangene qualvolle Schmerzen. Erhängen, erschießen, Tod in der Gaskammer, Tod auf dem elektrischen Stuhl - die Geschichte der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten kennt eine Reihe von Hinrichtungsmethoden, alle legalisiert durch den achten Verfassungszusatz. Er enthält zwar ein Verbot grausamer und ungewöhnlicher Strafen, aber darunter verstand der Zeitgeist lediglich die extremsten Spielarten der Exekution, wie Kreuzigung oder Tod auf dem Scheiterhaufen. Als das Oberste Gericht im Juni 1972 die Todesstrafe vorübergehend aussetzte, um zu prüfen, ob ihre Anwendung mit der Verfassung übereinstimme, ging es vor allem darum, dass sie nicht willkürlich oder leichtfertig verhängt wurde. An den Arten der Hinrichtung sollte ihre Wiederzulassung vier Jahre später nicht scheitern. Als Mittel der Wahl setzte sich im Laufe der Jahre ein Verfahren durch, das allgemein als humaner empfunden wurde als die meisten anderen Arten der Hinrichtung: die Giftspritze. 1977 von Dr. Jay Chapman, einem Leichenbeschauer in Oklahoma, entwickelt, wird dieses Verfahren heute in 37 der 38 Bundesstaaten verwendet, in denen die Todesstrafe praktiziert wird. In 19 Staaten ist die Giftspritze die einzige legale Exekutionsmethode. Und so funktioniert es, hier im Hochsicherheitsgefängnis von Louisiana wie in allen anderen Vollzugsanstalten: Der Todeskandidat wird auf einer Liege festgeschnallt, ein Katheter mit einem angeschlossenen intravenösen Schlauch wird in die Armvene eingeführt und von einem Nebenraum aus spritzt eine unsichtbar bleibende, anonyme Person - "the executioner”, der Scharfrichter - drei Medikamente in den Katheterschlauch. Bei der ersten Droge, Natrium Thiopental, handelt es sich um ein Betäubungsmittel, bei der zweiten um ein Brompräparat, das den Gefangenen lähmt, und bei der dritten um eine tödliche Dosis Kaliumchlorid, die zum Herzstillstand führt. Die erste Droge schläfert ein, die zweite stoppt den Atem, und die dritte stoppt das Herz, sagt Kathy Fonteneau, Vollzugsbeamtin in Angola, Louisiana. "Herzstillstand durch tödliche Injektion.” Schmerzlos, das war der Eindruck, der vermittelt wurde. Falsch, sagt die Menschenrechtsorganisation, Human Rights Watch. Es mehrten sich die Anzeichen, dass Strafgefangene während der Hinrichtung qualvolle Schmerzen erlitten hätten. Wenn das Betäubungsmittel nicht in ausreichender Dosierung verabreicht werde, sei der Strafgefangene noch bei Bewusstsein, wenn die zweite Droge, die Lunge und Zwerchfell lähmt, ihre Wirkung entfaltet. Unfähig zu atmen, hätte der Todeskandidat das Gefühl zu ersticken. Die Wirkung der dritten Droge, Kaliumchlorid, würde er bei Bewusstsein wie brennendes Feuer empfinden, das durch seine Venen strömt. Folter, Agonie, Tod. Da werden Hunde und Katzen schonender behandelt, wenn sie vom Tierarzt eingeschläfert werden, heißt es in dem gestern veröffentlichten Bericht von Human Rights Watch. In mindestens 30 US-Bundesstaaten seien neuromuskuläre Lähmungsmittel für das Einschläfern von Tieren verboten. Bei Hinrichtungen von Menschen würden Drogen dieser Art offenbar nur verwendet, um den Strafgefangenen ruhig zu halten, ihn unbeweglich zu machen, und damit den Zeugen der Exekution den Anblick eines von Schmerzen geschüttelten menschlichen Körpers zu ersparen. Anwälte von Strafgefangenen und Narkosefachärzte hätten wiederholt empfohlen, so schreibt die Menschenrechtsorganisation, den Todeskandidaten eine einzige, tödliche Dosis eines Barbitursäurepräparats zu verabreichen. So halten es Ärzte, bei der Sterbehilfe, in Oregon, dem einzigen Bundesstaat, in dem Sterbehilfe legalisiert ist, und so verfahren Tierärzte, wenn sie Haustiere einschläfern. Da Human Rights Watch die Todesstrafe grundsätzlich ablehnt, billigt die Organisation auch keine Veränderungen bei der Hinrichtung durch die Todesspritze. Dass der Staat an dem seit 30 Jahren eingeführten Verfahren festhält, erklären die Autoren des Berichts damit, dass der Tod schnell eintritt und schmerzlos erscheint. Daher auch der Titel des Reports: "Solange sie nur sterben”. Nachdem es aber kürzlich mehrere Fälle gegeben hat, in denen Strafgefangene bei ihrer Hinrichtung sichtbar gelitten haben, haben Bundesgerichte in Kalifornien und North Carolina Exekutionen gestoppt. Morgen will sich auch der Supreme Court mit dem Thema Giftspritze befassen. Doch da geht es um keine Grundsatzentscheidung, sondern nur um Verfahrensfragen. Noch brauchen die Scharfrichter in Amerika nicht um ihre Jobs zu bangen. Informationsquelle: http://www.dradio.de/aktuell/493404/ ---------- Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schliessen. Es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.
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