Hallo! Ich hätte da noch eine Frage an Euch. Wie ich ja bereits vor ca. 2 Wochen geschrieben habe, ist meine Mutter Mitte März diesen Jahres verstorben. Da ich in der nächsten Zeit ehrenamtlich als Hospiz-MA beginnen möchte, wollte ich nocheimal nachfragen, wie das so ist. Ich lese eigentlich immer, die ganzen Kurse für Ehrenamtliche sollten auf keinen Fall in der Trauerzeit eines angehenden Mitarbeiters liegen. Und nun mein Probblem. Trauerzeit???? Ja, natürlich bin ich schrecklich traurig, daß meine Mutter nicht mehr da ist, ich sie nicht mehr drücken, festhalten, küssen, riechen, ... kann. Es gibt auch Momente, meistens dann, wenn ich intensiv an die schönen Momente mit ihr denke, wo ich so traurig bin, dass ich zu heulen beginne. Aber ist das nicht normal, ist das nicht vielleicht in 2 Jahren noch immer so? Ich muß ganz ehrlich sagen, das Weinen und Traurigsein möchte ich eigentlich nie missen, denn in solchen Momenten fühle ich mich eng mit ihr verbunden und ich bin mir sicher, dass das auch in Jahren (bei mir; hoffentlich!!!) noch so ist. Vielleicht nicht so intensiv, aber das Loch , dass sie in mir hinterlassen hat, möchte ich sowieso nicht zukleben. Ich kann aber auch sagen, dass ich sie habe gehenlassen und finde es gut, dass sie nun "zuhause" ist. Mein Mann sagt immer zu mir, deine Trauer ist anders. Sie fehlt dir zwar sehr und Du vermisst sie, aber ich bin froh für sie, dass sie endlich gehen durfte.
Nun meine Frage: Wie kenne ich, ob ich schon für diese "Arbeit" bereit bin oder ob ich mir noch einige Monate Zeit lassen soll.
In Antwort auf:Nun meine Frage: Wie kenne ich, ob ich schon für diese "Arbeit" bereit bin oder ob ich mir noch einige Monate Zeit lassen soll.
Da Deine Mutter Mitte März verstorben ist, ist es für eine Arbeit in der ehrenamtlichen Sterbebegleitung recht früh, da Du Dich selbst noch in einem Abschieds- und Trauerprozess befindest. Deine Trauer sollte, bevor Du eine ehrenamtliche Sterbebegleitung beginnst, zuallererst durchlebt und abgeschlossen sein. Damit ist nicht gemeint, das Du nun für Deine Mutter kein Traurigsein mit den begleitenden Gefühlen mehr empfindest, aber es sollte schon ein Abstand herrschen zwischen dem Durchgehen eines Trauerprozesses und dem Durchgegangensein eines solchen.
In der Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen wirst Du auch mit ihrer Trauer und dem ihrer Angehörigen konfrontiert. In diesen Momenten ist bei ihnen u.a. auch ein Bedürfnis und Wunsch nach Trost, Eingehen, Mitfühlen und Verständnissuche vordergründig. In dieser Hinsicht kann es Dir bei einer solchen Begegnung mit diesen Bedürfnissen eines sterbenden Menschen sehr schwerfallen, wirklich und wahrhaftig auf diese einzugehen, denn Du wirst in dieser Konfrontation zuersteinmal auf Deine eigene Trauer zurückgeworfen, was Dich selbst in diesen Momenten blockiert, Gefühle des Trostes, des Mitfühlens, des Eingehems und des Verständnisses mit dem sterbenden Menschen zu empfinden. Diese Diskrepanz zwischen Deinem Gefühl und den Bedürfnissen des Sterbenden wird Dich somit emotional belasten und überfordern, und dem zu Begleitenden wird diese Diskrepanz in Dir und innerhalb Deines Begleitens wegen einer fehlenden Wahrhaftigkeit Deiner ausgedrückten Gefühle wie Trost, Mitfühlen, usw. sehr bewusst sein. Sterbende Menschen haben ganz empfindliche Antennen eines Wahrnehmens für solche Situationen. Was daraus resultieren kann, ist, das der zu Begleitende anfängt, den Begleiter zu trösten und mit ihm mitzufühlen oder er zieht sich zurück, weil er fühlt, das Du emotional wie auch begleitend nicht ganz bei ihm bist, sondern mit Dir beschäftigt bist. Und es sollte auf gar keinem Falle so sein, das ein Mensch, welcher begleitet werden möchte, letztendlich selbst begleiten muss.
Du solltest also eine Tätigkeit der ehrenamtlichen Sterbebegleitung erst beginnen, wenn Du für Dich einen Abstand zu Deiner Trauer empfindest, was meint, das Du durch Deine Trauer und Deinen Abschied hindurchgegangen bist. Dieser Abstand ist nicht nur für den zu begleitenden Menschen wichtig, sondern auch für Dich selbst, denn sonst überforderst Du Dich und brennst recht schnell aus.
Ergo: Wenn Du für Dich fühlst, das Du einen Abstand zu Deiner Trauer empfindest und fühlst, das Du auch wieder in diesem Abstand dazu der Trauer von schwerstkranken und sterbenden Menschen wie deren Angehörigen begegnen kannst, dann ist die Zeit für Dich da, das Du tätig wirst. Du kannst z.B. auch in eine Trauergruppe gehen, welche von Hospizdiensten angeboten wird, um Deine Trauer zu durchleben und danach bei einem solchen Dienst auch Deinen Kurs machen.
Hallo! Danke für deine ausführliche Antwort. Genau das lese ich auch immer wieder. Ich für mich kann nur sagen, daß ich mich bereits jetzt (nach dem Besuchen eines Kurses) dazu bereit fühle. Das heißt, ich muß sowieso, bevor ich mich den Sterbenden widmen darf, sicherlich noch einen Kurs belegen. Und ich nehme an, das bedarf ebenfalls noch eine ganze Weile. Das Miterleben des Begleitens und des Sterbens kranker Menschen wird mich sicherlich an das Begleiten bzw. das Sterben meiner eigenen Mutter erinnern, aber ich glaube doch, daß ich die Gefühle für meine Mutter und die Gefühle für den zu Begleitenden nicht miteinander vermische. Das heißt, ich werde mich voll und ganz auf den zu Begleitenden einlassen, denn er hat es verdient. Es liegt wahrscheinlich in meiner Art, für Menschen, die mich brauchen da zu sein und es bedarf für mich keiner besonderen Kraft dazu.
Das Sterbens meiner Mutter war ja nicht schrecklich für mich, es war nur traurig (= ernst). Ich konnte mich 5 Monate lang darauf vorbereiten und von ihr Abschied nehmen. Ich glaube dadurch, daß wir bereits seit 10/2005 von ihrem bevorstehenden Tod wußten (Endstadium Darmkrebs), sie bereit war zu gehen und ich bereit war, sie loszulassen, konnte ich schon einen Großteil meiner Trauerarbeit im Vorhinein leisten. Ich konnte mich ja von ihr verabschieden und ich bin mir sicher, dass ich sie wiedersehen werde (das ist meine Meinung), also, warum sollte ich mich nicht auf andere Menschen einlassen können?
Ja, eigentlich bin ich mir sicher, diese Aufgabe bereits jetzt (bzw. nach Besuchen des Kurses) ausüben zu können. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich mich schon mein ganzes Leben mit Tod bzw. Sterben auseinander gesetzt habe und auch keine Angst oder Schrecken davor habe.
Nun, indem wir das von Dir Geschilderte mal so stehen lassen, wird aber letzten Endes ein Hospizdienst durch Gespräch / Gespräche mit Dir entscheiden, ob Du zum jetzigen Zeitpunkt Deiner Trauer schon bereit bist oder wärst, schwerstkranke und sterbende Menschen zu begleiten. Mir persönlich ist nur bekannt, das Menschen, welche sich selbst in einem Trauer- und Abschiedsprozess befinden, nicht für Begleitungen eingesetzt werden.
Aber, wie schon erwähnt, das muss in Gesprächen mit Dir beim jeweiligen Dienst abgeklärt werden,:O)
Ok, dann nochmals vielen Dank. Wollte mich nur einmal vorab erkundigen. Werde mir am Montag (denn diese Woche ist die Zuständige auf Urlaub) einen Termin für ein Gespräch ausmachen. Laß es euch dann wissen, was herausgekommen ist. Sehe es aber auch als kein Problem, wenn sie mir raten noch einige Zeit zu warten, denn es ist das, was ich auf jeden Fall versuchen werde.