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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Religiöses zu Sterben, Tod und Trauer
Ahasveru Offline

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Beiträge: 6.581

18.04.2006 09:42
Der Umgang mit dem Tod im Christentum antworten

Der Umgang mit dem Tod im Christentum

1) TOTENBESTATTUNGEN

Allgemein:

Die Beisetzung von Toten und das damit verbundene Ritual hängen meistens ab von Rasse, Kultur und Religion. Darüber hinaus spielen natürlich noch hygienische Gesichtspunkte eine Rolle, die mit steigendem Zivilisationsgrad immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die gebräuchlichsten Formen der Totenbestattung sind die Erdbestattung und die Feuerbestattung. Seltenere Formen sind Seebestattung, Einbalsamieren oder Beisetzen in besonderen Bauten und Grüften. Das früher ausschließlich bei der Kirche liegende Friedhofs- und Bestattungsrecht obliegt seit 1900 dem Bundesgesetzbuch (Art. 133) und die Umsetzung und Ausführung liegt bei den Ländern (außer Kriegsgräber und Feuerbestattung).

Brauchtum:

Vorbereitungen und Regelungen aller mit der Totenbestattung verbundenen Fragen übernehmen gewöhnlich die Bestattungsinstitute, die sich mit der Friedhofsverwaltung in Verbindung setzen. Im europäischen Kulturkreis werden die Verstorbenen für drei Tage in der Leichenhalle des Friedhofs aufgebahrt. Die Schaustellung im offenen Sarg oder zu Hause wird immer seltener. Als dieses Ritual noch verbreiteter war (bes. in ländlichen Regionen), wurde von Angehörigen und Nachbarn über Nacht die sogenannte Toten- oder Leichenwache gehalten, mit gemeinsamen Gebeten und Bewirtung. Vor der Beerdigung formiert sich der Leichenzug, der den Wagen mit dem Sarg zum Friedhof bringt, meistens über einen vorher festgelegten Weg, den Totenweg, der danach gemieden wird. Auf große Beteiligung legte man schon immer großen Wert, besonders jedoch in den ländlichen Kreisen. Die Grabrede ist ungefähr seit dem 16. Jahrhundert Brauch und seit 1900 vereinzelt auch der Seelengottesdienst. Das Auflegen von Kränzen ist allgemein Sitte, ebenso die drei Schaufeln Erde oder das Weihwasser, mit dem sich Angehörige von dem Toten verabschieden und anschließend wird den nächst Betroffenen das Beileid ausgesprochen.

Erdbestattung:

Für die Friedhöfe und deren Gräber gibt es Bestimmungen: Es gibt Reihengräber und käuflich erwerbliche Wahlgrabstätten. Für Ausgestaltung ist der Friedhofsinspektor zuständig, die Gräber stellt der Friedhofsarbeiter her. Ein Grab mit mittlerer Porengröße muss 2 m lang, 1 m breit und 1,8 m tief sein. Dabei muss darauf geachtet werden, dass zwischen zwei Gräbern eine ca. 30 cm dicke Erdschicht liegt und ein ausreichender Abstand zum Grundwasser gewährleistet ist. Zudem sollte sich der Sarg langsamer zersetzen als der Leichnam. In Kies und Sand begrabene erwachsene Leichen sind nach ca. 7 Jahren bis auf Knochen zerstört. Dieser Boden gilt als am günstigsten, da Lehmboden die Verwesung bis zu zwei Jahren verzögern kann. Zu einer Verunreinigung des Grundwassers kann es bei Einhaltung dieser Dinge kaum kommen, unter anderem auch, weil Infektionserreger in der Leiche schon nach kurzer Zeit zu Grunde gehen.

Feuerbestattung:

Geschichte:

Die Feuerbestattung ist möglicherweise die älteste Bestattungsform und trat ab ca. 3000 vor

Christus auf, meist in Europa und "Nahost". Diese Bestattungsart ist eine durch die Religion gebotene Form, sie soll der Seele den Weg ins Totenreich frei machen. Am Anfang der Bronzezeit dehnte sich die Feuerbestattung nach Spanien und Portugal aus, dann auf die britischen Inseln. Nur die Ägypter hielten schließlich noch an der Mumifizierung fest.

Etwa 1000 vor Christus war die Feuerbestattung ein wesentlicher Bestandteil der griechischen Bestattungskultur und dem Brauch folgend war es später im Alten Rom Vorrecht der Großen (Cäsar, Augustus) sich einäschern zu lassen, so dass man Mitte des 5. Jhds. ein offizielles Urteil gegen das Verbrennen in der Stadt brauchte, weil es zu viele waren. Schon damals wurde die Asche in kunstvoll gefertigten Urnen beigesetzt. Karl der Große verbot die Einäscherung mit der Todesstrafe, da er sie für einen heidnischen Brauch hielt. Im 16. und 17. Jahrhundert findet sich das Streben nach einer Wiedereinführung, die durch die Aufklärung und besonders durch die französische Revolution gelingt. 1797 wurde im Rat der 500 der Antrag gestellt und 1800 offiziell zugelassen. Doch bis ins 19. Jahrhundert war die Feuerbestattung verpönt, die katholische Kirche verbot sie 1886 und doch entstanden in Mailand und Gotha (USA) erste Krematorien. Trotz der Bestimmungen folgte 1891 Heidelberg und nach und nach erließen die Bundesländer entsprechende Gesetze.

Die Feuerbestattung gewinnt immer mehr Anhänger. Heutzutage lassen sich in Deutschland jährlich bis zu 37% einäschern. Spitzenreiter weltweit ist Japan mit 99%.

Seit 1963 hat die katholische Kirche die Feuerbestattung akzeptiert, denn auch sie konnte sich nicht vor der Zweckmäßigkeit verstecken. Heute stehen in Deutschland 116 Krematorien.

Was ist eine Feuerbestattung?

Da die Beobachtung des Verbrennungsvorgangs allein schon durch die betriebsrechtlichen Bestimmungen verboten ist, umgibt die Einäscherung eine Aura des Geheimnisvollen. Noch dazu gibt es kaum Literatur zu diesem Thema.

Die Einäscherung findet in dem sogenannten Muffelofen statt. Beim Vorgang in diesem Ofen berühren die Flammen den Leichnam nicht. Der Muffel wird auf die vorgeschriebene Temperatur vorgeheizt, die ist je nach Alter und Größe der Leiche verschieden, dann wird der Leichnam samt Sarg eingeschoben. Zunächst wird der Leiche durch die Temperatur vollständig von Flüssigkeit befreit, anschließend entzündet sie sich von selbst. Die optimale Kremation setzt sich zusammen aus Dosierung der Temperatur und Zuführung des Sauerstoffs. Diese Mischung wird mittels Computersystemen gefunden.

Bei der Einäscherung werden Schadstoffe, die sich eventuell im Körper befinden, neutralisiert.

Eine Nachbrennung neutralisiert Gase, so dass eine moderne Einäscherung weder Rauch noch Geruch ausstößt (Vorschriften des Bundes Immissionsgesetzes). Die Einäscherung ist die bestmögliche Lösung um eine hygienische Leichenentsorgung zu garantieren und somit die Umwelt zu entlasten, denn außerdem spart sie Platz und beschleunigt lediglich den Verwesungsprozess, der mit toxikologischen Vorgängen verbunden ist und besonders in Ballungsgebieten problematisch werden kann.

Die Asche/ Urne darf

- beigesetzt werden auf kirchlichen Friedhöfen, sofern es ihre Bestimmungen erlauben, auf Gemeindefriedhöfen in Urnengrabstätten und Urnenwahlgrabstätten, in Urnengemeinschaftsanlagen und dort entweder anonym oder mit Grabplatte

- verstreut werden, auf dafür eingerichteten Streuwiesen ( die einzige in Deutschland ist in Rostock)

- vom Flugzeug ins Meer (außerhalb der Drei-Meilenzone) gestreut werden

- in den Niederlanden an der Stelle begraben werden, die dem Toten am meisten am Herz lag

- in Houston (USA) mit einer Rakete ins Weltall geschossen werden, wo sie in der Atmosphäre verglüht

- im Meer versenkt werden

Seebestattung:

Der Seebestattung geht immer eine Einäscherung voraus, die Urne wird später dann im Meer versenkt, die Angehörigen erhalten auf Wunsch eine Karte, in der die Stelle eingezeichnet ist.

Das Versenken der Urne im Meer darf nicht im Geltungsbereich der Drei-Meilenzone der Bundesrepublik Deutschland, also dem bundesdeutschen Küstenmeer vorgenommen werden, sondern nur in einem Gewässer, in dessen Bereich die Beschaffenheit des Bodens keine Fischerei zulässt. Diese Regelung stammt allerdings noch aus einer Zeit, in der Betonurnen verwendet wurden. Heute bestehen sie aus Materialien, die sich nach einiger Zeit auflösen und die Asche preisgeben. Diese bleibt als kleines Häufchen auf dem Meeresgrund liegen und wird von Schwebeteilchen zugedeckt, so dass dort schon ein regelrechter Friedhof entstanden ist. Jährlich werden ca. 3000 Seebestattungen vorgenommen.

2) GESELLSCHAFTLICHER UMGANG MIT DEM TOD

Der Tod eines nahestehenden Menschen oder eines geliebten Wesens reißt ein großes Loch ganz tief in uns. Der Schmerz ist so unendlich groß und es scheint, als könnten nie wieder unbeschwerte und fröhliche Tage kommen. Die Verzweiflung über den Verlust kann so groß sein, dass manch einer selbst kaum weiterleben will. Wie kann man lernen, mit einem solchen Verlust umzugehen und wie können wir den Tod derer, die wir lieben, akzeptieren?

Über Abschied und Trauer

Das Annehmen des Verlusts von Menschen und Wesen, die wir lieben, ist eine der schwersten Aufgaben, die wir in unserem Leben zu bewältigen haben. Wir müssen erkennen, dass wir nichts festhalten können und dass es Dinge gibt, die sich unserer Kontrolle entziehen, so verzweifelt wir auch versuchen mögen, Einfluss zu nehmen. Abschied und Trauer sind Themen, die früher oder später auf jeden von uns zukommen und wir müssen lernen, mit dem Schmerz umzugehen.

Phasen der Trauer

Die Verarbeitung eines Verlusts durch den Tod erfolgt in der Regel in verschiedenen Phasen:

Phase 1: Schock und Verneinung - Nach dem Verlust eines geliebten Menschen reagieren die meisten von uns mit Schock und Verneinung. Wir können es einfach nicht fassen und deshalb "kann nicht sein, was nicht sein darf". Diese Phase kann kurz sein, aber auch über Wochen, ja sogar Monate andauern.

Phase 2: Aufbrechende Gefühle - Während für die erste Phase eine Empfindungslosigkeit typisch ist, brechen nun die Gefühle des Hinterbliebenen hervor. Wut, Verzweiflung, Schuldgefühle, Schmerz - alle möglichen Gefühle können nun spürbar werden und uns überwältigen.

Phase 3: Suchen und Trennen - In dieser Phase sucht der Hinterbliebene den Kontakt zum Verstorbenen - sei es durch Rituale, wie das Mitdecken des Tisches für den Toten, durch Tagträume oder ähnliches. In dieser Phase ist ein Wechselbad der Gefühle zwischen Verneinung, Trauer, Trost, Ernüchterung und Annehmen typisch.

Phase 4: Entstehen eines neuen Selbst- und Weltbezugs - Erst in dieser Phase erfolgt die tatsächliche Akzeptanz des Todes. Der Hinterbliebene beginnt, seinen Lebensrhythmus neu zu gestalten, die Gewohnheiten, die mit dem Verstorbenen geteilt wurden, werden aufgegeben. Eine Form von Neuanfang wird möglich.

In der Praxis sind diese Phasen keineswegs deutlich voneinander zu trennen und sie stellen auch kein gradliniges Nacheinander dar. Vielmehr mischen sich die einzelnen Phasen, gehen ineinander über und wechseln sich ab. Es gibt auch bei Personen, die glaubten, über denVerlust hinweggekommen zu sein, immer wieder heftige Gefühlsausbrüche und man kann auch noch nach Jahren heftig schmerzende Trauerphasen erleben.

Vorbereitung und Bestattung des Leichnams

Die Vorschriften und Regeln im Zusammenhang mit Tod und Beisetzung hängen eng mit dem religiösen Verständnis des Todes und dem Glauben an ein Jenseits zusammen, erfüllen aber darüber hinaus auch wichtige psychologische, soziologische und symbolische Funktionen für die Hinterbliebenen. In allen Gesellschaften wird der Leichnam in einer kulturell bestimmten Art und Weise vorbereitet, bevor er endgültig bestattet wird. Archäologische Funde zeigen, dass bereits die Neandertaler die Bestattung ihrer Toten ritualisiert hatten. Häufig wird der Leichnam gewaschen, speziell gekleidet oder mit Zierrat, religiösen Objekten oder Amuletten geschmückt. Die umfassendste Behandlung des Leichnams ist die Einbalsamierung. Die unterschiedlichen Bestattungsweisen hängen mit religiösen Überzeugungen, klimatischen und geographischen Gegebenheiten und dem sozialen Status zusammen. Wird der Tote begraben, so steht dies meist mit einem Ahnenkult oder einem Jenseitsglauben in Verbindung. Die Feuerbestattung wird manchmal als Befreiung der Seele des Verstorbenen verstanden.

Beisetzung und Trauerrituale

Die eigentliche Bestattung - die Überführung des Toten an den Ort des Begräbnisses, der Feuerbestattung oder der Luftbestattung - ist der gesellschaftliche Ort für mehr oder weniger komplexe Rituale. Häufig wird aus der Überführung des Leichnams ein bis ins Einzelne geregelter Leichenzug. In den heutigen westlichen Gesellschaften gehören Totenwachen, Leichenzüge, Glockengeläut, eine religiöse Zeremonie und letzte Worte zu den Bestattungsriten. Es ist Sitte, beim Todesfall nächster Angehöriger längere Zeit festliche Veranstaltungen zu meiden. Die Dauer der Trauerzeit ist aber nach dem Grad der Verwandtschaft verschieden, aber auch nach jeweiliger landschaftlicher oder örtlicher Gepflogenheit. Bei der Beisetzung mit militärischen Ehren wird häufig Salut geschossen. Der Wunsch, das Andenken des Verstorbenen zu bewahren, ließ zahlreiche Formen des Gedenkens entstehen; dazu zählen die Aufbewahrung von Teilen des Körpers als Reliquien, Denkmäler, Totenlieder oder Epitaphe auf Grabsteinen.

Symbolik und gesellschaftliche Bedeutung

Im Zusammenhang mit der Bestattung wird vieles von Konventionen bestimmt. Selbst die Gefühle beim Trauerritual können traditionell vorgegeben sein. Klageweiber, die mit dem Verstorbenen nicht verwandt sind, können zum Wehklagen angeheuert werden. Ebenso kann traditionell vorgeschrieben sein, wann und wo die Hinterbliebenen ihre Gefühle zeigen dürfen und müssen. Ethnologen haben vier symbolische Hauptelemente ausgemacht, die - ungeachtet der vielfältigen Erscheinungsformen von Trauerriten - immer wieder vorkommen. Dabei ist zunächst die Farbsymbolik zu nennen. Auch wenn der Tod nicht überall mit der Farbe Schwarz verbunden wird, wird doch häufig schwarze Kleidung als Zeichen der Trauer getragen. Ein zweites Element ist in vielen Kulturen die besondere Behandlung des Haares der Trauernden, das zum Zeichen der Trauer geschoren wird oder das man im Gegenteil wachsen lässt und das dann als Symbol der Trauer zerzaust wird. Drittens gehören häufig laute Feierlichkeiten und Trommeln zu den Beerdigungsriten. Schließlich werden in vielen Kulturen verschiedene profane Techniken zur Konservierung des Leichnams eingesetzt. Gesellschaftlich gesehen, wird die symbolische Bedeutung des Todes bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für einen Herrscher am deutlichsten. Besonders in Kulturen, in denen der Herrscher die Ethnie oder die Nation personifiziert, nehmen solche Feierlichkeiten häufig das Ausmaß eines politischen Dramas an, bei dem die ganze Nation auf dem Spiel steht. Die Beisetzung des Herrschers ist vielfach nicht einfach ein religiöses Ereignis; vielmehr hat sie häufig weit reichende politische und im Verständnis mancher Völker auch kosmologische Folgen.

3) ZWEI VERSCHIEDENE TODESARTEN UND IHRE AKZEPTANZ IN DER GESELLSCHAFT

Häufige Todesursache: HERZINFARKT

An Herzerkrankungen sterben in den Industrieländern mehr Menschen als an jeder anderen Krankheit. Sie können mehrere Ursachen haben: angeborene Herzfehler, Infektionen, Verengung der Herzkranzgefäße, hoher Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen.

Die häufigste Herzkrankheit ist in den Industrieländern die Arteriosklerose. Dabei bilden sich in den Blutgefäßen Ablagerungen aus Cholesterin und anderen Fettsubstanzen, die sich auch an den Innenwänden der Herzkranzgefäße absetzen. Wenn diese Arterien sich im Lauf des Lebens verengen, wird der Herzmuskel immer schlechter durchblutet, und es kommt zu Symptomen wie Atemnot (besonders bei körperlicher Anstrengung) und Angina pectoris mit Enge- und Schmerzgefühlen in der Brust. Wenn ein Herzkranzgefäß durch die Ablagerungen völlig blockiert wird, geht die Sauerstoffversorgung des Herzens plötzlich zurück. Zu einer solchen Gefäßverstopfung kann es auch kommen, wenn sich ein Stück der Ablagerung löst und an einer anderen Stelle der Arterie festsetzt - ein Vorgang, den man als Thrombose bezeichnet. Beide Mechanismen sind die wichtigsten Ursachen des Herzinfarkts, der in vielen Fällen zum Tod führt. Wer einen Herzinfarkt überlebt hat, muss sich umfangreichen Maßnahmen zur Rehabilitation unterziehen, denn immer besteht die Gefahr, dass ein zweiter Infarkt eintritt. Die Ursachen der fetthaltigen Ablagerungen liegen u. a. darin, dass man mit der Nahrung zu viel Cholesterin und tierische Fette aufnimmt. Wahrscheinlich fördert auch eine bewegungsarme Lebensweise die Arteriosklerose: Vielen Befunden zufolge trägt körperliches Training zur Vorbeugung gegen Herzkrankheiten bei. Auch eine allzu ehrgeizige, auf Perfektion ausgerichtete Lebenseinstellung und insbesondere auch das Rauchen dürften das Herzinfarktrisiko erhöhen.

Nach einer Schätzung aus dem Jahr 1997 erleiden in Deutschland jährlich etwa 280 000 Menschen einen Herzinfarkt, 190 000 sterben daran. In Deutschland ist bei Frauen über 50 Jahre der Herzinfarkt die häufigste Krankheits- und Todesursache. Bis zu den Wechseljahren sind Frauen durch körpereigenes Östrogen relativ gut vor Herzinfarkt geschützt, danach kann eine Östrogenzufuhr das Infarktrisiko deutlich verringern.

In den siebziger und achtziger Jahren ging die Sterblichkeit durch arteriosklerotische Herzkrankheiten in mehreren Industrieländern drastisch zurück. Für diese Beobachtung gibt es noch keine schlüssige Erklärung - Mediziner führen sie darauf zurück, dass Bluthochdruck häufiger erkannt und behandelt wird und der Anteil tierischer Fette in der Ernährung zurückgegangen ist. Dennoch bleibt die koronare Herzkrankheit beispielsweise in Großbritannien die wichtigste Todesursache.

Der Herzinfarkt ist nach wie vor die am meisten gefürchtete, in vielen Fällen zum Tode führende Krankheit im hohen Alter.

SELBSTMORD

Selbstmord (Suizid) ist eine absichtsvolle Tötung der eigenen Person. Suizid wurde zu allen Zeiten in allen Gesellschaften begangen, jedoch gibt es wesentliche Unterschiede in der gesellschaftlichen Einstellung zum Suizid, in den Methoden der Selbsttötung und in der Häufigkeit, mit der im Lauf der Geschichte Suizid begangen wurde. Im Mittelalter verurteilte die katholische Kirche jede Selbsttötung. Das mittelalterliche Recht sah in der Regel vor, dass das Eigentum dessen, der sich selbst getötet hatte, eingezogen wurde; nach dem Gewohnheitsrecht wurde der Leichnam schimpflich behandelt. 1823 wurde die Bestattung von Selbstmördern auf geweihtem Grund legalisiert, aber erst 1882 wurde auch die kirchliche Beisetzung erlaubt. Nach christlichem, jüdischem und islamischem Glauben ist die Selbsttötung nach wie vor verboten. Heute betrachtet man den Suizid jedoch eher unter psychosozialen als unter moralischen Aspekten.

Auslösende Umstände

Der Suizid ist eine komplexe Handlung mit biologischen, psychischen und sozialen Ursachen. Aus psychiatrischer Sicht lässt sich beispielsweise feststellen, dass Suiziden meist eine tiefe Depression vorausgeht. Der Suizid ist eine Flucht aus einer als schmerzlich empfundenen Situation; er kann dabei auch als Racheakt an der Person gedacht sein, die für das Leiden, von dem die Selbsttötung befreien soll, verantwortlich gemacht wird. Solche Gefühle werden manchmal in Abschiedsbriefen formuliert. Zumeist aber dürfte der Suizid eine Reaktion auf das fortgesetzte Empfinden sein, dass das Leben zu viele Schmerzen bereithält, und dass nur der Tod dauerhaft Erleichterung verschaffen kann. Unter schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen steigt die Suizidrate oft sprunghaft an. Das war beispielsweise im 1. Weltkrieg unter jungen Deutschen der Fall oder in den USA zum Höhepunkt der Wirtschaftskrise 1933. In einzelnen Fällen kommt es auch vor, dass Menschen mit ihrer Selbsttötung gegen die Politik beispielsweise eines Unrechtsregimes protestieren. "Misslungene" Suizidversuche sind manchmal ein Hilfeschrei. Missachtet man sie, so kann ein "erfolgreicher" Suizid die Folge sein. Solche Hilfeschreie dürfen aber nicht mit den eher manipulativen Formen aufmerksamkeitsheischender Suizid-"Versuche" oder -Drohungen verwechselt werden, die dazu dienen sollen, Macht über die Gefühle und das Verhalten anderer Menschen, in der Regel der Familienmitglieder, zu gewinnen.

Einstellungen zum Suizid

In vielen Ländern verstößt ein Suizid gegen Gesetze; in anderen, besonders in römisch-katholisch geprägten Ländern, ist er gesellschaftlich geächtet, ohne dass es dazu besonderer Gesetze bedarf. Den extremen Gegenpol bilden Gesellschaften, in denen bestimmte Formen der Selbsttötung besonders hoch geachtet werden. Früher galt es beispielsweise bei den Japanern als ehrenhaft, Harakiri zu begehen: Eine Person, die wegen eines Fehlers oder einer Pflichtverletzung ihre Ehre verloren hatte, konnte dies wieder gutmachen, indem sie sich in ritueller Weise mit einem Dolch durchbohrte. In Indien wurde bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts von einer Witwe erwartet, dass sie Sati beging, das heißt, sich auf den Scheiterhaufen warf, auf dem der Leichnam ihres Mannes verbrannt wurde. Dies nicht zu tun, wäre unehrenhaft gewesen. Im 2. Weltkrieg betrachteten japanische Kamikazepiloten es als Ehre, Selbstmordkommandos zu fliegen, in denen sie sich mit ihrem Flugzeug auf ein feindliches Ziel stürzten.

Neueste Forschungen

In römisch-katholisch geprägten Gesellschaften sind die Suizidraten im allgemeinen niedriger als in protestantischen. Jedoch spiegelt dies vermutlich lediglich die Tatsache wider, dass Katholiken sich weit stärker als Protestanten genötigt sehen, einen Suizid zu verschleiern. Offiziellen Statistiken zufolge sind im Lauf dieses Jahrhunderts die Suizidraten tendenziell gestiegen. Manche Fachleute schreiben dies jedoch den verbesserten Methoden der Erhebung statistischer Daten und der schwindenden Stigmatisierung des Suizids zu. Die steigende Lebenserwartung der Menschen in den westlichen Gesellschaften mag mit dazu beitragen, dass manche ältere Menschen, die schwere Verluste zu verkraften haben oder unheilbar erkrankt sind, Suizid begehen. Dabei bitten sie nicht selten einen Arzt um Hilfe (siehe Tötung auf Verlangen, Euthanasie). Das einzige Land, in dem die Tötung auf Verlangen unter gewissen Umständen straffrei bleibt, sind bislang die Niederlande. In einigen Bundesstaaten Australiens, Kanadas und der Vereinigten Staaten werden Gesetzesänderungen diskutiert, die eine richterliche Differenzierung bei Fällen der Tötung auf Verlangen ermöglichen sollen. Wachsende Einsamkeit, Entwurzelung und Sinnverlust sind nach Ansicht vieler Psychologen dafür verantwortlich, dass die Suizidhäufigkeit in den Industriestaaten ansteigt.

4) QUELLENANGABEN

Microsoft Encarta Enzyklopädie 2000 0 1993-1999 Microsoft Corporation.

Brockhaus Enzyklopädie in zwanzig Bänden. Wiesbaden: F.A. Brockhaus, 1967

Informationsquelle: http://www.ebesta.com/umgangmitdemtod.php

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