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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Wissenswertes zum Hospiz und zur Hospizarbeit
Ahasveru Offline

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Beiträge: 6.581

15.04.2006 18:59
WIE SICH STERBENDE AUSDRÜCKEN antworten

WIE SICH STERBENDE AUSDRÜCKEN

Wenn wir mit Sterbenden sprechen, sollten wir daran denken, dass sehr oft in Andeutungen, Gleichnissen und Bildern gesprochen wird. Sie sehen mit ihrem "inneren" Auge Bilder aus der Kindheit und Vergangenheit. Märchen, Mythen und Symbole scheinen wie in einem Film abzulaufen. Körperhaltungen und Tonfall übertragen dabei häufig Stimmungen und Haltungen aus dem Unterbewusstsein.

Verbale Signale

Bei der verbalen Sprache der Sterbenden können wir wieder unterscheiden in:

a) DieSymbolsprache

Diese wird als häufigste Ausdrucksform für eine Andeutung oder eine Mitteilung benutzt.

Ein paar Beispiele:

*
"Ich glaube, ich habe es geschafft"
*
"Mein armer Mann / Meine arme Frau!"
*
"Ich gehe jetzt nach Hause, hast Du meine Heimat gesehen?" (Daheim-Sein ist mit dem Gefühl von Geborgenheit und Behütet-Sein verbunden, vielleicht auch mit Heil-Werden!)
*
"Ich bin so allein - niemand besucht mich - warum spricht niemand mehr mit mir - ich fühle mich so verlassen!"

Wir haben oft große Schwierigkeiten, mit diesen Aussagen umzugehen, zumal wir Tag und Nacht nicht von Sterbebett weichen. Dies könnte eine Andeutung darauf sein, dass der Mensch sich nun auf den Weg macht und weiß, dass er diesen ganz allein gehen muss.

Mit solchen Andeutungen möchte der Schwerkranke auf etwas hinweisen und hofft, dass wir als Angehörige und Begleiter darauf reagieren. Unsere Reaktion könnte beispielsweise so lauten: "Wie soll ich das verstehen?" - Das wäre eine Frage, die zum Erzählen einlädt und nicht urteilt!

Frau Kübler-Ross hat auf dieser Ebene mit ihrem Buch "Interviews mit Sterbenden" große Pionierarbeit geleistet!

Beispiele dazu wären zum Beispiel:

* Zeit und Raum: "Meine Uhr geht nicht richtig, ich spüre eine andere Zeit" etc. - Vertraute Grundsätze und Ordnungsmöglichkeiten verlieren in einem neuen menschlichen Stadium oft ihre Gültigkeit - zumal man in einen zeitlosen Raum hinübergleitet.
* Eine Reise machen und den Koffer packen: "Bitte, bringt mir meine Wanderschuhe, - heute fährt mein Zug, ich muss pünktlich am Bahnhof sein."
* Häuser, Wohnungen, Objekte: "Ich brauche noch einen Installateur, ich habe einen Rohrbruch, - wo ist der Baumeister, ich will das Haus umbauen, - meine Wohnung ist so verfallen und schäbig, ..."
* Geld und Wertgegenstände: "Ich brauche Geld für meine Reise, bringt mir die Sparbücher, - wo ist mein Geld, ich will es zählen, - für mich braucht ihr kein Geld mehr ausgeben, spart es lieber."
* Bücher: "Ich will das Buch mit den sieben Siegeln, - Hast Du das Buch mit dem Goldeinband gesehen, - Ich brauche mein Buch, es sind noch nicht alle Seiten geschrieben ..." Dahinter kann sich der Wunsch verbergen, Spuren im Leben, das weitergeht, zu hinterlassen, in guter Erinnerung zu verbleiben. Vielleicht ist da noch etwas abzuschließen.
* Briefe schreiben, Aufträge erteilen: "Ich brauche Papier und Stift - Wo ist der blaue Briefumschlag?" - Mit einem Brief wollen manche Sterbende noch eine Botschaft schicken, an sich selbst oder an die Angehörigen.

Zur Abrundung möchte ich gerne die Worte von Specht-Tomann & Tropper übernehmen, die schreiben:

"Es gibt keine allgemein gültigen Regeln für die Kommunikation mit Sterbenden und auch keine allgemein gültige Interpretation für deren Symbolsprache.

Wie eine Rose, die langsam aufblüht, Blatt um Blatt, die schließlich verwelkt und trockene Blütenblätter abwirft, so werden wir erleben, dass jeder Mensch einzigartig ist: im Leben wie im Sterben."

b) Die Direkt-verbale Sprache

Menschen, die sich mit ihrer Situation schon abgefunden haben, sagen öfters: "Ich weiß, dass ich bald sterben muss!" Darauf können wir reagieren mit: "Ich habe Dich gut verstanden. Hast Du das auch wirklich so gemeint? Was kann ich nun für Dich tun?"

Wir können dem Schwerkranken eine große Hilfe sein, wenn wir ihm Fragen mit offenem Ausgang stellen und ihn dazu ermutigen, auf sein Leben, seine Arbeit, seine Beziehungen zu anderen Menschen zurückzublicken - besonders unter dem Gesichtspunkt einzigartiger Momente, besonders glücklicher Begegnungen, aber auch unterfüllte Träume, unausgelebte Talente und verpasste Gelegenheiten.

Mögliche Fragestellungen mit offenem Ausgang:

* Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, was Dir wirklich Freude macht?
* Was waren die gelungenen Entscheidungen in Deinem Leben?

Nonverbale Signale

Diese Botschaften sind oft unklar, nicht direkt und so stark verschlüsselt, dass der Empfänger es als schwierig empfindet, sie zu verstehen. Nur selten sind kranke Menschen - nicht Kranke übrigens genauso - durchgängig offen, ehrlich und direkt, wenn sie gegenüber einem Dritten ihre Probleme ansprechen. Oft "verraten" sie sich durch Reaktionen im nonverbalen Bereich.

Informationsquelle: http://unkerl52.weblife.at/stories/32726/


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