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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Erbrecht
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 6.581

13.04.2006 20:02
Wer erhält das Sorgerecht, wenn eine ledige Mutter stirbt? antworten

Wer erhält das Sorgerecht, wenn eine ledige Mutter stirbt?

Kindeswohl steht im Vordergrund

Gertrud Michel* hat eine dreijährige Tochter, Melanie, und ist allein erziehend. Die Beziehung mit Martin Meier, dem Vater von Melanie, ist bereits während der Schwangerschaft zerbrochen. Für Gertrud war sein Alkoholkonsum und seine Aggressivität der Hauptgrund für die Trennung. Für eine kurze Zeit besuchte Martin seine Tochter regelmässig in der Wohnung von Gertrud. Dabei kam es zu massiven verbalen Auseinandersetzungen, worauf Gertrud ihm verbot, Melanie zu besuchen. Martin hat sie seither nie mehr gesehen. Gertrud erkundigt sich beim Jugendsekretariat, was mit Melanie passiert, wenn sie sterben würde. Auf keinen Fall will sie, dass Melanie bei ihrem Vater aufwächst.

Nicht verheiratete Mütter erhalten mit der Geburt des Kindes das alleinige Sorgerecht. Falls die Mutter stirbt, muss die Vormundschaftsbehörde am Wohnort des Kindes entscheiden, ob das Sorgerecht dem Vater des Kindes übertragen oder eine andere Person als Vormund eingesetzt wird. Die Entscheidung der Vormundschaftsbehörde richtet sich gemäss Art. 298 Abs. 2 des Zivilgesetzbuches einzig danach, was dem Wohl des Kindes am besten dient.

Gertrud Michel wird empfohlen, eine den Formen eines eigenhändigen Testamentes (vollständige Handschriftlichkeit, Datierung, Unterschrift) genügende Erklärung zu verfassen. Die Form des Testamentes ist kein Gültigkeitserfordernis, verleiht der Erklärung aber mehr Gewicht.
Darin soll sie festhalten, dass sie nicht möchte, dass bei ihrem Tod die elterliche Sorge für Melanie dem leiblichen Vater übertragen wird. Sie soll die Gründe, die gegen ihn sprechen, auflisten und möglichst auch Beweismittel nennen (zum Beispiel Zeugen). Vorteilhaft wäre auch zu erwähnen, bei welcher Person Melanie aufwachsen sollte und warum diese Person für die Betreuung geeignet ist. Die Erklärung sollte einer Vertrauensperson übergeben werden mit der Bitte, diese im Falle ihres Todes bei der zuständigen Vormundschaftsbehörde einzureichen.

Für Gertrud käme nur ihre Schwester Margrit in Frage. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder im Alter von drei und fünf Jahren und wohnt im gleichen Dorf. Zudem hat sie Melanie schon bisher betreut, wenn Gertrud zur Arbeit ging. Wichtig ist, dass Gertrud Margrit fragt, ob sie bereit wäre, diese verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen.

Die testamentarische Erklärung von Gertrud ist für die Vormundschaftsbehörde nicht verbindlich. Sie hat aber eine sehr grosse Bedeutung für die Entscheidungsfindung. Im vorliegenden Fall ist es sehr wahrscheinlich, dass Melanie gemäss Entscheid der Behörde bei der Schwester von Gertrud aufwachsen würde, weil dies dem Wohl des Kindes am besten entspricht, wie dies das Gesetz verlangt.

Informationsquelle: http://www.zuonline.ch/eltern/elterntipps.cfm?vID=2750

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