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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 1.570 mal aufgerufen
 zum Thema Hospizarbeit/Sterbebegleitung
teresa Offline


Beiträge: 12

06.04.2006 20:44
Ehrenamtliche Hospizarbeit antworten

Hallo!
Ich bin neu hier. Ich habe zwar vor etwas längerer Zeit öfters in dieses Forum reingeschnuppert, bin aber erst seit heute Mitglied. So, nun habe ich eine Frage und hoffe auf viele Antworten.
Ich bin (momentan noch) Mutter und Hausfrau, möchte aber in nächster Zeit (in ein paar Monaten) ehrenamtlich als Hospizmitarbeiterin beginnen. Könnt Ihr mir vielleicht sagen, ob man da bestimmte Voraussetzungen (Kurse, ....) braucht. Vielleicht könnt Ihr mir auch einen kleinen Einblick in Eure Arbeit geben, ich wäre sehr interessiert. Da ich "keinerlei" Erfahrung in diesem Bereich habe, würdet Ihr mir damit sehr helfen. Den Wunsch, etwas in dieser Richtung zu machen, besteht schon lange und ich bin überzeugt davon, daß es genau das ist, was ich mir als "sinnvolle Lebensaufgabe" vorstellen kann.
Die letzte Bestätigung dafür hat mir die Begleitung des "Heimgehens" meiner lieben Mutter Mitte März 2006 gegeben. Ich habe es miterleben dürfen, wie sich meine Mutter von "dieser Welt" verabschiedet hat. Sie ist mit einem Lächeln auf Ihren Lippen eingeschlafen. Es war für mich ein besonderes, feierliches Erlebnis. Ich kann es kaum in Worte fassen, furchtbar traurig, ich hab geweint, ich hab gebetet und ich hab gelacht, als ich sie fragte, ob sie "drüben" schon erwartet wird und ihr Lächeln noch intensiver wurde. Ich möchte mir daher noch die Zeit nehmen, die ich für die Trauerarbeit um meine Mutter brauche, doch dann möchte ich anderen MEnschen die Hand halten.

Liebe Grüße
Barbara

Romaschka Offline


Beiträge: 172

06.04.2006 20:52
#2 RE: Ehrenamtliche Hospizarbeit antworten

Liebe teresa,
mein herzliches Beileid zum Ableben deiner Mutter.
Wie schön, dass du bis zuletzt bei ihr sein konntest! Es ist nicht jedem vergönnt, seiner Mutter so nahe zu sein oder so Abschied zu nehmen. Und viele Menschen wollen das gar nicht, weil sie Angst davor haben.
Du bist eine starke Persönlichkeit.

Wie schön auch dein Wunsch, nun anderen Beistand zu geben.

Bei uns ist es z.B. so, dass das Allgemeine Krankenhaus die Anlaufstelle ist für ehrenamtliche Sterbebegleiter. Die dortige Palliativ-Station ist Ansprechpartner, vermittelt Kursteilnahme/Ausbildung und auch die Einsatzstellen und arbeitet außerdem eng mit den umliegenden ambulanten Pflegediensten und mit dem Onkologischen Forum zusammen.

Wenn du so weit bist und dich dann umsiehst oder -hörst, wirst du sicher das Passende für dich finden.
Alles Gute auf deinem Weg!
Herzlichst, Romaschka


Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

07.04.2006 11:05
#3 RE: Ehrenamtliche Hospizarbeit antworten

Liebe Barbara, :O)

Zuerst einmal möchte ich Dir mein Beileid zum Tode Deiner Mutter ausdrücken.

Die Voraussetzung für eine Tätigkeit in der ehrenamtlichen Sterbebegleitung ist ein Kurs, welcher von den jeweiligen unterschiedlichen Diensten angeboten wird. Wenn Du uns hier mitteilen kannst, aus welcher Region Du kommst, werden wir Dir gern Adressen von Diensten zur Verfügung stellen, an welche Du Dich wenden kannst, um Dich zu informieren, wann dort Kurse angeboten werden.

Als Voraussetzung für eine Tätigkeit in der Sterbebegleitung benötigst Du als Grundausstattung: Nächstenliebe und Mitgefühl,:O), den Rest erfährst Du in den Einzelgesprächen mit Dir bei einem Dienst und in dem Hospizkurs, welchen Du mal belegen wirst,:O)

Was ein Sterbender ganz allgemein erwartet, möchte ich hier als Erstes mal von einem Sterbenden selbst beantworten lassen:

10 Ratschläge eines Sterbenden an seinen Begleiter

1. Lass nicht zu, daß ich in den letzten Augenblicken entwürdigt werde. Das heißt, lass mich, wenn es irgendwie einzurichten ist, in der vertrauten Umgebung sterben. Das ist schwerer, aber es wird dich bereichern, Sterbebegleiter zu sein.

2. Bleibe bei mir, wenn mich jetzt Zorn, Angst, Traurigkeit und Verzweiflung heimsuchen. Hilf mir zum Frieden hindurchzugelangen.

3. Denke dann nicht, wenn es soweit ist und du hier ratlos am Bett sitzt, dass ich tot sei. Das Leben dauert länger als die Ärzte sagen. Der Übergang ist langwieriger als wir bisher wussten. Ich höre alles was du sagst, auch wenn ich schweige und meine Augen gebrochen scheinen. Drum sage jetzt nicht irgendetwas sondern das Richtige. Du beleidigst nicht mich, sondern dich selbst, wenn du jetzt mit deinen Freunden belanglosen Trost erörterst und mir zeigst, daß du in Wahrheit nicht mich, sondern dich selbst betrauerst, wenn du zu trauern beginnst. So vieles, fast alles, ist jetzt nicht mehr wichtig.

4. Das Richtige was du mir jetzt sagen möchtest, wenn ich dich darum auch nicht mehr bitten kann, wäre zum Ersten das, was es mir nicht schwer, sondern leichter macht, mich zu trennen, denn das muß ich. Ich wußte es auch längst, bevor du oder der Arzt es mir mit euren verlegenen Worten eröffnet hattet. Also sag mir, daß ihr ohne mich fertig werdet. Zeig mir den Mut, der sich abfindet, nicht den haltlosen Schmerz. Mitleid ist nicht angebracht. Jetzt leide ich nicht mehr. Sag mir, daß du das und das mit den Kindern vorhast und wie du dein Leben ohne mich einrichten wirst. Glaub nicht, es sei herzlos das jetzt zu erörtern. Es macht mich freier.

5. Und wenn dir mein Sterben ferner und ferner rückt, die letzten Kondolenzen beantwortet sind und du, wie es jedermann erwartet, in Trauer zurückfallen sollst, so wehre dich mit aller Kraft. Das viele Trauern in der Welt ist nur die andere Seite unseres Unglaubens und das Schlimmste ist, daß gerade die meisten Christen Ernst mit Traurigkeit verwechseln und von der Sonne singen, ohne sie zu leben. Du sollst von mir nur wissen, dass ich der Auferstehung näher bin als du selbst.

6. Nimm mit dir mit, was wir selbst erlebt haben, als ein kostbares Vermächtnis. Laß mein Sterben dein Gewinn sein, wie das Sterben unseres Heilands unser Gewinn ist. Leb dein Leben fortan ein wenig bewusster als dein Leben vor dem Tod. Es wird schöner, reifer und tiefer, inniger und freudiger sein als es zuvor war, vor meiner letzten Stunde, die meine erste ist.

7. Das Richtige, was du mir jetzt sagen möchtest, wenn ich dich auch vielleicht nicht mehr darum bitten kann, wäre das Wort, aus dem ich gelebt habe. Wenn nichts bleibt vom Leben auf Erden, so sind es doch diese Worte. Und wenn sie nie Wort geworden wären in unserem Leben ,so mußt du jetzt versuchen, sie zu finden. Hat es sie nicht gehabt, so hat unsere Liebe doch immer auf ihr Wort gehofft. Vielleicht war es ein einziger Bibelvers, aus dem wir lebten ein Leben lang, ein einziger, der unser Suchen jetzt zusammenfasst. Versuch ihn zu finden und mir ins Ohr zu sagen. Ich höre.

8. Ich höre, obwohl ich schweigen muß und nun auch schweigen will. Halte meine Hand. Ich will es mit der Hand sagen. Wisch mir den Schweiß von der Stirn. Streiche die Decke glatt. Bleib bei mir. Wir sind miteinander verbunden. Das ist das Sakrament des Sterbestands. Wenn nur noch die Zeichen sprechen können..., so laß sie sprechen.

9. Dann wird auch das Wort zum Zeichen. Jetzt hättest du mehr von mir zu lernen als ich von dir. Ich blicke schon durch die Tür. Jetzt, da ich davongehe, wünsche ich, daß du beten kannst, das heißt, daß du das Gute erkennst, das Gott uns jetzt schickt. Klage nicht an - es gibt keinen Grund. Sage Dank - ich werde Gott schauen. Und Dir wird es auch geschenkt werden.

10. Morgen, wenn sie dich nicht mehr allein lassen mit mir, sorge dafür, daß der Ton dieser Stunde zwischen uns nicht verloren geht. Laß die ehrenden Worte in der Anzeige, den Aufwand auf dem Friedhof. Das alles erreicht mich nicht mehr.

Wenn Du weitere Fragen hast, stelle sie ruhig, ich werde versuchen, sie so gut wie möglich zu beantworten,:O)

Lieber Gruss,:O)

Ahasveru

Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

07.04.2006 11:15
#4 RE: Ehrenamtliche Hospizarbeit antworten

Liebe Barabara,:O)

Als einen weiteren Text, was sterbende Menschen an Bedürfnissen haben, möchte ich Dir den Folgenden zur Orientierung vorlegen,:O). Vieles von dem, sogar das Meiste, wird in der Sterbebegleitung von Sterbebegleitern geachtet, respektiert und gewürdigt und auch in einer Begleitung praktisch umgesetzt.

Bedürfnisse Sterbender ...

... kann man nicht einfach aufzählen, sondern man muß genau Hinterfragen. Trotzdem gibt es Orientierungen, die helfen in die Vielzahl ein wenig Ordnung zu bringen. Deshalb werden die sechs Grundbedürfnisse in einer wichtigen, keineswegs willkürlichen Reihenfolge benannt. Sie bilden gewissermaßen eine Hierarchie, wobei die erstgenannten 3 die Grundlage für die letztgenannten 3 sind.

Bedürfnisse des Körpers

Es geht um einen möglichst geringen körperlichen Verfall, um Beherrschung der Ausscheidungsprozesse, Erhaltung des Atems und Freihaltung der Atemwege, das Bedürfnis nach ausreichendem Schlaf, Durststillung, Bedürfnis nach Anregung für die Sinne (Farben, Musik, Wärme u.a.), Linderung der Schmerzen, ausreichende und richtige Nahrung, ebenso wie nach Möglichkeiten, die noch verbliebenen Fähigkeiten und Kräfte einzusetzen und zu nutzen.

Der Respiratorpatient hat vor allem noch das Bedürfnis, die Möglichkeit eines Aussetzens der Beatmung ausgeschlossen zu wissen. Er äußert dieses Bedürfnis vor allem körperlich mit Unruhe und Angst. Dieses ist das Basisbedürfnis, das zur Voraussetzung für alle Bedürfnisse wird.

Bedürfnis nach Sicherheit

Es geht um einen möglichst hohen Grad des ÜBERLEBEN-Könnens, um die Verfügbarkeit von Personen im Notfall. Der Patient möchte, daß die Welt gewissermaßen nicht unter seinen Füßen auseinanderbricht, daß alle quälenden Fragen und Gedanken besonders zur Krankheit, zum Allgemeinbefinden und zum Sterben ehrlich beantwortet werden. Er wünscht bis in die letzte Minute eine gute Versorgung, die Beibehaltung der Dinge, die ihm im Leben gehörten, die sein Leben ausmachten (z.B. die Ringe an der Hand, die persönliche Kleidung). Er wünscht Schutz vor körperlichen Leiden, hofft, daß alles getan wird, was getan werden kann und das zugleich nicht zuviel getan wird. Er möchte spüren, daß er in kompetenten Händen ist.

Bedürfnis nach Liebe

Es regt den Patienten an, zu zeigen, daß er sich Sorgen macht, daß er Gefühle der Sorge und Zärtlichkeit mit anderen teilen und anderen mitteilen kann. Er möchtel Freundschaften bis in den Tod hinein fortsetzen, Liebe verschenken und sich geliebt fühlen. Er verlangt Zuneigung, möchte die wirkliche Sorge des Personals spüren können und möchte sich von diesem akzeptiert fühlen, gleich was er tut.

Der Körper ist sein primäres Organ der Liebe, wenn die Körpersinne eben als letzte schwinden. Die besten Personen der Liebe sind die Familienangehörigen und Freunde. Oftmals müssen diese aber erst befähigt werden, ihre eigenen Qualen zu überwinden und ihre Liebe zu zeigen. Dazu bedarf es der Ehrlichkeit. Wir dürfen von der Familie nicht verlangen und erwarten, unehrlich sein zu müssen. Die sozialen Kontakte der Liebe und Geborgenheit sind der Weg, Vereinsamung zu verhindern.

Bedürfnis nach Achtung

Es gibt keine Patienten, die nicht noch Ziele hätten. Der sterbende Patient hat eines der bedeutsamen Ziele des Lebens, nämlich die Suche nach seinem eigenen Weg, angesichts des Todes. Aber sein Bedürfnis nach Achtung verlangt, daß dieses Ziel auch be- und geachtet wird. All seine Handlungen und Gedanken möchte er als angemessen geltend wissen. Er möchte auch im Sterben eine wichtige Person sein, die Prestige und Status nicht verloren hat, die einen guten Ruf besitzt und dieses auch äußerlich repräsentiert (Kleidung, Frisur, Körperpflege u.a.). Er möchte gewürdigt werden und Anerkennung finden, als Jemand, der allen Anderen seine Nähe zum Tode voraus hat, welche diese "Anderen" eben erst noch finden müssen. Er ringt dabei um Unabhängigkeit und Freiheit, um Respekt als Person. Er möchte aber auch die Selbstachtung, die Beherrschung und Zuversicht nicht verlieren. Deshalb ist der eventuell von ihm geäußerte Todeswille ernst zu nehmen (ohne daß ihm deshalb gleich nachgegeben werden müßte).

Bedürfnis nach Selbstverwirklichung

Der Patient möchte sich möglichst auch im Tode noch als Person voll entfalten können. Deshalb sucht er nach Übereinstimmung mit den Gefühlen Anderer und benötigt zugleich ein Verständnis seiner gegenwärtigen Krise. Er will Verantwortung für sich selbst übernehmen, ringt um Sinnerfüllung dieses Lebensabschnittes. Er braucht dabei mindestens eine, für ihn wichtige Person, welcher er seine Erlebnisse und Gefühle mitteilen kann und welcher er diese Gefühle auch spüren lassen darf.

Dabei kämpft er um die volle Annahme seines nahenden Todes, um die persönliche Todesprägung. Er sucht nach Klärung und Bewertung seiner religiösen Überzeugungen, nach einem sicheren Gefühl des Friedens und der Erfüllung. Jedes Sterben ist als persönliches Sterben ein Produkt aus Wahrhaftigkeit und Individuation seitens der Helfer, sowie Entscheidungsfähigkeit über die Gestaltung des Sterbens und Todes auf Seiten des Patienten. Damit dieses aber möglich wird, muß die besondere Situation des einzelnen Krankheitsfalls weiter Beachtung finden.

Bedürfnis nach Begegnung

Diese Selbstverwirklichungsskala hätte einen entscheidenden Fehler, wenn die Beachtung des menschlichen Strebens über sich hinaus fehlen würde, wie in den meisten diesbezüglichen Darstellungen. Schon das in der Hierarchie der Bedürfnisse die Achtung höher bewertet wird als die Liebe muß sehr nachdenklich stimmen. Gerade der sterbende Mensch strebt ja aus sich heraus auf eine andere Existenzweise zu. Er will die Enge (Angst = Enge) seines Lebens sprengen, Einswerden mit der Menschheit, der Welt und Gott.

Deshalb wenden sich Sterbende besonders stark ihrer Umwelt zu oder wirken fast dämonisch auf diese ein. Sie treten aus den Fesseln von Raum und Zeit hinaus, entsenden Botschaften bis zu fernen Bekannten, lassen die Phantasie auch der dumpfesten Mitmenschen aufblitzen. In gewisser Weise stellen sich Sterbende auch der Verantwortung für die Lebenden. Manchmal auch dadurch, daß sie Helfer ihrer hilflosen Helfer werden. Mit diesem Akt der Zuwendung zu den Lebenden sind sie dann integrierter Teil der Zukunft, der Welt und Menschheit.

Bedürfnisorientierter Sterbebeistand

Körper - Bewältigung der Schmerzen

* dem Sterbenden möglichst die Schmerzen nehmen, aber Leid zulassen, soweit er es braucht
* Schmerzen nicht nur lindern, sondern ihnen zuvorkommen und ggf. auch mit dem Sterbenden gemeinsam zu ertragen versuchen
* Beschwerden nicht nur behandeln, sondern erträglich gestalten
* dem Sterbenden helfen, sich Schmerz, Trauer und den drohenden körperlichen Tod anzueignen; der Körper als Freund, der sich verabschiedet
* den Klagen geduldig zuhören, ob aus ihnen vielleicht ein unmittelbarer Hilferuf, eine Bitte um Interesse, ein Ausdruck innerlich akzeptierten Sterbens herauszuhören ist.
* Inkontinenz als schwächer werdenden Körper begreifen und die seelischen Leiden behutsam aufgreifen
* auf den Körperrhythmus des Sterbenden Rücksicht nehmen (Schlafgewohnheiten, Essenszeiten u.a.)
* jede Lageveränderung vorbereiten und beim Patienten verweilen, bis er sich an die neue Lage gewöhnt hat
* jede Verlegung auf eine andere Station oder in einen anderen Raum möglichst vermeiden oder mit Gespräch vorbereiten und begleiten

Sicherheit - Erkennen der Ängste

* Zulassen, daß sich Freude, Wut, Ängste, Furcht, Haß und Trauer ausleben wollen
* Ängste auf ihre Ursachen prüfen und diese Ursachen beeinflussen, aber dem Menschen die Kraft zur Furcht bewahren
* Gelegenheiten schaffen, daß der Patient über seine Gefühle offen sprechen oder sie lebendig zeigen kann
* das Bekämpfen von Unruhe, Angst, Gesprächsbegehren, Anwesenheitsverlangen mit Hilfe von Medikamenten oder Disziplinierungen weitgehend ausschließen
* die Angst, als Persönlichkeit nicht ernst genommen zu werden, durch Minderung der Krankheitszentrierung des pflegerischen Betrachtungsfeldes nehmen
* berechtigte Angst in geborgene Angst wenden, also konkret beängstigende Anlässe entfernen
* die Angst vor dem Alleinsein durch die gewohnte Schwester, Mitpatienten ect. mildern
* Sicherheit geben, daß die Sterbestunde nicht allein erlebt werden muß

Liebe - soziale Zärtlichkeiten im Babeisein üben

* beim Sterbenden sein, ihn aber nicht mit der Liebe erdrücken
* zärtlich sein, ohne Aufdringlichkeit
* sich bewußt sein, daß jeder Handgriff durch liebende Einfühlung Bedeutung gewinnt (Waschen, Betten, Essen reichen u.a.)
* stets objektiv (nicht subjektiv einseitig), aber niemals gefühllos sein (z.B. Wahrheit aufdrängen)
* verfügbar sein, soweit es eben geht; die Einschränkungen rechtzeitig mitteilen
* die eigene Zeiteinteilung an der Zeit des Sterbenden orientieren (die Zeit der Lebenden im Dienst der sterbenden Zeit)
* künstliche Abstände abbauen, auch äußerlich nahe sein (z.B. nicht Essen reichen mit ausgestrecktem Arm)
* die Mitteilungen des Sterbenden über seine Erlebnisse und Gefühle behutsam wahrnehmen und geduldig darauf eingehen
* dem Sterbenden Verbindungen über den Tod hinaus zusichern
* beachten, daß der Sterbende Liebe und Zärtlichkeit auch dann noch erlebt, wenn er dies nicht mehr mitteilen kann
* Angehörige, Freunde, Bekannte ins Sterben des Sterbenden einbeziehen (tatsächlich oder durch die Erinnerung)

Achtung - der Sterbende darf sich anerkannt wissen

* versuchen, die charakteristische Persönlichkeit des Sterbenden zu begreifen (Biographie, Gespräch, Beobachtung) und zu wahren (kleine Marotten zugestehen u.a.)
* den Sterbenden nie mit seinem Zustand, seiner Krankheit, seinen Verwirrtheiten gleichsetzen
* Unabhängigkeit und Selbstachtung nicht in Mißkredit bringen (z.B. Beachtung der Intimität bei der alltäglichen Hygiene)
* äußersten Respekt erkennen lassen, bis in die Sprache (Duzen)
* Sonderwünsche akzeptieren und weitgehend erfüllen (z.B. beim Betten, bei der Nahrung, auch Alkoholgenuß)
* das adrette, gute Aussehen ermöglichen (Kleidung, Haare, Kosmetik, Schmuck u.a.)
* den Sterbenden nicht anders behandeln als den Lebendigen (Fortsetzung der Normalität in abnormer Situation)

Selbstverwirklichung - persönliche Todesprägung ermöglichen

* den Sterbenden noch kleine Verantwortungen für sich und für andere Menschen übernehmen lassen
* den Sinnfragen nicht ausweichen, sondern sie in ihrem ganzen Spannungsbogen wirken lassen, ernst nehmen
* zurückdrängen jeglicher Hierarchien am Sterbebett. Der Sterbende lenkt und leitet diese Lebensphase und bestimmt, wer ihm wie zu seiner Wahrheit verhilft
* mit Gesprächen und Gefühlen beruhigen, nicht mit Medikamenten
* den Sterbenden über seine Veränderung reden lassen, so gut er es vermag
* Mithilfe bei der Ordnung der letzten Dinge (persönliche Beziehungen, Testament, letzter Wille, Erinnerungen)
* Wahrhaftigkeit üben durch Dosierung der Wahrheit, der Wahl des rechten Zeitpunktes, der rechten Form, des rechten Ortes. Die eigenen Informationen und diagnostischen Kenntnisse von der Wahrheit des sterbenden Menschen unterscheiden. Wahrheit braucht Einbettung in die Liebe.
* respektieren, wenn der Kranke über seinen Zustand schweigen will. Stille als Raum lebendigen Sterbens.

Begegnung - den Sterbenden über sich hinausschreiten lassen

* durch eigene Bereitschaft, den Sterbenden loszulassen, ihm helfen, sich selbst loszulassen
* Ekstase wahrnehmen und erlauben, denn Ekstase ist eine Form der Selbstüberschreitung des Menschen auf dem Weg zu den ganz anderen Dingen und zu Gott
* sich vom Sterbenden bei der Hilfe und im Beistand helfen lassen, zulassen, daß der Sterbende von seinem Sterben mehr weiß und kann, als alle beruflichen Helfer zusammen
* dem Menschen zugestehen, daß sein Sterben Bedeutung hat, weil mit ihm geschieht, was der ganzen Menschheit als Ziel bestimmt ist, sich nicht zu genügen, sondern zu überschreiten
* mit der Sprache der Sterbenden die Grenzen der Kultur und Zeit überwinden. Symbole, Musik, Farben, Zärtlichkeiten, Lachen, Weinen usw. sind immer und überall verständlich
* singen, beten, streicheln, küssen, stützen, anwesend sein, schweigen, still sein, denken, träumen


Lieber Gruss, :O)

Ahasveru


teresa Offline


Beiträge: 12

07.04.2006 11:27
#5 RE: Ehrenamtliche Hospizarbeit antworten

Hallo!
ICh wollte mich nur mal kurz bedanken, für Deine ausführliche Antwort. Da ich gleich das Mittagessen für meine beiden Kinder fertig machen muß, bleibt mir jetzt leider keine Zeit, die beiden Antworten genauestens zu lesen und mich in die "Sache" zu vertiefen. Wollte nur schnell danke sagen. Ach ja, ich komme aus Österreich (Linz) und hab bereits zwei Anfragen in KH bei uns gestartet bezülich ehrenamtl. Hozpizmitarbeit; hab leider noch keine Antwort. Melde mich aber wieder, bei Rückantwort. Vielleich hast Du in meiner Umgebung noch Adressen??!!.

Danke nochmals und liebe Grüße
Barbara

Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

07.04.2006 11:33
#6 RE: Ehrenamtliche Hospizarbeit antworten

Liebe Barbara,:O)

Lass Dir mit den Lesen der Antworten und einer nachherigen tieferen Betrachtung ruhig Zeit,:O).

Ich werde mich um die Adressen im Raum Linz kümmern und stelle sie Dir dann als Antwort hier in den Thread,:O)

Lieber Gruss, :O)

Ahasveru

Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

07.04.2006 11:42
#7 RE: Ehrenamtliche Hospizarbeit antworten

Liebe Barbara,:O)

Hier sind einige Adressen in Linz, an welche Du Dich für einen Kurs oder auch der Informationsbeschaffung wenden kannst:

Landesverband Hospiz Oberösterreich
4020 Linz
Steingasse 25
Telefon: 0732/793600
Mobiltelefon: 0676/7347024
Fax: 0732/786360-7920
Mail: hospizooe@direkt.at
Homepage: http://www.hospiz-ooe.at

Ansprechpersonen:
Dr. Wolfgang Wiesmayr (Obmann) eMail an Dr. Wolfgang Wiesmayr
Mag. Ulrike Pribil (Stellvertreter, Abteilungsleiterin, Fachreferentin) eMail an Mag. Ulrike Pribil
Ursula Leithinger (Sekretärin) eMail an Ursula Leithinger

Service:

* Koordinierungsstelle für eingehende Anfragen
* Entwicklung von Qualitätsstandards in der mobilen Palliativ-Versorgung
* Qualitätssicherung
* Öffentlichkeitsarbeit

Bürozeiten: Montag und Mittwoch von 8.00-13.00 Uhr
Caritas Mobiles Hospiz Palliative Care Linz, Linz Land, Urfahr Umgebung
4020 Linz
Steingasse 25
Telefon: 0732/786360-7910
Fax: 0732/786360-7920
Mail: pribil.hospiz@caritas-linz.at
Homepage: http://www.caritas-linz.at

Ansprechpersonen:
Anna Engelberger (Einsatzleiterin Mobiles Hospizteam Steyr Stadt, Steyr Land) eMail an Anna Engelberger
Romana Brix ( Einsatzleiterin Mobiles Hospiz Linz, Linz Land, Urfahr Umgebung) eMail an Romana Brix

Service:

* Mobiles Palliativteam mit Support und Brückenfunktion (Erreichbarkeit: Rund-um-die-Uhr)
* Mobile Hospizbetreuung
* Kurse zur Befähigung ehrenamtlicher MitarbeiterInnen
* Fort- und Weiterbildungsangebote
* Vorträge und Seminare


Palliative Care im KH der Elisabethinen in Linz
4010 Linz
Fadingerstraße 1
Telefon: 0732/7676-3420
Fax: 0732/7676-3426
Mail: palliative-care@elisabethinen.or.at
Homepage: http://www.elisabethinen.or.at/

Ansprechpersonen:
Dr. Bernhard Reiter (OA) eMail an Dr. Bernhard Reiter
Margret Krebelder (Pflegerische Leitung) eMail an Margret Krebelder

Service:
Hospiz im Pflegeheim der Kreuzschwestern Linz
4020 Linz
Stockhofstraße 4-6
Telefon: 0732/664871-218
Fax: 0732/664871-257
Mail: guenther.kralik@linz.kreuzschwestern.at


Service:

* Unterbringungsmöglichkeiten für Begleitpersonen
* Kooperation mit einem amb. Hospiz- oder Palliativdienst und Pflegeheim


Palliativstation/Hospiz St. Louise am KH der Barmherzigen Schwestern in Linz
4010 Linz
Seilerstätte 4
Telefon: 0732/7677-7110
Fax: 0732/7677-7113
Mail: palliativ.linz@bhs.at
Homepage: http://www.bhs.at/linz/

Ansprechpersonen:
Dr. Johann Zoidl (Leitung Palliativstation) eMail an Dr. Johann Zoidl

Service:

* Unterbringungsmöglichkeit für Begleitpersonen
* Konsiliardienst
* Kooperation mit einem amb. Hospiz- oder Palliativdienst
* Tagesklinik
* Onkologische Ambulanz
* Palliativmedizinische Ambulanz


Palliative Care im KH Barmherzige Brüder Linz
4021 Linz
Seilerstätte 2
Telefon: 0732/7897-26641
Mail: palliativ@bblinz.at
Homepage: http://www.bblinz.at

Ansprechpersonen:
Dr. Veronika Praxmarer (Ärztin) eMail an Dr. Veronika Praxmarer

Service:

* Begleitung und Betreuung von Palliativpatienten und ihren Familien im Akutkrankenhaus
* Ambulante und telefonische Beratung nach Entlassung
* Kooperation mit ambulantem Hospizdienst


Akademie für Gesundheitsberufe
4020 Linz
Niedernharterstraße 20
Telefon: 050 554/62 -21621
Fax: 050554/62-21624
Mail: akadges.wj@gespag.at
Homepage: gesundheitsberufe.gespag.at


Service: Veranstalter von Palliativlehrgängen
Bildungsakademie-Österreichisches Rotes Kreuz Landesverband OÖ
4020 Linz
Körnerstraße 28
Telefon: 0732 7644-521
Fax: 0732 7644-520
Mail: gerlinde.minichberger@o.roteskreuz.at


Service:
Erwachsenenbildung Caritas Mobiles Hospiz Palliative Care
4020 Linz
Steingasse 25
Telefon: 0732/786360-7914
Fax: 0732/786360-7920
Mail: Bildungsreferat.hospiz@caritas-linz.at


Service: Ansprechpersonen: Leitung: Mag. Ulrike Pribil Sekretariat: Manuela Hofer

Lieber Gruss, :O)

Ahasveru

Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

07.04.2006 12:02
#8 RE: Ehrenamtliche Hospizarbeit antworten

Liebe Barbara,:O)

Zum Download und informativen Lesen:

http://www.hospiz.at/pdf_dl/hospiz_palliativfuehrer2005.pdf

Zum Schnuppern und Informieren:

http://www.hospiz.at/

Lieber Gruss,:O)

Ahasveru

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