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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Ahasveru Offline

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25.03.2006 08:05
Der »Engel in dir«: Sterbenden zur Seite stehen [GOMARINGEN] antworten

Hospizdienst - Der Förderverein Gustav-Schwab-Stift startet mit dem Aufbau einer Gruppe in Gomaringen

Der »Engel in dir«: Sterbenden zur Seite stehen

VON PHILIPP FÖRDER

GOMARINGEN. Schöner lässt es sich kaum beschreiben. »Wenn es so weit sein wird mit mir, brauche ich den Engel in dir.« Der Vers aus einem Text von Friedrich Karl Barth und Peter Horst bringt auf den Punkt, was es heißt, Sterbende zu begleiten. Sigrid Goth-Zeck hat viele Menschen am Ende ihres Lebens vereinsamen sehen. Aus dieser Erfahrung heraus hat die einstige Pfarrerin am Luise-Wetzel-Stift die Hospizdienste in Tübingen mit gegründet. Jetzt leisten die Tübinger Entwicklungshilfe in Gomaringen, wo der Förderverein Gustav-Schwab-Stift und die Kirchen am Aufbau einer eigenen Gruppe in der Gemeinde arbeiten.
Das Interesse an Informationen zumindest ist groß. »Ich bin überrascht, wie viele gekommen sind«, zeigte sich der Vereinsvorsitzende Hans Zeeb angetan von der Resonanz auf die Einladung. Fast 30 Zuhörer und vor allem Zuhörerinnen ließen sich in der Cafeteria des Schwab-Stifts von Sigrid Goth-Zeck, Christiane Pröllochs und Johannes Huhn aus Tübingen Mut machen für eine Aufgabe, die viel fordert, aber auch viel gibt. »Wir bekommen jedes Mal etwas geschenkt«, versicherte die Pfarrerin.

Die mittlerweile 72 Mitarbeiter des Tübinger Dienstes haben im vergangenen Jahr 127 Menschen beim Sterben begleitet, durchschnittlich zwei Wochen, in Einzelfällen ein ganzes Jahr, alte Menschen, aber auch ein Baby von einem halben Jahr. »Wir haben immer mehr 40- bis 50-Jährige«, berichtet Sigrid Goth-Zeck. Krebs, Schlaganfall - jeder kann schnell auf einen Engel angewiesen sein.

Neun Monate Ausbildung

Gomaringen ist für die Tübinger ein vertrautes Terrain. Hier haben sie in der Vergangenheit mehrfach schon Sterbende betreut. Und deren Angehörige, denn auch dies ist für Sigrid Goth-Zeck eine wichtige Aufgabe: »Sie sind oft hilflos, weil sie zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert werden. Häufig haben sie das Gefühl, dass sie durch ihre eigene Betroffenheit dem Sterbenden nicht hilfreich sein können. Wir können sie ermutigen, schon jetzt Abschied zu nehmen und nicht erst danach.«

Um erspüren zu können, was Sterbende oder schwer Kranke in den Momenten oder Monaten des Abschieds brauchen, ist eine gute Vorbereitung erforderlich. Diese dauert bei den Tübinger Hospizdiensten, aufgeteilt in Grund- und Aufbaukurs, neun Monate, in denen es nicht nur um den Anderen, den Sterbenden geht, sondern auch um die Auseinandersetzung mit sich selbst. »Wir müssen uns zunächst mit unserer eigenen Sterblichkeit beschäftigen. Wir können nur das weitergeben, was in uns lebt«, beschreibt Christiane Pröllochs den Einstieg in die Sterbebegleitung.

Mit allen Interessenten, erklärte die Therapeutin, werden zunächst Vorbereitungsgespräche geführt. Im Mai beginnt in Gomaringen der Grundkurs jeweils montags von 19.30 bis 22 Uhr mit einem Abschlusswochenende im Juli. Inhalte sind neben der Auseinandersetzung mit Trauer- und Sterbeprozessen und Grundlagen der Kommunikation ein Kurzpraktikum in einem Altenheim.

Wer weitermachen will, besucht den Aufbaukurs, der sich mit der Praxis der Sterbebegleitung beschäftigt. Hier geht es um Krankheitbilder und Schmerztherapie, um Biografie-Arbeit und die Kommunikation mit Sterbenden, um Grundlagen der Pflege und Rituale in der Sterbestunde. Während der Grundkurs 50 Euro kostet, ist der Aufbaukurs kostenlos. Dafür verpflichten sich die Teilnehmer, mindestens zwei Jahre in einer Gruppe mitzuarbeiten. Das lässt sich auch mit dem Beruf vereinbaren. »Fast alle von uns sind berufstätig. Wer nachts nicht kann, der übernimmt Einsätze nachmittags oder am Wochenende.«

Der Einsatz der Engel ist für die Angehörigen ebenfalls kostenlos. In Würde sterben zu können, sagt Sigrid Goth-Zeck, darf nicht vom Geldbeutel abhängig sein. (GEA)

Informationsquelle: http://www.gea.de/detail/563257

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