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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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14.03.2006 08:38
"Trauernde sitzen ja nicht nur da und heulen" [Wernau] antworten

"Trauernde sitzen ja nicht nur da und heulen"

WERNAU: Ökumenischer Verein für Soziale Aufgaben startet am 16. März das kostenlose Angebot "Lichtblick - Trauercafé"
BLICKPUNKT ÖKUMENISCHER VEREIN FÜR SOZIALE AUFGABEN

Von Regina Schultze

"Geteiltes Leid ist halbes Leid" - diese alte Weisheit will der Ökumenische Verein für Soziale Aufgaben in Wernau (siehe Text unten) ab März mit Leben füllen: Fünf Frauen und ein Mann haben sich mit dem Thema Tod beschäftigt, sich weitergebildet und bieten ab März einen Treffpunkt für Trauernde an.

Ohne sich anzumelden kann man einmal im Monat donnerstags ins Alte Rathaus kommen. UÚnd zwar egal, wie lange der Trauerfall zurückliegt. Egal, ob man einer Religion angehört oder welcher. Egal, ob man reden will oder schweigen. "Man sollte nur pünktlich da sein", sagt Sieglinde Schönberger, Leiterin der Gruppe "Lichtblick - Trauercafé". Denn die zwei Stunden sind strukturiert: ankommen, Tee oder Kaffee trinken und Kuchen oder Brezel essen. Dann wird der Raum gewechselt und ein Thema besprochen. "Das kann zum Beispiel Herbst oder Weihnachten sein", sagt die 47-Jährige. Anregungen aus der Gruppe oder Unbesprochenes des jüngsten Treffens könnten aufgegriffen werden. Das Thema für die Premiere steht noch nicht fest.

Auch wenn für Sieglinde Schönberger der Glaube zentraler Bestandteil ihres Lebens ist, werden die Besucher des Trauercafés nicht mit Bibelsprüchen traktiert. "Wir arbeiten menschlich, nicht christlich", betont die katholische Religionslehrerin der Wernauer Schlossgartenschule, die auch in der Sozialstation gearbeitet hat und fünf Jahre lang Erfahrungen in der Sterbebegleitung im Altenheim gemacht hat. "Wir bieten einen Raum, wo sich die Leute treffen und reden können." Oftmals seien die Menschen um den Trauernden herum überfordert und wissen nicht, wie sie mit dem Leid umgehen sollen. "Wir können das Leid nicht nehmen, aber wir können es mittragen."

Dieser Meinung ist auch Ferdinand Wollschläger, einziger Mann in der fünfköpfigen Vorbereitungsgruppe: "Allein die Begegnung kann helfen", sagt er. Er wäre dankbar gewesen, hätte es das Angebot schon vor 17 Jahren gegeben. Damals starb sein Sohn. Während seine Frau ihre Trauer ausleben konnte, und sogar auf der Straße zusammen mit anderen geweint hat, hat der Lehrer an der Schlossgartenschule den harten Schicksalsschlag damals verdrängt: "Ich habe funktioniert."
Verdrängen ist keine gute Lösung

Dass das Wegdrücken keine gute Lösung ist, bestätigt Professor Andreas Strunk, Vorsitzender des Ökumenischen Vereins: "Man leidet auch, wenn man nur funktionsfähig ist." Das bekam Wollschläger schmerzlich zu spüren: "Ich wurde immer kraftloser." Mit 60 litt er an einem Burn-out-Syndrom. Inzwischen sieht der 67-Jährige seiner verantwortungsvollen Aufgabe erwartungsvoll entgegen. Angesichts seiner Erlebnisse traut er sich zu, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen: "Ich glaube, ich bin schon geeignet." Obwohl sie kein direktes Erlebnis für ihre Mitarbeit hat, war Andrea de Cata sofort klar: "Das muss ich machen." Der Tod ist für sie kein Tabu-Thema. Bei Todesfällen im Freundes- und Verwandtenkreis suchte sie immer den Kontakt mit den Trauernden.

Mit Erfolg: "Keiner hat mich abgewiesen, alle haben geredet." Bevor die 40-jährige Rechtsanwaltsgehilfin aber aktiv einsteigt, will sie weitere Schulungen machen. Um für das Projekt gewappnet zu sein, haben die Wernauer das Stuttgarter Trauercafé und das Café "Silberstreif" in Esslingen besucht. Beide Gruppen wurden von dem Sozialpädagogen und Theologen Hermann Bayer initiiert. Mit ihm hat auch das Wernauer "Lichtblick"-Team gearbeitet.

Erfahrungen aus den anderen Projekten: "In Stuttgart saßen 15 Frauen und ein Mann". Man darf gespannt sein, wie das Geschlechterverhältnis im "Lichtblick" aussehen wird. Eine Annahme zerstreut Sieglinde Schönberger sofort: "Trauernde sitzen ja nicht nur da und heulen." In Stuttgart gab es zum Beispiel spontan schallendes Gelächter, als eine "Neue" berichtete, dass sie es gerade nicht schafft, ihren Haushalt ordentlich zu führen: Diese Phase der Trauer kannten alle aus eigener Erfahrung. "Es ist nicht falsch, in der Gruppe zu lachen", betont Therapeutin Schönberger.

Premiere für das kostenlose Angebot "Lichtblick - Trauercafé" ist am 16. März und ab diesem Zeitpunkt jeden dritten Donnerstag im Monat von 17.30 bis 19.30 Uhr. Treffpunkt ist im Alten Rathaus in Wernau, Kirchheimer Straße 69 (Eingang an der linken Hausseite benutzen). Informationen gibt die Leiterin Sieglinde Schönberger, 071 53/37 825, Mail: Masischoenberger@t-online.de. Weitere Mitarbeiter sind Andrea de Cata, Conchita Chrobale-Ellwanger, Crista Tank und Ferdinand Wollschläger.

Informationsquelle: http://www.ez-online.de/lokal/esslingen/...artikel1563.cfm

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