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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Tod durch Verbrechen
Ahasveru Offline

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Beiträge: 6.581

14.03.2006 08:09
Babymorde sind Schandmal der Gesellschaft antworten

Babymorde sind Schandmal der Gesellschaft

Erneut Babyleichen gefunden. Ein typisch ostdeutsches Phänomen? Zahlen, Fakten, Lösungen.

Im sachsen-anhaltinischen Neuendorf am Damm im Altmarkkreis Salzwedel entdeckte die Polizei drei Säuglingsleichen. Die 36jährige Mutter wurde festgenommen. In den letzten Monaten und Jahren gingen bereits mehrere spektakuläre Fälle vor allem aus Ostdeutschland durch die Medien. Häufen sich solche Verbrechen? Sind das typisch ostdeutsche Phänomene?

Der Kriminologe Christian Pfeiffer verneint das im Interview mit MDR-Info. In den allermeisten Fällen ist die Ausgangslage eine psychosoziale Notsituation der Mutter. Solche unverschuldeten Notlagen häufen sich in den neuen Bundesländern nur deshalb, weil Arbeitslosigkeit, familiärer Vermögensstatus und gebrochene soziale Familienstrukturen hier häufiger zu finden sind. Diese Hypothesen will Pfeiffer in Zusammenarbeit mit Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen in einer breiten Studie überprüfen.

Man schätzt, dass noch vor 150 Jahren mehrere Tausend Fälle von Neugeborenentötung jährlich bei weit niedrigerer Bevölkerungszahl in Deutschland vorkamen. Um 1950 gab es etwa 300 Opfer pro Jahr. Heute werden jährlich etwa 90 Fälle bekannt. Der Rückgang steht offenbar mit der verbesserten sozialen und finanziellen Situation vieler Familien und einer besseren Beratungssituation als vor Jahrzehnten in Zusammenhang. Dennoch ist jeder solche Fall noch immer einer zuviel. Die Aufklräungsrate liegt bei etwa 50 Prozent.

Unsere Gesellschaft tendiert seit Jahrzehnten zur Vereinzelung (Single-Dasein) und letztlich Vereinsamung (immer wieder werden alleinstehende Rentner erst Wochen nach ihrem Tod in der Wohnung gefunden). Im Verhältnis zum „Mehr-Generationen-Haus“ oder der früheren Großfamilie fehlen immer wieder soziale Stütz- und Kontrollsysteme für schwierige Lebenssituationen Einzelner. Gestörten Mutter-Kind-Beziehungen fehlt soziale Hilfe.

Anke Rohde, Professorin für Gynäkologische Psychosomatik am Universitätsklinikum Bonn ist Expertin für dieses Thema. Sie unterscheidet verschiedene Fälle stark gestörter Mutter-Kind-Bindungen mit Todesfolge (vgl. Anmerkung). Kindstötung ist die andere Facette der früher mehr verbreiteten Kindsaussetzung, von den Gebrüdern Grimm im Märchen „Hänsel und Gretel“ künstlerisch aufgearbeitet.

Zur Prävention dieser Situation wird seit Jahren die Einrichtung sogenannter „Babyklappen“ und die Legalisierung der „anonymen Geburt“ gefordert. Ende 2005 gab es bundesweit bereits etwa 80 Babyklappen, u. a. in Altötting, Augsburg, Berlin, Bochum, Braunschweig, Duisburg, Erfurt, Essen, Halle, Hamburg, Hanau, Hannover, Hüllhorst/Ahlsen, Karlsruhe, Kelheim, Köln, Lübeck, Mainburg, Minden, Moers, München, Münster (Westfalen), Nordhorn, Osnabrück, Pforzheim, Potsdam, Recklinghausen, Regensburg, Rostock, Stuttgart, Schwerin, Sulzbach-Rosenberg, Trier und Worms.

Bereits seit der vorletzten Legislaturperiode liegt im Bundestag ein Gesetzentwurf vor, der wie in Frankreich und anderen Ländern die „anonyme Geburt“ legalisieren soll. Bisher ist der Entwurf an verfassungsrechtlichen Bedenken gescheitert. U. a. hätten die Kinder ein Recht darauf, Ihre Eltern zu kennen. Fakt ist jedoch, dass es immer wieder passieren wird, dass Frauen in Notlagen ihre Kinder heimlich zur Welt bringen. Nur selten werden „weggeworfene Babys“ lebend gefunden. Das wichtigste Recht eines Neugeborenen ist es, gesund auf die Welt zu kommen und zu leben. Lässt man die überforderte Mutter allein, wird dieses Recht verletzt.

Um solche Kindstötungen zu vermeiden, bieten einige Krankenhäuser anonyme Geburten an, obwohl sie sich nach deutschen Gesetzen damit strafbar machen. Im St. Anna Hospital in Herne hat Chefarzt Joachim Neuerburg inzwischen etwa 20 anonyme Entbindungen vorgenommen. In Frankreich sind seit 1941 etwa 400 000 anonyme Geburten erfolgt. Die französische Kinderpsychiaterin Dr. Catherine Bonnet schrieb 1999: „Wenn jemand die psychologischen Probleme einer schwangeren Frau, die sich weigert Mutter zu werden, nicht verstehen kann, scheint es mir vernünftig, dass er die Betreuung abgibt, anstatt der Frau seine eigene Überzeugung aufzuzwingen. ... Wir sollten nicht vergessen, dass das Wichtigste für ein Kind ist, geliebt zu werden, in einem Umfeld, welches Sicherheit gibt, und zwar nicht nur bis zum 18. Lebensjahr, sondern das ganze Leben. Schließlich dauert die elterliche Verbindung bis zum Tod der Eltern.“

Viele aktuelle Diskussionen um die Babytötungen sind oberflächlich und kaum zielführend. Sie ignorieren die gesellschaftliche Tendenz zur Vereinzelung mit all ihren negativen psychosozialen Folgen. Sie ignorieren die Tatsache, dass schon ein einziges gerettetes Leben durch anonyme Geburt ausreichen sollte, verantwortlich arbeitende Ärzte vor Illegalität und Strafrecht zu schützen. Sie ignorieren, dass „verfassungsrechtliche Bedenken“ über das Grundrecht auf Leben und Schutz der Gesellschaft gestellt werden. Sie ignorieren die verrückte Tatsache, dass ein deutsches Gericht, das Oberlandesgericht Frankfurt/Main, dem inhaftierten „Kannibalen von Rotenburg“ Armin Meiwes Persönlichkeitsrechte zum Verbot eines Filmes der Senator Entertainment AG zugesteht. Zugleich erlaubt ihm aber unsere freie Gesellschaft, die hamburgische Filmproduktionsunternehmen Stampfwerk mit der Produktion eines Dokumentarfilms zu seinem unglaublichen Verbrechen zu beauftragen. Woher der inhaftierte Kannibale das Geld nimmt, um einen solchen "Auftrag" im Millioenbereich auszulösen, wollte Stampfwerk auf unsere Nachfrage nicht verraten.


Sechs Anmerkungen:

1) Strafrecht und Babymord:

Die Tötung eines neugeborenen Kindes (Neonatizid) gilt juristisch in der Regel nicht als Mord, sondern seit 1998 als Totschlag in minderschwerem Fall (§213 Strafgesetzbuch). Der alte § 217 (Kindstötung) wurde 1998 aufgehoben. Damals wurden Mütter, die ihr uneheliches Kind direkt nach der Geburt umbrachten, geringer bestraft. Die Nichtehelichkeit eines Kindes spielt in diesem Zusammenhang heute keine eigenständige Rolle mehr. Das Gesetz sieht Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren vor.

2) Ursachen der Kinds- und Neugeborenentötung (nach Anke Rohde)

* Leidet die Mutter an Depression oder einer akuten Psychose, kann es zum sogenannten erweiterten Suizid kommen. Die Mutter entschließt sich, das Kind bzw. ihre Kinder in den Freitod mitzunehmen.
* Bei akut produktiv-psychotischer Symptomatik (Wahnvorstellungen) sind besonders Säuglinge und Kleinkinder gefährdet, etwa als „Satansbrut“ getötet zu werden.
* Tritt der Tod eines Kindes als Folge einer Kindesmisshandlung oder Kindesvernachlässigung ein, sind nicht selten die Väter die Täter bzw. Mittäter. Häufig passiert das in sehr schwierigen psychosozialen Verhältnissen mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten und eher unreifen, jungen Müttern. Das Kind wird zum „Sündenbock“.
* Alleinerziehende Mütter mit mehreren Kindern, bei bereits bestehender emotionaler Labilität und Tendenz zu sogenannten Impulsdurchbrüchen im Rahmen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind gefährdet, im Einzelfall in einer Akutsituation zu tätlichen Übergriffen auf das Kind zu neigen.
* Neonatizide (Tötung des eigenen Kindes innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt) werden am ehesten von Frauen mit erheblichen Persönlichkeitsproblematiken begangen. Diese Frauen sind bei ungewünschter Schwangerschaft nicht in der Lage, die üblichen Lösungswege zu gehen (wie etwa Schwangerenkonfliktberatung, Schwangerschaftsabbruch, zur Adoption freigeben etc.).
* Die Tötung des eigenen Kindes aus Mitleid kommt z.B. bei einer bestehenden schweren Erkrankung des Kindes oder dauerhaften schweren Behinderung vor. Die Mutter bzw. die Eltern können das Leid des Kindes nicht ertragen oder machen sich Sorgen, was aus dem Kind wird, da sie selbst erkrankt sind und vielleicht bald sterben werden.
* Vom Medea-Syndrom spricht man, wenn ein Elternteil ein Kind bzw. mehrere Kinder tötet, um sich damit am (Ehe)Partner zu rächen.
* Die Tötung einer Tochter wegen ihrer Geschlechtszugehörigkeit kommt immer noch vor in Ländern, in denen weibliche Kinder weniger wert sind als männliche, wie etwa China oder Indien. Im westlichen Kulturkreis sind solche Fälle nicht mehr zu erwarten.

3) „Babyklappen“

Vergleichbare Einrichtungen existieren schon seit Jahrhunderten, so etwa beim vatikanischen Hospital Santo Spirito, an dem noch heute eine alte Babyklappe sichtbar ist. Papst Innozenz III. ließ gegen Ende des 12. Jahrhunderts als erster verfügen, dass an den Pforten der damals besonders in den romanischen Ländern zahlreichen Findelhäuser sogenannte Drehladen angebracht wurden. Durch diese Einrichtung sollte die geheime Aussetzung ermöglicht und die Ermordung unehelich geborener Kinder verhindert werden.

Die erste moderne Babyklappe wurde am 8. April 2000 in Hamburg-Altona eingeweiht. Diese Einrichtung besteht aus einem Wärmebett, in das der Säugling von außen gelegt werden kann. Mit einer Zeitverzögerung, die der einlegenden Person die Möglichkeit gibt, sich unentdeckt zu entfernen und so ihre Anonymität zu wahren, wird ein stummer Alarm ausgelöst, durch den Fachpersonal herbeigerufen wird, das sich um das Findelkind kümmert.

4) Europäischer Gerichtshof zur „anonymen Geburt“

Der Europäische Gerichtshof hat am 13.2.2003 eine Klage gegen Frankreich abgewiesen und die Möglichkeit der anonymen Geburt als konform mit der europäischen Menschenrechtskonvention beurteilt.

Die Klägerin war 1965 in Frankreich anonym entbunden worden. Sie hat den Staat auf Bekantgabe der Idendität ihrer Mutter verklagt. Insbesondere hatte sie angeführt, die anonyme Geburt würde Artikel 8 und 14 der Europäischen Menschenrechtskonvention verletzen. In seinem Urteil erkannte der Gerichtshof die Wichtigkeit des Wissens über die eigene Abstammung an. Allerdings müssten auch die Interessen der leiblichen Eltern und der Adoptiveltern berücksichtigt werden. Nach Ansicht des Gerichtes ist die französische Regelung eine, mit der Menschenrechtskonvention übereinstimmende Abwägung der z.T. widersprüchlichen Interessen der beteiligten Personen.

5) Ausgesetzte und getötete Neugeborene im Jahr 2004
(ohne Babyklappen und Anonyme-Geburts-Aussetzungen, Quelle: terre des hommes Deutschland e.V., Hilfe für Kinder in Not)

* 12. Januar 2004: toter neugeborener Junge in einem Wertstoffsack in Bad Wildungen/Hessen gefunden
* 13. Januar 2004: getöteter neugeborener Junge, erstickt, im Park in einem Handtuch eingewickelt in einer Plastiktüte gefunden in Hamburg/Rothenburgsort
* 18. Januar 2004: neugeborener Junge tot auf dem Parkplatz vor einer Kirche in Reinheim bei Darmstadt gefunden
* 22. Januar 2004: lebendes ca. vier Wochen altes Mädchen in Kaiserslautern gefunden; Anna wurde 25 Meter neben der eine Woche zuvor eingeweihten Babyklappe am Westpfalz-Klinikum ausgesetzt
* 24. Januar 2004: die Leiche eines neugeborenen Jungen an einem Bach in Barchfeld/Thüringen gefunden
* 25. Januar 2004: neugeborener Junge lebend in einem Blumenkübel in Duisburg gefunden
* 25. Januar 2004: Fötus (Frühgeburt, 6. Schwangerschaftsmonat) in der Kläranlage im Diemeltal bei Usseln / Hessen gefunden
* 31. Januar 2004: totes neugeborenes Mädchen in einem Bach in Grebenstein bei Kassel gefunden; Mutter ist eine 17-jährige chinesische Asylbewerberin
* 9. Februar 2004: die Leiche eines neugeborenen Mädchens wurde an der Bahnstrecke Roßlau-Coswig/Sachsen-Anhalt gefunden, das Kind lag möglicherweise schon über eine Woche dort
* 4. März 2004: totes neugeborenes Mädchen –vermutlich `sanft erstickt´ - in einem Altkleidersack im DRK-Container an der Warsteiner B 55 gefunden in Nordvelen/Kreis Borken
* 13. März 2004: ein vermutlich im Februar 2004 geborenes Mädchen tot in einem Stoffbeutel an einer Straße in Uslar / Kreis Northeim (Niedersachsen) gefunden; es wurde kurz nach der Geburt umgebracht
* 28. März 2004: ein etwa sieben Tage altes Mädchen lebend im Keller eines Wohnhauses in Dünnwald bei Leverkusen gefunden; das Baby Milena lag ca. drei bis vier Stunden im kalten Keller
* 9. April 2004: zwei Monate altes Mädchen lebend gefunden; ausgesetzt in einem Wäschekorb im Trockenraum eines Plattenbaus in Ribnitz-Damgarten / Mecklenburg-Vorpommern
* 26. April 2004: neugeborener Junge tot aufgefunden von einem Spaziergänger in einem Waldstück nahe Groß-Gerau / Hessen; der Junge war ca. zwei Tage alt und wurde vermutlich erstickt
* 4. Mai 2004: 20-Jährige ertränkte neugeborenes Mädchen in Rostock
* 7. Mai 2004: wenige Stunden alter neugeborener Junge ausgesetzt in Hohenschönhausen bei Berlin
* 23. Mai 2004: deutsche Urlauberin auf Mallorca festgenommen, weil die 26-Jährige ihr neugeborenes Mädchen im Toilettenraum eines Clubs zurückgelassen haben soll
* 6. Juli 2004: neugeborenes Mädchen lebend in einem Gebüsch in der Nähe eines Spielplatzes von Schülern gefunden in Mannheim
* 16. Juli 2004: ein wenige Tage altes Mädchen lebend auf dem Parkplatz eines Krankenhauses in Bad Driburg gefunden
* August 2004: mumifizierte Leiche eines Babys gefunden in Lichtenrade
* 17. August 2004: neugeborener Junge lebend auf dem Fußboden einer Damentoilette im Universitätsklinikum Tübingen gefunden
* 6. September 2004: neugeborenes Mädchen lebend in der Nähe des Rhein-Herne-Kanals in Gelsenkirchen gefunden; es war in Plastiktüten gelegt worden
* 9. September 2004: neugeborener Junge lebend am Hintereingang eines Kindergartens in Bad Hersfeld gefunden
* 13. September 2004: neugeborenes Mädchen erwürgt von der 23-Jährigen Mutter in Neubrandenburg
* 27. September 2004: neugeborener Junge lebend in einem Hauseingang in Gelsenkirchen-Schalke in einem blauen Wäschekorb gefunden
* 5.Oktober 2004: neugeborener Junge lebend an der Hintertür einer Wohnanlage in Nürnberg gefunden
* 17. Oktober 2004: neugeborenes Mädchen tot im Kofferraum der 23-Jährigen Mutter gefunden in Neumarkt St Veit; Todesursache wird ermittelt
* 4. November 2004: neugeborenes Mädchen tot in einer Mülltonne entdeckt in Lahr/Offenburg;
16-Jährige war von der Spontangeburt überrascht worden und überfordert angemessen für das lebend geborene Kind zu sorgen
* 4. November 2004: sechs bis acht Tage alter Säugling lebend vor einem Wohnhaus in Villingen-Schwenningen gefunden
* 10. Dezember 2004: neugeborenes Mädchen tot in der öffentlichen Damentoilette des Hauptbahnhofes in Halle gefunden; es wurde erstickt bzw. ertränkt, 26-Jährige Mutter kam wegen des Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft
* Dezember 2004: verweste Leiche eines im Dez. 2004 neugeborenen Jungen gefunden im Keller eines Hauses in Barsinghausen/Niedersachsen
* Dezember 2004: teilweise verweste Leiche eines neugeborenen Mädchens gefunden in Petershagen-Eggersdorf (Märkisch-Oberland); 19-Jährige Mutter hat gestanden, ihre Tochter nach der Geburt getötet zu haben

6) Interkultureller Vergleich

* Bei den Netsilil-Eskimo im arktischen Kanada war die Tötung neugeborener Mädchen sehr verbreitet, weil sie nicht wie männliche Nachkommen durch die Jagd zur Existenzsicherung der Familie beitragen konnten. Meist wurden die Kinder, deren Tod man entschieden hatte, in den Schnee gelegt und sie erfroren, sofern nicht eine andere Familie sich des Säuglings annahm. Als Nebeneffekt der Tötung weiblicher Neugeborener blieb das Geschlechterverhältnis relativ ausgeglichen, da viele Männer bei der Jagd umkamen.
* Bei den !Kung, einem Nomadenvolk aus der Wüste Kalahari, wurden Neugeborene getötet, wenn sie eine Fehlbildung hatten oder der Abstand zum nächst älteren Geschwisterkind kleiner als drei bis vier Jahre war. Bei Zwillingsgeburten wurde prinzipiell ein Neugeborenes getötet, um zu verhindern, dass eines schließlich an Mangelernährung sterben würde.
* Beim Volk der Tikopia in Polynesien entschied der Vater, ob für ein weiteres Kind das Nahrungsangebot der Familie ausreichte oder nicht. Mit der Missionierung durch die Christen war die Neugeborenentötung kein Mittel der natürlichen Bevölkerungskontrolle mehr, es kam zur Überbevölkerung und Hungersnöten bei Naturkatastrophen.
* Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein wurde auch in bäuerlichen Familien Japans die Tötung Neugeborener als ein Mittel gegen die damals schon bestehende Überbevölkerung praktiziert. Das Idealbild der japanischen Bauersfamilie dieser Zeit sah drei Kinder vor, zwei Söhne und eine Tochter. Die Tochter galt als Tauschobjekt für eine Ehefrau für den erstgeboren männlichen Nachkommen, der zweite Sohn als Rückversicherung, falls dem anderen etwas zustoßen sollte. Die Säuglingstötung als Alternative zur Aufzucht des Kindes war so normal, dass Hebammen nach der Entbindung zu fragen pflegten, ob das Kind "zurückgelassen" / "zurückgegeben" werden solle oder nicht.
* Auch die Mariame, ein mittlerweile ausgestorbener Stamm nordamerikanischer Indianer aus der Gruppe der Coahuiltec, töteten häufig weibliche Nachkommen und gelegentlich auch männliche Kinder, wenn ungünstige Träume dies verlangten.
* Vor dem Verbot durch die britische Kolonialherrschaft wurden bei den Todas in Südindien viele weibliche Neugeborene getötet, um das Bevölkerungswachstum zu regulieren.
(Quelle: Wikipedia)

Informationsquelle http://www.oppt.de/psk/rmo/rmo_content/powerslave,id,2842,nodeid,65.html

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