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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 2.834 mal aufgerufen
 Fragen und Diskussionen zum Thema Tod
Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

08.03.2006 16:04
Wie sagt man es? antworten

In vielen modernen Kliniken, Krankenhäuser und Altenheimen ist der Tod sehr oft eine traurige, einsame und unpersönliche Angelegenheit. Todkranke Menschen werden zumeist in Hinterzimmern abgeschoben, zumeist Abstellkammern oder Badezimmer, meist nur Schutz findend hinter einer Stoffwand. Schwerstkranke und sterbende Menschen hängen an Maschinen, welche ein Leben verlängern, welches im Eigentlichen zu Ende gehen möchte. In der Notaufnahme kommtb es vor, das dort schwerstkranke und schwerstverletzte Menschen in völliger Isolation lagen, während Ärzte und Angehörige darüber diskutierten, ob man ihnen die Wahrheit ihres Sterbens und damit ihres Todes mitteilen sollte.

Ist aber nicht die erste Frage: Nicht ob, sondern wie teile ich dem Patienten oder der Patientin diese Information mit?

Und als Nächstes: Warum lässt man Menschen so unwürdig sterben?

Colin Offline


Beiträge: 14

26.04.2006 12:49
#2 RE: Wie sagt man es? antworten
Ich bin mir nicht sicher, ob der Mensch es nicht sogar vor den Ärzten spürt, was mit ihm los ist.
Wahrscheinlich erwartet er von den Ärzten lediglich die Gewissheit darüber, was er tief in sich bereits ahnt.

Was meinst du mit unwürdig, Ahasveru?
Allein?

Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

26.04.2006 13:13
#3 RE: Wie sagt man es? antworten

Hallo Colin,:O)

In Antwort auf:
Was meinst du mit unwürdig, Ahasveru?
Allein?

Nein, das war hier nicht in diesem Bezug gemeint. Da Sterben ein individueller Vorgang eines individuellen Lebens ist, ist es auch so, das sterbende Menschen sich in ihrem Inneren entscheiden, zu sterben, wenn jemand anwesend und bei ihnen ist oder auch, wenn sie allein sind. Letzteres kann sein, weil sie für sich beanspruchen, Angehörige und Freunde mit ihrem Sterben und Tod nicht zu belasten. Es gibt darüber auch in der Literatur zur Sterbebegleitung beispielhaft aufgeführte Fallbeispiele.

Mit unwürdig war von mir gemeint, was ich in meinem Eingangspost zu diesem Thread geschrieben habe. Unwürdig ist:

Todkranke Menschen werden zumeist in Hinterzimmern abgeschoben, zumeist Abstellkammern oder Badezimmer, meist nur Schutz findend hinter einer Stoffwand.

Schwerstkranke und sterbende Menschen hängen an Maschinen, welche ein Leben verlängern, welches im Eigentlichen zu Ende gehen möchte.

In der Notaufnahme kommtb es vor, das dort schwerstkranke und schwerstverletzte Menschen in völliger Isolation lagen, während Ärzte und Angehörige darüber diskutierten, ob man ihnen die Wahrheit ihres Sterbens und damit ihres Todes mitteilen sollte.


Schwerstkranke und sterbende Menschen haben ein Recht auf Respekt, Achtung, Würde, Mitgefühl, Liebe und Wahrheit in ihrem Sterben und Tod wie in ihrem Leben, denn Sterben ist Teil des Lebens und von diesem nicht zu trennen. Für einen toten, verstorbenen Menschen gilt dieses auch, was z.B. bedeutet, an seinem Totenlager nicht negativ über ihn zu sprechen.

Es heisst: Die Würde des Menschen ist unantastbar, das sollte sie auch in jedem Falle sein. Im Leben, im Sterben, im Tod.

Lieber Gruss,:O)

Ahasveru


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Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schliessen. Es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.

Romaschka Offline


Beiträge: 172

29.05.2006 20:52
#4 RE: Wie sagt man es? antworten

"Und als Nächstes: Warum lässt man Menschen so unwürdig sterben?"

Ich denke, "man" steht zumeist für institutionelle Gegebenheiten, die da zumeist sind:
- Personalmangel ---> nicht genug Personal vorhanden, um Sterbenden Geleit zu geben
- Raummangel ---> Kostendruck bewirkt Auslastung von Raumkapazitäten zu 99 % ; ein freies Zimmer für Sterbende vorzuhalten ist scheinbar nicht bezahlbar
- Verdrängung des Tabu-Themas "Tod" ---> selbst Pflegende flüchten z.T. aus der Situation aus Selbstschutz bzw. wegen fehlender Professionalität
- fehlende Supervisionen und Anleitungen für Ungelernte im Team aus Kostengründen und mangelhafte Führungsqualtiäten von z.B. Pflegeheim-Leitungen (PDL und Heimleitung)

Gesellschaftlich gesehen fehlt es uns hier in Deutschland an Kultur- und Traditionsbewusstsein.
Wäre das fest verankerter Grundbaustein menschlichen Zusammenlebens, käme z.B. nicht vor, dass wir um Fassung ringend so ohnmächtig vor Sterbesituationen stehen, dass wir nicht wissen, wie jetzt zu handeln ist.
Rituale wurden verlernt.
Ja, auch in "meinem" Pflegeheim gibt es keine Kiste an einem vereinbarten Ort, wo Kreuz und Kerze u. Blumenschmuck für die Ausgestaltung des Sterbezimmers parat liegen! Es war mal üblich, im Foyer des Hauses ein Foto des Verstorbenen mit Trauerflor und eine Kerze aufzustellen. Niemand fühlt sich heute mehr dafür verantwortlich - PDL schiebt es auf die Examinierten Pflegekräfte und umgekehrt. Die letzten zwei Toten sind nicht geehrt worden! Skandalös finde ich das!

Wenn ich mein Examen habe u. eine andere Position bekleide als jetzt werde ich nicht mehr zulassen, dass soetwas passiert.

LG, Rita

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