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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Wissenswertes zum Hospiz und zur Hospizarbeit
Ahasveru Offline

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Beiträge: 6.581

06.10.2005 11:44
Sterbebegleitung [2] antworten

Sterbebegleitung
aus PflegeWiki, der freien Wissensdatenbank

Zunächst muss geklärt werden, was begleiten heißt. Heißt Begleitung Betreuung, oder mehr? In unserer Alltagssprache verwenden wir das Wort begleiten, wenn wir mit jemanden mitgehen, ihm das Geleit geben, ihm also körperlich nahe sein. Jemanden betreuen darüber hinaus auch ....

Es geht hier darüber hinaus um professionelle Pflege und ihre Aufgaben bei der Sterbebegleitung.

Eine klare Abgrenzung sollte für diesen Artikel hier bereits am Anfang gemacht werden – es geht nicht um Sterbehilfe oder Euthanasie (weder negativ oder positiv). Lebensverkürzung ist keine Aufgabe in der Pflege.


Inhaltsverzeichnis

1 Sterbebegleitung heißt Lebensbegleitung
2 Anforderungen an den Begleiter
3 Aufgaben des Begleiters
4 Literatur
5 Weblinks

Sterbebegleitung heißt Lebensbegleitung

Für mehr als 90% der Menschen ist es der größte Wunsch Zuhause, in ihrer vertrauten Umgebung, mit denen ihnen vertrauten Menschen um sich, zu sterben. Doch leider sieht die Realität anders aus: Heute geschieht das Sterben still und leise. Für viele ist das Krankenhaus oder das Pflegeheim die "Endstation ihres Lebens". Viele Angehörige und Freunde sehen die Sterbebegleitung nicht mehr als ihre Aufgabe an. Sie fühlen sich überfordert und "schieben" den Kranken ins Pflegeheim ab. Deshalb sind Krankenhäuser und Pflegeheime heutzutage dazu verpflichtet, gute Bedingungen für ein würdevolles Sterben zu schaffen.

Doch zunächst muss erst einmal geklärt werden, was begleiten heißt. Heißt Begleitung gleich Betreuung, oder worin liegt der Unterschied? In unserer Alltagssprache verwenden wir das Wort begleiten, wenn wir mit jemanden mitgehen, ihm das Geleit geben, sich zu ihm bzw. ihr gesellen. Wir sind ihm also körperlich nahe, können seine Empfindungen und Gefühle spüren und der Begleitete kann unsere Empfindungen und Gefühle spüren.

Jemanden betreuen dagegen heißt, sich um jemanden sorgen, sich um ihn zu kümmern. Der Betreuer oder die Betreuerin greift sehr stark in die Geschehnisse ein und lässt dem Betreutem kaum noch Spielraum für eigene Entscheidungen und Handlungen, während der Begleitete selbst über seine nächsten Schritte entscheiden kann.


Anforderungen an den Begleiter

Zunächst einmal müssen wir uns darüber im Klaren sein, wenn wir uns der schwierigen Aufgabe der Sterbebegleitung annehmen, dass der Sterbende die führende Rolle hat und wir ihn als Begleiter folgen. Wenn wir einen Sterbenden begleiten, müssen wir uns auch selbst mit unserem Leben und unserem Tod auseinandersetzen können. Denn ein Begleiter wird immer mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert und sollte daher immer ein geeignetes Maß an Selbstdistanz bewahren, um sich vor emotionalen Verstrickungen zu beschützen. Das Begleiten eines Menschen bis zu seinem Tod kann aber auch dazu dienen zu lernen, besser mit seinen eigenen Gefühlen umzugehen, zum Beispiel können wir von der Gelassenheit des Sterbenden lernen und uns diese zu eigen machen. Der Tod muss auch nicht zwangsläufig ein Ende bedeuten, sondern manchmal auch ein Beginn. Im allgemeinen ist aber zu sagen, dass die Begleitung eines Sterbenden nicht wie jedes andere Handwerk erlernt werden kann, sondern dass wir die innere Bereitschaft mitbringen müssen, etwas von dem Patienten zu lernen und sich auf ihn einzulassen.

Von daher ist es hier von sehr großer Bedeutung, einfühlsam und offen zu sein, man muss im Einklang mit sich selbst sein, damit man auch dem Pflegebedürftigen so begegnen kann. Man sollte sehr geduldig sein, sich engagieren und dem Schwerkranken Verantwortungsbewusstsein und Hilfsbereitschaft entgegenbringen. Eine ganz wesentliche Fähigkeit eines Begleiters ist, sich für den Patienten und für seine Anliegen Zeit zu nehmen, denn nur so kann ein Gefühl des Angenommen-Werdens entstehen. Doch dazu müssen wir erstmal selbst gelernt haben, mit dem Thema Zeit umzugehen. Anhand der "Zeitpyramide" werden die Faktoren, die im Zusammenhang mit der Zeit in der Begleitung berücksichtigt werden müssen, dargestellt.

* Zuerst einmal müssen die persönlichen Zeitressourcen wahrgenommen und überprüft werden, um zu wissen, wie viel Zeit denn für die Tätigkeiten und Bereiche vorhanden sind. "Ich habe Zeit ..."
* Dann muss überlegt werden, wofür diese Zeit verwendet wird: "Ich nehme mir die Zeit für ...".
* Schließlich wird die Entscheidung getroffen, welchem Menschen man den Teil der Arbeitszeit zur Verfügung stellt: "Ich schenke dir die Zeit."
o In dieser Entscheidung, bei der ich bestimme, wem ich meine Zeit schenke, wird der für die Begleitung so wichtige Schritt vom Ich zum Du gemacht.
o Jetzt liegt es an uns, also dem Begleiter, diese Beziehung auszubauen, indem ich dem Patienten Zeit lasse, sein Tempo zu finden, sich mitzuteilen oder zu schweigen. Ich muss ihm signalisieren: "Ich lasse dir die Zeit ...". Nur so kann der Begleitete Vertrauen und Zuversicht gewinnen.

Neben der Zeit ist es auch wichtig, dass ich dazu in der Lage bin, durch meine Beobachtungen und aus meiner Erfahrung heraus, den zustand des Sterbenden zu erkennen. Außerdem muss ich mich in meiner Rolle als Altenpflegerin sicher fühlen, denn nur so kann ich die Sicherheit auch an den Patienten weitervermitteln.


Aufgaben des Begleiters

Eine der wichtigsten Aufgaben des Begleiters ist, die Bedürfnisse und die Wünsche des sterbenden Menschen wahr- und ernst zu nehmen, das heißt, ihm im Sterben seine Würde zu bewahren oder ihm wieder zurückzugeben. Wir sollen ihn also sterben lassen, wie wir alle auch leben möchten: unserer selbst gemäßt.

Die meisten Menschen haben den Wunsch Zuhause zu sterben, doch dieser kann den Wenigsten erfüllt werden. Dennoch sollte der Sterbende auch im Pflegeheim das Gefühl von Zuwendung und Sicherheit bekommen. Dazu gehört auch die Umgebung, in der er sich befindet. Das Zimmer sollte hell und freundlich, geräumig, sauber und aufgeräumt sein. Ist der Sterbende schon lange im Pflegeheim, so sollte er auch in seinem vertrauten Zimmer bleiben, notfalls müsste eben der Bettnachbar in ein anderes Zimmer verlegt werden. Die Ausstattung des Zimmers sollte nach den Wünschen des Sterbenden (persönliche Gegenstände) erfolgen und außerdem ist ständig für frische Luft zu sorgen, wobei Zugluft vermieden werden sollte.

Wir müssen uns bei der Betreuung Sterbender nach deren Bedürfnissen richten und die Lebensumstände so angenehm wie nur möglich gestalten. Was dabei als unangenehm empfunden wird oder was nicht, das entscheidet der Sterbende selbst. Zu den Bedürfnissen zählen die körperlichen, die psychischen und die sozialen Bedürfnisse.

Literatur

* Was ich bei der Begleitung kranker und sterbender Menschen wissen muss, Edeltraud Antonczyk, Christiane Dommach, Gütersloher Verlagshaus, ISBN 3579009478
* Elisabeth Kübler-Ross: "Verstehen was Sterbende sagen wollen". Stuttgart 1982

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