Betreff? Welchen Betreff könnte ich eingeben? Abschied von meinem Bruder? Ich bin egoistisch genug um nicht zu wollen, dass er gehen muss. Trauer um meinen Bruder? Es tut mir fast körperlich weh ihn derart leiden zu sehen, aber trauern? Macht man das nicht erst wenn derjenige verstorben ist?
Ich weiss gar nicht, ob es dafür einen Rat gibt. Ich komme mit meiner Hilflosigkeit nicht zurecht. Wie kann ich etwas tun, wenn nicht mal die Ärzte etwas tun können?
Seht mir bitte nach, dass ich zur Zeit reichlich neben mir stehe.
Über den zur Zeit vorherrschenden Allgemeinzustand Deines Bruders kann ich zur Zeit nichts sagen, weil ich kein Arzt bin und nicht die Schwere des Verlaufes ermessen kann. So, wie Du die Situation beschreibst, ist Deinem Bruder nur durch eine Transpantation zu helfen, denn er steht ja schon auf der Warteliste. Wie schnell jetzt ein Spenderherz gefunden wird, ist wohl auch nicht eindeutig zu beantworten.
Fakt ist, das sich Dein Bruder als Betroffener sowie seine Angehörigen, einschliesslich Dir, in einer hochangespannten stressbeladenen Lage befinden. Kompetente Hilfe in solch einem Fall wie dem Deines Bruders und euch als Angehörigen sollte umgehend durch eine PSYCHOTHERAPEUTISCHE UND PSYCHOSOZIALE BETREUUNG von Herzpatienten / Herztransplantationspatienten erfolgen. Möglichkeiten und Vermittlung zu einer solchen sollten mit dem behandelnden Arzt oder den behandelnden Ärzten besprochen und abgeklärt werden.
Eine solche Betreuung für Patient und Angehörige wird selbst von Transplantationszentren empfohlen. Auszug der Herztransplantations West e.V.:
Zu Patienten mit Herzinsuffizienz:
Allein der Krankheitsverlauf mit häufig einhergehender Symptomverschlechterung und die Angst, die Wartezeit nicht zu überleben, wirken sich für die Patienten und deren Familie als äußerst belastend aus. Hinzu kommen die Ungewissheit, wann ein Spenderorgan zur Verfügung stehen wird, und die Befürchtungen, die die Operation selbst und die Zeit danach betreffen. Auch in sozialer Hinsicht befindet sich der Patient in einer nicht selten radikal veränderten Lebenssituation. Die körperlichen Beschwerden führen zur frühzeitigen Aufgabe der Berufstätigkeit, und nicht selten sind nur noch reduzierte soziale Kontakte und Aktivitäten durch die eingeschränkte Mobilität möglich. Aus dem Zusammenwirken von verschiedensten psychosozialen Belastungsfaktoren ergibt sich die Notwendigkeit einer psychosozialen und psychotherapeutischen Betreuung.
Hallo Ahasveru, wir Angehörigen sind von den Ärzten darauf hingewiesen worden, dass seine Psyche nicht stabil bleiben würde. Wir sollten uns nicht wundern wenn er sich zurückziehet. Das sei normal. Es sei damit zu rechnen, dass er sich ein Stück weit aus der Welt heraus nehmen würde, aggressiv-misslaunig, ärgerlich und angespannt gegenüber Schwestern, Pflegern und Ärzten oder auch uns reagieren würde. Es wurde uns gesagt, dass viele dieser Patienten ausfallend in ihrem Benehmen werden. Eßstörungen, insbesondere Magersucht aber auch Selbstmordgedanken nehmen während der ersten drei Monate nach der Implantation des künstlichen Herzens kontinuierlich zu. Deswegen wurden wir vorgewarnt. Da mein Bruder schon vorher reichlich distanziert war können wir davon ausgehen, das er in Zukunft noch mehr bemüht sein wird sich die Menschen auf Distanz zu halten.
Aber das ist es nicht, was ich meine.
Ich weiss nicht, wie ich mein Empfinden in Worte fassen soll.
Mein Eindruck ist, dass er dabei ist sich zu verabschieden und ich weiss nicht wie ich reagieren soll.
Zuerst einmal ist vorrangig klar, das Dich die Situation über-lastet und über-fordert, das ist auch ganz natürlich. Vorherrschend in Deinem Bewusstsein ist nach Deinen Worten die Angst, das Dein Bruder bald sterben wird. Du weisst zwar nicht, ob das so ist, Du hegst aus Deiner Angst heraus ersteinmal das Gefühl und befürchtest aus dieser Gefühlslage das schlimmst Mögliche. . Diese Deine Angst und Sorge entsteht aus Deinem Nichtwissen heraus, wie es mit Deinem Bruder weitergeht, Du siehst keine Zukunft mehr für ihn. Diese Sichtweise verursacht in Dir unendliche Trauer, weil Du Dich macht- und hilflos fühlst, Du weisst allein, das Du nichts machen kannst, sondern musst mit ansehen und erleben, wie Dein Bruder leidet. Selbst Dein Mitleiden und Dein Mitfühlen können an der Tatsache des Krankheitsverlaufs bei Deinem Bruder nichts ändern.
Du möchtest aber so gern etwas für ihn tun, aber da Du das nicht kannst und vermagst, entsteht ein Konflikt, ein Kampf, in Dir. Du möchtest Deinen Bruder auf gar keinen Fall gehen lassen, klammerst Dich an ihn und möchtest ihn fest-, ihn dabehalten. Innerlich weisst Du, das Du das bei all Deinen Kräften nicht vermagst, das macht Dich vllt. auch wütend und zornig, oder Du fühlst Dich schuldig, oder....Diese ganze innere Aufgewühltheit macht Dich traurig.
Und gerade diese Trauer ist für Dich schon jetzt der Beginn Deines Abschiednehmens von Deinem Bruder, denn Trauer bereitet Trennung vor. Wenn es so sein sollte, wie Du sagst, das Du das Gefühl hast, Dein Bruder möchte sich auch von seiner Seite aus von euch verabschieden, dann sei bei ihm und für ihn da. Verstecke Deine Trauer nicht, zeige sie ihm und sage sie ihm. Halte seine Hand, schenke ihm durch eine solche Geste wie andere Berührungen das Gefühl, das Du ihn liebst. Sage ihm das auch, teile ihm auch Deine Ängste und Befürchtungen mit.
Achte aber auch darauf, bevor Du das tust, ob das auch dem Wunsche und den Bedürfnissen Deines Bruders entspricht. Du brauchst hier Einfühlungsvermögen und Mitgefühl, musst den Augenblick erkennen, ob und wann Dein Bruder bereit dazu ist, auch Du musst bereit sein.
Desweiteren schlage ich vor, das wenn es so sein sollte, das Dein Bruder im Sterben liegen sollte, ihr euch als Angehörige zu einem Zeitpunkt, wenn ihr Gewissheit und Klarheit darüber habt, an einen Hospizdienst wendet, welcher dann die Begleitung von Deinem Bruder und euch als Angehörigen übernimmt.
Auf jedemfall lasse Deine Trauer, in welcher Form auch immer, zu, lebe sie aus, unterdrücke sie nicht. Diese Trauer in Dir ist für Dich jetzt schon ein vorheriges Bereiten auf einen Abschied von Deinem Bruder.
Hallo Ahasveru, ich habe gestern nicht mehr geantwortet, weil ich zu meinem Bruder in die Klinik gefahren bin.
Wir waren sehr zuversichtlich, weil man uns in der Klinik sagte, diese zusätzliche Pumpe sähe zwar nicht schön aus, würde ihm aber helfen die Wartezeit zu überstehen. Einige Tage später kam es aber zu massiven Blutungen und er musste erneut operiert werden. Der Blutverlust war leider derart hoch, dass bereits während der OP ein sogenanntes Multiorganversagen eintrat. Die Ärzte haben um ihn gekämpft und nur die Nieren sind noch nicht wieder ganz okay.
An manchen Tagen ist er frech, zuversichtlich und macht einen starken Eindruck nach Aussen hin. Dann wiederum ist er depressiv, lebensmüde und agressiv. Ich habe gestern in der Klinik auf euren Rat hin, ob der Psychologe, der meinen Bruder betreut vielleicht auch mal Zeit für mich hat.
Erst einmal Danke für die schnellen Antworten, gestern. Hat mir den Tag und auch die Nacht leichter gemacht.
Zuerst einmal freut es mich, das Du ein wenig Erleichterung für Dich gefunden hast,:O).
Ein wenig mehr davon kannst (und darfst es auch,:O))Du für Dich finden, wenn Du Dir selbst jetzt ersteinmal in Gedanken nicht weiter die Zukunft Deines Bruders ausmalst, Dir also vorstellst, was mit ihm alles passieren kann und das er Dich verlässt. Versuche einmal, im jeweiligen Heute zu leben, von Tag zu Tag, von Augenblick zu Augenblick. Und schaue Dir in diesen jeweiligen Augenblicken an, was real in diesen Momenten mit Deinem Bruder ist, wie es ihm geht, wie er sich fühlt. Dann kannst Du für Dich auch real auf diese jeweilige Realität reagieren und nicht nach Deinen Befürchtungen, Ängsten und Vorstellungen. Man sagt ja: Meistens oder oft kommt es anders, als man denkt,:O)
Versuche das einmal für Dich umzusetzen. Und versuche auch, Dich von den Gedanken an Deinen Bruder zwischendurch immer mal zu lösen, denk bitte auch mal an Dich. Das heisst: Tue auch Dir immer mal etwas Gutes. Höre Musik, lese, gehe spazieren oder mach etwas, was Dir persönlich Freude schenkt, damit Du Dich entspannen kannst und damit auch mal wieder Kraft tankst und sammelst. Lass die Sonne in Dir scheinen, die die grauen Wolken nach einem Gewitter mal vertreibt. Und glaube mir, das tut nicht nur Dir gut, sondern wird auch Deinem Bruder helfen, in dem Sinne, das Du ihm in Deiner Besorgnis und Befürchtung nicht zu angespannt begegnest, was Du ja in Deinem Beisein mit ihm ja auch auf ihn ausstrahlst. Damit meine, hier mal als ein Beispiel: Finde Ruhe für Dich, begegne ihm in Ruhe und schenke Ruhe,:O)
Also: Wenn Du magst, versuche mal mein oben Geschriebenes für Dich umzusetzen, vielleicht bringt es Dir ein wenig mehr Erleichterung,:O)
Hi Colin es ist gut und richtig das du auf den Psychologen zugegangen bist und hat er reagiert? Wird er sich Zeit für dich nehmen? Die ganze Situation ist ja für euch alle schwierig. Da ist ja zum einen das hoffen auf die Transplantation, dass diese erfolgreich sein wird und dann ist ja noch die Angst, dass dein Bruder es vllt doch nicht schafft. Zumal es ja leider auch immer mal zu Komplikationen kommmt. Die Operation die du jetzt angesprochen hattest, da haben nicht nur die Ärzte gekämpft, sondern dein Bruder hat auch gekämpft und mitgeholfen.
"An manchen Tagen ist er frech, zuversichtlich und macht einen starken Eindruck nach Aussen hin. Dann wiederum ist er depressiv, lebensmüde und agressiv." Ja das sind auch völlig normale Reaktionen und natürlich auch nicht non aussen leicht zu verkraften wenn sich Zuversicht und Depressivität abwechseln. Dein Bruder hat ja eine "Leidenszeit" schon durchgemacht und versucht dann auch nach Aussen hin stark zu sein, um euch ein wenig Last zu nehmen. Diese Stärke nach aussen kann er natürlich nicht immer aufrecht erhalten und seine eigenen Ängste kommen dann nach aussen. Diese darf er ja auch haben.
Es ist natürlich auch für dich nicht leicht, weil du halt auch weißt das bei all deiner Liebe und auch Fürsorge du eben doch nur ein Zuschauer sein kannst. Das Gefühl der Hilflosigkeit ist ein sehr unangenehmes und es ist natürlich nicht leicht auf der einen Seite etwas für ihn tun zu wollen und auf der anderen Seite eben nichts machen zu können. Du bist aber und das ist das entscheidene mit deinen Gedanken und deinen gefühlen für ihn da. Ich bin mir sicher, dass weiß er zu schätzen und es hilft ihm auch. Diese Hilflosigkeit eigentlich nichts tun zu können ausser zu bangen und zu hoffen, löst Trauer aus. Deine Trauer mag dich zwar erschrecken, weil du ja auch so in etwa sagtest bzw. denkst: Trauern tut man doch nur wenn jemand gestorben ist. Dem ist ja nicht so und es ist ja nicht so das alles nur positiv aussieht, sondern im inneren siehst du auch schon in Betracht, dass es vllt am Ende leider doch negativ ausgeht. So hast du natürlich auch ein Auf und Ab der Gefühle, so wie dein Bruder auch.
Ich hoffe das er es bis zur Transplantation schafft und diese auch vom Körper gut aufgenommen wird.
Hallo Ihr Beiden, gestern war so ein Tag an dem es ihm "gut" ging. Mit dem hier gelesenen und dem gestrigen Eindruck war auch meine Nacht ruhig, ohne Träume und ohne Angst. Ganz abschalten kann ich leider nicht, denn neben meiner Arbeit ist da auch noch das Forum welches mein Bruder betreut hat und die Menschen dort warten auch auf Nachrichten aus der Klinik. Dann möchte ich gerne auch viel Zeit mit meinem Bruder verbringen, denn den Gedanken "wer weiß wie viel Zeit wir noch haben" werde ich einfach nicht los.
Ich hab hier einen Text über "Masken" gelesen. Sehr treffend was darin steht. Ich finde meinen Bruder in fast jedem Satz wieder. Außen hart und stolz und dann kommen im Augenblick von ihm so Sätze wie: Die Füße tun mir weh von dem Weg, den ich bis hierher gegangen bin, kein Ziel ist in Sicht. Ich möchte so gern hier verweilen, aber wenn ich mich einmal hingesetzt habe, werde ich nicht mehr aufstehen können.
In Antwort auf:Außen hart und stolz und dann kommen im Augenblick von ihm so Sätze wie: Die Füße tun mir weh von dem Weg, den ich bis hierher gegangen bin, kein Ziel ist in Sicht. Ich möchte so gern hier verweilen, aber wenn ich mich einmal hingesetzt habe, werde ich nicht mehr aufstehen können.
Wobei bei solchen Sätzen zu bemerken ist, das diese nicht immer wörtlich so aufzunehmen sind wie sie uns von der Logik her erscheinen. Es kann sich hierbei durchaus auch um Archetypen handeln, welche innere Prozesse auf anderen Seinsebenen handeln kann. Schwerstkranke wie auch sterbende Menschen bedienen sich öfter einer solchen Symbolsprache, weil sie keine andere Möglichkeit haben, von der Ebene aus zu kommunizieren, auf welcher sie sich befinden.
Das ich bezüglich des Oberen kann schreibe, soll bedeuten, das solche Sätze von Deinem Bruder natürlich auch aus einem wachbewussten Zustand auf dieser Realitätsebene gesprochen werden können.
In Antwort auf:Ganz abschalten kann ich leider nicht
Das erwartet ja auch niemand von Dir, handel ganz nach Deinen Bedürfnissen und Gefühlen heraus,:O). Nur überfordere und überlaste Dich nicht selbst, lebe in der jeweiligen Situation, dem Moment und Augenblick.
In Antwort auf:Dann möchte ich gerne auch viel Zeit mit meinem Bruder verbringen, denn den Gedanken "wer weiß wie viel Zeit wir noch haben" werde ich einfach nicht los.
Du kannst dieses Sich-Sorgen als Geste des Mitfühlens betrachten, dann hat sie einen positiven Charakter. Wichtig ist aber auch das fühlende Mitgehen. Begleite in diesem mitfühlenden Mitgehen auf seinem Weg, sei bei ihm und für ihn da. Aber führe Deinen Bruder nicht, lasse Dich von ihm führen, sei Du Begleiter. Es ist das Leben Deines Bruders, es ist sein Lebensweg. Achte und richte Dich nach seinen Wünschen und Bedürfnissen, nimm diese damit an, weil Du damit ihn annimmst, auch sein Schicksal. Das ist sehr wichtig, weil Du ihm damit auch einiges erleichterst, wenn er sich mal von etwas lösen möchte. Verstehe auch, das Du und andere Angehörige sich nicht allein Sorgen um ihn machen, sondern er sich auch um eure Zukunft in seiner Liebe zu euch sorgt. Das muss sich nicht immer verbal und offensichtlich abspielen, ist aber sehr viel auch in inneren Prozessen ihn ihm im Gange.
Das du nicht völlig abschalten kannst ist klar, du kannst aber z.B. deine Besuche mit einem Spaziergang oder Schaufensterbummel verbinden. Heisst das du halt nach deinem Besuch eben nicht direkt wieder nach Hause fährst sondern ein Stück nach Hause läufst.
Aber führe Deinen Bruder nicht, lasse Dich von ihm führen, sei Du Begleiter. Wenn das mal so einfach wäre ... Klar versteh ich was du damit sagen willst. Aber ich bin darin doch sehr egoistisch. Ich möchte ihn zum kämpfen bewegen. Ich weiss, dass ich das eher für mich als für ihn mache und mir tut es auch leid, dass ich es mache, aber ich kann nicht anders.
In Antwort auf:Aber ich bin darin doch sehr egoistisch. Ich möchte ihn zum kämpfen bewegen.
Meinst Du, das er das nicht auch getan hat und für sich tut? Weisst Du, Colin, so sehr ich Dich verstehen kann, ist es doch so, das Dein Bruder aufgrund seines von Dir dargestellten Allgemeinzustandes sehr geschwächt ist, was bedeutet, das ihm die Kraft fehlt, um zu kämpfen. Betrachte es, wenn Du magst, einmal von dem Blickwinkel her, das Dein Bruder zur Zeit seine ihm restlich verfügbare Kraft dazu benötigt, am Leben zu bleiben. Er kann aber nur das nutzen, was noch an Kraft in ihm ist, aber diese benötigt er, um lebenswichtige Organe und Funktionen in Gang zu halten. Wenn Du, oder er selber auch, zu sehr von ihm und sich selbst erwartet, kann das seine Kräfte aufzehren, was seinen körperlichen Verfall zu sehr und schnell beschleunigen kann. Somit ist es meines Erachtens besser, den eigenen Egoismus zur Seite zu schieben und rein Dich in Deinen Bruder zu versetzen, damit Du ihn wie seine Lage richtig einordnest und aus dieser Annahme und diesem Verstehen mitfühlend handelst,:O)
In Antwort auf:Ich weiss, dass ich das eher für mich als für ihn mache und mir tut es auch leid, dass ich es mache, aber ich kann nicht anders.
Doch, doch, Colin, Du kannst anders, wenn Du Dir nicht sagst, das Du nicht anders kannst, sondern das Du anders kannst. In dem, was ich oben geschrieben habe, liegt die Erkenntnis darin, das Du Deinen Bruder in Deiner Liebe und Deinem Mitgefühl schonst und nicht belastest, denn dann kann der Schuss nach hinten losgehen. Erwarte bitte nicht von Deinem Bruder, was er in seiner Lage zur Zeit einfach nicht geben kann. Er ist geschwächt und braucht all seine Kragzt, um sein Leben zu erhalten, er kämpft schon genug. Und es ist für ihn ein schwerer Kampf, welchen er kämpft. Kämpfe mit ihm, indem Du für ihn da und an seiner Seite bist, das Du bei ihm bist, er nicht einsam und verlassen ist. Das hilft ihm ungemein weiter. Und in Deinem Annehmen und Deinem Mitfühlen kann er sich mit seinen Kräften auf das konzentrieren, was für ihn zur Zeit notwendig ist. Schau, wenn Du anders handelt, muss er Kraft aufbieten, um sich gegen Erwartungen von aussen zu wehren, welche er in seiner Lage einfach nicht erfüllen kann, so gern er das auch möchte. Und diese Kraft, welche er vllt. dafür aufbieten muss, fehlt ihm in seiner Not für das Not-wendigste.
Mach Dir bitte mal Gedanken darüber, versuche Dich mal in die Lage und Situation Deines Bruders zu versetzen, und Du erkennst, das ihr aufgrund Deiner und seiner gesundheitlichen Lage nicht die gleichen Erwartungen haben könnt, weil es sich hierbei um zwei Zustände handelt, in welchen differente Bedürfnisse herrschen und walten.
Erst einmal möchte ich Euch sagen, dass ich es wirklich bewundernswert finde, mit welcher Ruhe und Geduld ihr hier auf mich eingeht, auch wenn Ihr vielleicht vor dem Bildschirm bei manchen meiner Sätze die Augen verdreht. Ihr gebt mir zumindest nie das Gefühl, dass es so sein könnte.
Ich bin normalerweise ein recht bodenständiger Mensch, nur ist eben zur Zeit durch die Krankheit meines Bruders alles anders geworden. Es ist für mich seltsam, dass die Person zu der ich immer aufgesehen habe, der für mich da war und MICH geführt hat plötzlich der Hilflosere von uns beiden ist. Klar, er war nicht unbedingt ein Vorbild, was sich Eltern für ihre Kinder wünschen, aber tief drin war er derjenige der immer am verständnisvollsten war, der zugehört hat, der nach Lösungen für Probleme anderer gesucht hat. Jetzt sitz ich bei ihm, manchmal für Stunden, ohne ein Wort zu sagen, weil er schläft oder grad nicht reden möchte. Es gibt auch Dinge, die ich "schön" an der Situation finde, nämlich dass er erst jetzt auch mal über sich spricht. Aber irgendwo habe ich niemanden mit dem ICH reden kann. Viele fragen mich wie es ihm geht, aber niemand redet wirklich.
Hey, nochmal danke, dass ich Euch einfach so damit behelligen kann.
Es ist gut wenn es dir gut ist mit fremden Menschen darüber einfach auch nur reden zu können. Oftmals brauchen wir nur Menschen die uns zu hören und die uns wahr nehmen.
Dafür haben wir ja auch dieses Forum geschaffen, damit sich andere mal Luft verschaffen und ihre inneren Gefühle und Gedanken raus lassen
In Antwort auf:Erst einmal möchte ich Euch sagen, dass ich es wirklich bewundernswert finde, mit welcher Ruhe und Geduld ihr hier auf mich eingeht, auch wenn Ihr vielleicht vor dem Bildschirm bei manchen meiner Sätze die Augen verdreht. Ihr gebt mir zumindest nie das Gefühl, dass es so sein könnte.
Dein Gefühl trügt Dich nicht,:O), wir verdrehen die Augen nicht,:O). Es ist völlig okay, so wie Du schreibst,:O)
In Antwort auf:Es ist für mich seltsam, dass die Person zu der ich immer aufgesehen habe, der für mich da war und MICH geführt hat plötzlich der Hilflosere von uns beiden ist.
Schau, Colin, auch wenn dieses Empfinden für Dich seltsam ist, aber Du erlebst genau hier etwas Magisches und Schönes, und das heisst: Leben,:O). Das Leben ist kein gerader Weg und keine gerade Bahn, es hat viele Berge und Täler, viele Gipfel und tiefen. Aber diese Vielfältigkeit des Lebens macht das Leben erst lebenswert. Und wenn Du Dein Leben so annehmen kannst, vermagst Du in gleichem Sinne auch das Leben anderer Menschen anzusehen, zu achten und zu respektieren, denn jeder Mensch ist einzigartig und ein Universum für sich, auch das Leben Deines Bruders. Er geht auf seinem Lebensweg durch sein Leben, und wenn er jetzt auch, so wie Du schreibst, der Hilflosere von euch beiden ist, so schenkt er Dir in wie auf diesem seinen Lebensabschnitt etwas sehr Schönes und Wertvolles: Das Du jetzt mal der Starke von euch beiden bist, und er lädt Dich ein, Dich auf seinem Weg zu begleiten. Wenn Du diese Einladung Deines Bruders annehmen kannst, dann nimm sie an, denn er zeigt Dir in seinem Bedürfnis, Dich mitnehmen zu wollen, seine Liebe. Und in Erwiderung seiner Liebe gehe in Deinem Annehmen seiner Liebe diesen Weg mit ihm,:O)
In Antwort auf:Jetzt sitz ich bei ihm, manchmal für Stunden, ohne ein Wort zu sagen, weil er schläft oder grad nicht reden möchte. Es gibt auch Dinge, die ich "schön" an der Situation finde, nämlich dass er erst jetzt auch mal über sich spricht.
Genau in diesem Beispiel gehst Du mit ihm und begleitest ihn,:O). Sei bei ihm, für ihn da, höre ihm zu und nimm alles, was im jeweiligen Moment geschieht, an. Und das in Deinem Mitfühlen und Deiner Liebe zu ihm,:O)
In Antwort auf:Aber irgendwo habe ich niemanden mit dem ICH reden kann. Viele fragen mich wie es ihm geht
Wenn Du es für Dich wünschst, sind wir hier jederzeit für Dich da, und das auch sehr gern,:O)
In Antwort auf:Hey, nochmal danke, dass ich Euch einfach so damit behelligen kann.
:O), fühl Dich frei, das zu tun, wir sind, wie gesagt, gern für Dich da und stehen Dir so gut, wie wir es vermögen, zur Seite,*schmunzel*