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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Bestattung
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 6.581

08.09.2005 18:00
Bestattung - Traditionell oder Alternativ? antworten

Traditionell:

Wir klingeln. Die Tür öffnet sich, eine ernst blickende Dame mit Dutt und Geieraugen weist uns mit einer Handbewegung an, ihr in diskretem Abstand zu folgen. Wir betreten einen, äääh, gemütlichen Raum, recht dunkel gehalten: Resopalverkleidung, in der Mitte des Raumes ein Schreibtisch, zwei Besucherstühle, Wandschränke. Unsere Schuhe machen das erste Mal in unserem Leben Bekanntschaft mit einem Hartfaserteppichboden - sehr leicht zu reinigen übrigens. An der Wand ein Kruzifix, welches in seiner Tristesse seinem vermeintlichen Zweck, uns Trauer und Trost zu spenden, widerspricht - wir fangen statt dessen an zu beten und uns zu fragen: Was tun wir hier eigentlich?

Doch nicht genug: An einer Wand des Raumes ist eine Tür nur halb angelehnt, unser Blick fällt auf eine Kollektion von Särgen und weissen Satindecken. Die Dame bemerkt unsere Blicke und schliesst ebenso diskret, wie wir ihr vorher folgen durften, die Tür. Wir warten. Auf den Bestatter. Wir erwarten aber auch. Das nach dem bisher Erblickten ein Mann in Schwarz den Raum betreten wird, welcher einen Raben auf der Schulter trägt. Uns fröstelt.

Der Bestatter betritt den Raum. Er trägt Schwarz, aber der Rabe fehlt. Dafür bestürmt er uns nach kurzer Begrüssung sofort mit allen möglichen Fragen: Welches Modell? Lärche, Kiefer, Eiche? Welche Decke? Welches Gewand? Welche Blumen, welcher Aufbahrungsort? Kostenberechnung pur. Wir fühlen uns unwohl, wir fühlen, er will nur unser Bestes: Unser Geld. Nach den Berechnungen kriegen wir noch einen Bonus: Angst. Wir wollen nur noch eins: raus hier und nach Hause....oder zu einem Bestatter, welcher nicht nach traditioneller, sondern nach alternativer Verfahrensweise verfährt.

Alternative Bestattung:

Dazu fand ich im Internet folgendes Bestattungsinstitut mit dem Namen "Horizonte". Wenn wir dieses Bestattungshaus betreten, erwarten uns helle, lichte und klare Räume. An den Wänden erwarten uns Bilder zum Anschauen und in einem Regal Bücher zum Lesen. Hier steht der Mensch im Mittelpunkt, ob tot oder lebendig. Beratung ist hier das Wichtigste. Der Raum wird auch von einem Tisch geziert, statt Stühle aber ein einladendes Sofa. Der Tote ist hier einige Tage Gast im Hause, er wird versorgt und vorbereitet, wobei die Angehörigen, wenn sie es wünschen, mithelfen können. Es gibt zwei Abschiedsräume mit genügend Sitzmöglichkeiten, ebenfalls hell gehalten, und die Angehörigen haben Zeit, sich angemessen vom Verstorbenen zu verabschieden. Nebenan befindet sich eine kleine Küche, wo man sich mit Kaffee oder Tee versorgen kann.

Ein grosser Raum ist für die Trauerfeierlichkeiten vorgesehen, Musik kann auf Wunsch vom Band oder live dargeboten werden. Floristen besorgen in Absprache mit den Angehörigen den Blumenschmuck.

Das Wichtigste: Die Wünsche und Bedürfnisse der Angehörigen finden hier Gehör und beim schwierigen Prozess des Abschieds und der Trauer wird ihnen geholfen - Nichts ist hier standardisiert - und Raben gibt es hier erst recht nicht.

Ich finde solch ein alternatives Bestattungswesen vorbildlich. Ich möchte hier auch keineswegs Werbung für ein Bestattungshaus betreiben - ich möchte in diesem einen Beispiel, von denen es sicher noch Gleichgeartete gibt, zeigen, das es auch anders im Bestattungswesen geht - wo nicht das Geld, sondern der Mensch, seine Wünsche und Bedürfnisse für ihren Verstorbenen wie für sich selbst in der Trauerbewältigung in der Zeit des Abschiednehmens im Vordergrund wie Mittelpunkt stehen.

Wenn ihr die Internetseite mal besuchen wollt, findet ihr sie hier:

http://www.horizonte-bestattungen.de

Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 6.581

15.09.2005 18:08
#2 RE: Bestattung - Traditionell oder Alternativ? antworten

Weltraumbestattung? Ja - Weltraumbestattung!!

Das Weltall - unendliche Weiten - dies sind die Abenteuer des Raumsch.....[snip]. Nicht nur die USA spielen wie die meisten ihrer Weltraumabenteuer in der Welt eine grosse Rolle. Auch nicht allein Spock, Luke Skywalker oder Darth Vader - nein, vielleicht auch eines Tages sie!! Sie Fragen erstaunt: Ich?? Ganz genau, möglich macht das die Firma Celestis, welche Weltraumbestattungen anbietet und durchführt. Gegründet wurde sie 1985 von einem Vietnam-Veteranen in Houston / Texas. Im April des Jahres 1997 fand die erste Weltraumbestattung statt, die Asche von 14 Personen in lippenstiftgrossen Kapseln befand sich in einer Celestis-Raumsonde, die über den Kanarischen Inseln von einer Rakete ausgeklingt und in den Weltraum katapultiert wurde. Die einzelnen Kapseln verbleiben während der Erdumkreisung in der Raumsonde und werden etwa 10 Jahre nach dem Start wieder in die Erdatmosphäre eintreten, um dort wie eine Sternschnuppe zu verglühen.

Einmal im Jahr starten Raketen vom amerikanischen Stützpunkt Vandenberg in Kalifornien und nehmen Mini-Urnen mit jeweils 7 Gramm Asche mit.

Die Firma Celestis bietet verschiedene Modelle der Weltraumbestattung an: die oben beschriebene ist noch im Angebot, nennt sich "Earthview-Service" und kostet 5300$ (als Ratenzahlung möglich). In diesem Preis sind neben dem Abschiessen der Asche in die Erdumlaufbahn eingeschlossen: Eine Kapsel mit aufgedruckter, persönlicher Widmung, ein Video vom Abschuss und der Gedenkzeremonie, eine virtuelle Gedenkstätte des Verstorbenen auf der Webseite der Firma.

Für 12500$ (Ratenzahlung möglich) gibt es den "Lunar-Service". Bei diesem Modell geht es auf die Mondumlaufbahn oder die Mondoberfläche.

Für den gleichen Preis ist auch der "Voyager-Service" zu haben, bei dem die Aschereste über das Sonnensystem hinaus in den Weltraum gebracht werden, auf eine endlose Reise zu den Sternen.

Für Leute, welche nicht soviel Geld haben, gibt es den "Ad Astra-Service": Ein Stern wird nach ihnen benannt und "eine energiegeladene digitale Gedenkwidmung zu den Sternen übertragen". Was auch immer das heissen soll, für 299$ ist dieser Service fast geschenkt.

Bei Interesse können sie sich an die Kontaktperson von Celestis in Deutschland wenden: Manfred Lessing in Nienburg.

Zur Webseite (englisch) von Celestis: http://www.celestis.com

Informationsquelle: Sabine Grimkowski: "Was von mir übrig bleibt"

Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 6.581

18.09.2005 16:13
#3 RE: Bestattung - Traditionell oder Alternativ? antworten

FriedWälder und Baumbestattung:

Inzwischen gibt es hier bei uns in Deutschland 10 Friedwälder. Es laufen aber weitere Genehmigungsverfahren für weitere Friedwälder in mehreren Bundesländern. Weiterhin findet man viele attraktive Friedwald-Standorte im "Herkunftsland" des FriedWaldes, der Schweiz. Die Friedwälder sind bisher:

FriedWald Reinhardswald
FriedWald Odenwald
FriedWald Eifel
FriedWald Bramsche
FriedWald Hasbruch
FriedWald Bad Laasphe»
FriedWald Kalletal
Urwald Saarbrücken
FriedWald Elm
FriedWald Schwaigern

Friedwälder sind Waldfriedhöfe. Im "Friedwald" werden Urnen in der Wurzelregion eines Baumes beigesetzt und von diesem letztendlich überwachsen. (was eben die Baumbestattung darstellt). Man kann sich in einem Friedwald den Baum selbst aussuchen, unter welchem man selbst bestattet oder einen Angehörigen bestatten möchte. Oder man lässt sich vom Förster einen neuen Baum pflanzen. Diese Möglichkeit ist "baumfreundlicher", weil dabei neben dem frisch gepflanzten Baum ein Loch gegraben wird, in das ein Rohr und später die Urne (biologisch abbaubar) gesetzt wird. Auf diese Weise können die Wurzeln um das Rohr herumwachsen und werden für die Bestattung nicht beschädigt.

Für 3.350 Euro ist ein Baum - nach dem Eintrag ins Baumregister und ins örtliche Grundbuch - für 99 Jahre als Grab- bzw. Familiengrabbaum gepachtet. Je nach der Aussicht und dem Standort des Baumes, und wenns dann eben auch noch eine stattliche Eiche sein muss, kann so eine Baumbestattung auch schon mal locker 10 000 € (sog. Familienbaum) mit allem Drum und Dran kosten. Er wird vermessen und sein genauer Standort in eine Karte eingetragen, damit die Grabstätte in jedem Fall wiedergefunden werden kann. Sollte der Baum einem Sturm, Blitzschlag oder Waldbrand zum Opfer fallen, wird er ersetzt. Nicht jedoch, wenn er eines natürlichen Todes stirbt...

Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 6.581

20.09.2005 20:11
#4 RE: Bestattung - Traditionell oder Alternativ? antworten

Riffbestattung

Eine ganz neue Möglichkeit der Beisetzung von Aschen bietet sich ebenfalls in den USA.
Die Asche wird mit Zement vermischt und in grosse Betonteile gegossen. Diese Teile sind Kirchenglocken ähnlich und mit grossen Löchern versehen. Nach Fertigstellung werden die Betonteile vor der Küste Floridas versenkt und bilden ein neues künstliches Riff.
Nach wenigen Monaten besiedeln Korallen, Fische und viele andere Meeres-Lebewesen das neue Riff.

Nähere Informationen: Eternal Reefs

http://www.eternalreefs.com/

Und hier noch: Naturbestattung in den Schweizer Bergen:

http://www.naturbestattungen.de/index.php?pos=home.html

Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 6.581

21.09.2005 02:16
#5 RE: Bestattung - Traditionell oder Alternativ? antworten

Der tote Vater als Halbkaräter in der Edelholzschatulle

Schweizer Unternehmen formt Trauerdiamanten aus der Asche von Verstorbenen / Berliner Bestatter bietet neuen Trend-Service bereits an

LINDAU (dpa). Der Vater von Andreas Wampl ist vor etwa sechs Monaten gestorben. Jetzt liegen seine sterblichen Überreste als Trauerdiamant in einer Edelholzschatulle neben dem Erinnerungsfoto. Wampl hat den Halbkaräter aus der Asche seines Vaters formen lassen. Er gehört zu einem Schweizer Unternehmen, das diesen "Service" weltweit anbietet.
Etwa die Größe eines Streichholzkopfes hat ein halbkarätiger Diamant aus der Asche eines Verstorbenen.

"Für uns ist dies nur eine andere Aufbewahrungsart für die Asche der Verstorbenen", erläutert Wampl das Angebot. Er koordiniert in Lindau die Wünsche von Hinterbliebenen nach Trauerdiamanten aus der Totenasche. So bietet ein Berliner Bestatter über die Schweizer seinen Kunden diesen neuen Trend-Service bereits an.

Die Schweizer Offerte gibt es seit Anfang des Jahres, etwa 50 Angehörige aus Deutschland haben laut Wampl sich bereits Trauerdiamanten anfertigen lassen. Der Trend kommt aus den USA, wo ein Unternehmen in Illinois seit etwa drei Jahren die Trauer-Brillis anbietet.

Die christlichen Kirchen stehen diesem neuen Trend skeptisch bis ablehnend gegenüber. Für den Sprecher der Erzdiözese München und Freising, Winfried Röhmel, ist "die Oma als Diamant" völlig absurd.

Da in Deutschland eine Bestattungspflicht für Urnen besteht, fordert die Firma bei einem Auftrag aus Deutschland die Asche der Verblichenen zur Überführung in die Schweiz an. Dort darf die Asche zu den dunkelblauen Diamanten weiterverarbeitet werden. "Wir wandeln die Asche doch nur in eine schönere Aufbewahrungsart um", rechtfertigt Wampl . Es handle sich eigentlich nur um einen "vertieften Kremationsvorgang". Die Totenruhe sei dabei genauso gegeben wie bei der Einäscherung.

Etwa 500 Gramm Asche benötigen die Schweizer, um daraus Diamanten unterschiedlichem Gewicht zu formen. Bei hohem Druck und hoher Temperatur wachse aus der karbonhaltigen Asche der Diamant "Atom für Atom", schildert Wampl der Herstellungsvorgang.

Größere Diamanten brauchen länger. Die Preise werden nach Karat berechnet und bewegen sich nach Wampls Angaben zwischen 3500 Euro für 0,4 Karat und 11 000 Euro für ein Karat. Der Stein könne dann auf einen Goldring gesetzt werden und sei ein "mobiles Erinnerungsstück".

Frauen tendierten eher zu Schmuckstücken aus der Asche, weiß Wampl. So habe eine Frau, die ihr Kind verloren hat, sich aus der Asche einen Ringstein formen lassen. "Für meine Mutter kam aber ein Ring so kurz nach dem Tod ihre Mannes nicht in Frage, das war ihr noch zu nah", schildert Wampl, wie es dazu kam, daß sein Vater als "Halbkaräter" im Schrank aufbewahrt wird.

Wampl ist in Lindau für deutsche Kunden Koordinator und Ansprechpartner für Trauerdiamanten und hält auch den Kontakt zu Bestattungsunternehmen. Einige Bestatter weisen Hinterbliebene bereits darauf hin, daß nach der Feuerbestattung die Möglichkeit zur Weiterverarbeitung der Asche zu Diamanten bestehe http://www.algordanza.de

Für Röhmel ist der Tod eine ernste Sache, religiöse Menschen wüßten um ihre Vergänglichkeit. Das Andenken an Gestorbene sei eine normale Sache, viele würden etwa eine Haarlocke als etwas Berührbares zur Erinnerung aufbewahren. Die Umwandlung in einen Diamanten nach dem Tod hält Röhmel aus christlicher Sicht für nicht hinnehmbar.

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