Ich bin neu hier...zu meiner Person: ich bin 28 und Mutter einer 8 Monate alten Tochter. Ich stehe gerade kurz vor der Diplomprüfung zur Beendigung meines Psychologiestudiums, darüber hinaus studiere ich Ur- und Frühgeschichte - das ist auch der Bereich, in dem ich in den letzten Jahren beruflich tätig war. Ich möchte gerne heuer im Herbst mit der Hospizausbildung beginnen. Nun liegt es mir sehr am Herzen mich noch mehr über diesen Beruf und seine Konsequenzen zu erfahren. Daher wende ich mich an Euch. Wo im Internet kann ich Informationen darüber finden, wie die Arbeit im Bereich der Sterbebegleitung sich auf das Leben und Empfinden der im Hospizdienst Arbeitenden auswirkt. Gibt es irgendwo eine Plattform, wo Sterbebegleiter über die Erfahrungen in diesem Beruf erzählen? Ich hoffe, Ihr könnt mir weiterhelfen.
Hallo Irene, erstmal herzlichst Willkommen hier bei uns. Von der Sache her bist du erstmal hier richtig. Wir wollen hier ja auch genau so eine Plattform schaffen.
Sterbebegleiter/in ist ja kein Beruf als solcher, sondern überwiegend ein Ehrenamt. Was erwartet dich? Nun das ist pauschal nicht zu beantworten. Es erwartet dich jedenfalls erst einmal sehr viel Individuelles. Jede Sterbebegleitung ist anders, da ja jedes Sterben anders ist. Ich mach das ja schon seid 5 Jahren und in dieser Zeit habe ich sehr viel über mich selbst erfahren. Ich sag auch immer: Die Begegnung mit einem Sterbenden ist auch die Begegnung mit sich selbst. Negative Auswirkungen hat Sterbebegleitung auf mich nicht gehabt. Im Gegenteil nur positives. Es ist bei ehrenamtlicher Sterbebegleitung ja nicht so, dass man sein privates Leben der Begleitung unterordnet, sondern sie wird ein Teil der Freizeit. Nun ich weiß jetzt erstmal nicht, was ich weiter schreiben kann. Hier sind ja noch andere, die Sterbebegleiter sind und warten wir erstmal ab, was die anderen schreiben: Eines muss ich aber noch fragen: Was erwartest du von Sterbebegleitung?
Zuerst einmal Herzlich Willkommen in unserem Forum, wir freuen uns sehr, Dich als neues Mitglied begrüssen zu dürfen,:O)
In Antwort auf:Wo im Internet kann ich Informationen darüber finden, wie die Arbeit im Bereich der Sterbebegleitung sich auf das Leben und Empfinden der im Hospizdienst Arbeitenden auswirkt. Gibt es irgendwo eine Plattform, wo Sterbebegleiter über die Erfahrungen in diesem Beruf erzählen? Ich hoffe, Ihr könnt mir weiterhelfen.
Ja, wir können Dir helfen, denn einmal findest Du die Plattform hier, Du kannst hier im Diskussionsforum jederzeit Threads eröffnen zu den Themen, welche Dich interessieren, und zweitens sind die Betreiber dieses Forums in der Sterbebegleitung tätig und auch bereit, über ihre persönlichen Erfahrungen in der Betreuung und Begleitung Schwerstkranker und Sterbender zu diskutieren.
In Antwort auf:Was erwartest du von Sterbebegleitung?
Hmmm, schwierig. In erster Linie erwarte ich mir vom Sterben fürs Leben zu lernen. Irgendwie hat es vielleicht auch damit zu tun, sich mit eigenen Ängsten zu konfrontieren. Ich muß gestehen, ich habe dafür noch keine wirklich befriedigende Antwort gefunden - ich weiß nur, daß mich der Gedanke mich in der Hospizarbeit zu betätigen nicht mehr wirklich losläßt.
Was waren eure Beweggründe, wenn ich mal ganz indiskret sein darf? LG Irene
In Antwort auf:In erster Linie erwarte ich mir vom Sterben fürs Leben zu lernen. Irgendwie hat es vielleicht auch damit zu tun, sich mit eigenen Ängsten zu konfrontieren.
In der Sterbebegleitung geht es vor allem darum, einem schwerstkranken Menschen durch mitfühlende Zuwendung Beistand zu geben, seine Bedürfnisse und Wünsche zu achten und zu respektieren, ihn als Menschen zu achten und zu respektieren, seine Würde zu wahren, und ihm behilflich zu sein, im Sterbeprozess seine Lebenqwualität zu fördern. Als SterbebegleiterIN nimmt man sich selbst immer zurück, d.h., Begleitung ist ein Da-Sein, ein Für-Jemanden-Da-Sein.
Im Sterben eines anderen Menschen begegnet man immer sich selbst, denn es werden in der Begleitung mannigfache Gefühle in einem ausgelöst, welche verarbeitet werden müssen, um eine Ausgeglichenheit für sich selbst zu wahren, damit es nicht zum Burn-Out kommt. Sterbebegleitung ist immer auch ein schmaler Grat von zuwendender Nähe und Distanz, denn die begeleitende Betreuung von Sterbenden endet immer mit dem Tod. Man muss beim Tode eines Menschen, welchen man begleitet hat, loslassen und sich verabschieden können.
In Antwort auf:Was waren eure Beweggründe, wenn ich mal ganz indiskret sein darf?
Ich selbst habe 1992 angefangen, als Sterbebegleiter zu arbeiten. Sterbebegleiter haben immer ein sogenanntes Schlüsselerlebnis, welches sie betroffen, aber auch getroffen hat. Bei mir war es die Arbeit als Sterbebegleiter in einem Altenheim. Hopspizlichkeit und Palliativ-Care gab es zu dieser Zeit dort nicht. Tätigkeitsfeld war eine Schwerstpflegestation, 90% der Patienten dort litten an den unterschiedlichsten Krebsformen im Endstadium.
Die Menschen dort starben dort grausam, unter Schmerzen, viele einsam und allein, wir waren meistens nur zu zweit auf dieser Station am arbeiten, bei 34 schwerstkranken Bewohnern. Der Tod war dort täglich Gast. Stellenweise mussten wir sterbende Menschen ans Bett fixieren, weil sie durchdrehten vor Sterbensangst. Oder sie schrieen tagelang, und wir hatten damals keine Medikamente zum Schmerzlindern. Der Krebs konnte bei vielen den Körper ganz übernehmen, es war kein Sterben, es war ein elendes Siechtum.
Das war mein Schlüsselerlebnis. Zu dieser Zeit begann die Hospizbewegung sich zu entwickeln, und da ich mein Leben der Hospizbewegung gewidmet habe, habe ich mich zum Sterbebegleiter durch Hospizkurs ausbilden lassen.
In Antwort auf:In der Sterbebegleitung geht es vor allem darum, einem schwerstkranken Menschen durch mitfühlende Zuwendung Beistand zu geben, seine Bedürfnisse und Wünsche zu achten und zu respektieren, ihn als Menschen zu achten und zu respektieren, seine Würde zu wahren, und ihm behilflich zu sein, im Sterbeprozess seine Lebenqwualität zu fördern. Als SterbebegleiterIN nimmt man sich selbst immer zurück, d.h., Begleitung ist ein Da-Sein, ein Für-Jemanden-Da-Sein.
Ja, das ist mir bewußt. Allerdings ist es nicht nur das "Anderen helfen", das mich dazu bewegt, diesen Beruf/diese Berufung ins Auge zu fassen. Ich möchte mal ehrlich sein: Ich habe vor einigen Jahren ein Praktikum an einer psychiatrischen Station gemacht. Ich hatte sehr viel Freude und Leidenschaft im Umgang mit den Patienten, und die Patienten waren mir sehr dankbar um meinen offenen, mitfühlenden Umgang und meine Hilfe. Ich helfe gerne anderen Menschen, vor allem, wenn positive Resonanz zurückkommt. Ich lerne auch von Patienten/Klienten sehr viel über das Leben und verschiedene Sichtweisen unseres Daseins. Was ich jedoch leidvoll erfahren mußte, war, daß ich leider nicht allen eine dauerhafte Hilfe sein kann...Menschen, die während unserer gemeinsamen Arbeit an der Station, aufblühten und gute Fortschritte machten, hatten mitunter Wochen oder Monate nachher schlimme Einbrüche, die mitunter zum Tod führten. Ich fühlte mich enttäuscht und wütend, vor allem aufgrund der Tatsache, daß ich nur vorübergehend Hilfe leisten konnte, sie jedoch nicht heilen konnte. Und da bei der Sterbebegleitung übermütige Hoffnungen der Genesung bereits durch die Tatsache des nahen Todes gedämpft werden, denke ich, daß ich bei dieser Form der sozialen Arbeit mich wirklich auf das Wesentliche konzentrieren kann, nämlich auf die Hilfe, die der Patient gerade in diesem Moment nötig hat.
Ich weiß nicht, habe ich da vielleicht falsche Vorstellungen? Die Angst mich hier mit komplett falschen Vorstellungen in diese Sache hineinzuarbeiten, macht mich unsicher und daher sauge ich im Moment alles auf, was mir hilft, mir ein Bild von der Tätigkeit als Sterbebegleiter zu machen.
In Antwort auf:Sterbebegleiter haben immer ein sogenanntes Schlüsselerlebnis, welches sie betroffen, aber auch getroffen hat.
Interessant, darüber habe ich gerade nachgedacht bevor ich deine Zeilen las. Ich hatte ein Erlebnis in Griechenland, das ich gerne erzählen würde (das Erzählen dieses Erlebnisses hat mir bereits in der Vergangenheit viel bei seiner Verarbeitung geholfen): Ich war etwa 22 Jahre alt, und machte mit meinem damaligen Freund Urlaub auf Kreta. Eines Abends liefen wir mit einem Bekannten den Strand entlang und bemerkten im Dunklen ein auf dem Kopf liegendes Autowrack unterhalb der Klippen am Strand. Während ich noch anmerkte: "Schau, da muß es heute einen schlimmen Unfall gegeben haben." stolperte ich über einen Körper. Wir beugten uns hinunter und fühlten den Puls und kontrollierten, ob der junge Mann noch ansprechbar war. Der Körper war warm und es war auch noch etwas Puls zu spüren, aber der Mann, der eigenartig verdreht mit dem Gesicht voraus im Sand lag gab keine Antwort. Wir entdeckten eine schlimme Blutlache, und mein Freund lief zur nächsten Taverne um Hilfe zuholen, während unser Bekannter und ich bei dem Verunfallten blieben. Ihn zu bewegen trauten wir uns nicht, da er eben so eigenartig verdreht aussah. Wenige Minuten später kamen eine deutsche Ärztin und einige Griechen angelaufen. Die Ärztin Untersuchte den Mann und drehte ihn um, woraufhin wir seine schlimmen Verletzungen sahen...er war genau mit dem Kopf auf einem Stein gelandet und hatte den Schädel gespalten. "Da ist nichts mehr zu machen. Er ist tot." Dann machte sie samt den griechischen Männern kehrt und auch unser Bekannter ging mit ihnen zurück zur Taverne. Da fiel mir ein anderer junger deutscher Mann auf, der meinte, das sei sein Freund und was denn los sei mit ihm. Da nur mehr mein Freund und ich anwesend waren, war ich es, die ihm sagte, daß sein Freund gerade verstorben sei. Daraufhin erzählte er mir ziemlich fassungslos, daß er bereits auf die Rückkehr seines Freundes gewartet hatte und sich schon fragte, wo er denn bleibt. Und so saßen wir dann da neben seinem toten Freund und begannen über ihn zu reden. Währenddessen bat ich meinen Freund einige Dinge für den jungen Mann zu übernehmen - irgendwie begann ich wie automatisiert organisatorische Angelegenheiten vorzuschlagen, vor allem, da ich auch merkte, wie hilflos mein Freund dasaß - auch er schien mir irgenwie dankbar, daß ich ihm eine Aufgabe gab um der eigenartigen Zeitlupenstimmung zu entfliehen. Er sammelte dann also die ganzen verstreuten Dinge aus dem Auto ein, suchte das Zelt der jungen Männer, packte die Rucksäcke und trieb die Telefonnummer der deutschen Botschaft auf. Nach etwa einer Stunde entfloh auch er der Situation und ging zur Taverne zurück. Ich verblieb inzwischen bei dem Freund des Verunfallten und sprach und schwieg mit ihm. Wir setzten uns nach einiger Zeit auf seine Bitte hin ein wenig abseits des Leichnams, da der Geruch der Körperflüssigkeiten eine eigenartig beklemmende Stimmung hervorrief. Wir saßen im Sand und blickten aufs nächtliche Meer hinaus. Er erzählte mir, daß er seinen Freund hierher nach Kreta mitgenommen hatte um ihm genau diesen einen Strand zu zeigen, weil dies der Ort war, an dem er selbst eines Tages gerne sterben würde so schön wie es hier war. Sie hatten etwa eine Stunde vor dem Unfall gerade über dieses Thema gesprochen. Ironischerweise traf dieses Los seinen Freund (gerade erst 23 Jahre alt) und das belastete ihn schwer. Ich versuchte ihm die Schuldgefühle zu nehmen - ich weiß jedoch nicht mehr, was genau ich damals zu ihm gesagt habe. Ich weiß jedoch noch, daß er irrsinnige Angst hatte, wie es weitergehen würde und, was die Eltern seines Freundes zu ihm sagen würden und wie der Freundeskreis reagieren würde. Etwa nach zweieinhalb Stunden kam der Rettungswagen und die Polizei. Erstere nahmen den Verunfallten mit, und die Polizei den jungen Mann um ihn zu befragen. Da verabschiedeten wir uns.
Ich ging dann auch zurück und steckte meine Adresse noch ins Gepäck der jungen Männer, das noch in der Taverne stand.
Etwa zwei Monate Später bekam ich einen Brief. Der junge Mann schrieb mir, wie die Sache weiterverlief. Während er den Eltern des verstorbenen Freundes noch half einige Dinge zu organisieren (Wohnung ausräumen, Auto verkaufen...) mußte er sich mit schlimmen Vorwürfen aus dem gemeinsamen Freundeskreis quälen. Die meisten der Bekannten hatten sich von ihm abgewendet. Aber er bedankte sich bei mir für die gemeinsame Zeit, in der ich mit ihm gesprochen und geschwiegen habe und mit ihm gewartet hatte. Er sei einfach froh gewesen, daß jemand da war, obwohl alle anderen damals am Strand einfach gegangen waren.
Ich muß sagen, auch, wenn ich hier dem Verunfallten nicht mehr helfen konnte, so war ich froh, daß ich seinem Freund eine Hilfe sein durfte. Ich muß auch sagen, daß auch ich froh war, diese zweieinhalb Stunden mit ihm zu verbringen und aufs Meer hinauszuschauen. Ich bekam dadurch einen kleinen Einblick in das Leben des Toten und was er für ein Mensch war. So bekam dieser in meiner Erinnerung eine lebendige Gestalt und ist nicht nur als entstellter Leichnam in meinem Gedächtnis gespeichert. Vielleicht ist das mein Schlüsselerlebnis...
So, das war jetzt eine lange Antwort - ich hoffe, das hat nicht den Rahmen gesprengt. LG Irene
Vorab möchte ich Dir sagen, das Deine Zeilen keineswegs den Rahmen sprengen, :O). Dann möchte ich Dich jetzt auch in Deiner Entscheidungsfindung begleiten, wenn ich darf, indem ich Dir für Dich jetzt hier einige Grundsätze der Sterbebegleitung aufführe, welche Dir helfen mögen, das sich für Dich in Dir ein klareres Bild entsteht und sich Dein Wunsch, in der Sterbebegleitung tätig zu werden, herauskristallisiert und bewusst formt. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt auch persönlich auf Deine Zeilen antworten, möchte aber diese Zeilen vorausschicken,:O). Ich bitte Dich, dies als nicht unhöflich zu empfinden,:O), denn so ist es von mir in keinster Weise gemeint,:O)
Die zwölf Rechte der/des Sterbenden
Das Recht, als lebender Mensch behandelt zu werden und sich ein Gefühl der Hoffnung zu bewahren, egal, wie subjektiv diese Hoffnung auch sein mag. Das Recht, Gedanken und Gefühle zum Thema Tod auf seine Weise zum Ausdruck zu bringen. Das Recht, an allen die eigene Pflege betreffenden Entscheidungen teilzuhaben. Das Recht, von mitfühlenden, sensiblen und kompetenten Menschen gepflegt zu werden, die sich bemühen, die Bedürfnisse der/s Kranken zu verstehen. Das Recht, den Prozeß des Todes zu verstehen und auf alle Fragen ehrliche und vollständige Antworten zu bekommen. Das Recht, Trost in geistigen Dingen zu suchen. Das Recht, körperlich schmerzfrei zu sein. Das Recht der Kinder, am Tod teilzuhaben. Das Recht zu sterben. Das Recht, friedlich und in Würde zu sterben. Das Recht, nicht einsam zu sterben. Das Recht, zu erwarten, daß die Unantastbarkeit des Körpers nach dem Tod respektiert wird.
Ehrenamtliche Hospizhilfe (Qualifikationen):
_ Empathie (ich bin bereit die Welt mit den Augen des anderen zu sehen _ Patientenwünsche akzeptieren (möchte sich ein Patient heute nicht waschen, so sollte man das akzeptieren) _ Flexibel sein (auf Patientenwünsche einstellen) _ Teamfähig sein (ganzheitliche Betreuung kann nur gewährleistet werden, wenn alle Beteiligten ein Team bilden) _ Offen für Veränderungen _ Ich muss über mein eigenes Sterben nachdenken
Merksätze für die Begleitung am Sterbebett
Nähe spürbar machen. Nähe hat Sinn und macht sinnlich. Wir sollten uns als Begleiter/in mit allen unseren fünf Sinnen (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmek-ken) dem Sterbenden zugänglich machen.
Aktiv zuhören. Hinhören, Einfühlen und Verstehen schafft Nähe und Begegnung, die Hilfe ermöglicht. Wir sollten uns immer vergewissern, ob wir den Sterbenden richtig verstanden haben, denn es besteht die Möglichkeit, dass wir in unserer eigenen Vorstellungswelt hängen geblieben sind.
Mit Achtung und Ehrfurcht handeln. Die Persönlichkeit des Sterbenden muß akzeptiert werden. Seine Not und Hilflosigkeit gehören ihm. Wertschätzung und würdevoller Umgang leiten unser Handeln.
Die Autonomie des Sterbenden wahren und gewährleisten. Wir dürfen nie an seiner Stelle handeln, sondern immer mit ihm, denn er weiß, was ihm gut tut und was er braucht. Das Gesetz des Handelns liegt bei ihm. Ihm muss geholfen werden, damit er es wahrnehmen und ausüben kann.
Gefühle zulassen. Gefühle sind Informationen, die aus dem Inneren kommen, und diese braucht niemand fürchten. Eigene Gefühle und jene des Sterbenden sind ernstzunehmen.
Die Umwelt des Sterbenden beachten. Sie soll einbezogen werden in die Begleitung. Der Sterbende muss sich von ihr lösen können und seine Umwelt muss von ihm Abschied nehmen. Das Loslassen fällt den Angehörigen oft schwerer als dem Sterbenden. Auch sie brauchen Hilfe und Unterstützung.
Klar sein. In allen Gefühlen, Gesten und Worten, damit der Sterbende weiß, woran er ist.
Zeit haben und Ruhe vermitteln. Das Hier und Jetzt am Sterbebett verträgt nicht die Geschäfte von vorher und nachher. Oft braucht es nicht mehr als die Gegenwart eines Menschen in Ruhe und Gelassenheit. Die eigenen Grenzen im Nehmen und im Geben als Helfende erkennen und damit umzugehen wissen, wenn wir hilfreich sein wollen.
Begleiter/innen wissen nicht alles. Besserwisser haben am Sterbebett nichts verloren. Helfen braucht Demut.Wer hilft, muß sich helfen lassen können - auch und gerade von jenen, die seiner Hilfe bedürfen.
Selbst loslassen können. Sich selbst einüben in die Erfahrung des Abschiedsnehmens und Loslassens, denn Sterbende dürfen nicht festgehalten werden.
Bitte eines sterbenden Menschen
Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören Und du beginnst, mir Ratschläge zu geben Dann hast du nicht getan, worum ich dich gebeten habe.
Wenn ich die bitte, mir zuzuhören und du fängst an, mir zu sagen, dass ich nicht so oder so fühlen soll, dann trampelst du auf meinen Gefühlen herum.
Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören Und du glaubst, du müsstest nun etwas unternehmen, um mein Problem zu lösen, dann machst du mich klein und schwach, so seltsam das auch klingt.
Hör mir zu! Alles, worum ich dich bitte Ist, dass du mir zuhörst. Nichts sagst oder tust, nur zuhörst!
Guter Rat ist billig. Für eine Mark zehn Porto kann man ihn Von jedem Briefkasten - Onkel Aus den Zeitungen beziehen. Ich kann alles für mich selber tun.
Ich bin nicht hilflos oder unfähig, bloß weil ich sterbend bin und Angst habe. Vielleicht bin ich mutlos und zaudernd, aber klein, nicht hilflos Wenn du was tust, was ich selber kann oder selber für mich tun müsste, dann trägst du zu meiner Unzulänglichkeit bei und vergrößert mein Leid.
Aber wenn du akzeptierst, dass ich fühle, was ich fühle, wie unpassend oder verrückt es auch sein mag, dann kann ich aufhören, Dich von der Richtigkeit meiner Gefühle überzeugen zu müssen und habe statt dessen Energie frei, herauszufinden, was sich hinter meinen Gefühlen verbirgt.
Und wenn das klar ist, sind meine Antworten auf meine Fragen offensichtlich und deutlich. Dann braucht es keinen Rat.
Bitte, höre mich und höre mir zu. Und wenn du dann erzählen willst, warte eine Minute. Dann bist du an der Reihe und ich werde dir zuhören.....
Und zu Deinem Anliegen Deines Eingangspostings:
In Antwort auf:.... wie die Arbeit im Bereich der Sterbebegleitung sich auf das Leben und Empfinden der im Hospizdienst Arbeitenden auswirkt.
hier ein Artikel dazu, welcher Dich interessieren wird,:O):
Danke für deine umfangreichen Zeilen. Den Link habe ich gestern schon entdeckt und gelesen - er ist sehr informativ und aufschlußreich. Ich bin sehr froh hierher gefunden zu haben...
Dann möchte ich, wie versprochen, auf Deine Zeilen von gestern eingehen,:O)
In Antwort auf:Was ich jedoch leidvoll erfahren mußte, war, daß ich leider nicht allen eine dauerhafte Hilfe sein kann...Menschen, die während unserer gemeinsamen Arbeit an der Station, aufblühten und gute Fortschritte machten, hatten mitunter Wochen oder Monate nachher schlimme Einbrüche, die mitunter zum Tod führten. Ich fühlte mich enttäuscht und wütend, vor allem aufgrund der Tatsache, daß ich nur vorübergehend Hilfe leisten konnte, sie jedoch nicht heilen konnte.
In der Sterbebegleitung ist es so, das Du hier erfahren wirst, das Du allen Menschen, welche Du betreust, Hilfe sein kannst im Beistand, Da-Sein und dem Begleiten, dem Mit-Gehen. Diese Menschen haben alle die tödliche Diagnose einer Krankheit, es gibt für sie keine kurative (heilende] Behandlung mehr, sondern nur noch eine palliative Betreuung und Pflege. Das Ende Deiner Begleitung und Betreuung ist immer der Tod.
Du wirst es auch hier in Einzelfällen erleben, das schwerstkranke und sterbende Menschen sich zwischenzeitlich mal besser und erholt fühlen, aber dieses ist nur zeitbedingt, denn die Krankheit, zu 90% Krebserkrankungen, schreitet weiter fort, auch durch fortschreitende Metatasierung, und die betroffenen Menschen sterben nicht am Krebs selbst, sondern an der Zerstörung und dem Versagen lebenswichtiger Organe, welche er befällt. Somit wirst Du auch hier immer nur eine zeitliche und vorübergehende Hilfe leisten können durch Dein mitfühlendes Begleiten und Deinem sich dem sterbenden Menschen zuwendenden Dasein. Du wirst auch hier enttäuscht sein, ja, sogar manchmal zornig werden, weil Du Deine Hilflosigkeit spürst, besonders, wenn zu einem Menschen, welchen Du betreust, Nähe in Form von Zuneigung entsteht.
Wichtig ist es in der Begleitung Sterbender, auf jedem Fall kein sogenanntes Helfersyndrom zu entwickeln. Sicherlich haben schwerstkranke und sterbende Menschen immer noch einen letzten Funken Hoffnung in sich, aber es ist grundsätzlich darauf zu achten, in allem zu ihnen Wahrhaft und Ehrlich zu sein, und ihnen nicht durch ein solch geartetes Syndrom falsche, unrealistische und unwahre Hoffnungen zu machen. Sterbende Menschen sind im Unterscheiden von Wahrheit und Floskeln sehr empfänglich und empfindlich, weil ihre Sinne im Sterbeprozess sehr sensibilisiert sind. Menschen mit einem übersteigerten Helfersyndrom werden nie das Vertrauen eines sterbenden Menschen finden, und zumal tun sie sich mit einem solchen selber nichts Gutes, denn durch das Anhaften und Anklammern an den sterbenden Menschen können sie diesen nicht loslassen und ihn gehen lassen. Auch hier ist das klassische Ausbrennen, der Burn-Out vorprogrammiert, und damit durch eine psychische und auch körperliche Überforderung der Weg eines Sterbebegleiters zumeist schon zu Ende.
In Antwort auf:Und da bei der Sterbebegleitung übermütige Hoffnungen der Genesung bereits durch die Tatsache des nahen Todes gedämpft werden, denke ich, daß ich bei dieser Form der sozialen Arbeit mich wirklich auf das Wesentliche konzentrieren kann, nämlich auf die Hilfe, die der Patient gerade in diesem Moment nötig hat.
Richtig ist es, mit dem sterbenden Menschen sein Sterben mitzugehen, für ihn da zu sein, ihn in seinen Wünschen und Bedürfnissen zu achten und zu respektieren, seine Würde und Autonomie zu wahren, einfühlsam, mitfühlsam, geduldig, verstehend und verständnisvoll auf ihn zu- und einzugehen, sich am Ende dieses kurzen gemeinsamen Lebensweges loszulassen und zu verabschieden. Anders geht es nicht, sonst ist Sterbebegleitung kein Begleiten, sondern ein Führen, und das nimmt einem sterbenden Menschen jede Würde und jedes Recht. Denn wie ein jeder Mensch die Würde und das Recht auf sein eigenes Leben hat, so auch auf sein eigenes Sterben und seinen Tod, weil dies zu seinem eigenen Leben gehört. Dies ist als goldene Regel zu achten, zu würdigen und zu respektieren.
In Antwort auf:Ich weiß nicht, habe ich da vielleicht falsche Vorstellungen?
Es ist gut, alle Vorstellungen aussen vor, sie wegzulassen. Du wirst hier im Forum durch Diskussionen mit uns wie auch in Artikeln die Informationen für Dich finden, welche Dir Deinen Wunsch für eine Tätigkeit in der Sterbebegleitung herauskristallisieren. Du musst für Dich selbst eine Grundüberzeugung finden, warum Du schwerstkranke und sterbende Menschen in ihren Tod begleiten möchtest, das ist die Grundlage, worauf alles Weitere aufbaut. Das Warum ist das Gerüst, welches alles Andere trägt, und das Haus baust Du durch Deine Tätigkeit und den damit verbundenen Erfahrungen in dieser Tätigkeit. Denn es gibt nicht die Sterbebegleitung, weil so, wie jeder Mensch ein Individuum ist, sein Sterben individuell ist. Das heisst, es gibt für Sterbebegleitung keine Liste eines pauschalen und allgemeingültigen Vorgehens, sondern es gibt anerkannte Richtlinien, aber in Deinen Begleitungen stehst Du immer wieder vor Entscheidungen in Deinem Begegnen schwerstkranker und sterbender Menschen. Natürlich stehst Du nicht grundsätzlich allein da, Du arbeitest ja in einem interdisziplinären Team bei einem Hospizdienst mit, wo auch Du selbst begleitet wirst in Deiner Tätigkeit. Diese Richtlinien, von welchen ich oben sprach, Deine Teamfähigkeit, werden Dir in einem Hospizkurs vermittelt, und dort schauen die Koordinatoren / innen und Kursleiter / innen, inwieweit Du Dich für eine Tätigkeit in der Sterbebegleitung eignest, das auch schon vorab durch persönliche Einzelgespräche mit ihnen.
Zuguterletzt möchte ich Dir sagen, das Dein Erlebnis, welches Du uns hier geschildert und erzählt hast, auf jedemfall ein Schlüsselerlebnis sein kann und auch ist,:O)
Danke für den Buchtipp. Ich werde mich nach diesem Buch umsehen - vielleicht kann man es übers Netz bestellen. Ich glaube, das könnte mir wirklich weiterhelfen.
Dein Schlüsselerlebnis könnte haargenau in unseren Dienst passen! Ich bin beim Notfallnachsorgedienst (NND) eine AG des RK`s, der Malteser, der Kirche und des Landratamtes! In anderen Bundesländern oder Kreisen ist der Dienst auch als Krieseninterventionsteam (KIT) bekannt.
NND ist: Krisenintervention, Notfallseelsorge, Erste Hilfe für die Seele und menschliche Begleitung. Der NND übernimmt die Betreuung von Menschen, die nach einem Notfallereignis unter starken seelischen Belastungen leiden oder unter akutem psychischem Schock stehen aber nicht medizinisch versorgt werden müssen. Dabei handelt es sich fast immer um Menschen, für deren Betreuung in der akuten Situation sonst niemand Zeit hat. Die wichtigsten Ziele liegen damit in den Bereichen Betreuung, Unterstützung und Entlastung der betroffenen Menschen. Einsatzmöglichkeiten: Nach erfolgloser Reanimation, normale Todesfälle, Selbsttötungen, plötzlicher Kindtod, Verkehrsunfälle, Überbringen der Todesnachricht und Großschadenseinsätze und je nach Region etwas individuell gestaltet!
Ich habe das hier in diesem Zusammenhang einfach mal erwähnt, nicht, um Reklame zu machen, sondern einfach mal als Denkanstoß! Wir haben keinen Kontakt zu den Sterbenden, sondern zu denen, die nun ihr Leben anders weiterleben müssen, durch den Tod eines Menschens.
Alles Gute, MSty!
Als Mensch zu den Menschen gehen, ... das ist eine Aufgabe!