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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Dieses Thema hat 19 Antworten
und wurde 16.366 mal aufgerufen
 Gebete
Seiten 1 | 2
Jana78 ( Gast )
Beiträge:

21.10.2005 21:36
#16 RE: Gebete mit und beim sterbenden Menschen. antworten
Wie das Wasser

Herr, lass mich sein, wie das Wasser ist!
Wasser ist völlig widerstandslos und überwindet doch den stärksten Widerstand.
Wie immer die Gestalt eines Gefäßes auch sein mag, das Wasser passt sich dieser Form an.

Und doch formt nichts anderes so intensiv wie das Wasser.
Denn es war das Wasser, das den Kontinenten die Form gab.
Wasser arbeitet, aber es strengt sich niemals an.

Es kann eine Mühle antreiben oder eine Stadt erleuchten, aber es wird niemals müde.
Wasser ist farblos.

Aber was ist ein Regenbogen anderes als Wasser?
Wasser ist geschmacklos, aber ohne Wasser würde nichts schmecken.
Wasser lehrt uns Demut, denn es sammelt sich stets am niedrigsten Punkt, und doch beugt sich selbst der Mächtigste zu ihm herab, um zu trinken.
Herr, lass mich sein wie das Wasser ist.
So formbar und so formend - und so demütig.


Jana78 ( Gast )
Beiträge:

21.10.2005 21:38
#17 RE: Gebete mit und beim sterbenden Menschen. antworten

Gebet eines älter werdenden Menschen

O Herr, du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.
Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.
Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.
Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch), hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein.
Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben – aber du verstehst, O Herr, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.
Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.
Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden.
Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.
Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.
Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.
Erhalte mich so liebenswürdig wie möglich.
Ich möchte kein Heiliger sein – mit ihnen lebt es sich so schwer -, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.
Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, O Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.

(Donna Teresa Maria Sanches de Cepeda y Ahumada (1515-1582), allgemein bekannt unter dem Namen Theresia von Avila)


Jana78 ( Gast )
Beiträge:

21.10.2005 21:39
#18 RE: Gebete mit und beim sterbenden Menschen. antworten

Gebet

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Ich bitte um Kraft für das rechte Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tageslauf bewusst wahrnehme, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte und Raum finde für Augenblicke der Stille.

Lass mich erkennen, dass Grübeln nicht weiterhilft, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft. Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.

Bewahre mich vor der Erwartung, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge und so genannte Rückschläge eine hilfreiche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

Schicke mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen und lass mich deine Wahrheit aus meinem Innersten hören.

Ich weiß, dass sich viele Probleme auch dadurch lösen können, dass ich nichts tue. Zeige mir, wo ich warten soll und gib mir die Geduld und das Vertrauen dazu.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschäft des Lebens gewachsen bin.

Verleihe mir die nötige Wachsamkeit, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte – mit oder ohne Worte – an der richtigen Stelle abzugeben.

Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die "unten sind.

Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Lass mich jeden Tag Dich in mir spüren. So können auch die anderen Dich durch mich erfahren und fühlen, dass Du in uns allen bist, bei jedem kleinen Schritt.

(nach Antoine de Saint-Exupéry)


Jana78 ( Gast )
Beiträge:

21.10.2005 21:40
#19 RE: Gebete mit und beim sterbenden Menschen. antworten

Hilf Herr!


HERR, ich bin krank und hilflos, abhängig von Ärzten und Apparaturen. Die natürliche Nahrungsaufnahme ist mir versagt, Flüssigkeiten und Schläuche müssen sie ersetzen.

Ausgeliefert bin ich, HERR, hungrig und durstig. Mir wird bewusst, wie lebensnotwendig das Stillen dieser Bedürfnisse ist, der Geschmack und die Gerüche, die mich vom Nachbarn erreichen. Dieses Gefühl, es nicht haben zu können, was bisher selbstverständlich war, schürt die Verzweiflung. Der Zorn nagt an mir. Warum.....?

Ich hadere mit meinem Geschick, und ich hadere auch mit Dir, HERR.

Sollte das etwas sein, wofür ich Dir dankbar sein soll, diese Wunde in mir? Wird die Wunde im Inneren heilen?
Ja, das ist das, worauf die Ärzte warten. Ich will still sein. Ich möchte spüren, wie DU HEILKRAFT wirkst in mir.

Du bist ja da, und ich bin nicht allein. Mein Hunger und mein Durst sind groß, sie sehnen sich nach Erfüllung.

Fülle meine dürstende Seele, HERR, mit deinem Frieden, dass ich spüre, dass nur Du Erfüllung schenkst und mir Fülle schenken möchtest.

Ich bin ganz leer, Herr, du darfst mich erfüllen. Ich danke Dir, dass Du es tust, dass meine Abhängigkeit von dir mir Deine Liebe garantiert.

(Johanna Arlt)


Jana78 ( Gast )
Beiträge:

21.10.2005 21:40
#20 RE: Gebete mit und beim sterbenden Menschen. antworten

An unerträglichen Tagen


Herr, mein Gott, es gibt Tage, an denen alles versandet ist:
die Freude, die Hoffnung, der Glaube, der Mut.
Es gibt Tage, an denen ich meine Lasten nicht mehr zu tragen vermag:
Meine Krankheit, meine Einsamkeit, meine ungelösten Fragen, mein Versagen.
Herr, mein Gott, lass mich an solchen Tagen erfahren, dass ich nicht allein bin,
dass ich nicht durchhalten muss aus eigener Kraft,
dass du mitten in der Wüste einen Brunnen schenkst
und meinen übergroßen Durst stillst.
Lass mich erfahren, dass du alles hast und bist, dessen ich bedarf.
Lass mich glauben, dass du meine Wüste in fruchtbares Land verwandeln kannst.

(Sabine Naegeli)


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