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 Krankenpflege
Ahasveru Offline

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Beiträge: 6.581

18.01.2006 11:12
Dekubitusprophylaxe antworten

Dekubitusprophylaxe
aus PflegeWiki, der freien Wissensdatenbank

Alle Maßnahmen zur Vorbeugung eines Druckgeschwüres oder : (Dekubitus-Prävention)

Grundsätzliches Herangehen


1. Feststellen des Gefährdungsgrades
2. Maßnahmen planen und vorbereiten
3. Neben einander oder nach Standard abgestuft
* Informieren und Zustimmung gewinnen
* Mobilisieren
* Lagern
* Hilfsmitteleinsatz
* Hautpflege

Feststellen des Gefährdungsgrades

Die Feststellung des Gefährdungsgrades erfolgt anhand einer Skala (z.B. Nortonskala oder moderner Bradenskala). Dekubitus -skalen sind Risiko-Einschätzungsskalen, um danach (d. h. je nach Ergebnis) in der Pflegeplanung notwendige Prophylaxen vorzusehen. Vgl. auch Maßnahmen in der Pflegeplanung bezüglich ihrer Bestimmtheit. Damit ist die Beratung über Vorbeugungsmöglichkeit zwanglos zu verbinden. Auch die Vorgeschichte von Hautschädigungen wird hierbei erhoben. Vgl. hierzu auch Pflegeanamnese, ärztl. Anamnese.

Der Gefährdungsgrad (auch dass kein Risiko mehr vorliegt) sollte in der Patientenakte vermerkt werden, damit alle mit dem Patienten befaßten Pflegekräfte den gleichen Informationsstand haben und die Intensität ihrer Bemühungen daran orientieren können.

Mobilisation

*
o krankengymnastische Übungen: passiv oder aktiv

(Mindestzeitdauer pro Körperteil beachten) - Verordnung an physiotherap. Fachkraft oder unter deren Anleitung durch Pflegeperson

*
o Anhalten zum eigenständigen Verlassen des Betts und zur Bewegung. Evtl. Begleitperson zur Sicherung.

*
o Auch das Lagern (s. u.) oder Massagen/Hautpflege kann für das Organ Haut ähnlich protektive / schützende Wirkung haben wie Aufstehen, Gehen, Lagewechsel. Nämlich vorübergehende Durchblutung der sonst unterbundenen Arteriolen eines Hautbezirks.

Lagerung und Hilfsmitteleinsatz

im Prinzip gibt es dafür 3 Arten:

1. Freilagern
2. Weichlagern
3. Umlagern

In der professionellen Pflege sollte man sich dazu einen Lagerungsplan erstellen. Er ist Teil als Teil der indivuduellen Pflegeplanung Teil der Pflegedokumentation (Konsequenzen: Aufbewahrungspflicht, Lesbarkeit, evtl. Aktualisierungen, Namenskürzel).

Als Anfangsrhythmus haben sich zunächst Lagewechsel nach 2 Stunden bewährt. Allerdings kann die Krankenbeobachtung einen häufigeren oder einen selteneren Wechsel begründen.

Freilagern

Kissenlagerung, ober- und unterhalb der gefährdeten Stellen, z.B. Fersen oder Steißbein Spezialkissen, die an der gefährdeten Stellen, eine Öffnung haben/erhalten. Z. B. Waffelkissen, Antidek.matratze mit Luftkammern

Weichlagern

* Weichlagerung oder Superweichlagerung auf Antidekubitusmatratze
* Lagerung auf Wechseldruckmatratze
* Kissenlagerung, ganzer Körperteile - dabei Vorsicht Gefahr ( ! ), dass das Körperschema verloren geht. Das Bewußtsein der Lage aller Körperteile ist ohne sensorische Reizung relativ schnell verloren. Damit fehlt der Person eine wichtige Motivation zur Eigenbewegung.

Umlagern

* häufige Veränderung der Lage des Patienten nach Lagerungsplan (z.B. alle 2h im Wechsel: li. Seite, re. Seite, Rückenlage, Heraussetzen und zurück, li. Seite, re. Seite, Rückenla... u.s.w. )
* bewegungsunfähige Patienten müssen spätestens alle zwei Stunden schonend umgelagert werden (intermittierende Lagerung). Zeigen sich Hautrötungen, müssen die Intervalle verkürzt werden.

Für die intermittierende Lagerung hat sich folgender Turnus bewährt:

* Rückenlage
* rechte Seitenlage 30%
* Rückenlage
* linke Seitenlage 30%
* Bauchlage (wenn möglich und akzeptiert; auf Bewegl. des Schädels achten)
* Sitzen (wenn möglich)

Hautpflege

* für eine gute Durchblutung des Gewebes sorgen
* Hautpflege mit ph-neutralen Seifen, Salben oder Ölen, bzw. verordneten Präparaten
o sorgfältige Körperpflege
o Einreibung mit pflegenden (rückfettenden) oder schützenden Hautcremes
o Hautpflege nur mit Ö/W Präparaten, keine Salben, Pasten, Puder, Seife etc.
o die Haut sollte mindestens einmal täglich inspiziert werden
* eiweißreiche, vitaminreiche, ausreichende Ernährung, Reduktionskost, genügend Flüssigkeit
* Mikrobewegungen, dokumentiert im Lagerungs- und Bewegungsplan
* Ausreichende(mind.2l)Flüssigkeitszufuhr
* Hautbeobachtung/Dokumentation

Tipps zur Durchführung

* Patient über die Hilfsmittel informieren
* alle Hilfsmittel mit Bezügen versehen (Felle nicht)
* immer zu zweit arbeiten
* bei Bewußtlosen und Gelähmten beginnt jede Umlagerung mit der Kopflagerung
* Schmerzen verhindern
* auf Sonden, Katheter und Infusionssysteme achten
* Wasserkissen mit 37-39 Grad Celsius warmes Wasser füllen
* vor, während und nach der Umlagerung Vitalzeichenkontrolle
* Gelenke frei in physiologische Stellung lagern
* Seitengitter bei Seitenlage anbringen
* Klingel in erreichbarer Nähe

Pflege- und andere Fehler

* zu lange Lagerungsintervalle
* ungünstige Druckverteilung durch fehlerhafte Lagerungstechnik
* nicht straff gezogene Bettücher (wenn keine Spezialmatratze darunter liegt)
* nicht atmungsaktives, aufsaugendes Lagerungsmaterial
* die umgebende Haut druckbelastende Lagerungshilfsmittel wie Luftringe, zu feste Fußstütze
* die Haut austrocknender Alkohol (z.B. Frantzbranntwein ohne Öl)
* hautbelastende Puder ( ??? )
* kapillarverengende Kältepackungen

Lagerungshilfen

* Antidekubitus-Matratze (Wechseldruckkissen)
* Felle (Natur / synthetisch) ->umstritten
* Fellkappen für Ellenbogen und Fersen ->umstritten
* Schaumstoffunterlagen oder Matratzen
* Lochmatratzen gefährlich
* Wasserkissen (37-39 Grad Celsius)Umstritten
* Emulsions- oder Gelkissen
* Ulmer Lagerungsset (Polystyrol-Schaumstoffkugeln)
* Lagerungskissen
o Hirsekissen
o Spreukissen ( ?? )
o Roßhaarkissen
o Schaumstoff-auflage-keil

Heilmittel-Liste für die ärztl. Verordnung (bitte geeigneten Link suchen)

zur besonderen Beachtung

Dekubiti lassen sich durch entsprechende pflegerische Maßnahmen fast immer verhindern. Bei Entstehung eines Dekubitus gilt als berechtigter Anfangsverdacht eine fehlerhaft durchgeführte Pflege = Körperverletzung bzw. Vernachlässigung Pflegebedürftiger (StGB). Muß durch Dokumentation der ergriffenen Maßnahmen ausgeschlossen werden. Sonst Beweislastumkehr.

Die beste Prophylaxe ist die aktive Mobilisation der kranken Person. Ist dies nicht möglich, müssen die Risikofaktoren rechtzeitig erkannt werden.

Für vorbeugende Maßnahmen müssen pro Tag im Durchschnitt etwa 30 Minuten bzw. Euro 5,00 ( ??? ) angesetzt werden. Die Behandlung eines Dekubitus nimmt mehr als die doppelte Zeit (ca. 70 min.) und kostet fast das Zwanzigfache.

Außer den erheblichen Schmerzen für den Patienten und der Mehrbelastung des Pflegepersonals, zeiht ein Dekubitus meist auch eine verlängerte Krankenhausverweildauer nach sich.

Nicht zuletzt können auch rechtliche Konsequenzen entstehen, wenn nachweislich fehlerhaftes oder nachlässiges Verhalten an der Entstehung eines Dekubitusses beteiligt waren. Strafe, Schadensersatz, Schmerzensgeld. Außerdem moralische Verantwortlichkeit und schlechte Werbung für die Einrichtung (als Negativ-Image).


* Kälte-Wärme-Reiz (Fön/Eiswürfel) ist nach dem heutigen Wissensstand absolut kontraindiziert, da die Hautkapillaren eher verengt als erweitert werden und die Infektionsgefahr bei vorhandenem Dekubitus steigt.


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