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Dekubitus aus PflegeWiki, der freien Wissensdatenbank Entstehung Ein Dekubitus (von lat. decubare=liegen, früher auch Ulcus per decubitum=Geschwür durch Liegen genannt) ist eine Wunde = (altertümlicher Ausdruck dafür) ein Druckgeschwür, das u.a bei lang anhaltender Druckeinwirkung entsteht. Der Volksmund spricht vom "sich wund liegen". Durch den Druck auf die kleinsten Blutgefäße (Kapillaren) werden Zellen nicht mehr mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Sie sterben je nach Dauer der Druckeinwirkung und Größe des Gebiets ab. Zunächst sieht es aus wie ein Sonnenbrand, dann wie eine Schürfwunde, evtl. wie eine Brandblase. Bei längerer un- oder falsch behandelter Wundentsteheung auch wie eine tiefe eitrige Wunde. Der Zeitfaktor Bei manchen Personen genügt ein regungslos verbrachter Nachmittag im Lehnstuhl oder eine 2stündige OP. Dort wo sich jemand noch minimal selbst bewegt kann die Entstehung sich auch über mehrere Tage ankündigen (Stadium 1 ). beeinflussende Faktoren * mangelnde Durchblutung * mangelnde Eiweißzufuhr * Mangelernährung * Exsikkose * der Zustand der Haut, * der Allgemeinzustand und die Mobilität (Beweglichkeit) des Patienten * zusätzlich Reibung, Scherkräfte und Feuchtigkeit, die auf die Haut einwirken (Vorsicht z.B. bei Gipsverbänden). Häufigkeit Die Häufigkeit von Dekubitalgeschwüren in der BRD (Prävalenz und Inzidenz) waren bis 2005 relativ unklar. Auf Grund des bisher lückenhaften Wissens über die Häufigkeit und die Begleitumstände von Dekubitalgeschwüren zuhause bzw. in normalen Altenheimen (wissenschaftlich „… in relativ unselektierten Kollektiven“) erhob der Medizinische Dienst im Jahr 2003 im Rahmen der Pflegebegutachtung dazu regionale Daten. Quelle s. u. Literatur Reus u. a. Bei 97 622 Patienten, aus häuslicher Umgebung und 32 059 Patienten aus Pflegeheimen waren bei 3,2 % bzw. 6,4 % Dekubitalulzera verschiedener Schweregrade vorhanden. Es ergaben sich Hinweise, dass in beiden Gruppen Defizite im Bereich der evidenzbasierten Dekubitusversorgung und Prophylaxe vorhanden sind. Und im Krankenhaus? Das Institut für Medizin-/ Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft, 10117 Berlin (Dassen u. a.), hatte 2001 eine Erhebung zum Problem Dekubitus an elf Krankenhäusern, überwiegend in Berlin, durchgeführt. Das Resultat für diese Kliniken waren 12% bis 40% ( in einem Fall sogar über 50%). Da diese Unterschiede sich nicht aus den Variationen in den Patientenmerkmalen erklären ließen, lag der Verdacht auf unzureichende Prophylaxe nahe. Allerdings war diese Studie nicht repräsentativ. Wahrscheinlich nicht einmal repräsentativ für die Krankenhäuser um/in Berlin. Einteilung / Schweregrade 1. Grad: * Es ist ein scharf umgrenzter roter Fleck zu erkennen, welcher sich nicht per Fingerdruck "wegdrücken" lässte. * Bei kontinuierlicher Druckentlastung verschwindet die Hautrötung nach einigen Stunden bis Tagen. 2. Grad:
* die oberflächlichen Schichten der Haut sind bereits geschädigt. * Man sieht eine Hautabschürfung oder Blase. * Beim Aufplatzen dieser Blasen entsteht eine nässende, sehr infektionsanfällige Schädigung der Epidermis und der Dermis. 3. Grad: * bereits alle Hautschichten und große Teile des unter der Haut liegenden Bindegewebes sind zerstört. * Abgestorbenen Hautzellen bilden eine schwarze, sogenannte nekrotische Schicht, welche nach einer gewissen Zeit aufbrechen kann. * Man sieht eine tiefe Wunde. * Muskel- und Knochengewebe sind aber noch intakt. 4. Grad: * Mitbeteiligung des Knochens (die Wunde ist so tief, dass der Knochen betroffen ist) - Beteiligung bedeutt dabe i bereits das Freiliegen des Knochens. * Nekrosenbildung (abgestorbenes Gewebe) . - Das Auftreten dieses Symptom ist fakultativ - nicht unbedingt für die Definition des 4. Grads notwendig. * Das Knochengewebe weist nun eine Entzündung, Osteomyelitis, auf. gefährdete Körperstellen Grundsätzlich kann sich an jeder Stelle des Körpers ein Dekubitus entwickeln. Nun treten Druckgeschwüre nicht an allen Körperregionen, auf die Druck einwirkt, gleichmäßig oft auf. Dies ist damit zu erklären, daß der Druck vom Unterhautfettgewebe auf eine größere Fläche verteilt und damit abgeschwächt wird. Ein Fettpolster von 2 cm Dicke reduziert die Druckwirkung um etwa 50%. Körperstellen, an denen Knochen der Haut unmittelbar anliegen, sind besonders dekubitusgefährdet. Diese Regionen tolerieren nur etwa 10% des Druckes anderer Areale. * Hinterkopf * Stirn * Ohrmuschel * Wirbelsäule * Schultern * Ellbogen * Rippen * Kreuz-, Steiß-bein, * Trochanter Major * Beckenknochen * Kniescheiben * Ferse * Fußknöchel * Zehen Außer an den oben genannten Körperstellen sind Körperstellen, an denen Haut auf Haut liegt, besonders gefährdet: * Achselhöhle * weibliche Brust * Ellenbeuge * Bauchfalten * Leistenbeuge * Gesäßspalte * Kniekehle * Finger * Zehen Behandlung Ernährung Patienten mit Dekubitalulcera benötigen eine spezielle Ernährung. Der Bedarf an Energie, Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen steigt beträchtlich an. 1. Energiebedarf * der Grundenergiebedarf liegt bei ca. 24 kcal pro Kilogramm Körpergewicht / Tag * bei einem Dekubituspatienten steigt der Energiebedarf auf 30-35 kcal pro Kilogramm Körpergewicht / Tag 2. Protienbedarf * Der Grundbedarf entspricht 0,8 g Proteine pro Kilogramm Körpergewicht / Tag * Bei Dekubituspatienten steigt der Eiweißbedarf auf 1,2 - 1,5 g pro Kilogramm Körpergewicht / Tag 3. Vitamine * wichtige Vitamine sind A, C, E 4. Mineralstoffe * Zink, Selen Wundbehandlung * pflegerisch: in der Regel ein Verbandwechsel. * medizinisch: chirurgische Ausräumung, evtl. Abdeckung. Medizinisch Infektionsprophylaxe bzw. -behandlung. Die Wundbehandlung ab Grad 3 * Die Frage nach dem Warum steht am Anfang. Welche Risikofaktoren hat der Betroffene, hat es akute Zustandsveränderungen gegeben, welche prophylaktischen Maßnahmen wurden eingesetzt und welche Wirkung haben sie erzielt. * Die Wunde muss genauestens beobachtet und dokumentiert werden. Dazu eignen sich spezielle Wunddokumentationsbögen und Fotos mit Grössenvergleich z.B. durch das Mitfotographieren eines Zentimetermasses. 1. Größtmögliche Druckentlastung ist das erste Prinzip, 2. die Wundbehandlung das zweite, 3. die Bekämpfung der Risikofaktoren das dritte, 4. Motivation und Mitarbeit des Betroffenen und seines Umfeldes das vierte 5. die Koordination der Maßnahmen nach aktuellen Richtlinien das fünfte. vollständige oder vorübergehende Druckentlastung * 3 Möglichkeiten stehen zur Verfügung o die absolute Druckentlastung durch Hohllagerung gefährdeter Körperpartien o die Vergrösserung der Auflagefläche durch Weichlagerung o die zeitweise Druckentlastung durch Wechsellagerung (30 Grad) Der Merksatz: "... du darfst alles auf einen Dekubitus tun, nur nicht den Patient ! " hat zwar einen positiven Anteil, bezeichnet aber auch ein häufiges Problem: Wir wissen nicht was der freundliche Tankwart empfiehlt, wir empfehlen bei Dekubitus Honig mit Mercurochrom und Franzbrandwein in Form von Eiswürfeln, weils immer schon gut war. Die Therapie eines Dekubitus muss nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgen, wir behandeln ja auch Kopfschmerzen nicht mehr mit einem Aderlass. Als Anfangsrhythmus haben sich zunächst Lagewechsel nach 2 Stunden bewährt. Allerdings kann die Krankenbeobachtung einen häufigeren oder einen selteneren Wechsel begründen.
Als Lagewechsel kommen 30 Grad zu beiden Seiten, das Heraussetzen oder Mobilisieren, aber auch die Bauchlage in Betracht. Komplikationen * septische Körpertemperaturen - generalisierte Sepsis (Wenn sie auftritt eine häufige Todesursache) * Schmerzen, Schmerzen , Schmerzen. Obwohl es auch D. ausnahmsweise ohne Schmerz gibt. * Schädigung der Muskulatur * Entzündung der Knochenhaut (Periostitis) * Entzündung der Knochen (Ostitis) * Entzündung der Gelenke (Arthritis) * eitrige Entzündungen * Venenentzündung (Thrombophlebitis)
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