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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Wissenswertes zum Hospiz und zur Hospizarbeit
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Beiträge: 6.581

02.10.2005 17:08
Hospiz und Sterbebegleitung antworten

Hospiz und Sterbebegleitung
Autor: Birgit Häcker
Fachbereich: Pflegewissenschaften
Kategorie: Anderes
Institution: Evangelische Fachhochschule Ludwigshafen
Jahr: 2001
Archivnummer: K17657

Autorin: Birgit Häcker
Hospiz und Sterbebegleitung


,,Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Gesicht der Welt verändern."
Afrikanische Weisheit

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 22
2 Todesbild und Sterben in der heutigen Gesellschaft 22
3 Sterben in Deutschland 33
4 Die Geschichte der Hospizbewegung 55
5 Die Lebensgeschichte der Cicely Saunders 66
6 Die Hospizbewegung 88

6.1 Die Hospizphilosophie, Inhalte und Handlungsziele der Hospizbewegung 1010

7 Organisationsformen der Hospizeinrichtung 1313
8 Ehrenamtliche Hospizhilfe (Qualifikationen): 1414
9 Fazit 1717
10 Literaturverzeichnis 1919


Einleitung

Sterben und Tod rühren an die Grundmauern unseres Selbstverständnisses, unserer Kultur und unserer Gesellschaft. Abgedrängt in Krankenhäuser und Altenheime, wird die Endlichkeit menschlichen Lebens immer weniger wahrgenommen. Welchen Beitrag leistet die Hospizbewegung gegen diese Entwicklung?

Die Hospizidee hat die Welt erobert und ein revolutionäres Umdenken über Tod und Sterbebegleitung eingeleitet. Hospiz, ist nicht ein Gebäude, sondern Einstellungen und Fähigkeiten, mit denen wir Sterbenden erst wirklich als Menschen begegnen können. Jeder, der sich darauf einlässt, Sterbende zu begleiten, muss sich den Fragen nach den Grundlagen seiner Arbeit stellen. Die spirituelle Grundüberzeugung ist, dass mit dem Tod mehr weitergeht als nur die Erinnerung. Eine Brücke zu bauen in diese andere Wirklichkeit, den Tod zu umarmen und die Kunst des Sterbens neu zu leben soll auf kreative Weise für viele ermöglicht werden.

In unserem Referat beschäftigen wir uns mit dem Stellenwert und den Leistungen der Hospizbewegung in der heutigen Gesellschaft.

2 Todesbild und Sterben in der heutigen Gesellschaft

Blick in die geschichtliche Entwicklung und Wandlung des Todesbildes. Im Angesicht des nahenden Todes war der Mensch schon immer auf sich allein gestellt, da der Sterbeprozess nur von ihm selbst erfahren werden kann. Im Gegensatz zum einsamen Sterben heute starb der Mensch in den vergangenen Jahrhunderten jedoch nicht allein. Vielmehr war das Sterben und die damit verbundene Sterbezeremonie eine öffentliche Angelegenheit. Das sterben blieb in die familiären und gesellschaftlichen Strukturen integriert.

Im 20 Jahrhundert, wird der Tod zunehmende Sache der Angehörigen, die dazu neigen, den Sterbenden zu schonen, indem sie ihn täuschen und ihm die Schwere seines Zustandes verheimlichen. (Grund: die fehlende Akzeptanz des ,,Todes des Anderen"). Es wird von der Bestrebung überdeckt: ,,.. nicht mehr dem Kranken, sondern der Gesellschaft, der Umgebung selbst die Belästigung und die allzu starke, unerträgliche gefühlsmäßige Belastung zu ersparen, wie sie die Widerwärtigkeit des Todeskampfes und die einfache Präsenz des Todes inmitten des vollen Lebens mit sich bringt..." . Es wird also versucht den Tod ganz aus dem gesellschaftlichen Leben fernzuhalten. Der ehemals öffentliche Tod wird in unserer Gesellschaft zum ,,verbotenen Tod", zum Tabu. Ebenso verlagert sich das Sterben aus der Familie in öffentliche Institutionen.

3 Sterben in Deutschland

Wie passen Wunsch und Wirklichkeit zueinander? 40 % der Bevölkerung schätzen die Situation sterbender Menschen in Deutschland als einsam, anonym und unwürdig ein. Dagegen steht der Wunsch schnell, kurz und schmerzlos zu sterben, doch dies ist selten die Realität. Denn durch die steigende Zahl der Krebserkrankungen bleibt den Menschen eine gewisse Zeit (Monate bis Jahre) bis er stirbt. In dieser Zeit leidet er unter Symptomen wie Schmerzen und körperliche Schwäche. Er wird ins Krankenhaus eingewiesen, da er entweder alleine lebt oder seine Angehörigen mit dieser Situation überfordert sind. Hier erfährt er eine physische und soziale Isolierung, einen Statusverlust, eine Abhängigkeit und eine Unterwerfung. Seine Würde wird untergraben, er fühlt sich einsam und missverstanden. Doch die meisten sterben in Krankenhäusern und Altenheimen.

Doch das Personal ist dafür nicht entsprechend geschult und vorbereitet. Sie empfinden einen sterbenden Patienten oft als Niederlage. Die Folge ist der Ruf nach aktiver Sterbehilfe. Die Hospizidee ist die Antwort auf die große Lücke, die zwischen den Wünschen der Menschen und der Realität besteht. Denn bewusst und begleitet zu sterben ist hier möglich. Doch wie soll dies geleistet werden, wenn die Hospizidee noch zu wenig bekannt ist und auf Gegenwehr stößt? Kann die Palliativmedizin und die Hospizarbeit als Alternative zur aktiven Sterbehilfe in Deutschland stehen?


Die Zustimmung in

Deutschland wächst, so wurde im Juni 2000 von der Deutschen Hospiz Stiftung eine Umfrage gemacht, welche folgenden Ergebnisse aufweisen konnte:

Im Vergleich zu 1997 befürworten immer mehr Menschen Palliativmedizin und Hospizarbeit. Die Zustimmung zur aktiven Sterbehilfe nimmt ab. Die Zahl der Unentschlossenen sinkt. Dies ist ein Indiz dafür, dass auch die Bemühungen der letzten Jahre erfolgreich waren, das Recht auf ein menschenwürdiges Sterben durch Palliativmedizin und Hospizarbeit in Deutschland bekannter zu machen. Das bedeutet im Klartext: Menschen entscheiden sich gegen aktive Sterbehilfe, wenn ihnen allein schon eine menschenwürdige Alternative bekannt ist.

Doch gibt es bei dieser Fragestellung eine deutliches West- Ostgefälle, woraus sich die Notwendigkeit ableitet das Angebot und die Aufklärungsarbeit für die Palliativmedizin und Hospizarbeit in den neuen Bundesländern zu verbessern.

Signifikante Unterschiede zeigen sich auch bei der getrennten Betrachtung der Geschlechter. So stehen Frauen dem Einsatz von Palliativmedizin und Hospizarbeit mit 63,3% deutlich positiver gegenüber als Männern mit 50,3%. Dagegen befürworten die Männer die aktive Sterbehilfe mit 41 % eher als Frauen mit 30,1%.

Ein weiterer Umfrageschwerpunkt lag in Abhängigkeit des Alters. So beantworten 61,6 % der 18 bis 24-jährigen den Einsatz von Palliativmedizin/Hospizarbeit am positivsten, dagegen die aktive Sterbehilfe dieser Altersgruppe mit nur 31,3% am geringsten eine Zustimmung. Die größte Zustimmung der aktiven Sterbehilfe liegt bei den 25 bis 29-jähigen mit 46,5 %.

Eine weitere Fragestellung der Umfrage war die Abhängigkeit der Parteipräferenz für die Befürwortung der Palliativmedizin/Hospizarbeit und der Befürwortung zur aktiven Sterbehilfe. Die Zustimmung zur Palliativmedizin/Hospizarbeit fällt bei den Nichtwählern mit 59,1% am größten aus. Auch bei den großen Parteien SPD, Grüne und CDU/CSU ist die Zustimmung mit 58% recht hoch. Wobei sie bei der FDP und vor allem bei der PDS recht deutlich abfallen (44,7%). Dagegen fällt die Befürwortung zur aktiven Sterbehilfe bei diesen Parteien recht hoch aus. Die geringste Zustimmung dafür geben die Anhänger der Grünen.

4 Die Geschichte der Hospizbewegung

Das Wort ,,Hospiz" bedeutet laut Aussage des Fremdwörterlexikons ,,großstädtisches Gasthaus oder Hotel mit christlicher Hausordnung oder als zweite Bedeutung von Mönchen errichtete Unterkunft für Reisende oder wandernde Mönche im Mittelalter z. B. auf dem St.- Bernhard - Pass."

In Anlehnung an die mittelalterlichen Einrichtungen für Pilger welche auf ihrer Reise zum Ziel Unterkunft, Rast, Pflege und Stärkung suchten und diese in Herbergen bzw. Hospizen von kirchlichen Orden geführt fanden, bildeten sich um die Jahrhundertwende in Großbritannien, vor allem in London und Dublin, Häuser und Heime für unheilbar Kranke, in denen Sterbebegleitung geleistet wurde. Sinnbildlich sollte das Hospiz ein Ort sein, für Menschen am Ende ihrer irdischen Pilgerreise, an dem sie alles finden können um gestärkt ihren letzen Weg gehen zu können. Im Mittelalter wurden Sterbende mit Pilgern und Reisenden zusammen untergebracht, da das Leben nicht vom Sterben getrennt zu sehen war und sich jeder von ihnen auf einer Reise befand, auf der er einen Ort zum Anhalten und Ausruhen benötigte.

Mary Aikenhead gründete Mitte des vorigen Jahrhunderts in Dublin den Orden ,,Irische Schwestern der Barmherzigkeit", der sich der Pflege Sterbenskranker annahm. Sie praktizierte dies in ihrem eigenen Haus und gab ihm dem Namen Hospiz. Sie gründete noch weitere Heime, so auch in London das St. Joseph′s Hospice, in welchem auch Cicely Saunders arbeitete, welche Wegbereiterin der modernen Hospizbewegung ist.

London ist somit der Ausgangspunkt einer inzwischen weltweiten Bewegung, deren Anliegen es ist, den Sterbenden einen Platz unter den Lebenden einzuräumen. Hier wurde im Jahre 1967 das St. Christopher′s Hospice unter der Leitung von Cicely Saunders eröffnet. Die Anerkennung des Sterbenden als Mensch kommt in einem Zitat von Ihr zur Geltung: ,,Du zählst, weil du bist, wer du bist. Und du zählst bis zum letzten Moment deines Lebens".1

5 Die Lebensgeschichte der Cicely Saunders

Cicely Saunders wurde 1918 in London geboren, nach ihrem Schulabschluss beginnt sie Ihr Studium in Oxford mit den Fächern Politik, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften, welches Sie aber frühzeitig abbricht. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges entschied sie sich für die Krankenschwesterausbildung, doch sie arbeitet aufgrund von starken Rückenschmerzen nicht lange im Beruf und kehrt 1944 nach Oxford zurück um erneut ihr Studium wieder aufzunehmen. 1947 mit abgeschlossenem Grundstudium beginnt sie als medizinische Sozialarbeiterin am St. Thomas Hospital zu arbeiten. Sie kümmert sich vor allem um die Krebspatienten, dort reift Ihr Entschluss sich speziell für Sterbende einzusetzen. Doch zuerst fügt sie noch ein Medizinstudium an, welches sie im Jahre 1957 qualifizierend abschließt.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes untersucht sie als Einzige Schmerzen sterbender Patienten am St. Joseph′s Hospice. Dort reift ihr Entschluss bzw. versucht sie einflussreiche Persönlichkeiten für ihre Idee ein eigenes eingerichtetes Haus für Sterbende zu gewinnen. Die Idee kam ihr als sie bei ihrer Arbeit David Tasma kennen lernte, ein an Krebs unheilbar Erkrankten . Sie begleitete ihn in der Strebephase und sie träumten gemeinsam von einen Haus, in dem Menschen in Frieden und Würde sterben können. Er legte auch den Grundstock, indem er ihr 500 Pfund hinterließ mit dem Wunsch, ein Fenster in ihrem Haus zu sein. So wurde am 24. Juli 1967 das St. Christopher′s Hospice eröffnet, im Londoner Vorort Sydenham, welches Sterbenden und ihren Angehörigen ein gemeinsames Leben bis zuletzt ermöglichen soll. Cicely Saunders knüpfte mit der Namensgebung an die mittelalterlichen Traditionen an, um eine Assoziation mit einem Krankenhaus zu vermeiden.

Cicely Saunders gibt im Interview, welches im Buch ,,Brücke in eine andere Welt" veröffentlicht wurde, drei Grundprinzipien, die ihr durch die Begegnung mit David Tasma wichtig geworden sind.

_ Gedanke der Offenheit:
gegenüber der Welt, den Patienten und ihren Familien, untereinander, für das Jenseitige, für neue Herausforderungen
_ Ganzheit und Einheit von Herz und Verstand
_ Geistige Freiheit:
dem anderen absolute Freiheit lassen, seinen eigenen Weg zum Sinn finden.

Die Hospizbewegung, welche zu einer Wende im ,,unmenschlichen Umgang" mit Sterbenden betragen sollte, stieß zu Beginn auf großen Widerstand in der Gesellschaft. Erst allmählich entstanden zahlreiche Einrichtungen nach dem Vorbild aus England.

Die Hospizbewegung in Deutschland hatte es zunächst schwer. 1971 wird in Deutschland der im St. Christopher´s Hospice in London gedrehte Film ,,Noch 16 Tage...eine Sterbeklinik in London" ausgestrahlt, der zu Missdeutungen der Hospizidee und damit zur negativen Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber Hospizeinrichtungen führte. Der Film führte auch zu dem Begriff der ,,Sterbeklinik". Es vergangen mehr als 16 Jahre nach der Ausstrahlung des Filmes, bis 1983 die erste stationäre Hospizeinrichtung, die Station für palliative Therapie an der Universitätsklinik in Köln eröffnet wird.

1985 gründete sich der erste organisierte Hospizverein ,,Omega - Mit dem Sterben leben" und 1988 die ,,Deutsche Hospizhilfe".

6 Die Hospizbewegung

Am Anfang ging es in der Hospizbegleitung aber nicht nur um den Patienten, sondern schließt auch die Begleitung der Familie mit ein. Sie ist die Einheit, bei der die Sterbebegleitung ansetzen muss. ,,Den Mitgliedern der Familie soll die Gelegenheit gegeben werden, sich in diesen Wochen und Tagen untereinander auszusöhnen, voneinander Abschied zu nehmen und in dem, was geschieht, vielleicht sogar einen gewissen Sinn zu erkennen. Der Sterbende soll sich bis zuletzt seines Platzes in der Familie sicher sein können und die Chance haben, in ihr die Quelle der Kraft und der Geborgenheit zu finden."2

Die Hospizbewegung überwindet Grenzen in der Pflege von sterbenden Patienten und ihren Angehörigen, so sind die Grundsätze klar und deutlich. Keine kulturellen Unterschiede zu machen, jeden seine Religion ausleben zu lassen, keine Standesunterschiede, also ob arm oder reich, alle werden versorgt und haben einen Anspruch auf individuelle Hospizpflege. Für die Mitarbeiter im Hospizdienst stellt diese Aufgabe, eine enorme Anforderung, der sie gewachsen sein müssen. Sie sollten den sterbenden Patienten vor allem als Menschen begegnen können - als Menschen die ihr spezielles Fachwissen aber auch ihre besonderen Fähigkeiten einbringen können. Schmerzen und Leid mildern, Krankheit und Tod bekämpfen sind die Inhalte und Zielsetzung von pflegerischen Handeln.

Wo keine Heilung oder Besserung mehr zu erhoffen ist, werden die Pflegenden mit einem speziellen Auftrag konfrontiert. Der Wunsch der Patienten nach einem ,,schönen Tod" wird an die Ärzte, Pflegende und Angehörige herangetragen. Sterbende haben ein Recht auf Hilfe und Pflege, wobei sie neben der Schmerzbekämpfung vor allem pflegerischer Zuwendung große Bedeutung schenken.

An uns selbst stellt die Sterbebegleitung den Anspruch, dass wir ,,Leben" und ,,Sterben" nicht als gegensätzliche Begriffe betrachten, sondern unserem Sterben einen Platz in unserem Leben einräumen. Sterbebegleitung bedeutet , sich mit dem Sterbenden auf den Weg machen und dies sollte im Hospiz verwirklicht werden. Hospizarbeit sollte als Brücke in eine andere Welt dienen und so auch von den Mitarbeitern umgesetzt werden.

Ein Sterben in Würde, ist dies immer und überall möglich, stößt unsere Verständnis nicht an Grenzen, und wir sehen Sterbesituationen als unwürdig an. Welche Bedeutung hat für mich der Begriff Würde. ,,Wenn sich die Lebensqualität nicht mehr mit dem verbreiteten gesellschaftlichen Klischee von Jugendlichkeit, Selbstverwirklichung und Gesundheit deckt, wenn wir nicht mehr alles bekommen können, was wir uns wünschen, muss das Leben dann als würdelos bezeichnet werden? Ist das Leben nicht mehr lebenswert, wenn wir den Körper und unter Umständen auch Geist nicht mehr selbst kontrollieren können."3 Der Ruf nach Euthanasie wird laut und ist ja auch in einzelnen europäischen Länder legalisiert, wie zum Beispiel in Holland. Doch wie betrachtet man selbst das Sterben, gehört es nicht zum Leben dazu. Braucht man nicht die Zeit um mit seinem Leben Schluss zu machen, Unklarheiten zu klären, sich auszusöhnen. Viele Pflegende lehnen aktive Euthanasie ab, denn dort wo die therapeutischen Angebote versagen, eröffnet sich eine neue Perspektive für die Pflege. Die Würde und die Autonomie eines Menschen zu wahren und in persönlicher Zuwendung Begleitung zum Sterben anbieten.

Gerade in unserer Umbruchgesellschaft, wird es als moralische Herausforderung für die Pflege angesehen, mit neuen pflegerischen Konzepten zu reagieren. Multimorbide, ältere Menschen und die Auflösung von familiären Strukturen, wo Sterben zuhause nicht mehr möglich ist, hochtechnisierte Kliniken die mit der Sorge um Sterbende überfordert sind, erfordern ein Umdenken für die Pflege und nicht die rechtliche Legitimation von Euthanasie.

Es wurde erforscht, das Patienten welche mit genügend Schmerzmedikamenten therapiert werden, den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe zurücknehmen. So muss im Falle eines Sterbenden eine angemessene Schmerztherapie gewährt sein, damit er den Wert seines Lebens achten kann.

Sterben ist ein Teil des Lebens und Pflegende sind dem Leben verpflichtet, sie müssen deshalb bei aktiver Sterbehilfe ihre ethischen Konsequenzen ziehen, da sie ja dann Leben auslöschen. Im moralischen Sinne ist Menschsein immer Mensch werden, dort hat die Pflege neue Perspektiven, indem sie wo die Gesundheit nach physiologischen und psychologischen Aspekten nicht mehr möglich ist, das Menschsein fördern und bewahren. Die Pflege eröffnet Möglichkeiten des fairen und gerechten Handelns, wenn die Therapie hoffnungslos und unsinnig ist.

6.1 Die Hospizphilosophie, Inhalte und Handlungsziele der Hospizbewegung

Das Wesentliche der Hospizbewegung ist, dass der Mensch im Mittelpunkt aller Bemühungen steht und nicht seine Krankheit. Herr Student formuliert als Kernstück der Hospizbewegung die Erkenntnis, dass Sterben selbst keine Krankheit sei, sondern eine Zeit des Lebens mit durchaus eigenen Zielen und Wünschen.

Das Hospizkonzept ist ausgerichtet auf ganzheitliche Betreuung Sterbender unter Einbeziehung und Mitbetreuung der Angehörigen. In der Pflege werden psychische, spirituelle und soziale Aspekte berücksichtigt und die Erkenntnisse der modernen Medizin in das Betreuungskonzept miteinbezogen Hierbei beruht der medizinische Ansatz auf dem Gedanken der Palliativmedizin, also der Linderung der Beschwerden und nicht deren Ursachenbekämpfung.

Wesentlicher Aspekt ist auch, dass die Hospizfürsorge nicht auf eine Lebensverlängerung abzielt, sonder auf die Verbesserung der Lebensqualität. Die Lebensverkürzung durch aktive oder passive Sterbehilfe oder Selbsttötung wird jedoch rigoros abgelehnt.

Die National Hospice Organisation definiert:
,,Hospiz ist ein medizinisch ausgerichtetes Programm, dass viele Fachbereich in sich vereinigt. Das Ziel besteht darin, sterbenskranken Menschen und ihre Angehörigen eine fachgerechte Fürsorge zur Verfügung zu stellen, die es ihnen möglich macht, so bewusst wie möglich am Leben teilzuhaben bis zu dem Zeitpunkt, da der Tod eintritt. Das Hospiz ist dabei behilflich, das Auftreten von Not (physischer, psychischer, geistlicher, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Art), wie sie im Verlauf der Krankheit, des Sterbens und der Trauer auftreten kann, zu lindern".

Als zentrales Ziel beinhaltet diese Definition, es dem Sterbenden zu ermöglichen, bis zum Tod so bewusst wie möglich am Leben teilzunehmen.

Wir haben 8 Kernbedürfnisse erläutert:

_ Die Autonomie des Sterbenden zu achten, es ist absolut wichtig, den Sterbenden an allen ihn betreffenden Entscheidungen zu beteiligen und gemeinsam mit ihm Perspektiven für sein verbleibendes Leben zu suchen. Jeder Mensch erlebt seinen Tod in seiner ganz persönlichen Eigenart. Der Sterbende steht also als ,,ganzer Mensch" im Mittelpunkt allen Bemühens, nicht seine einzelnen Krankheitssymptome. Dies sollt uns dazu anregen auf individuelle Wünsche und Vorstellungen zu achten.

_ Leben bis zuletzt, der Hospizbewegung ist es zu verdanken, der Ausgrenzung von Sterbenden und Tod entgegengewirkt zu haben. Sterben ist ein Prozess und kein Zustand. Sterben bedeutet Leben und bedarf einer Fortsetzung dessen, was der einzelne als wesentlich für sich selbst empfunden hat. So gilt es, Lebensqualität herzustellen oder zu erhalten. (Lieblingsspeisen anbieten, persönliche Kleidung, eigene Pflegesubstanzen)

_ Im Sterben nicht allein gelassen zu werden, sondern an einem vertrauten Ort inmitten vertrauter Menschen zu sterben, Sterbende und angehörige in einem System betrachten, Sterbende und Angehörige bilden ein System, das einer eigenen Gesetzmäßigkeit unterliegt. Die Hospizidee will bewusst Angehörige integrieren, hat das System im Blick und will auch jeden Einzelnen in seinem je persönlichen Verlustschmerz begleiten.

_ Im Sterben nicht unter starken körperlichen Beschwerden leiden zu müssen (Palliativ - care)

_ Die Regelung letzter Dinge (unerledigte Geschäfte), Vermittlung von Diensten, (Finanzierungsfragen, Beschaffung von Hilfsmitteln, Bestattungsfragen etc).

_ Die Stellung nach der Sinnfrage (nach dem Sinn des Lebens und des Sterbens) und die Erörterung der Frage nach dem ,,Danach". Die bewusste Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens. Vom Sterbenden die Kunst des Lebens erlernen ist ein altes Kulturprinzip. Durch die Begleitung Sterbender werden Menschen sich ihrer Selbst bewusst. Sie lernen von Sterbenden im eigentlichen Sinn zu leben. Ein weiterer Aspekt ist die Klärung von Suizidgedanken. Es ist möglich dass eine schwere Krankheit die Lebensqualität eines Menschen so sehr vermindert, dass er nicht mehr weiter leben möchte (Wunsch nach Euthanasie).
_ Gewährung der Kontinuität der Betreuung (Das Hospizteam steht 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche und für hinterbliebenen auch in der Zeit der Trauer zur Verfügung)

_ Begleitung in spirituellen und religiösen Fragen (Seelsorger gehören zu jedem Hospizteam)

Das Hauptanliegen ist also das Wohlbefinden des Sterbenden und seiner Familie mit all seinen persönlichen Vorlieben.
7 Organisationsformen der Hospizeinrichtung

Grundsätzlich können vier Organisationsformen unterschieden werden:

_ Hospiz als unabhängige stationäre und ambulante Einheit
_ Hospiz als abhängige und ambulante Einheit in eine Klinik eingebunden
_ Hospiz als rein ambulant arbeitendes Team
_ Betreuungsteams, die nach den Grundsätzen der Hospizbewegung arbeiten und deren Hauptaufgabe in der beratenden Unterstützung von Institutionen und Einzelpersonen bei Fürsorge betroffener Familien besteht.

Rein ambulant arbeitende Teams betreuen und versorgen Sterbende in häuslicher Umgebung. Ihre Aufgabe ist die häusliche Umsetzung der Palliativpflege, die Mitbetreuung der Angehörigen und die Koordination der weiteren an der ambulanten Pflege beteiligter, sozialen und ärztlichen Dienste.

8 Ehrenamtliche Hospizhilfe (Qualifikationen):

_ Empathie (ich bin bereit die Welt mit den Augen des anderen zu sehen
_ Patientenwünsche akzeptieren (möchte sich ein Patient heute nicht waschen, so sollte man das akzeptieren)
_ Flexibel sein (auf Patientenwünsche einstellen)
_ Teamfähig sein (ganzheitliche Betreuung kann nur gewährleistet werden, wenn alle Beteiligten ein Team bilden)
_ Offen für Veränderungen
_ Ich muss über mein eigenes Sterben nachdenken

In der dazu gestellten Gruppenarbeit, erarbeitete die Gruppe die ziemlich selben Qualifikationen. In anschließenden kurzen Austausch darüber kam man zu der Feststellung das die Hospizarbeit ohne ehrenamtliche Tätige überhaupt nicht möglich wäre. So sind die Aufgabenfelder der Ehrenamtlichen vielseitig, teilweise nur in der Mithilfe bei der Essenszubereitung aber auch in der direkten Pflege am Patienten. So gibt es auch ehrenamtlich Tätige, welche nur ihre gelernte Arbeit zur Verfügung stellen, z. B. als Friseur. Darüber hinaus leisten die ehrenamtlich Tätigen einen enormen Einsatz in der ambulanten Pflege bei der Betreuung Sterbender indem sie Sitznachtwachen ableisten und eine große Hilfe für die Angehörigen darstellen. Sie müssen ebenso wie die Pflegenden auf die Situation und den Umgang mit Sterbenden gut geschult werden. In der Arbeit der Ehrenamtlichen kommt unser Zitat von Deckblatt zur Geltung, denn wo viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, viele kleine Dinge tun, wird sich das Bewusstsein des Einzelnen verändern, er wird die Welt mit einem neuen Horizont sehen und eine neuen Blickwinkel erhalten. Deshalb sind die vielen ,,kleinen" ehrenamtlichen Helfer von kolossaler Nützlichkeit um der Hospizarbeit einen neue Perspektive zu eröffnen und ihr Überleben zu sichern.


Bitte eines sterbenden Menschen

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören
Und du beginnst, mir Ratschläge zu geben
Dann hast du nicht getan,
worum ich dich gebeten habe.

Wenn ich die bitte, mir zuzuhören
und du fängst an, mir zu sagen,
dass ich nicht so oder so fühlen soll,
dann trampelst du auf meinen Gefühlen herum.

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören
Und du glaubst, du müsstest nun etwas unternehmen,
um mein Problem zu lösen,
dann machst du mich klein und schwach,
so seltsam das auch klingt.

Hör mir zu!
Alles, worum ich dich bitte
Ist, dass du mir zuhörst.
Nichts sagst oder tust,
nur zuhörst!

Guter Rat ist billig.
Für eine Mark zehn Porto kann man ihn
Von jedem Briefkasten - Onkel
Aus den Zeitungen beziehen.
Ich kann alles für mich selber tun.

Ich bin nicht hilflos oder unfähig,
bloß weil ich sterbend bin und Angst habe.
Vielleicht bin ich mutlos und zaudernd, aber klein, nicht hilflos
Wenn du was tust,
was ich selber kann
oder selber für mich tun müsste,
dann trägst du zu meiner Unzulänglichkeit bei
und vergrößert mein Leid.

Aber wenn du akzeptierst, dass ich fühle, was ich fühle, wie unpassend oder verrückt es auch sein mag,
dann kann ich aufhören,
Dich von der Richtigkeit meiner Gefühle überzeugen zu müssen
und habe statt dessen Energie frei, herauszufinden,
was sich hinter meinen Gefühlen verbirgt.

Und wenn das klar ist,
sind meine Antworten auf meine Fragen
offensichtlich und deutlich.
Dann braucht es keinen Rat.

Bitte, höre mich und höre mir zu.
Und wenn du dann erzählen willst,
warte eine Minute.
Dann bist du an der Reihe
und ich werde dir zuhören.....4

9Fazit

Als wir uns mit dem Thema intensiver Auseinandersetzen, wurde uns immer mehr bewusst, wie wichtig doch die gute Schulung der Mitarbeiter ist, im Umgang mit Sterben und Tod. Daneben der Einbezug der Angehörigen ist von großer Bedeutung für den Sterbenden und das Pflegepersonal in der Hospizpflege.

Auch wurde uns klar, das Sterbebegleitung auch uns als Pflegeperson betrifft, das wir uns mit dem Sterbenden gemeinsam auf dem Weg machen und das der Tod ein Stück vom Leben ist und mit ihm gemeinsam vereinbar sein muss. Deshalb sind beim Umgang mit Sterbenden die eigenen Grenzen zu kennen wichtig. Wir müssen uns unserer Fähigkeiten bewusst sein und auch eine gewisse Abgrenzung zugestehen lassen können. Daneben ist für die Arbeit mit Sterbenden eine gute Verarbeitung der Geschehnisse wichtig. Vielleicht das Abschiednehmen auf dem Friedhof als Ritual einzubinden, um selbst mit diesem Menschen abzuschließen zu können. Es sollten in der Einrichtung auch Supervision angeboten werden, um nicht verarbeitete Probleme lösen zu können.

Als wir uns näher mit der Hospizarbeit beschäftigten, wurde uns deutlich das in der Zukunft sie immer einen größeren Stellenwert einnehmen wird, da die familiären Strukturen langsam auseinandergehen und es immer mehr alleinstehende Menschen gibt. Das Aufgabengebiet wird auch noch durch die immer mehr auftretenden Erkrankungen wie AIDS und Krebs gefordert. So müsste es in Deutschland mehr Hospize geben, die sich mit dem Sterben von AIDS- Kranken beschäftigen und genau über dieses Krankheitsbild Bescheid wissen, um gezielt mit diesen Menschen umgehen zu können. In Amerika ist die Hospizarbeit in diesem Punkt schon einen großen Schritt weiter, so gibt es verschiedene Hospize die speziell für AIDS- Kranke eingerichtet wurden, so auch ein Hospizhaus welches von buddhistischen Glaubensbrüdern geführt wird.

Sterben bei Kindern wird auch für die Angehörigen zur großen Belastung, so hat sich die Hospizarbeit drangesetzt und auch Häuser und Anlaufstellen für dieses Klientel zu schaffen. Dort finden die Angehörigen Trost und Hilfe in ihren schweren Stunden des Abschieds von ihren Kindern. Viele prominente Persönlichkeiten stehen hinter der Hospizarbeit und unterstützen diese, wo es nur geht. Denn die Hospizarbeit ist auf die Spenden angewiesen, um ihre Arbeit weiter fortzusetzen zu können.

Sterben ist in unserer heutigen Gesellschaft ein Tabuthema und wird oftmals nicht offen ausgesprochen. Deshalb ist der Stellenwert der Hospizdienste und ihre Publikationen von enormer Wichtigkeit um der aktiven Sterbehilfe kontra zu bieten. Ein Punkt der Hospizarbeit gefällt uns besonders gut: Keine sozialen, kulturellen und religiösen Unterschiede zu machen. Dieser Vorsatz wird versucht in allen Hospizeinrichtungen zu verwirklichen. Wir müssen den sterbenden Menschen so akzeptieren wie er ist und nicht versuchen Ihn zu ändern. Vielleicht können wir von Ihm noch eine Menge lernen und er zeigt uns in den letzten Stunden seines Lebens was das Leben lebenswert macht.

10 Literaturverzeichnis

Arndt, Marianne: Ethik denken- Maßstäbe zum Handeln in der Pflege, Thieme Verlag, Stuttgart, 1996

Hör, Christoph: Cicley Saunders - Brücke in eine andere Welt, Herder Spektrum, Feiburg im Breisgau, 1999

Stappen, Birgit und Dinter: Hospiz: Was Sie wissen sollten, wenn Sie sich engagieren wollen, Herder Spektrum, Freiburg im Breisgau, 2000

Student, Johann-Christoph: Im Himmel welken keine Blumen, Kinder begegenen dem Tod, Herder Spektrum, Freiburg im Breisgau, 2000

Student, Johann-Christoph: Das Hospiz-Buch, Lambertus Verlag, Freiburg im Breisgau, 1999 (4. erweiterte Ausgabe)


1 Hör, Christoph: Cicely Saunders - Brücke in eine andere Welt, Herder Spektrum, Freiburg, Seite 8

2 ebenda, Seite 11

3 Arndt, Marianne: Ethik denken - Maßstäbe zum Handeln in der Pflege, Seite 118

4 Stappen, Birgit u. Dinter, Reinhard, Hospiz: Was Sie wissen sollten, wenn Sie sich engagieren wollen, Seite120

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