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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Allgemeines zu Sterben, Tod und Trauer
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 6.581

04.09.2005 11:06
Nahtoderfahrung. antworten

Für die Erfahrung der Nähe des Todes existieren in der menschlichen Sprache mehrere Begriffe: Todesnäheerfahrung, Nah-Todeserlebnis und Sterbeerfahrung. Mit diesen Begrifflichkeiten wird ein Phänomen bezeichnet, das historisch betrachtet in allen Kulturen zu jedem Zeitpunkt beschrieben wurde. Eine der frühesten und damit auch ältesten Erfahrung findet sich um 5000 v. Chr. im Gilgamesch-Epos. Dieses Phänomen oder diese Erfahrung an sich tritt meistens dann auf, wenn Menschen durch Krankheit oder Unfall beinahe gestorben sind.

Gleichzeitig ist die Möglichkeit wissenschaftlich erwiesen, das diese Art von Visionen künstlich durch bestimmte Meditationsübungen oder Drogen hervorgerufen werden können. Zu beachten ist aber, das es sich bei diesen Zuständen nicht um vollständige Todesnäheerfahrungen handelt. Die Naturwissenschaft geht eher davon aus, dass diese Erfahrungen definierte Programme sind, die unter bestimmten Bedingungen im Gehirn ablaufen. Dem stellt sich aber entgegen, das nur fünf bis zehn Prozent aller Menschen diese Erlebnisse in einer lebensgefährlichen Situation erfahren.

Menschen, welche diese Erfahrungen gemacht und somit "erlebt" haben, waren nicht "tatsächlich" klinisch tot. Vorliegend war vielleicht und als Beispiel ein Herzstillstand, aber noch kein Nulllinien-EEG, welches einen irreversiblen Totalausfall des Gehirns in seiner Funktionalität darstellt. Bei und in der Situation einer Nahtoderfahrung müssen bestimmte Hirnteile extrem aktiv sein, um solche Visionen zu erzeugen. Dies lässt auf eine Wahrscheinlichkeit schliessen, das daran vor allem Prozesse im limbischen System, im Hypocampus und im Schläfenlappen beteiligt sind.

In vielen Fällen erleben Menschen, welche die Erfahrung einer Nähe zum Tod erfahren, Freude und Glücksgefühle. Es kommen allerdings auch negative Todesnäheerfahrungen vor, Experten sprechen von bis zu einem Drittel der Fälle. Unter welchen Bedingungen sie entstehen ist nicht bekannt.

In diesen Erfahrungen lassen sich bestimmte Elemente finden, zu welchen die Wissenschaft bestimmte Erklärungsmodelle gefunden hat.

In einer grossen Häufigkeit der Fälle findet sich als ein primäres Kriterium eine ausserkörperliche Erfahrung. Der Betreffende fühlt sich während und in der Erfahrung leicht, er hat kein Schmerzgefühl und beginnt, sich von seinem Körper zu entfernen. Dieses Entfernen erlebt der Erfahrende in der Beobachtung, wie z. B. Schwestern und Ärzte versuchen, seinen Körper zu reanimieren.

Diese Beobachtung muten augenscheinlich aber gar nicht so mysteriös an, wie sie vordergründig erscheinen. Es ist eine erwiesene Tatsache, das das Gehirn bei extremen Verletzungen und großen Schmerzen unser Bewusstsein schützt, eben vor diesen negativen Reizen. Dabei schüttet es körpereigene Opiate aus, welche wie Betäubungsmittel wirken und einen rauschartigen Zustand erzeugen. Dies geschieht bei einem gleichzeitigen Ausfall der Körperwahrnehmung.

Durch Augen und Ohren erreichen auch weiterhin Sinneseindrücke das Gehirn. Sie werden dort auch verarbeitet, allerdings anders als gewohnt. Dazu gehört auch die Verschiebung der Perspektive. Diesen Streich spielt das Gehirn uns öfter als wir glauben: Viele Menschen, die sich an einen Besuch im Schwimmbad erinnern, haben ein ähnliches Bild vor Augen. Sie sehen von oben zu, wie sie im Becken Bahn um Bahn schwimmen.

Ein anderes wichtiges Element in der Erfahrung von Nahtoderlebnissen ist das Erleben des sogenannten Lebensfilms. Gekennzeichnet ist dieser, das das ganze individuelle Leben wie in einem Schnelldurchlauf nocheinmal beobachtet wird. Vermutet wird hier auf und von Seiten der Wissenschaft, das für dieses Beobachten Prozesse in der Gedächtnisstruktur des Gehirns verantwortlich sind. Dort breitet sich die Aktivität des Nervengewebes unkontrolliert aus. Wahllos werden irgendwelche Erinnerungsbilder abgerufen. Häufig finden sich die Patienten dann in einer dunklen Übergangszone wieder, einer Treppe, einem Tunnel, einerm Gang oder etwas ähnlichem.

Auch für dieses Phänomen gibt es eine gute wissenschaftliche Erklärung. Durch den Sauerstoffmangel fallen auch im Sehzentrum des Gehirns immer mehr Nervenzellen aus. Dort ist jeder einzelne Punkt auf der Netzhaut durch Nervenzellen repräsentiert. Eingänge aus der Mitte unseres Gesichtsfeldes werden jedoch von deutlich mehr Zellen verarbeitet als die weiter außen liegenden Punkte. Dieser Bereich ist also deutlich besser gegen Ausfälle gepuffert. Dort können also noch am längsten Lichtreize verarbeitet werden. Sie erscheinen als helles Licht am Ende eines dunklen Tunnels. Diese Beobachtung machen z. B. auch Piloten, welche Loopings fliegen. Bei diesen Flugmanövern wird das Gehirn kurzfristig mit Sauerstoff unterversorgt und in ihrem Sehzentrum spielen sich dann ebenso obengenannte Prozesse ab, welche ein solch geartetes Phänomen kennzeichnen.

Das Ende des Prozesses wird vielmals so beschrieben, das Betreffende in das Licht eintauchen und damit verschmelzen. Sie erfahren sich in einem lichterfüllten Raum, einfach nur im Licht, in einer herrlichen, paradiesischen Landschaft, einem tiefen Frieden, einer allumfassenden Ruhe oder in einem "Einssein mit Gott". Es ist aber zu beachten, das diese Erfahrungen aufgrund einer Eingeschränktheit der menschlichen Sprache nicht adäquat verbal formuliert werden können.

Ähnliche Erfahrungen sind auch durch die Einnahme von Drogen wie, Ketamin, Cannabis und LSD möglich. Es besteht die Vermutung, das unser Gehirn sich körpereigener Botenstoffe bedient, die an dieselben Bindungsstellen wie diese Substanzen andocken. Gerade daraus und nicht anders lässt sich ihr Vorhandensein auch gar nicht erklären. Es wurde bereits eine Bindungsstelle für Cannabis identifziert. Die Forscher gaben ihr den treffenden Namen: Annandamid. Das ist Sanskrit und bedeutet "Innere Glückseligkeit".

Festzustellen ist, das die Elemente von Nahtoderfahrungen erklärt werden können, aber wissenschaftlich exakt belegen lassen sie sich nicht. Diese Thesen könnten nur zementiert und untermauert werden, wenn derjenige, der das Sterben überlebt, darüber berichten würde. Bisher gab es keinen und wird es keinen geben, der das für sich erreicht, und so müssen wir uns weiter Erklärungsmodelle bedienen, um solche Phänomene wie Nahtoderlebnisse zu verstehen. Das Sterben, der Tod, können nur in einer allumfassenden Wahrheit erfahren werden, sie lassen sich keinesfalls simulieren.

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