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ingoborm Offline

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02.10.2005 11:03
TNM-Klassifikation antworten

TNM-Klassifikation
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die TNM-Klassifikation (auch: TNM-System engl.: TNM-staging) ist eine Facettenklassifikation aus der Medizin und bezeichnet eine Stadieneinteilung von malignen Tumoren (Krebserkrankungen).

Sie wurde von der Union internationale contre le cancer (UICC) eingeführt. Die Klassifikation hat sich in vielen Ländern durchgesetzt und wird unter anderem in der Krebsregistrierung eingesetzt. Sie basiert auf statistischen Untersuchungen, die zum Beispiel nachweisen, dass sich ab einer bestimmten Größe eines Tumors die Prognose der Erkrankung verschlechtert. Die Einstufung einer Tumorerkrankung in die einzelnen Kategorien des TNM-Systems erlaubt daher prognostische Aussagen und bestimmt häufig auch die weitere Therapie.

TNM ist eine Abkürzung für

* T= Tumor, Ausdehnung des Primärtumors
* N= Nodus = Lymphknoten, Fehlen bzw. Vorhandensein von regionalen Lymphknotenmetastasen
* M= Metastasen, Fehlen bzw. Vorhandensein von Fernmetastasen

T, N und M sind die wichtigsten sogenannten Kategorien des TNM-Systems.

T (Tumor)

T bezeichnet die Ausdehnung des Primärtumors.

* T0: keine Anzeichen eines Primärtumors (scheint widersinnig, kann aber sein, wenn der Tumor vor Operation z.B. mit Chemotherapie behandelt wurde) oder der primäre Tumor unbekannt ist (CUPS, cancer of unknown primary).
* Tis/Ta: Tumore, die noch nicht infiltriert haben. Ihre Prognose ist im allgemeinen günstig.
* T1, 2, 3 oder 4: zunehmende Größe des Primärtumors oder Befall weiterer Gewebe, z.B. für Brustkrebs:
o T1 : größte Tumorausdehnung höchstens 2 cm
o T2: größte Tumorausdehnung mehr als 2 cm, aber höchstens 5 cm
o T3: größte Tumorausdehnung mehr als 5 cm
o T4: Tumor jeder Größe mit direkter Ausdehnung auf die Brustwand oder Haut
* TX: keine Aussage über den Primärtumor möglich.

Ta gibt es nur bei bestimmten Organen (Nierenbecken und Harnleiter, Harnblase, Harnröhre, Penis). Dort können Ta-Tumoren mit einer bessere Prognose als Tis Tumoren verbunden sein.


N (Nodus)

N beschreibt das Vorhandensein bzw. das Fehlen von regionären Lymphknotenmetastasen.

* N0: keine Anzeichen für Lymphknotenbefall.
* N1, 2 oder 3: zunehmender Lymphknotenbefall. Einteilung z.B. nach ipsi- oder kontralateralem Befall und Beweglichkeit, sowie Lokalisation in Relation zum Primärtumor.
* NX: keine Aussagen über Lymphknotenbefall möglich.

Da die Entdeckung von Lymphknotenbefall davon abhängt, wie intensiv nach dem Befall gesucht wird, muss in der Regel je nach Organsystem eine Mindestzahl von Lymphknoten (z.B. 12 beim Dickdarmkrebs) untersucht worden sein, um mit ausreichender Sicherheit sagen zu können, dass kein Befall in der entsprechenden Region vorliegt. Häufig wird die Angabe wieviele Lymphknoten von wieviel untersuchten Lymphknoten befallen waren, der N-Kategorie hinten angefügt, z.B. N0 (0/13).

Zunehmend gibt es Tumoren (z.B. Mammakarzinom), bei denen es als ausreichend angesehen wird, nur den sog. Schildwächterlymphknoten (Sentinel Lymph Node) zu untersuchen. Das ist der erste Lymphknoten (manchmal auch mehr als einer), der die Lymphe aus dem Gebiet des Tumors aufnimmt. Finden sich in ihm keine Metastasen, so ist die Wahrscheinlichkeit, in den "nachgeschalteten" Lymphknoten Metastasen zu finden, sehr gering. Umgekehrt müßen die nachgeschalteten Lymphknoten genau untersucht werden, wenn der Schildwächter befallen ist. Wurde dieses Verfahren angewendet, wird die pN Kategorie durch (sn) gekennzeichnet, also z.B. pN0(sn)=histologisch keine Lymphknotenmetastasen, pN1(sn)=Befall des (der) Schildwächterlymphknoten.


M (Metastasen)

M bezeichnet das Vorhandensein bzw. das Fehlen von Fernmetastasen. In der Regel ist die Klassifikation nur nach einem Staging möglich.

* M0: keine Anzeichen für Fernmetastasen.
* M1: Fernmetastasen vorhanden.
* MX: keine Aussage über Fernmetastasen möglich.


C-Faktor

Die Zuverlässlichkeit der Befundsicherung kann zusätzlich mit dem Deskriptor "C" (engl.: certainty) hinter der jeweiligen TNM-Kategorie angegeben werden. Sie zeigt die Zuverlässigkeit der Diagnose an:

* C1 Allgemeine Untersuchungsmethoden, wie klinischer Untersuchungsbefund, Standard-Röntgenaufnahme etc.
* C2 Spezielle Untersuchungsmethoden, wie ERCP, Computertomografie etc.
* C3 Ergebnisse der chirurgischen Exploration, Zytologien oder Biopsien.
* C4 Erkenntnisse nach chirurgischem Eingriff und histopathologischer Untersuchung. Gleichbedeutend mit der pTNM-Klassifikation.
* C5 Erkenntnisse nach Autopsie einschließlich histopathologischer Untersuchung.

Klinische und pathologische Klassifikation

Wird das Staging durch klinische Untersuchungen und kleinere Eingriffe ermittelt (entsprechend in etwa C1 - C3, siehe oben), so spricht man von einem klinischem TNM (auch cTNM für c=clinical). Da dieses TNM in der Regel auch vor der Therapie bestimmt wird, wird es auch als prätherapeutisch bezeichnet.

Ein Staging, bei dem die aus einem chirurgischen Eingriff und aus histopathologischen Untersuchungen gewonnen Erkenntnisse einfließen, wird als pTNM (pathologische Klassifikation, postoperative histopathologische Klassifikation) bezeichnet. Es entspricht im wesentlichen dem C-Faktor 4. In der TNM-Formel wird der jeweiligen Kategorie ein p vorangestellt, z.B pT1pN0M0 für kleinen Primärtumor ohne Lymphknotenbefall und ohne Fernmetastasen.

Ausnahmsweise ist ein großer chirurgischer Eingriff für die Bestimmung des pTNM nicht erforderlich. Beispiel: wenn durch eine kleine Untersuchung, z.B. eine Biopsie des Magens im Rahmen einer Magenspiegelung, festgestellt werden kann, dass ein großer Dickdarmkrebs in den Magen durchgebrochen ist, dann ist die Kategorie pT4 sicher bestimmt, ohne dass der Dickdarmkrebs entfernt wurde.


Weitere Kategorien und Zusatzangaben

Es gibt weitere Kategorien und Zusatzangaben, die von z.T. entscheidenden Wichtigkeit bei der Tumorklassifikation sind. Die gilt insbesondere für die Angabe der Residualgrenzen, weil nur mit ihr klassifiziert wird, ob ein Tumor "im Gesunden" oder aber nur Teile des Tumors entfernt worden sind.

* L0/1: Invasion in Lymphgefäße (oder Tumorzellemboli in Lymphgefäßen, ein Kontakt zur Gefäßwand ist für die Diagnose nicht erforderlich)
* V0/1/2: Invasion in Venen (keine, mikroskopisch, makroskopisch)
* SX/0-3: Serumtumormarker. Werden nur bei bösartigen Hodentumoren erfasst. (X=nicht verfügbar/untersucht, 0=normal, 1-3=wenigstens ein Marker erhöht)
* R0/1/2: Angabe, ob Tumor verblieben ist (lokal, regionär oder Fernmetastasen). R0 = Kein Tumor im Organismus nachweisbar, R1 = Mikroskopischer Residualtumor an den Schnitträndern, R2 = Makroskopisch Tumor oder Metastasen belassen.
* G1-4: Grading, Angabe, wie differenziert das Tumorgewebe ist. G1 = gut differenziert, das heißt, dass das Tumorgewebe dem Ursprungsgewebe noch relativ ähnlich ist, G4 = undifferenziert, das Ursprungsgewebe ist nur noch über ultrastrukturelle oder immunhistochemische Untersuchungsmethoden differenzierbar.

Da es theoretisch sehr viele Kombinationen von T, N und M gibt (manchmal existieren auch Unterkategorien, z.B. T1a), die dann statistisch nicht mehr sinnvoll verwertbar sind, werden abhängig vom Tumortyp Kombinationen zu sogenannten (UICC-)Stadien zusammengefaßt.


Literatur

* UICC (2002) TNM Klassifikation maligner Tumoren, 6.Aufl. (Wittekind Ch, Meyer H-J, Bootz F, Hrsg).

Springer, Berlin Heidelberg New York

* UICC (2005) TNM Atlas. Illustrierter Leitfaden zur TNM/pTNM-Klassifikation maligner Tumoren. 5.Aufl.

(Wittekind Ch, Klimpfinger M, Sobin LH, Hrsg). Springer Medizin, Heidelberg

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