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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Ahasveru Offline

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22.12.2005 20:33
Fulminanter Erstlingsroman über Liebe und Krebs antworten

Fulminanter Erstlingsroman über Liebe und Krebs

Frankfurt (dpa) - Mitreißender, komischer, trauriger kann kaum über das Sterben geschrieben werden. Der niederländische Autor Kluun (Raymond van de Klundert) wagt sich mit seinem Erstlingsroman «Mitten ins Gesicht» an das schwierige Thema von Leben und Tod.

Aber er hat Erfahrung damit, denn seine eigene Frau starb mit 36 Jahren an Krebs. So gelingt ihm eine autobiografische Geschichte, die atemlos macht.

Kluuns Protagonistin Carmen weiß, dass sie sterben wird, und das weiß auch Stijn, ihr Mann. Viele Freunde wissen es auch. Und alle wissen, dass Stijn, der hormongetriebene Yuppie voller widersprüchlicher Gefühle, hin- und hergerissen ist zwischen seiner eigenen Lebenslust und seiner Fürsorge für die todgeweihte Ehefrau - nicht zu vergessen das gemeinsame Töchterchen.

Kluun berichtet darüber so unverblümt und direkt, dass seine Geschichte niemals unglaubwürdig wird. Man sieht die Kranke, die sich zwischendurch zu verschwenderischen Einkäufen aufraffen kann - sogar ein Haus wird noch erstanden. Ihr körperliches Elend am Lebensende wird fühlbar, Kluun erzählt schonungslos, er treibt Tränen in die Augen. Rührend kümmert sich Stijn um die Kranke, pflegt sie, liest ihr Wünsche von den Lippen ab, liebt sie, auch körperlich.

Aber gleichzeitig verschafft sich Stijn sexuelle und wohl auch etwas seelische Erleichterung bei einer Freundin. Obwohl das eigentlich eine Gemeinheit gegenüber der todkranken Frau ist, die seiner ausgeprägten Libido nicht mehr gerecht werden kann, fällt es schwer, ihm das übel zu nehmen. Stijn ist zwar ein Egomane, aber er trägt seine geliebte Carmen, die er doch gar nicht verlieren will, auch auf den Händen. Kluun bekommt es hin, dass alle diese Widersprüchlichkeiten völlig logisch erscheinen.

Kluuns Überschriften sind Zitate aus Songs von Bruce Springsteen, Robbie Williams und vielen anderen. Kästchen im Text erklären dem Leser, um welche schicke Kneipe es gerade geht oder wer Natasja ist. Kein Fußballspiel wird erwähnt, ohne in einer Fußnote das Ergebnis und die Mannschaftsaufstellung in Erinnerung zu bringen. So wird dieser flott und spannend erzählte Roman auch optisch zu einem ungewöhnlichen Leseerlebnis. Doch niemals lenkt der Autor davon ab, worum es geht: Um eine unendlich traurige Geschichte.

Kluun

Mitten ins Gesicht

Scherz-Verlag, Frankfurt am Main

362 S., Euro 14,90

ISBN 3-502-10030-6

Informationsquelle: http://www.news.de/623/01nanter_Erstling...e_und_Krebs.php

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