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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Bestattung
Ahasveru Offline

Administration Forum

Beiträge: 6.581

01.10.2005 20:37
Was ist eine Totenklage? antworten

Totenklage
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Totenklage ist ein in allen Kulturen verbreitetes Trauerritual. Die Klage intensiviert die Trauer um den Verlust des Verstorbenen.

Die Totenklage erfolgt vernehmbar: Die Klagenden, insbesondere die Frauen (Klageweiber) schrieen ursprünglich schrill und unartikuliert, entstellten sich, (Ausreißen bzw. Abschneiden der Haare = Haaropfer), zerrissen die Kleidung und fügten sich Schmerzen zu durch Schläge und Zerkratzen der Haut.
Inhaltsverzeichnis

* 1 Altägypten
* 2 Antikes Griechenland
* 3 römische Antike
* 4 Christianisierung
* 5 Islam
* 6 Gestaltete Klage

Altägypten

Herodot beschreibt die Totenklage der Ägypter:

"Totenklage und Begräbnis gehen folgendermaßen vor sich: Wenn in einem Hause ein angesehener Hausgenosse stirbt, bestreichen sich sämtliche weiblichen Hausbewohner den Kopf oder auch das Gesicht mit Kot, lassen die Leiche im Hause liegen und laufen mit entblößter Brust, sich schlagend, durch die Stadt; alle weiblichen Verwandten schließen sich ihnen an. Auch die Männer schlagen sich und haben ihr Gewand unter der Brust festgebunden."
Herodot, 450 v. Chr.

Antikes Griechenland

Die Totenklage richtet sich direkt an den Verstorbenen als ein Wesen, das fähig ist, diese Klage zu verstehen. Dem Toten soll durch die Zufügung eigener Schmerzen die Wahrhaftigkeit des Kummers demonstriert werden, so dass dieser gnädig gestimmt wird. Das Vergießen des eigenen Blutes soll den Blutdurst des Verstorbenen stillen. Der Tote wird umkreist, so dass ein schützender Bannkreis um ihn gezogen wird.

römische Antike

In der römischen Antike wurde die Totenklage oder der Totengesang Nänie genannt.

Christianisierung

Mit der Christianisierung werden in Europa die heidnischen Totenklagen verdrängt. Der Mönch Pirmin verbietet im 9. Jahrhundert die schrille Totenklage (ululatus excelsus), sowie das Essen und Trinken am Grabhügel. Das Klagen sieht er als teuflische Gesänge ('diabolica carmina', 'pestifera cantica), unziemlichen Scherz und Tanz (ioca et saltationes), Gelächter und Gelage(inebriari et cachinnis ora dissolvi). - Er ersetzt die Totenklage durch Gebete, Psalmodieren und liturgische Gesänge.

Islam

Der Koran und die Tradition sehen eine formale Totenklage nicht vor. "Ich habe ihnen verboten zu weinen, aber sie gehorchen mir nicht. Mein Gott, sie sind stärker als ich - oder als wir" (Hadith, nach al-Buchari). Gleichwohl findet sich im Islam eine ausgeprägte Praxis der Totenklage. Männer im Trauerzug, vor allem Frauen brechen in Schreie aus, die häufig bis zu trance-ähnlichen Zuständen und zu Bewusstlosigkeit führen.

Gestaltete Klage

Klagelieder in dichterischer Form finden sich in vielen Kulturkreisen. Dazu zählen die Trauergesänge, aber auch musikalische Kompositionen wie Totenmessen (katholisch) oder Musikalische Exequien.

Im christlichen Kulturkreis werden bestimmte im Kirchenlied vorhandene Klageelemente als allgemeine Form der Totenklage genutzt.

Mit der zunehmenden Individualisierung der Trauer fand die Totenklage als "Totenlied" heraus aus dem sakralen Bereich Eingang in die säkulare Kultur. So verhalf z.B. Gustav Mahler den Kindertodtenliedern Friedrich Rückerts durch seine Vertonung zu Ruhm.


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