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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Ahasveru Offline

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16.12.2005 13:45
Jeffrey D. Sachs: Das Ende der Armut antworten

Jeffrey D. Sachs: Das Ende der Armut

Der Wirtschaftsexperte Jeffrey Sachs zeigt, dass der Kampf gegen die Armut nicht nur eine moralische Verpflichtung ist, sondern auch existentielle Bedeutung für die reichen Volkswirtschaften hat.

Gestern starben mehr als 20.000 Menschen an tiefster Armut. Vorgestern auch. Und heute, morgen, übermorgen, an jedem einzelnen Tag werden in unserer Welt wieder jeweils mehr als 20.000 Kinder, Frauen und Männer sterben, weil sie zu arm sind, um am Leben zu bleiben. Jedes Jahr sind das etwa acht Millionen Menschen, wird bei den Vereinten Nationen geschätzt. Jeffrey Sachs sagt, das ließe sich ändern. "Unsere Generation kann sich dafür entscheiden, dieser extremen Armut bis zum Jahr 2025 ein Ende zu machen», schreibt er in seiner Abhandlung "Das Ende der Armut".

Ökonom mit Herz

Fünf Jahre nach Verkündung der Millenniumsziele ist das Buch mit dem Untertitel "Ein ökonomisches Programm für eine gerechtere Welt" auch auf Deutsch erschienen. Jeffrey Sachs, geboren 1954 in der US-Autometropole Detroit, wird darin seinem Ruf gerecht, ein Ökonom mit Herz zu sein. Kaum ein Wirtschaftswissenschaftler hat sich derart für die Reduzierung der Armut ins Zeug gelegt wie der Leiter des Earth Institute der Columbia Universität in New York.

Doch Sachs' Plädoyer erwächst weniger aus Mitleid als aus der Erkenntnis, dass Massenarmut und der Zerfall ganzer Staaten als Folge wirtschaftlichen Versagens ursächlich verbunden sind mit Staatsstreichen, Kriegen, Völkermord, Hungersnöten, internationaler Kriminalität, Massenandrang von Asylbewerbern und auch mit dem Terrorismus. Schon 1994 hatte darauf eine Studie der CIA aufmerksam gemacht, die Sachs neben vielen anderen Quellen für sein leicht verständlich, streckenweise spannend geschriebenes Buch heranzieht.

Der Westen und die Armutsbekämpfung

Hart geht er mit den USA ins Gericht, die dem Irrglauben erlegen seien, Sicherheit sei in einer instabilen Weltordnung mit Waffengewalt zu gewährleisten. "Die 450 Milliarden Dollar, die die US-Regierung 2005 für das Militär ausgeben will, werden niemals den Frieden erkaufen können, wenn sie auch weiterhin nur etwa ein Dreißigstel dieser Summe, nicht mehr als 15 Milliarden, dafür aufwendet, das Elend der Ärmsten der Armen auf der Welt zu lindern, deren Gesellschaften durch extreme Armut destabilisiert und dadurch zu Brutstätten von Unruhe, Gewalt und sogar weltweit agierender Terroristen geworden sind."

Die USA bilden das Schlusslicht unter den reichen Ländern, wenn es um staatliche Entwicklungshilfe geht. Deutschland leistet mehr, allerdings ebenfalls längst nicht genug, um die alte UN-Zielvorgabe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Entwicklungshilfe zu erfüllen. Dass dies bis heute nur von einigen wenigen kleineren Staaten, darunter Norwegen und Dänemark, geleistet wird, zeigt, wo der Westen bei der Armutsbekämpfung wirklich steht.

Nicht immer realistisch

Dabei wäre die Erfüllung des 0,7-Prozent-Ziels nur eine von mehreren Mindestvoraussetzungen, um Armut weltweit innerhalb der nächsten 20 Jahre wirksam eindämmen zu können. Sachs legt dafür - anders als der deutsche Untertitel vermuten lässt - kein fertiges Programm vor. Im Originaltitel ist auch nicht von einem "Programm" die Rede, sondern von "possibilities" (Möglichkeiten). Derer zeigt der Weltökonom viele auf, von der lokalen bis zur globalen Ebene.

Nicht alle Vorschläge wirken frisch. Manches bleibt floskelhaft. Mindestens eine seiner Hauptforderungen erscheint weltfremd: Damit es klappt mit der Beseitigung der Armut bis 2025, bedürfe es eines "globalen Pakts" der armen und der reichen Länder. Die UN hat 191 Mitgliedstaaten, die sich bislang noch nicht einmal auf eine durchgreifende Reform der verkarsteten Strukturen Weltorganisation einigen können. Wo soll da ein echter globaler Pakt herkommen? Wohlweislich hat Sachs seinem Werk eine Einschränkung vorangestellt: "Ich prophezeie nicht, was geschehen wird, sondern erkläre lediglich, was geschehen kann."

(dpa/wga)

[/b]Informationsquelle:[/b] http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,1822269,00.html

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