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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Hilfe und Beistand für Eltern sterbender Kinder
Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

01.10.2005 11:20
Dimensionen von Tod im Leben eines Kindes oder Erwachsenen antworten
Dimensionen von Tod im Leben eines Kindes oder Erwachsenen

Inhalt
1. Einleitung
2. Kinder und Tod
3. Erwachsene und Tod
4. Die Bibel im Umgang mit dem Tod
5. Trauer
6. Krankheit und Tod
7. Abschließende Gedanken
8. Literatur

1. Einleitung

* Tod betrifft das Leben jeden Menschens
* vielfältige Einstellungen
* für Erwachsene ist es möglich eigene Gedanken und Bilder anzulegen
* Wichtigkeit der Selbstreflexion
* Kinder sind angewiesen auf Erwachsene
* Problematik verschiedener Modelle: Verwirrung
* zuerst über kognitive Fähigkeiten des Kindes informieren

2. Kinder und Tod

2.1 Kontakt der Kinder mit dem Tod

Anlässe zur Auseinandersetzung Kinder und Jugendlicher mit dem Tod

Früher:

* Kinder erlebten in der Regel den Tod von Verwandten und Freunden häufig
* viele Kinder erlebten auch den Tod von Geschwisterkindern
* Tod im Krankenhaus als Ausnahmesituation
* Sterbeprozess der Großeltern wurde mit erlebt

Heute:

* Sterben und Tod wird aus der Gesellschaft verbannt
* nur noch wenige Gruppen haben direkt mit dem Tod zu tun
* erste Erfahrung mit dem Tod ist in der Regel der Tod eines Haustiers
* auch Kinder, die nie direkt mit dem Tod konfrontiert waren, haben Vorstellung davon, wie es ist, einen lieben Menschen zu verlieren
* Gefälle des Todesbewusstseins von der höchsten zur niedrigsten Altersstufe

Unterschiedliche Verlusterfahrungen von Kindern

Elternteil

* starke emotionale Belastung: Schock
* kennzeichnet gesamten weiteren Lebensweg
* existentielle Gefühle wie Verlassenheit und Bedrohung
* Zurückweisung durch überlebenden Elternteil
* Versuch, Elternteil zu ersetzen
* Schuldgefühle bei Ablösungsprozess
* Schuldgefühle durch aggressive Phantasien und Vernachlässigungsgefühle
* je reifer kognitive und psychische Konstitution des Kindes, um so größer ist die Chance, dass Kinder keinen bleibenden Schaden erleiden

Haustier

* oftmals erste Verlusterfahrung
* Beziehung kann sehr innig sein
* Trauerreaktion wie bei Tod eines Menschen möglich

Geschwister

* Ambivalenz: Verlust eines Gefährten/ Rivalitäten
* erleben hilflose Eltern: Verunsicherung
* fühlen sich zurückgewiesen, ungeliebt, wertlos
* Schuldgefühle
* Umwelt reagiert in der Regel nur auf die Eltern

Großeltern

* bei sehr enger Bindung kann die Reaktion sehr stark sein
* Kinder erleben eigenen Verlust und zusätzlich die Betroffenheit der Eltern: Verunsicherung

Freund

* eigener Tod rückt erstmalig in das Blickfeld

2.2 Entwicklung des kindlichen Todesverständnisses

Entwicklung des Todeskonzepts nach Piaget

* sensomotorische Phase: kein Verständnis des Todes
* prä-operationale Phase (ab 1./2. Lebensjahr): Egozentrismus (eigener Tod ist nicht vorstellbar)
* konkret-operationale Phase (ab 5./6. Lebensjahr): einzelne Elemente des Todeskonzepts werden verstanden
* formal-operationale Phase (ab 12. Lebensjahr): Todesverständnis manifestiert sich

Entwicklung des Todeskonzepts nach Tausch-Flammer 1995

0-3 Jahre

* können Tod nicht begreifen
* sprechen von Toten als wären sie noch am Leben
* kurze Abwesenheit wird mit Tod gleichgestellt

3-5 Jahre

* stellen viele Fragen
* machen erste Äußerungen zum Thema Tod
* Tod betrifft nur andere
* Tod ist vorübergehend

5-9 Jahre

* sehen den Tod realistischer
* Gefühl der Trennung und des Schmerzes
* Personifizierung des Todes

10-14 Jahre

* Tod als unausweichliches und abschließendes Ereignis
* Gefühle wie Trennung, Liebesverlust und Endgültigkeit werden assoziiert
* körperliche Symptome beim Tod eines nahestehenden Verwandten

2.3 Todesangst

* entwickelt sich mit dem Todesverständnis
* natürliches Gefühl

Entwicklungsstufen bis zur Todesangst nach Braun 1976 (Bodarwe 1989)

* Trennungsangst
* Mutilierungs-/ Kastrationsangst
* Todesangst

2.4 Notwendigkeit der didaktischen Umsetzung

* Kindern den Tod nahe bringen
* Absprache zwischen Elternhaus und Schule notwendig, um Verwirrung zu verhindern

Möglichkeiten der Informationen über den Tod nach Bodarwe 1989

* religiös gefärbte, konventionelle Bilder (Himmel und Hölle, Tote als freundliche Engel)
* aufklärerisch geprägte, realistische Informationen über den Verlauf und die Folgen des Sterbens und die Bestattung
* magisch gefärbte Bilder des Aberglaubens (Totenvogel, Schwarzer Mann)

Umgang mit dem Thema "Tod" in verschiedenen Altersstufen nach Thiede 1994

Kindergarten

* kindliches Reden von der Auferstehungshandlung Gottes
* mit steigender kognitiver Entwicklung höhere Stufen des Verständnisses der Auferstehung erreichen

frühe Grundschule

* auf Frage nach dem Verbleib der Toten: Schlafen nach dem Zerfall der irdischen Hüllen in Gottes Hand bis zur Auferweckung

späte Kindheit

* Alternative der christlichen Auferstehungshoffnung zu Transzendenzstreben der spiritualistischen Auffassung und zu Realismus der materialistischen Auffassung
* christliche Hoffnung als ganzheitliche Hoffnung

Pubertät (10-14)

* Streben nach Individualisierung: Sinnfrage
* Antwort auf Sinnfrage ist endgültiger Sieg Jesu über den Tod

Jugendliche

* Beschäftigung mit verschiedenen Ideologien (religiöse, materialistisch-positivistische oder spiritualistisch-esoterische)
* Darstellung des christlichen Glaubens unter Betonung seiner weltanschaulichen Konturen (damit er ideologiekritischer wirkt)

3. Erwachsene und Tod

3.1 Das Verhältnis des modernen Menschen zum Tod

* Tod ist aus dem Gesichtsfeld verschwunden, Institutionalisierung
* Isolierung alter Menschen
* Gefälle des Todesbewusstseins

3.2 Bedingungen des reifen Todeskonzepts

Komponenten eines reifen Todeskonzepts (Kübler-Ross)

* Universalität (jeder Mensch muss sterben)
* Irreversibilität (Tod ist endgültig)
* Non-Funktionalität (alle notwendigen Körperfunktionen haben aufgehört)
* Kausalität (Verständnis der Todesursache)

4. Die Bibel im Umgang mit dem Thema

Tod

Todes-Thematik in der Bibel nach Jüngel 1993

Altes Testament:

* Leben ist das höchste Gut
* Tod bedeutet Gottesferne, Gott vergißt einen
* Tod als Gottesstrafe
* erste Auferweckungsgedanken

Belege:
o Abrahams (Genesis 25, 7-11) und Jakobs Tod (Genesis 49, 29 ff) werden sehr nüchtern beschrieben
o Der Herr tötet und macht lebendig (1. Samuel 2, 6)
o ... die im Grabe liegen, deren du nicht mehr gedenkst und die von deiner Hilfe geschieden sind. (Psalmen 87, 6)
o Denn wir vergehen durch deinen Zorn. (Psalmen 90, 7)
o Deine Toten werden leben, werden auferstehen; aufwachen und jubeln werden die Bewohner des Staubes. (Jesaja 26, 19)
o ... aber der Herscher der Welt wird uns, wenn wir für seine Gebote gestorben sind, zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken. (2. Makkabäer 7, 9)

Neues Testament:

* Auferstehungshoffnung steht im Vordergrund
* Tod und Gott sind Feinde, Gott besiegt den Tod/ Teufel

Belege:
o Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird Christus dir als Licht aufgehen. (Epheserbrief 5, 14)
o Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben, und in ein Gericht kommt er nicht, sondern er ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen. (Johannes 5, 24)
o Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. (Johannes 11, 25-26)
o Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gnadengabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn. (Römerbrief 6, 23)
o Als letzter Fein wird der Tod zunichte gemacht. (1. Korintherbrief 15, 26)
o ... damit er durch den Tod den zunichte machte, der die Macht üner den Tod hat, das heißt: den Teufel, ... (Hebräerbrief 2, 14)

5. Trauer

* Wichtigkeit im Zusammenhang mit dem Tod
* verdrängte Trauer: psychische Probleme

5.1 Die natürliche Äußerung von Trauer

Phasen der Trauerarbeit nach Kast 1982 (Iskenius-Emmler 1988)

1. Nicht-Wahrhaben-Wollen

* Gleichgültigkeit, Gefühllosigkeit, Starrheit
* Ambivalenz der Gefühle: a) Verbindung zum Verstorbenen aufrecht erhalten, b) Ablösung nötig
* Individuation

2. aufbrechende Emotionen

* Zorn, Wut, Trauer, Angst, Ruhelosigkeit, Freude
* Zorn dem Schuldigen oder Verstorbenen gegenüber
* Suche nach dem Schuldigen, um eigene Hilflosigkeit zu überspielen
* eigene Schuldgefühle
* Freude über erlebte Beziehung und Erinnerungen

3. Suchen und Sich-Trennen

* Suchen,
o um sich mit dem Verstorbenen zu beschäftigen, um den Verlust verarbeiten zu können
o um die Beziehung in die eigene Persönlichkeit integrieren zu können
o um an den Partner delegierte Aufgaben wieder zurück zu nehmen
* eigene Verzweiflung akzeptieren
* emotionales Chaos, um alte Beziehungen zu beenden und neue aufzubauen
* alle Erlebnisse mit dem Verstorbenen müssen erzählt werden dürfen

4. neuer Selbst- und Weltbezug

* Freude am Leben, neue Beziehungen
* Verstorbener ist in die Persönlichkeit integriert
* neues Selbstbewusstsein, in dem Todesbewusstsein Platz hat

5.2 Kindliches Trauerverhalten

Besonderheiten des kindlichen Trauerverhaltens

nach Iskenius-Emmler 1988:

* Kinder sind bei einem Verlust sehr sensibel bezüglich der Umgebungsvariablen
* Kinder sind kaum in der Lage, längere Zeit ohne eine wichtige Bezugsperson zu leben
* Kinder sind daher besonders auf die unmittelbaren Betreuungspersonen angewiesen

nach Bowlby 1983 (Iskenius-Emmler 1988):

* Kinder haben anderes Verständnis von Gegebenheiten wie Tod und Leben
* Kinder leben sehr stark in der Gegenwart, sind leichter ablenkbar
* dementsprechend ist die Zeit, die sie sich intensiv mit einem erlittenen Verlust beschäftigen, kürzer

nach Furman 1977 (Iskenius-Emmler 1988):

* Verlust eines Elternteils stellt Kinder aufgrund der Besonderheit der Elternbindung vor eine unvergleichliche Situation
* Grundbedingungen für Trauerarbeit bei Kindern nach Bodarwe 1989
* Beziehung zum Verstorbenen, deren Ambivalenz die Liebe nicht erdrückt hat
* keine vollständige Identifikation mit dem Verstorbenen
* Akzeptanz des eigenen Todes wie des Todes des anderen
* alte, nicht verarbeitete Trauer darf nicht wieder belebt werden

6. Krankheit und Tod

6.1 Unterscheidung: natürlicher Tod vs. verfrühter Tod

* Verbindung des Todes mit dem Alter
* beim verfrühten Tod werden Menschen dazu gebracht, sich mit ihrem eigenen Tod auseinander zu setzen

6.2 Todkranke Kinder und Erwachsene

Fünf Stadien bis zum Tod nach Kübler-Ross

1. Nicht-Wahrhaben-Wollen

* wenn Info zu früh oder von unbekanntem Menschen kommt
* immer wieder bis zum Tod ist Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens zu finden

2. Zorn

* Warum-Frage
* Entladung ist zufällig
* begründeter und unbegründeter Zorn

3. Verhandeln

* das Unvermeidliche hinausschieben
* Wunsch: Verlängerung des Lebens oder der Wunsch nach Schmerzfreiheit

4. Depression

* Gefühl eines übermäßigen Verlustes
* erste Form ist reaktiv, zweite Form ist vorbereitend

5. Zustimmung

* kann erst eintreten, wenn alle anderen Phasen durchlaufen sind
* gefühlsfreie Zeit

6.3 Todkranke Kinder und Erwachsene

* Kinder wissen sehr früh über ihren Zustand Bescheid
* bei fehlenden Verbalisationsmöglichkeiten Ausdruck über Bilder
* Initiative zum Gespräch geht bei Bedarf vom Kind aus
* bei fehlenden Verbalisations- und Handlungsmöglichkeiten geraten Kinder leicht unter Stress (dazu kommen Isolierung und Verlassenheitsängste)

Entwicklung der Todesvorstellung bei sterbenden Kindern und Jugendlichen nach Daut 1990

Vorschulalter (0-5 Jahre)

* Kinder sind in ihrer Existenz total von den Eltern abhängig
* kein Verständnis der Bedeutung des Todes
* ab dem 3. Lebensjahr Beschäftigung mit dem Thema Tod

0-3 Jahre
o Einstellung zum eigenen Tod orientiert sich an der Betroffenheit der Umwelt
o Angst im Krankenhaus vor allem vor Trennung von der Mutter (nicht vor dem Sterben)
o zu Hause überträgt sich die Traurigkeit und Ängstlichkeit der Eltern auf das Kind

2-4 Jahre
o Kinder entwickeln gerade ihr Ich
o dabei fällt auf, dass es auch ein Nicht-Ich geben kann, ein Nicht-Sein

4-5 Jahre
o Ahnung, was der Tod für einen Menschen bedeutet
o Todesangst wird im Spiel oder in Bildern ausgedrückt

Grundschulalter (5-10 Jahre)

* Kind bemerkt, dass es ein bedeutungsvoller Teil der Gesellschaft wird
* Kind ist von nun an nicht mehr nur Teil der Familie, sondern auch Teil der Gesellschaft
* Eintritt in die Schule, daher neue Bezugspersonen
* große Angst vor Eingriffen im Krankenhaus (Kastrationsangst
* später auch Todesangst
* Kinder beginnen, den Tod zu verstehen
* Personifizierung des Todes

frühes Grundschulalter
o Kind erhält stabileres Bewusstsein, dass es ein Individuum und eine einzigartige Persönlichkeit ist
o Kind kann über die Grenzen seines Ich hinaus denken
o erlernt die Bedeutung der Zeit (auch Zukunft und Vergangenheit)
o bei Beschäftigung mit der Zukunft entdeckt es die Möglichkeit des Sterbens
o Überlegungen, wie das Leben nach dem Tod weitergehen könnte
o naher Tod wird als Bestrafung anerkannt

spätes Grundschulalter
o durch Medien erfährt das Kind viel über Todesfälle
o lernt, dass nicht nur ältere Menschen sterben
o Wissen über Endgültigkeit des Todes
o eigener Tod löst Verbitterung und Traurigkeit aus

Jugendliche (10-15 Jahre)

* Ablehnung der elterlichen Kontrolle: Schuldgefühle
* naher Tod wird als Strafe für Ablehnung angesehen
* Ablehnung aller Bezugspersonen, von denen diese Strafe ausgehen könnte
* Einsamkeit (auch in Beschäftigung mit dem Tod)
* Gefahr der Ablehnung durch soziale Gruppe
* Hilfestellung bei Schwächeren (Überforderung)
* Hilfe kann nur angenommen werden, wenn sie unauffällig und selbstverständlich kommt
* ab dem 9. Lebensjahr ist können Bedeutung und Funktion des Todes verstanden werden
* in der Pubertät ist der Tod faszinierend, da er die tiefste Erfahrung des Lebens darstellt, der eigene Tod hingegen ist löst große Angst aus

6.4 Kinder im Umgang mit dem Tod anderer

* Miteinbeziehung von Kindern ist wichtig
* kein Zwang zu bestimmten Tätigkeiten
* Geschwisterproblematik, da Eifersucht auf sterbende Schwester/ sterbenden Bruder möglich ist

7. Abschließende Gedanken

* Möglichkeit, Kinder in der Schule zu konfrontieren, ohne sie zu überfordern
* Möglichkeit, betroffene Menschen zu verstehen
* Anleitung, sich selbst Gedanken zu machen


Informationsquelle: http://www.sonderpaed-online.de/wiss/tol/tol.htm

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